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Vorschau Rallye Sardinien

Reif für die Insel

Jari-Matti Latvala, Rallye Sardinien 2009, Rallye-Sprünge Foto: Ford 15 Bilder

Der italienische WM-Lauf ist der letzte Auftritt der Rallye-Cracks vor der Sommer-Pause. Aber Urlaubsstimmung kommt an der Smaragdküste keine auf. Es warten Hitze, Staub und tückische Schotterstrecken.

20.06.2013

Eigentlich hätte die Rallye Sardinien in der WM längst Geschichte sein sollen. Angesichts hoher Transportkosten über das Meer und mauem Zuschauerzuspruch schien ein Umzug aufs italienische Festland schon beschlossene Sache, doch dann platzte um eine Rallye mit Startort Rom die Finanzierung. Dennoch könnte es der letzte WM-Lauf auf der Insel sein. Zusammen mit Wales und Griechenland steht die italienische Rallye zugunsten neuer Übersee-Läufe auf der Kippe.

Startposition kommt große Rolle zu

Anders als im Vorjahr kehrt der WM-Zirkus nicht im Herbst nach Sardinien zurück, sondern im Sommer, und damit müssen die Fahrer möglicherweise genau mit der Hitze rechnen, die in Griechenland vor drei Wochen ausgeblieben ist. Wirklich heikel ist aber nicht das Wetter, sondern die Strecken. Auf felsigem Untergrund findet sich auf den Schotterprüfungen meist eine lose Sandschicht, womit der Startposition beim Qualifying eine große Rolle zukommt. Wer auf der langen Freitagsetappe mit acht Prüfungen weit vorn startet, verliert viel Zeit auf dem losen Untergrund, während die Reifen der späteren Starter erheblich mehr Grip vorfinden.

Ein weiteres Problem ist die Topografie. Rechts und links der Wege im Landesinneren finden sich häufig massive Felsen. Wer von der Ideallinie abkommt, gerät schnell in den losen Sand und rutscht dann haltlos gegen ein solides Hindernis. Aufhängungsschäden sind keine Seltenheit.

WRC in Sardinien ohne Sébastien Loeb

Mit vier Siegen bei neun Sardinien-Rallyes beherrscht Sébastien Loeb den Tanz auf der Rasierklinge am besten, doch der Weltmeister fehlt. Er befindet sich in Teilzeitrente und fährt 2013 nur noch bei seinem Heimspiel in Frankreich. Seine Citroën-Teamkollegen zeigten zuletzt durchwachsene Leistungen. Dani Sordo wurde in Griechenland Zweiter und zeigt, dass er auf Schotter schnell fahren kann, drückte sich aber vor einem Kampf um den Sieg. Mikko Hirvonen kommt mit dem neuen Fahrwerk am DS3 langsam in Fahrt. Der finnische Routinier gewann 2012 auf Sardinien, es war sein erster und einziger Sieg im Citroën.

Gute Erinnerungen hat auch Landsmann Jari-Matti Latvala. Der VW-Werksfahrer siegte 2009. Bisher ohne Sardinien-Sieg musste VWs Speerspitze Sébastien Ogier auskommen, und diese Scharte will er gern auswetzen. Der Vorsprung des Tabellenführers ist so groß, dass er es sich leisten kann, schon vor der Sommerpause auf Ankommen zu fahren. Allerdings hat sich im Lauf der Saison gezeigt, dass Ogier zuweilen auch mit Halbgas die Gegner unter Kontrolle halten kann, er bleibt der Favorit.

VW reist mit 18 Punkten Vorsprung auf Citroën an

Mit 126 Zählern nach sechs von 13 Läufen hat er 52 Punkte Vorsprung auf Latvala, der ihn im WM-Kampf nicht angreifen wird,  58 Punkte Vorsprung auf Rivale Loeb, der gar nicht um die WM fährt und schließlich 65 Punkte auf den ersten echten Verfolger Hirvonen. Spannender sieht es in der Marken-Wertung aus, wo VW 18 Punkte Vorsprung auf Citroën hat. Doch die Titelverteidiger aus Frankreich brauchen Siege, um Neuling VW am Titel in der Debütsaison zu hindern.

Keine Rolle in den Titelkämpfen spielt das ehemalige Ford-Werksteam M-Sport. Dabei zeigt sich der Fiesta WRC bei einzelnen Rallyes durchaus siegfähig, und die junge Garde mit Mads Östberg (23), Evgeny Novikov (22) und Thierry Neuville (24) ist jederzeit für einen ersten Saisonsieg gut.

Nach einem Sieg und zwei dritten Plätzen greift auch Deutschlands Nachwuchshoffnung Sepp Wiegand wieder ins Lenkrad. Der Sachse tritt im Fabia S2000 von Skoda Deutschland in der WRC2-Kategorie an, um dem Katari Abdelaziz Al-Kuwari die Tabellenführung wieder streitig zu machen. Die Konkurrenz hat im Frühjahr aufgerüstet und sich Regional Rally Cars mit (RRC) mit Turbomotoren besorgt. Zu einem ernsthaften Gegner hat sich nach seinem Sieg in Griechenland der frühere Formel-1-Pilot Robert Kubica aus Polen gemausert.

Rallye Sardinien dauert nur 2 Tage

Ebenfalls am Start ist in der Produktionswagen-Kategorie der deutsche Ex-Europameister Armin Kremer im Subaru Impreza von Stohl Racing. Zum zweiten Mal in dieser WM-Saison rückt auch Christian Riedemann aus. Der Sulinger, beim Debüt in der WRC3-Kategorie in Portugal mit einem Getriebeschaden noch unglücklich ausgeschieden, hofft in der stark besetzten Klasse auf ein gutes Resultat.

Der Zeitplan der Rallye Sardinien ist mit 2 Tagen kurz wie nie. Los geht’s am Freitagmorgen (21.6.) mit einer bis in die Nacht dauernden ersten Etappe mit acht Prüfungen und 147 WP-Kilometern. Am Samstag stehen weitere acht Prüfungen mit 157 Kilometern an. Am Samstagabend wird vor dem archäologischen Museum in Olbia um 18:50 Uhr der Sieger gekürt.

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