Mercedes SLS-Design
Das Innenraumdesign des Flügeltürers
Wer glaubt, Mercedes sei von gestern, hat nicht unrecht. Heute geht es nämlich um die Wiederbelebung der alten Flügeltürer-Legende 300 SL in Form des SLS, der 2010 auf den Markt kommen soll.
Geschichte kann Lust und Last zugleich sein. Denn wer sich der Herausforderung stellt, einen Nachfolger für den legendären 300 SL zu kreieren, muss sich an einem der größten Sportwagen der Historie messen lassen. Der Gullwing - auf deutsch Möwenflügel - schwang sich in den fünfziger Jahren schließlich nicht nur in die Lüfte der höchsten Rennwagen-Liga. Er etablierte sich mit seiner betörenden Schönheit auch im internationalen Jet-Set und wurde von Schauspieler- und Politik-Legenden wie Gina Lollobrigida, Zsa Zsa Gabor, Clark Gable und Juan Perón pilotiert.

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Wiegt ein solches Erbe nicht viel zu schwer für eine Neuauflage, 60 Jahre nach diesem Mythos? "Wir sind die einzige Marke, die auf eine solche Tradition zurückschauen kann", machten sich die Designer zum Start dieses Projektes zumindest mental Mut. "Aber es muss eine moderne, ganz puristisch gezeichnete Interpretation eines Sportwagens für das 21. Jahrhundert sein."
Der Innenraum orientiert sich an der Moderne
Was darf also neben den spektakulär nach oben aufschwingenden Flügeltüren bleiben, was muss gehen? "Die Proportionen sollten mit langgezogener Haube und auf der Hinterachse sitzender Fahrerkabine typisch Mercedes sein", erläutert Hartmut Sinkwitz, der vormalige Smart-Designchef, der jetzt bei der Marke Mercedes für die Interieur-Gestaltung verantwortlich zeichnet. Innen gibt es aber ganz im Stil der heutigen Zeit natürlich auch Cupholder, die schon mal bis zu einer Querbeschleunigung von 1,2 g voll kaffeetauglich sein müssen. In der Tat - solche Bedürfnisse trieben die alten Rennfahrer-Legenden Karl Kling oder Stirling Moss noch nicht um, als sie mit dem SL (für Sport leicht) auf der Rennstrecke von Le Mans oder bei der Mille Miglia unterwegs waren.
Der SLS-Innenraum distanziert sich deutlich von den Limousinen
Lässt man die eleganten Portale des Mercedes SLS nach oben fahren, dann ist freie Bahn für einen weiten Blick auf den Bereich zwischen Fahrer und Beifahrer. "Die Augen betrachten zuerst die Mittelkonsole. Das unterscheidet den SLS deutlich von Limousinen, und deshalb haben wir auf die Konsolengestaltung besonderen Wert gelegt." Stilvolles Leder, auffällig abgesteppt, sowie chromverzierte Schalter mit den Einstellungsmöglichkeiten für das Fahrwerk finden sich in diesem Bereich wieder - mit "angetulpten Oberflächen", wie die Experten das Umfeld der leicht gewölbten Schalter nennen.
Inspiration aus dem Flugzeugbau
Dabei geht es gar nicht darum, besonders autoaffine Stimmung im Innenraum zu vermitteln. "Wir haben uns eher von Flugzeugkanzeln inspirieren lassen", sagt Sinkwitz und verweist auf die vier Belüftungsdüsen, die mit ihrem justierbaren Düsenkreuz an die Triebwerke von Jet-Flugzeugen erinnern sollen. Ihre Körper sind in Echtmetall gehalten und wirken ebenso schwer und kühl wie der Getriebewählhebel, der im Stil eines Schubkraftreglers geformt ist, wie er in Düsenjets zu finden ist. Das moderne Display sitzt zwischen diesen Düsen, die Uhren für Tacho und Drehzahlmesser zitieren dagegen die Vergangenheit. "Wir haben uns für ein flaches, tableauförmig erhabenes Zentrum mit kursiv gestellten Zahlen entschieden", sagt Sinkwitz und verweist auf die Strukturierung der dahinterliegenden Fläche in der Optik eines Rasierblattes. Fester Bestandteil der Rundinstrumente sind die Anzeigen für Tankinhalt und Motortemperatur, und wenn die Zündung angeht, bewegen sich die Zeiger für Tacho und Drehzahlmesser einmal synchron bis zum Vollanschlag, um dann in die Ruheposition zurückzukehren.
Der Zustieg in den Mercedes SLS verlangt Gelenkigkeit
Etwas Unruhe könnte dagegen beim ersten Einstieg in den Innenraum aufkommen - zumindest, wenn eine Frau im engen Rock unterwegs ist. Der hohe Schweller verlangt auch hinterher beim Ausstieg durchaus eine gewisse Gelenkigkeit, die mittlerweile keiner so gut mitbringen soll wie AMG-Chef Volker Mornhinweg als Leiter dieses Projektes. In Zahlen: Die Einstiegshöhe beträgt 45 Zentimeter, das Durchstiegsmaß zwischen der geöffneten Tür und der Oberkante des Schwellers beläuft sich auf 1,08 Meter, der Öffnungswinkel der Türen auf 70 Grad. Danach heißt es Platz nehmen in engen Sportsitzen mit Magnesium-Lehnen und hinter einem Lederlenkrad mit 365 Millimeter Durchmesser, Echtmetallspange, Schaltpaddeln für das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und Multifunktionstasten.
Der SLS trägt eine endlos lange Motorhaube
Der Blick nach vorne offenbart eine Motorhaube, die genauso wenig enden mag wie die Beine von Gisele Bündchen. "Was gibt es Schöneres, als so eine lange Fläche zu sehen?", fragt Sinkwitz. "Aber wir haben die A-Säule extra steil konstruiert, um das Blickfeld des Fahrers nicht einzuschränken." Die Türinnenverkleidung ist denkbar schlicht: "Das ist im Prinzip eine einzige konkave Fläche mit aufgesetzter Armlehne. Und auf der Türbrüstung haben wir noch eine kleine konvexe Spannung kreiert", erläutert der Interieur-Experte.
Der Mercedes SLS debütiert auf der IAA
Die können die Kunden erstmals bei der Premiere auf der IAA im September in Augenschein nehmen, der Verkauf des rund 150.000 Euro teuren Mittelmotor-Coupés mit 571 PS starkem V8 und einem Drehmoment von 650 Newtonmetern startet dann 2010. Der 4,64 Meter lange SLS, der elektronisch abgeregelt 315 km/h schnell sein soll und mit einer Gewichtsverteilung von 48 zu 52 Prozent leicht hecklastig ausgelegt ist, wildert damit ungeniert im Revier eines Porsche 911 Turbo. Der ist schließlich nur geringfügig günstiger, ohne aber die Extravaganz der oben angeschlagenen Türportale bieten zu können.
Der Mercedes SLS hat Faszinationspotenzial
Damit die Passagiere übrigens auch im Falle eines Überschlags ihren modernen Gullwing sicher verlassen können, setzt Mercedes auf eine Sensortechnik, die spezielle Bolzen im Dachhimmel nach dem Unfall wieder freigibt. Danach kann man die Türen des edlen Sportwagens manuell wieder öffnen. Ein Gesamtkonzept also, das die besten Voraussetzungen dazu hat, als Neuinterpretation des Flügeltürer-Gedankens den Weg in die Herzen vieler Stars zu finden - auch wenn es davon mittlerweile fast nur noch Sternchen gibt.
Super! Die Lüftungsdüsen lassen Erinnerungen an den W123 meines Vaters wach werden. Schon als Kind ein Traumauto.
Sehr gelungen, wie ich finde. Bin auf das Endprodukt mehr als gespannt.
Liebes AMS-,
auf Foto Nr. 11 ist nicht Herr Sinkewitz, sondern der Chefdesigner von Mercedes-Benz, Hr. Gorden Wagener, zu sehen.
einenMercedes Flügeltürer gab es nicht nur in den 50er Jahren sondern auch in den frühen 90er Jahren. Zu bestaunen im Karmann Museum in Osnabrück. Leider nur ein Pototyp.













































