Wenn ein Auto unbefriedigend bremst, wenn die Lenkung unpräzise wirkt, das Fahrverhalten Zweifel weckt: Es kann auch am Reifen liegen. Meist wenig beachtet, leisten die Pneus einen erheblichen Beitrag zur Fahrsicherheit. Sie sehen alle fast gleich aus und sind doch so unterschiedlich in ihren Qualitäten. auto motor und sport führt jährlich einen Test mit Sommerreifen und einen mit Winterreifen durch, um stets die neuesten Entwicklungen beschreiben zu können. Jeder Test bedeutet mindestens eine Woche Aufenthalt auf einem Reifen-Prüfgelände, denn der Messaufwand beim Reifen-Vergleich ist sehr hoch, weil viele unterschiedliche Kriterien geprüft werden.
Bremswege genießen dabei in der Wertung höchste Priorität. Gebremst wird im Regelbereich des ABS auf trockener Straße und bei Nässe aus einer Geschwindigkeit von 100 km/h bis zum Stillstand, auf Schnee mit Winterreifen aus 50 km/h. Handling gehört zu den Kriterien, bei denen die subjektive Beurteilung des Fahrverhaltens einen sehr hohen Stellenwert einnimmt. Wie ist das Lenkverhalten, wie die Gutmütigkeit im Grenzbereich? Die Messung von Rundenzeiten dient als Ergänzung. Handlingtests werden bei Trockenheit, Nässe und auf Schnee durchgeführt. Zur Untermauerung der gewonnenen Erkenntnisse dient der ISO-Spurwechsel auf trockener Straße, der ein Ausweichmanöver bei hohem Tempo simuliert. Traktion spielt in erster Linie auf Schnee eine zentrale Rolle. Gemessen wird hier die maximal mögliche Zugkraft. Aber auch die Traktionsdifferenzen bei Nässe werden anhand von Beschleunigungsmessungen ermittelt. Aquaplaning, der Verlust der Bodenhaftung durch Aufschwimmen des Reifens auf einem Wasserkeil, wird auf gleichmäßig bewässerter Strecke gemessen.
Der Testwagen steigert das Tempo, bis zwischen den vorderen und den hinteren Rädern eine Drehzahldifferenz von 15 Prozent auftritt. Seitenführung ist vor allem bei Nässe wichtig, weil die Unterschiede zwischen den einzelnen Reifenfabrikaten dort viel größer ausfallen als auf trockener Straße. Der Maximalwert der möglichen Querbeschleunigung wird auf einer bewässerten Kreisbahn (Skidpad) ermittelt. Abrollgeräusche sind unter Komfort- Aspekten bedeutend. Neben der subjektiven Beurteilung des Komfortverhaltens auf unterschiedlichen Fahrbahnoberflächen führt auto motor und sport eine genormte Außengeräuschmessung bei 80 km/h durch. Rollwiderstand beeinflusst den Verbrauch und damit auch den CO2-Ausstoß. Er bekommt bei der Reifenentwicklung deshalb eine immer größere Bedeutung. Die Messwerte basieren auf einem Laborversuch, bei dem der Reifen in einer großen Trommel rotiert.


