Früher war ganz sicher nicht alles besser - schon gar nicht die Sicherheit beim Autofahren. Wer heute allerdings mit einem Auto aus den sechziger oder siebziger Jahren unterwegs ist, wird feststellen, dass die alten Jahrgänge den aktuellen meist in einem Punkt um Längen voraus sind: Man kann sie viel besser überblicken. Denn viele Old- und Youngtimer tragen ihre Dächer auf filigranen Säulen, die Rundumsicht wird von diesen aufrechten Stäbchen kaum eingeschränkt. Und heute? Dicke Pfosten überall, die sich auch noch in aberwitzigen Winkeln vom Dach zum Fahrzeugkörper neigen. Der Blick nach draußen wird dadurch zwar nachhaltig gestört, aber die stabilen Träger haben ihre Berechtigung: Spätestens bei einem Unfall mit Überschlag sind sie überlebenswichtig, weil sie garantieren, dass die Sicherheitszelle des Autos erhalten bleibt. Je nach Karosserieform haben Autos vier, sechs, acht oder noch mehr Dachpfosten. Bei den Limousinen im Master-Test schränken je sechs Säulen den Blick ein, bei den im Frühjahr getesteten Vans waren es acht. Dennoch sind die Vans nicht grundsätzlich benachteiligt, 22 bis 32 Prozent Verdeckung wurden im Test ermittelt.
Die Limousinen sind keineswegs besser und beschneiden die 360-Grad-Sicht um 24 bis 33 Prozent. Einige Hersteller wie BMW, Mazda, Mercedes und Renault geben den Limousinen-Säulen eine angeschrägte Form, so dass sie weniger stören als bei anderen Fabrikaten. Opel landet bei der Rundumsicht, wie schon bei vorausgegangenen Master-Tests mit Zafira und Corsa, mal wieder ganz hinten. Um die schlechte Sicht aus dem A4 ein wenig zu kompensieren, bietet Audi gegen Aufpreis ein Assistenzsystem, das den toten Winkel überwacht. Die 550 Euro sind im unübersichtlichen A4 gut angelegtes Geld. Basis für die Dekra-Rundumsicht-Messung ist die europaweit gültige Richtlinie 77/649/EWG, nach der jedes neue Modell bei seiner Typ-Prüfung untersucht wird. Das hier zum Einsatz kommende Laser-Sichtfeldmessgerät überprüft die Sichtverhältnisse aber nur in einer Augenhöhe, noch dazu statisch im Labor. Wie gut der Ausblick für sehr kleine oder sehr große Personen ist, wird nicht untersucht. Anders beim Master-Test von auto motor und sport, denn hier ergänzen subjektive Tests mit ganz unterschiedlich großen Personen im Straßenverkehr die Prozedur. Die Sicht nach vorn und über die rechte vordere Fahrzeugecke werden ebenfalls im Labor und auf der Straße überprüft. Mit diesen beiden Disziplinen lässt sich beurteilen, wie sicher der Testwagen auf engem Raum rangiert werden kann.
360-Grad -Rundumsicht
Ein Laserstrahl, 627 Millimeter oberhalb der Sitzfläche, tastet alle Hindernisse ab, die den Fahrerblick nach draußen stören können. Neben den Dachpfosten und Fensterstegen in den Seitenscheiben gehören dazu auch Kopfstützen und bei einigen Modellen die übergroßen Außenoder Innenspiegel. Die Rundumsicht besonders kleiner Personen wird gelegentlich auch von Hutzen auf dem Armaturenträger und der Hutablage beeinträchtigt.
Sicht nach vorn
Wie groß ist der tote Winkel vor dem Auto? Auch bei diesem Test kommt der Laser zum Einsatz. Er wird aus der Horizontalen so lange nach unten geneigt, bis er an einer Verdeckung vorbei gerade noch den Boden berührt. Dieser Punkt wird markiert und sein Abstand zur Vorderkante des Autos gemessen. Werte um vier Meter sind für eine Limousine sehr gut. Bei Vans oder wie im Master-Test werden auch mehr als sechs Meter gemessen.
Sichtfeld Parksituation
Je übersichtlicher ein Auto nach schräg vorn ist, desto besser lässt es sich rangieren. Wieder kommt der Laser zum Einsatz; er muss diesmal einen 50 Zentimeter hohen Kegel erspähen, der vor der rechten Ecke des Autos postiert wird. Die Strecke von der Kegelspitze bis zum Laser-Austrittspunkt wird vermessen und bewertet. Bei übersichtlichen Modellen liegen zwischen Laserauge und Pylon nur vier Meter.


