"Endlich mal ein Offroader, der auch im Gelände war." Diesen Stoßseufzer provoziert der total verdreckte Ford Kuga bei einem Limousinen-Fahrer, während beide vor der Waschanlage warten. Tatsächlich war der Kuga im Rahmen seines auto motor und sport-Testprogramms im Gelände, denn es handelt sich ja schließlich um die 4WD-Version. Ist er deswegen ein Geländewagen? Ford nennt ihn in der Werbung einen "Abenteurer" und einen "Begleiter auf allen Wegen". Wie weit er dort kommt, überprüften die Testfahrer von auto motor und sport auf der Experience Area in Münsingen. Das ehemalige Truppenübungsgelände verfügt über einen Parcours, der zum Testen von Allrad-Lkw angelegt wurde und damit genügend Hindernisse bereithält, um den kompakten Ford-SUV an seine Grenzen zu bringen.
Ein Blick auf die Technik nährte die Vermutung, dass der Ford in diesem Umfeld nicht weit kommen würde, denn sperrbare Differenziale oder ein Reduktionsgetriebe besitzt er nicht. Selbst auf einfache Technik wie eine Bergabfahrhilfe muss der Land Rover Freelander-Verwandte verzichten. In der Betriebsanleitung wird auf das Offroad-Fahren nicht mit einer Zeile hingewiesen - die Erwartungen an seine Geländetauglichkeit sind also relativ gering. Ein erster Blick gilt den Böschungs- und Rampenwinkeln. Hier zeigt der Kuga, dass es zwar steil bergan gehen kann, weil die vorderen und hinteren Rampenwinkel groß ausfallen. Aber spitze Kuppen sind nichts für ihn, ausgerechnet mit dem Partikelfilter setzt er zuerst auf. Ein Schicksal, das der Kuga übrigens mit dem Mercedes GLK CDI teilt. Wenn es im Gelände am Unterboden knirscht, kann es bei beiden teuer werden. Anschließend geht es über verschiedene Hindernisstrecken. Die zeigen, ob der Allradantrieb auch dann noch für Vortrieb sorgt, wenn nur zwei Räder Bodenkontakt haben. Der Kuga wühlt sich überraschend tapfer voran, obwohl seine Achsen kaum verschränken können.
Eine Wasserdurchfahrt mit 40 Zentimeter Tiefe bildet den Abschluss
Regeleingriffe vom ESP müssen bei ihm dafür sorgen, dass in der Luft hängende Räder nicht durchdrehen und die Fuhre zum Stillstand kommt. Nebenbei offenbaren diese Schlechtwegestrecken auch, wie verwindungssteif die Struktur der Allradler ist. Knirscht es hier im Verborgenen oder lassen sich Türen nur noch mit Mühe öffnen und schließen, ist das Auto zu weich. Steile Anstiege und Abfahrten folgen. Der Ford meistert sie bis 40 Prozent Steigung bei losem Untergrund manierlich. Allerdings werden Kupplung und Bremse kräftig strapaziert, weil Offroad-Hilfssysteme fehlen. So erhöht sich der Verschleiß natürlich ganz erheblich. Eine Wasserdurchfahrt mit 40 Zentimeter Tiefe bildet den Abschluss. Problemlos fährt der Kuga durch das Becken. Der Bereich, in dem die Verbrennungsluft angesaugt wird, bleibt trocken. Eine Gefahr, dass Wasser in den Motor gelangt, besteht bei dieser Tiefe nicht.


