Audi R8 5.2 FSI quattro R tronic 35 Bilder Video Zoom

Audi R8 5.2 FSI quattro im Supertest: Schlägt der Audi den Lambo-Bruder Gallardo?

Die noch junge Geschichte des Audi R8 erlebt mit der Zehnzylinder-Version 5.2 FSI quattro einen neuen, bemerkenswerten Höhepunkt. Mit 525 PS im Rücken ist man nunmehr in der vorzüglichen Lage, etwaigen Drohgebärden der etablierten Konkurrenz mit großer Lässigkeit zu begegnen. Kann das der Supertest bestätigen?

Auch wenn die Dramaturgie als Kunstform im Automobil-Umfeld noch nicht denselben Stellenwert hat wie auf den Theaterbühnen, so hängt der Erfolg eines neuen automobilen Stückes letztlich gleichermaßen davon ab, in welcher Art und Weise und unter welcher Regie es der Öffentlichkeit vorgeführt wird. Ein Patentrezept gibt es hier wie dort nicht: So birgt die mit einem lauten Paukenschlag eröffnete Ouvertüre immer auch die Gefahr eines dramaturgischen Absturzes. Und angesichts eines zäh beginnenden ersten Aktes kann es passieren, dass die darauf folgenden keine Beachtung mehr finden, weil sich das Publikum längst mit verächtlicher Handbewegung abgewendet hat.

Erstlingswerk aus Neckarsulm nicht so überzeugend

Das Stück mit Namen Audi R8 folgt in seinem dramaturgischen Werdegang einer Mischung aus beiden Eröffnungsvarianten. Der mit viel Vorschusslorbeeren bedachten und von starkem internationalen Applaus begleiteten Premiere Anfang 2007 folgte eine Ernüchterungsphase am Ende des ersten Aktes - nicht ganz grundlos zeitgleich mit der Aufführung des Supertests. Aus Sicht eines von diversen Galavorstellungen anderer Häuser verwöhnten Kenner-Kreises erwiesen sich die Darbietungen des Erstlingswerks aus Neckarsulm zwar als technisch originell und dem Thema grundsätzlich angemessen. Im Ergebnis aber waren sie aus Sicht der Hardcore-Klientel doch nicht so überzeugend, wie erhofft (Supertest Audi R8 4.2 FSI, Ausgabe 7/2007).  

R8 5.2 FSI quattro R tronic mit 525 PS V10-Motor

Der weiteren Erfolgsgeschichte des R8 wird es, so die Prognose, an spannenden Momenten dennoch nicht mangeln. Folgt doch die Story laut Regie führender Instanz, der Audi quattro GmbH, einem klar strukturierten, langfristig angelegten Ablaufplan mit mehreren sich aneinanderreihenden Höhepunkten. Die beim 24-Stunden-Rennen Ende Mai dieses Jahres auf dem Ring mit der Rennversion namens R8 LMS durchgeführte und seitdem sukzessive auch auf andere nationale und internationale Rennsport-Bühnen ausgeweitete Vorstellung war der Vorbote für ein Gesamtkunstwerk, das die Szene jetzt - zu Beginn des zweiten Aktes -, mit einem Paukenschlag befruchten soll. Obwohl noch jung in diesem Geschäft, beansprucht Audi mit dem neuen Supersportler Audi R8 5.2 FSI quattro R tronic, so lautet die korrekte Bezeichnung der V10-Variante mit automatisiertem Getriebe, ganz selbstbewusst die „Pole Position im Wettbewerb“.

Mit zehn Zylindern, 5,2 Liter Hubraum, einer Leistung von 525 PS und einer von keiner künstlichen Selbstbeschränkung limitierten Höchstgeschwindigkeit von 316 km/h ist das auf den ersten Blick nur durch feine V10-Schriftzüge an den Flanken kenntlich gemachte Topmodell dazu auserkoren, dem Supersport-Genre ein paar neue, bisher nicht bekannte Kapitel hinzuzufügen. Mit den je 54 Hightech-Lichtquellen umfassenden Voll-LED-Scheinwerfern gelingt ihm das in optischer Hinsicht schon mal recht eindrucksvoll. Die markanten Leuchten prägen nicht nur einen unverwechselbaren Gesichtsausdruck, sondern bieten nebenbei auch eine Bühnenbeleuchtung von erstklassiger Qualität. Ihre Farbtemperatur von 6.000 Kelvin ist dem Tageslicht sehr ähnlich. Bei aller Besonderheit, die sich - grob betrachtet - auch am Aluminiumchassis, am Zehnzylindermotor und nicht zuletzt am quattro-Antrieb festmachen lässt, ist es aber die unübersehbare konzeptionelle Übereinstimmung mit dem Lamborghini Gallardo LP 560-4 (Supertest 11/2008 ), welche die vom Werk so prominent in den Vordergrund gestellte Originalität doch wieder ein Stück weit relativiert. Schließlich stand der Lamborghini schon auf der Bühne, als der Audi noch in den Kinderschuhen steckte.

Mit seinem Bruder im Geist teilt sich der große R8 also nicht nur die Substanz des Aluminium-Spaceframe-Chassis, sondern eins zu eins auch das Herzstück des Gesamtkunstwerks, den grandiosen Zehnzylinder-Motor. Aber: Wie bei allen anspruchsvollen Aufführungen entscheidet bekanntlich nicht das Drehbuch über Erfolg und Misserfolg, sondern die Leistung des Ensembles. Außerdem würde die in Neckarsulm ansässige quattro GmbH zu Recht entschieden Einspruch einlegen, wenn man die Urheberrechte in Sachen Space-Frame-Technologie und V10-Motor im italienischen St. Agata und nicht im schwäbischen Unterland suchen würde. Das engagierte Bestreben, dem Audi insgesamt etwas mehr Vernunft beizubringen, also der Exzentrik des grellen und lauten Lamborghini eine - sagen wir - solidere, quasi teutonische Komponente entgegenzustellen, ist, bei aller Schwierigkeit eines solchen Unterfangens, nicht zu übersehen.

Viele Gemeinsamkeiten mit dem Lamborghini Gallardo LP 560-4

Der Respektabstand zwischen den beiden Verwandten drückt sich zahlenmäßig trotzdem eher in Marginalien als in Superlativen aus: 35 PS weniger Leistung und 70 Kilogramm mehr Gewicht beim Audi führen zu einer Differenz im sport auto-Index (spax) von gerade einmal 0,3 Punkten - Gallardo LP 560-4: 3,3; R8 5.2 FSI quattro: 3,6. Dieser zur besseren Einordnung ins sportliche Rankingsystem herangezogene Wert setzt sich bekanntlich aus dem Beschleunigungsvermögen bis 100 km/h und dem Leistungsgewicht zusammen. Die im Vergleich zur extrovertierten italienischen Variante deutlich gedämpftere, nichtsdestoweniger betörende, von warmen Bässen beherrschte Akustik des längs im Rücken der Passagiere in einem gesonderten Magnesiumrahmen untergebrachten V10-Motors und die insgesamt doch eher zurückhaltende optische Pointierung erzeugen gerade so viel Respekt, dass das Wohlwollen der Insassen und Außenstehenden garantiert keinen Schaden nimmt.

Mit den etwas weiter ausgestellten Sideblades, stärker konturierten Schwellern, zwei ovalen Auspuff-Endrohren, den in Alu-Optik gehaltenen Entlüftungsgittern am Heckfenster und dem mit einer Chromauf lage versehenen Kühlgrill distanziert sich der V10 auch gegenüber dem R8-Einstiegsmodell nicht in überzogener, sondern sympathischverhaltener Art. Das hält ihn freilich in keiner Weise davon ab, dem Drama um die fahrdynamische Vorherrschaft eine ganz neue Wendung zu geben. Obwohl er in seinen Möglichkeiten hinsichtlich der Längsbeschleunigung wegen des höheren Gewichts und der geringeren Leistung gegenüber dem Lambo LP 560-4 benachteiligt ist und entsprechend im Sprint bis 200 km/h um 1,4 Sekunden hinter dem Lamborghini rangiert, sind seine engagierten Versuche, mit umgänglicheren Verhaltensweisen und besserer Fahrbarkeit zu punkten, von durchschlagendem Erfolg gekrönt.

Auf den Rennstrecken schneller als der Lambo

Soll heißen: Sowohl auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim als auch auf der Nordschleife des Nürburgrings ist der R8 V10 der deutlich schnellere Sportwagen von beiden - bei Waffengleichheit wohlbemerkt. Denn beide Autos standen auf Sportreifen der Marke Pirelli P Zero Corsa. Vorteil Audi: Auf der Hinterachse war er mit 305er-Pneus bestückt, während der italienische Halbbruder mit Hinterradreifen im schmaleren Format 295/30-19 ins Rennen geschickt wurde. Aber weniger der marginale Zugewinn an Reifenaufstandsfläche, als vielmehr die unter dem Begriff Fahrbarkeit hinterlegten Eigenschaften im Grenzbereich versetzen den Audi V10 in die vorzügliche Lage, auf dem höchsten fahrdynamischen Niveau zu operieren. Mit der auf der Nordschleife gleich im ersten Anlauf gefahrenen Zeit von 7.44 Minuten hat sich der mit einem langem Radstand von 2,65 Meter gesegnete Audi R8 den Respekt der Branche ebenso vollumfänglich verdient wie mit seiner überzeugenden Vorstellung in Hockenheim: Ungeachtet des stattlichen Lebendgewichts von 1.660 Kilogramm bringt es der mit einer Gewichtsverteilung von 43,2 zu 56,8 Prozent zwischen Vorderund Hinterachse auftretende Allradler dort auf eine Rundenzeit von 1.10,9 Minuten.

Das ist innerhalb des durchweg mit Topwerten aufwartenden Konkurrenz-Umfelds ein phantastisches Resultat. Antriebsseitig sind die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen dem R8 und dem LP 560-4 nicht von der Hand zu weisen. Der mit 258 Kilogramm gegenüber dem V8 nur um 31 Kilo schwerere, dank Trockensumpfschmierung extrem tief im Chassis implantierte V10 ist - wie die Fahrleistungen belegen -, ein solcher Ausbund an Temperament, dass es schwer fällt, sein extrem freizügiges Konsumverhalten an den Pranger zu stellen. Das im Fall des Testwagens mit ihm verbundene, aufpreispflichtige, jedoch locker mit den Fingerspitzen zu bedienende, automatisierte Sechsganggetriebe hat in der im V10 eingesetzten Fassung deutlich an Kultiviertheit gewonnen. Ein wenig „Mithilfe“ des Gasfußes vorausgesetzt, gehen die Gangwechsel weitgehend geschliffen vonstatten. Wer allerdings im „Sport“-Modus rücksichtslos bei voll getretenem Gaspedal die Gänge reinklickt, darf sich weder an der dann sehr hart einsetzenden Schaltprozedur noch an den in Kurven um die Hochachse wirksam werdenden Lastwechseln stören.

Die im Supertest des Lamborghini noch als extreme Auffälligkeit angeprangerte Eigenart ist im Audi also auch noch, wenngleich abgemildert, wirksam. In der Folge steht der korrekten Linienführung kein grundsätzlicher Störfaktor mehr entgegen. Abgesehen von diesem einen, nach Eingewöhnung leicht zu kompensierenden Schönheitsfehler setzt sich der mit einem Bild von Motor gesegnete R8 so engagiert und notfalls auch hilfreich in Szene, dass ihm anhaltender Applaus sicher sein kann. Völlig frei von Tücke, extrem agil einlenkend und dabei bis in den äußersten Grenzbereich hinein neutral, meistert er selbst anspruchsvollste Parcours in einer könnerhaften Souveränität, die - man muss es zugeben -, sicher zum Teil auch dem serienmäßigen Allradantrieb zu verdanken ist. Die von einer Viscosperre vorgenommene, stark heckorientierte Kraftverteilung hat, sobald das Gas wieder angelegt werden kann, nicht nur eine ungeheure Traktion zufolge.

Kompromiss zwischen Spitzenleistung und Alltagstauglichkeit

Im Gesamtkontext - Stichwort Chassisstabilität, Radlastverteilung, aerodynamische Balance und Qualität der Fahrwerkskomponenten -, hilft das Allradsystem zudem bei der Darstellung eines breit gefächerten Sicherheitsprogramms, angesichts dessen sich ein elektronisches Sicherungssystem eigentlich vollkommen erübrigen würde. Selbstverständlich ist dergleichen serienmäßig an Bord, womit der Idealfall beschrieben wäre: eine unter allen Umständen perfekt funktionierende Hardware, kombiniert mit einem sensibel und sachgerecht eingreifenden elektronischen Redundanzsystem. Das alternativ zum serienmäßigen, mit adaptiven Feder-Dämpferkennlinien arbeitende „magnetic-ride“-Fahrwerk erhältliche Sportfahrwerk stellt in seiner vergleichsweise einfachen, aber universellen Einsatzfähigkeit einen nahezu perfekten Kompromiss zwischen sportlicher Spitzenleistung und annehmbarer Alltagstauglichkeit dar. Kein Bockeln, kein Schlagen und Wippen - der Abstimmung gebührt höchstes Lob. 

Der Gedanke, dem R8 5.2 FSI in einer kommenden „Performance“-Version aus Gewichtsgründen den Vorderradantrieb zu streichen, wie es Lamborghini bei der Balboni-Version des Gallardo praktiziert, ist dem Vernehmen nach aus genannten Gründen schnell verworfen worden. Die Reduzierung des Gesamtgewichts um 120 auf zirka 1.540 Kilogramm durch den weiteren Einsatz leichter Materialien ist dagegen bestätigt, während derzeit von einer weiteren, per Eingriff ins Motormanagement leicht zu arrangierenden Leistungsanhebung wohl mit Rücksicht auf italienische Befindlichkeiten zumindest offiziell Abstand genommen wird. Den Lamborghini in St. Agata wird künftig trotzdem noch einiges zugemutet werden: Die offenen R8-Versionen mit Acht- oder Zehnzylinder stehen kurz vor der Serienreife. Ob die vor Kurzem auch in Aussicht gestellte R8-Variante mit Elektroantrieb einen weiteren Höhepunkt in der R8-Geschichte markieren wird, oder ob die klassische Sportwagen-Story damit ein Ende nimmt, lässt sich anhand der bisherigen Dramaturgie dieses Traumtheaters nicht mit Sicherheit sagen.

Autor

Foto

Rossen Gargolov

Datum

30. Oktober 2009
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 09/2009.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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