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BMW Alpina Roadster S im Supertest

Test des BMW Alpina Roadster S auf der Nordschleife

Foto: Gargolov, Herzog, Hartmann 18 Bilder

Die tiefe Sitzposition in Kombination mit himmelhoher Kopffreiheit ermöglicht Ein- und Ausblicke, die anderen verborgen bleiben müssen. Wenn dann noch der 300 PS starke Sechszylinder seine Drehfreude herausschreit, ist die Roadster-Tour perfekt

04.07.2005 Horst von Saurma Powered by

Mit der Herkunft ist das so eine Sache: Manch einer arbeitet ein Leben lang daran, sein Denken und Handeln nach ganz anderen Maßstäben und Maximen auszurichten. Doch trotz aller Anstrengungen scheint sie doch immer wieder durch – wenn auch erst nach vielen Jahren. Zwanghafte Versuche, den wahren Ursprung auszublenden, führen bekanntlich nicht selten auf Abwege und manchmal sogar auf die schiefe Bahn. Was das alles mit Alpina zu tun hat? Nun, der renommierte BMW-Veredler mit Herstellerstatus aus dem allgäuischen Buchloe wird aktuell eher mit Hochleistungs-Automobilen in Verbindung gebracht, die vornehmlich der so genannten gehobenen Lebensart verpflichtet sind. „Autos für Gourmets“ lautet denn auch der Slogan, den Firmengründer Burkard Bovensiepen wohl in Anlehnung an das zweite Standbein der Firma Alpina, den Weinhandel, mit seinen exklusiven Pretiosen in Verbindung gebracht haben will. Wie gut diese gedankliche Verbindung funktioniert, zeigt nicht zuletzt der herausragende Erfolg dieser Manufaktur, die seit Jahrzehnten ein inniges Verhältnis zum BMW-Werk pflegt und es sich deshalb auch erlauben kann, die Modellrange des Großserienherstellers um ein paar besonders herausragende Alternativen zum Werksangebot zu ergänzen. Wie gut die Allianz zwischen den beiden Herstellern funktioniert, obwohl etwa der neue Alpina B5 durchaus in Konkurrenz zu Produkten der BMW M-GmbH steht, zeigt der aktuelle Erfolg auf beiden Seiten. Alpina verkaufte allein 2004 über das eigene Vertriebsnetz weltweit knapp 900 Autos.

Allianz trotz Konkurrenz

Dass die aktuellen Feinschmecker-Autos vom Schlag eines Alpina B7 oder B5 ihren historischen Ursprung in einer weiter entwickelten Weber-Doppelvergaseranlage für den im Jahr 1961 vorgestellten BMW 1.500 haben sollen, mit welcher der Firmengründer dann auf sportlichem Gebiet erste Meriten verdiente, ist insofern bemerkenswert, als der sportliche Hintergrund bei Alpina heute nur noch sehr diffus auftaucht und mit den aktuellen Serienprodukten keine nennenswerte Schnittmenge mehr bildet. Dabei kann sich Alpina einer überaus erfolgreichen Motorsport-Vita rühmen, in der nicht nur so nahmhafte Racer wie Derek Bell, Harald Ertl, James Hunt, Niki Lauda, Dieter Quester und Hans-Joachim Stuck auftauchen, sondern die auch mit großen internationalen Meisterschaften gekrönt wurde. Dass der philosophische Background trotz der Schwerpunktverlagerung hin zum luxuriös verpackten Längsdynamiker aber nie ganz aus dem Blickfeld geriet, dafür gibt es Gott seit Dank handfeste Indizien: Juniorchef Andy Bovensiepen, der heute für die Entwicklung verantwortlich zeichnet, ist nicht nur bekennender Nordschleifen-Fan, sondern als 24-Stunden-Gesamtsieger auf dem Nürburgring auf dem BMW-Werksdiesel dem Thema sportliche Fahrdynamik geradezu auf natürliche Weise verbunden.

 „Das eine tun, ohne das andere zu lassen“ – dieser Devise folgend bietet Alpina nun als sportliche Ergänzung für den seit Frühjahr 2004 angebotenen Roadster S neben der Originalabstimmung ein spezielles Sportpaket an, das neben Sportbremsbelägen, härterem Stabi und geänderten Federbeinstützlagern ander Vorderachse vor allem auch die besonderen, auf Trockengrip spezialisierten Michelin Pilot Sport Cup-Reifen umfasst. Das alternative Alpina-Sportprogramm ist beim Neukauf des Roadster S praktisch preisneutral und wird als Nachrüstkit für schon ausgelieferte Roadster S sowie auch für den serienmäßigen BMW Z4 3.0i mit 1.800 Euro berechnet. Antriebs- und ausstattungsseitig unterscheidet sich diese sportliche Alpina-Variante grundsätzlich nicht von jenem Modell, das schon im Vergleichstest gegen den Mercedes SLK 350 (Ausgabe 6/2004) mit eindrucksvollen Meriten sowohl motor- als fahrwerksseitig vorstellig wurde. In Kenntnis der Tatsache, dass es in großem Stil die Reifen sind, die letzten Endes die technischen Anlagen des Autos in ganzer qualitativer Ausprägung offen legen – oder eben auch nicht –, kündigt sich mit diesem Alpina-Sportpaket eine Leistungsschau ganz besonderer Güte an. Nicht nur die Z4-Substanz in Form des auf einen zweisitzigen Roadster passend zugeschnittenen Grundlayouts mit vorne längs liegendem Sechszylinder, selbstverständlich Hinterradantrieb und ausgewogener Gewichtsverteilung zwischen den beiden Achsen (51,1 zu 48,9 Prozent), sondern auch die besonderen Alpina-Zugaben – hier sei in erster Linie der 3,4-Liter-Motor genannt – sind es wert, durch besondere Feinarbeit im relevanten Umfeld noch eindrucksvoller herausgestellt zu werden als bisher.

Das Gewicht des Alpina Roadster S ist ausgewogen verteilt

Bleiben wir zunächst beim Motor, der allein durch die hinzugewonnenen Traktionsvorteile ein wahres Feuerwerk abbrennt. Um 0,4 Sekunden unterbietet der Roadster S mit Sport-Setup das Basismodell in der Beschleunigung von null auf 100 km/h: Im Ergebnis erledigt er den Standardsprint in glatten fünf Sekunden. Der Vorsprung weitet sich bis Tempo 180 km/h sogar auf knapp eine Sekunde aus. Was bedeutet, dass der sportlich aufgemachte Alpina in 14,5 Sekunden, die Basisversion in 15,4 Sekunden auf 180 km/h beschleunigt – bei identischem Gewicht und nominell gleicher Motorleistung. In die Zange genommen vom bärigen Drehmoment des Sechszylinders auf der einen und der hervorragenden Traktion der Sportreifen auf der anderen Seite – zumindest im warmen Zustand –, entpuppt sich die serienmäßige Kupplung als schwächstes Glied in der Kette. Allerdings gehören wiederholte Burnouts, so wie sie bei der Beschleunigungsmessung zwangsläufig sind, kaum zum strategischen Profil des 300 PS starken Alpina-Roadsters, dessen Charakter auch in dieser Sportvariante natürlich vornehmlich vom Motor geprägt wird.

Abgesehen von einem leichten, unmaßgeblichen Schütteln im Leerlauf zeigt dieses 3,4-Liter-Aggregat eine bestechende Laufkultur über den gesamten Drehzahlbereich. Gemäß seiner Bauart und des schwingungstechnischen Backgrounds erlaubt sich der Reihensechszylinder während seiner belebenden Tätigkeit nicht die geringsten Vibrationen. Seine Durchzugskraft entpuppt sich regelmäßig als Segen, und seine Drehfreudejagt einem bei jeder sich bietenden Gelegenheit die wohligsten Schauer über den Rücken. Das seidige, warme Sägen des Reihensechszylinders darf generell zu den schönsten Tönen aus dem Reich der Verbrennungsmotoren gezählt werden. Lästig wird es jedenfalls nie. Auch der Alpina Roadster S gehört, ob mit oder ohne „Cup“-Reifen, seinem Wesen nach eindeutig auf die kurvige Landstraße oder auf die Rennbahn. Der Motor und das Fahrwerk schreien geradezu danach. Wie sich am sport auto-Index (spax) von 4,9 leicht ablesen lässt, ist man mit 300 PS und 1.416 Kilogramm Lebendgewicht sozusagen von Natur aus in der Lage, weit vorn mitzumischen. Wenn wie in diesem Fall dann noch die Reifen-Karte gezogen wird, gibt’s an anderer Stelle Tränen. Denn mit der fantastischen Rundenzeit von 1.14,4 Minuten unterbietet der Zweisitzer mit Sportpaket seine Ausgangsbasis auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim um nicht weniger als 3,2 Sekunden. Überzeugender kann eine Beweisführung in puncto Fahrdynamik gar nicht gelingen. Gegenüber dem BMW Z4 3.0i sind es gar 3,7 Sekunden, die der Alpina Roadster S auf dieser Strecke gutmacht. Die extrem gesteigerte Fahrdynamik ist natürlich nicht umsonst zu haben.

Der Alpina Roadster S distanziert den BMW Z4

Der Michelin-Sportreifen ist nämlich gemäß seines Anforderungsprofils keine Leuchte auf nasser Fahrbahn, wenngleich sich die Alpina-Sportskanone bei der Nasshandlingprüfung noch recht ordentlich aus der Affäre ziehen konnte. Sobald tiefere Pfützen oder – schlimmer noch – Spurrillen auftauchen, sind alle Zugeständnisse des Sportreifens in Sachen Haftung dahin. Mehr als LKW-Tempo ist bei starkem Regen kaum möglich. Der Preis, der für die außerordentlichen Leistungen auf trockener Piste bezahlt werden muss, ist hoch – aber fair. Wer das Nässe-Risiko umgehen will und bereit ist, die eine oder andere Sekunde auf trockener Fahrbahn liegen zu lassen, arrangiert sich am besten mit der bei Alpina sonst üblichen Michelin-Bereifung in der Spezifikation Pilot Sport. Diese Alternative harmoniert laut Alpina ebenfalls mit den übrigen Ausstattungsmerkmalen des Sportpakets. Die Sportbremsbeläge jedenfalls liefern Traumwerte in Sachen Verzögerung, und das ohne Komforteinbußen etwa in Form lästigen Quietschens. Mit einer Verzögerungsleistung von bis zu 11,9 m/s² bremst der Alpina Roadster S auf dem Level des derzeit Machbaren – aber wohlgemerkt auch wegen der Sportbereifung. Mit normalen Straßenreifen sind, wie der Vergleichstest gegen den Mercedes SLK 350 aus dem Juni letzten Jahres ausweist, Spitzenwerte von 11,0 m/s² möglich. Wobei auch nicht unerheblich ist, dass diese Bremsmessungen mit normalen Standardbremsbelägen durchgeführt wurden.

Die geänderten Federbeinstützlager aus dem Sportpaket sind beim Einsatz üblicher Straßenreifen sicher nicht zwingend erforderlich. Denn sie sind eigentlich nur dazu da, jene negativen Sturzwerte an der Vorderachse zu ermöglichen, mit denen die Sportreifen erst zu Höchstleistung in Sachen Seitenführung auflaufen. Nur die Wirkung des härteren Stabilisators an der Vorderachse bleibt im Grunde genommen im Dunkeln. Denn der Roadster S zeigt in schnell gefahrenen Kurven noch immer eine deutliche Seitenneigung, was im technischen Sprachgebrauch mit Wankneigung um die Längsachse beschrieben wird. Die relativen Aufbaubewegungen führen in Kombination mit den spitz auf Lenkbewegungen reagierenden Sportreifen zu einem nicht ganz unprekären Fahrverhalten, besonders in schnell aufeinander folgenden Wechselkurven – so, wie sie beim Slalom oder beim Ausweichtest simuliert werden. Allerdings lassen sich die Ausbruchversuche des sehr harmonisch geglätteten Hecks mit Hilfe der feinfühlig arbeitenden Lenkung gut parieren – sofern der Fahrer etwas vom Handwerk am Volant versteht. Da die Feder-/Dämpferraten grundsätzlich identisch sind, sind jedenfalls nur geringe Komforteinbußen zu beklagen. Sie resultieren bei Geradeausfahrt einzig und allein aus dem härteren Abrollverhalten der mit niedrigen Querschnitten und entsprechend steifen Flanken gesegneten Sportpneus. Querfugen etwa auf der Autobahn werden aus diesem Grund recht hart und unvermittelt an den verlängerten Rücken weitergereicht. Was aber wegen der ergonomischen Gegebenheiten im Cockpit niemals drastische Züge annimmt.

Die Sportreifen sorgen für Komforteinbußen

Die Ergonomie im serienmäßig schon perfekt eingerichteten und ausgestatteten Alpina-Innenraum ist ohne den geringsten Tadel – im Gegenteil: Das typische Alpina-Ambiente vermittelt pures Wohlgefühl – sowohl beim entspannten Cruisen als auch bei Querbeschleunigungs-Orgien. Solche können beispielsweise auf der Nordschleife minutenlang gefeiert werden. Exakt 8.15 Minuten dauert im Extremfall eine Umrundung der legendären Rennstrecke, auf der sich wie auf keinem anderen Straßenstück weltweit die Spreu vom Weizen so deutlich trennen lässt. Die eindrucksvolle Rundenzeit sorgte denn auch für ein ständiges Grinsen der Besatzung und hat gleichfalls erstaunte Gesichter bei der mitunter von Standesdünkel belegten, etablierten Konkurrenz hervorgerufen. Die Basis BMW Z4 3.0i, obwohl fahrdynamisch zweifellos ein starkes Stück, lässt der Alpina Roadster S mit Sportpaket um 17 Sekunden hinter sich. Auf dem Ring wird ein solches Hintertreffen durchaus als veritable Schmach empfunden. Aber da Alpina sich bekanntlich nicht als Konkurrenz zu BMW, sondern als eine Ergänzung sieht, geht die Sache wohl in Ordnung .

Nürburgring Nordschleife 8.15,00 min
6
maximal 10 Punkte

Die mit hohem Positiv-Anteil in den Laufflächen versehenen Cup-Reifen von Michelin haben zweifellos einen großen Anteil an dem starken Auftritt am „Ring“. Mit der Rundenzeit von 8.15 Minuten fährt der 1.416 Kilogramm schwere 300-PS-Roadster in der Liga weitaus stärkerer Kontrahenten. Der Motor glänzt mit Durchzugskraft und Drehfreude. Das ZF-Sechsganggetriebe überzeugt zudem mit einer vorzüglich zur Motorcharakteristik passenden Abstufung.

Hockenheim-Ring Kleiner Kurs 1.14,4 min
8
maximal 10 Punkte

Die Zeit ist sehr beachtlich. Wie das Konkurrenzumfeld zeigt, kann sich der Roadster S mit deutlich stärkeren Konkurrenten messen. Die Bremse verrichtet dank der Sportbeläge sowohl in Sachen Verzögerung als auch hinsichtlich des Durchhaltevermögens einen tadellosen Job. Im Grenzbereich ist der Roadster nicht ganz einfach gestrickt: Nach zackig erfolgtem Einlenken erlaubt er sich bei leicht angelegtem Gas zunächst eine Phase sachten Untersteuerns, um dann im Kurvenausgang deutlich mit dem Heck zu drücken.

Beschleunigung / Bremsen 22,6 sek
7
maximal 10 Punkte

Mit der Zeit von glatt 5,0 Sekunden auf 100 km/h beweist der Alpina nicht nur ein außergewöhnliches Beschleunigungsvermögen, sondern nebenbei auch eine beachtliche Traktion. Nach nur 17,8 Sekunden ist Tempo 200 erreicht – auch das eine Indiz passender Getriebeabstufung und nicht zuletzt guter Schaltbarkeit. In Sachen Bremsen ist alles im Lot: Mit Verzögerungswerten von 11,6 m/s² liegt der Alpina weit vorn im Spitzenfeld. Allerdings liefert er solche Resultate nur bei warmen Reifen, was im Alltag stets zu bedenken ist. Mit kalten Reifen lieferte der Roadster S einen Wert von 10,4 m/s² aus 100 km/h, was einem Bremsweg von 37,2 Meter entspricht.

Beschleunigung 0-200 km/h:
17,8 s
Bremsen 200-0 km/h:
4,8 s
Windkanal
7
maximal 10 Punkte

Der Luftwiderstandsbeiwert (cw) ist auch im geschlossenen Zustand mit 0,358 nicht sonderlich gut entwickelt, was aber angesichts der möglichen Höchstgeschwindigkeit von immerhin 265 km/h niemanden ernsthaft bekümmern muss. Mit festem Hardtop gibt Alpina 270 km/h an. Die aerodynamische Feinarbeit am Z4-Body in Form der tiefen Frontschürze und des geschickt integrierten Heckspoilers hat sich gelohnt: Der beim Z4 an der Vorderachse gemessene Auftrieb von rund 250 Newton hat sich in leichten Abtrieb verwandelt. Der Auftrieb hinten wurde immerhin geringfügig reduziert.

Fahrzeugstirnfläche (A):
1,91 m²
Luftwiderstandsbeiwert (cw):
0,36
Luftwiderstandsindex (cw × A):
0,68
Vorderachse bei 200 km/h:
2 kg Abtrieb
Hinterachse bei 200 km/h:
40 kg Auftrieb
Querbeschleunigung 1,30 g
9
maximal 10 Punkte

Eine Rad-/Reifenkombination, wie sie eindrucksvoller – und spezieller – kaum sein kann: Der Alpina Roadster S mit Sportpaket zeichnet sich durch Michelin Pilot Sport Cup-Reifen in der Größe 235/35 ZR 19 vorn und 265/30 ZR 19 hinten auf 8,5- beziehungsweise 9,5-Zoll-Leichtmetallfelgen aus. Diese Reifen sind eindeutige Trockengrip-Experten, wie man am eindrucksvollen Querbeschleunigungswert von 1,3 g leicht ablesen kann. Das schafft kein normaler Straßenreifen. Zum Sportpaket gehören Sportbremsbeläge, ein härterer Stabi vorn und geänderte Federbeinstützlager für höhere Sturzwerte.

36-Meter-Slalom 136 km/h
10
maximal 10 Punkte

Die Spitzenresultate im Slalom sind mit ein Verdienst der Grip-Künstler von Michelin. Die volle Punktzahl aufgrund des hohen Durchschnittstempos kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Grenzbereichverhalten gerade durch sie nicht ganz unproblematisch ist – besonders in dieser Disziplin. Die relativ starke Wankneigung um die Längsachse – trotz des härteren Stabis – macht es nicht nur schwer, die richtige Linie zu treffen, sondern auch diese zu halten. Auf starke Lenkkorrekturen, die gerade durch die Reifen sehr direkt übertragen werden, reagiert der Roadster etwas empfindlich.

Ausweichtest 155 km/h
10
maximal 10 Punkte

Mit ruhiger Hand geführt, liefert der Alpina Roadster S auch in der Wechselgasse ein Top-Resultat. Ebenso gilt hier wie schon im Slalomtest: Der Grenzbereich ist schmal und zuweilen auch etwas tückisch. Denn gemessen an den exakten Reaktionen der Sportreifen erlaubt sich der Aufbau etwas zu viel Bewegungsfreiheit. Eine etwas straffere Abstimmung und vor allen härtere Stabilisatoren würden ihn im Grenzbereich sicher noch etwas stärker an die Leine nehmen. Das ginge jedoch zu Lasten des Komforts.

Nasshandling
7
maximal 10 Punkte

Die Rundenzeit von 1.32,2 Minuten auf dem bewässerten Handlingkurs ist eine waschechte Überraschung, denn der auf Trockengrip spezialisierte Cup-Reifen von Michelin gilt als ausgesprochen wasserscheu. Doch so lange er nicht in tiefen Spurrillen Aquaplaning-Tauglichkeit beweisen muss – wobei er völlig versagt –, zieht er sich noch einigermaßen aus der Affäre. Das Durchschnittstempo auf dem Dunlop-Nasshandlingkurs liegt indes nur im Bereich zwischen 60 und 80 km/h. Bei höherem Tempo – ergo größeren aufzunehmenden Wassermengen – sähe die Lage für den Sportreifen gewiss anders aus. Die achtbare Punktezahl sollte also nicht als Freibrief zum bedenkenlosen Speeding verstanden werden.

Fazit

Die Lücke, die BMW, speziell die sportliche Tochter M GmbH, im Bereich der veritablen Sport-Roadster lässt, füllt Alpina mit dem Roadster S mit Sachkenntnis und Energie. Das sieht nach perfekter Synergie aus. Bemerkenswert ist aber nicht allein das Auto selbst, das in dieser Konfiguration ja schon seit einem Jahr auf dem Markt ist, sondern die Tatsache, dass Alpina jetzt auch der sportlich gesinnten Klientel ein Werkzeug in die Hand gibt, mit dem sich das Thema Querbeschleunigung noch konstruktiver angehen lässt. Dass es die bisherige Alpina-Philosophie konterkariert, ist gewiss kein Fehler. Denn nach dem Motto „Das eine tun, ohne das andere zu lassen“ lassen sich zusätzliche Kundenkreise erschließen. Der Roadster S verfügt über einen geradezu bezaubernden 3,4-Liter-Motor, der mit 300 PS nicht nur richtig was auf der Pfanne hat, sondern auch in Sachen Laufkultur Eindrucksvolles bietet. Seine Bescheidenheit ist das andere Extrem, das in Zeiten exorbitanter Spritpreise immer größere Bedeutung gewinnt. Sportlichkeit und Sparsamkeit müssen sich also keinesfalls ausschließen. Die Investition von 54 950 Euro erscheint angesichts des gebotenen Leistungsspektrums somit durchaus gerechtfertigt.

Technische Daten
Alpina Roadster S
Grundpreis54.950 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4091 x 1781 x 1295 mm
KofferraumvolumenVDA260 L
Hubraum / Motor3346 cm³ / 6-Zylinder
Leistung221 kW / 300 PS (362 Nm)
Höchstgeschwindigkeit265 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,3 s
Verbrauch10,0 L/100 km
Testverbrauch12,4 L/100 km
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