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Suzuki Jimny Supertest

Der Kleine wühlt mächtig Staub auf

Suzuki Jimny 1.5 DDiS 21 Bilder

Der Suzuki Jimny gehört zu den günstigsten Möglichkeiten, im Gelände richtig weit zu kommen. Man möchte es nicht ganz glauben, doch im Vergleich zu seinen Vorfahren ist der Jimny Diesel ein echter Kraftprotz. Wie gut er auch steile Hügel und tiefe Bäche meistert, zeigt der Supertest.

15.08.2008 Powered by

Die inzwischen 40-jährige Geschichte des Jimny beginnt 1968 mit der Übernahme der japanischen Firma Hope Star durch Suzuki Motors. Seinerzeit hatte Hope Star bereits drei Jahre lang versucht, einen winzigen Allradler mit Zweizylinder-Zweitaktmotor zu vermarkten – ohne nennenswerten Erfolg. Suzuki übernahm das Konzept des ON 360 genannten Allrad-Zwergs, pflanzte einen eigenen Zweitakter mit sagenhaften 24 PS Leistung hinein und begann mit diesem luftgekühlten LJ 10 eine beeindruckende Erfolgsstory. Dieses Modell trug übrigens schon den Beinamen Jimny.

Dem Zwerg folgten die Versionen LJ 20 (Wasserkühlung) und LJ 50 (stärkerer Dreizylinder- Zweitakter), dieser tat sogar bei der australischen Armee Dienst. Erst mit Einführung des Vierzylinder-Viertakters im LJ 80 fand Suzukis Mini-Kraxler auch den offiziellen Weg nach Europa, wo er vor 28 Jahren den Geländewagen- Trend in Deutschland mitbegründete.
Im Vergleich zu seinem Urahn ist der aktuelle Jimny ein gewaltig motorisiertes Luxusgefährt, auch wenn er auf dem heutigen Allrad-Markt die Rolle des Underdog spielt. Dabei dürfte es nur wenige 4Wheeler geben, die so konsequent im Gelände zum Einsatz kommen wie der Jimny: Förster, Jäger, Kommunalbehörden – der Floh gehört seit Jahren zu den meistverkauften Geländewagen in Deutschland, und das sicher nicht, weil sich so gut mit ihm protzen lässt.
Stattdessen sind es die inneren Werte, die ihn auszeichnen: Zwei Starrachsen an Schraubenfedern, zuschaltbarer Allrad mit Untersetzung, Leiterrahmen – das Grundkonzept entspricht dem eines Nissan Patrol GR, nur zwei Nummern kleiner.
 
Wenige Kilos bedeuten gleichzeitig wenig Leistungsbedarf
 
Der größte Vorteil des Jimny ist dabei gerade seine Kompaktheit. Dank des geringen Gewichts wuselt er über den Morast, statt sich festzufahren. Mit den knappen Abmessungen hangelt er sich über Klettersteige und durch eng bewachsene Wälder, wo die größere Konkurrenz einfach stecken bleibt. Wenige Kilos bedeuten gleichzeitig wenig Leistungsbedarf. Der lediglich 1,5 Liter große Renault-Diesel genügt wie der 1,3-Liter-Basisbenziner vollauf, um den Jimny durch Geländeformationen zu treiben, die Audi Q7-Fahrer nur vom Hörensagen kennen. Was beim Jimny bei näherer Betrachtung außerdem deutlich wird: Wer dauerhaft sehr schweres Gelände hin zur Wildtierfütterung oder zum Holzplatz ansteuern möchte, sollte den Japaner ein wenig umbauen. Weder die von Auspuff und Differentialen markierte niedrige Bodenfreiheit noch die etwas zu lang geratene Übersetzung verursachen Freudenrufe bei der Hardcore-Gemeinde. Dabei fällt die Lösung vergleichsweise einfach aus.

Ein etwas höheres Fahrwerk schafft Raum für geringfügig größere Geländereifen und damit schon einmal Abhilfe vor dem ständigen Scharren der Abgasanlage. Gegen die lange Gesamtübersetzung lässt sich zweierlei unternehmen: Für den reinen Wettbewerbseinsatz kann eine Umrüstung auf die Achsdifferentiale des Benziners, die mit 4,3 : 1 statt 3,4 : 1 erheblich knackiger übersetzt sind, eine Hilfe sein. Variante zwei – und mit unveränderter Straßenübersetzung auch im Alltag nutzbar – ist ein verändertes Verteilergetriebes. Suzuki- Spezialist Hey (www.autohaushey. de) kann sowohl das originale Verteilergetriebe mit einer kürzeren 3 : 1-Geländeübersetzung modifizieren als auch das Rockcrawler-Verteilergetriebe aus dem Samurai adaptieren, das bis zum Verhältnis 4 : 1 übersetzt.

Nach kurzem Anlauf rennt der Jimny

Das alles heißt natürlich nicht, dass der Jimny im Serienzustand nur eingeschränkt geländetauglich ist – genau das Gegenteil ist der Fall, wie die Einzelprüfungen im Supertest zeigen. Jedoch ist er einer der letzten Geländewagen auf dem Markt, die tatsächlich noch die Möglichkeit bieten, umfangreiche individuelle Anpassungen an das eigene Einsatzprofil vorzunehmen – anderenorts kann man allenfalls noch diverse Steuergeräte umprogrammieren.

Die Kehrseite der Medaille: Auf der Straße gehört der kleine Krabbler nicht gerade zu den fahraktiven Vertretern seiner Zunft, er ist unsicher und will mit Umsicht bewegt sein. Immerhin: Die Fahrleistungen sind völlig ausreichend, nach kurzem Anlauf rennt der Diesel-Jimny wacker mit Tacho 150 über die Autobahn, so liegen selbst längere Urlaubsfahrten zu zweit durchaus im Bereich des Möglichen. Hoffentlich wird Suzuki die Geschichte des Jimny auch mit einem späteren Nachfolger in dieser Form fortschreiben. Es gibt nicht mehr viele seiner Art.

Unterboden
30
maximal 10 Punkte

Ein bisschen sieht es unter dem Jimny aus, als sei er dort nicht zu Ende gebaut. Die Ansätze stimmen, aber das Finish fehlt. Der Auspuff hängt unnötig tief und ist in dieser Position gefährdet. Den kleinen Tank aus Blech schützt nur eine dünne Platte aus Stahlblech. Unter dem Getriebe ließe sich mühelos ein Unterfahrschutz anbringen, bei häufigem Einsatz in felsigem Gelände eine Empfehlung. Die Schweller liegen oberhalb der Rahmenträger und sind so einigermaßen vor Kaltverformung geschützt. Schrauber könnten auch beim vorderen Stoßfänger Hand anlegen. Der Kunststoff reicht viel tiefer, als er eigentlich müsste, da ließe sich beim Böschungswinkel noch etwas erreichen. Wenig Vertrauen erwecken die kleinen Abschleppösen vorn wie hinten. Besonders der dünne, lange Stahlbügel erscheint kaum für eine Geländebergung geeignet. Der vordere Stabi ragt weit heraus, ebenso die direkt vor der Achse verlaufende Spurstange – da kann auch mal was verbiegen.

Verschränkung
179
maximal 200 Punkte

Den ersten Abschnitt stürmt der Suzuki auf Ideallinie im Eilverfahren durch. Ziemlich zackig, doch die Untersetzung ist eben zu lang, zu schnell. Jedenfalls gibt’s keine Probleme oder stark abhebende Räder. Dabei ist die Verschränkung eher mäßig. Doch der Clou ist sein kurzer Radstand. Dadurch erreicht der Jimny einen ausgezeichneten Rampenwinkel und kann auch über die spitzestenKuppen einfach geradeaus fahren. Kurios: Den tiefsten Punkt am Auto markieren in dieser Sektion die Halterungen der hinteren Achslenker. Sperren werden in der Verwindung nicht vermisst, bis auf das zügige Tempo schlägt sich der Jimny perfekt. Die Karosserie verwindet sich aber stark: Die Hecktür klemmt bei der Verschränkung.

Fahrwerk
83
maximal 100 Punkte

Die kurzen Federn mit der straffen Abstimmung lassen im Vorfeld vermuten, dass es jetzt ein bisschen kernig wird, doch der Jimny überrascht am Geröllhang. Er schüttelt seine Besatzung zwar tüchtig durch, kommt aber sicher im ersten Gang mit Untersetzung nach unten, ohne dass die Bremse bemüht werden muss. Der Kontrollblick von außen verrät: Obwohl es kräftig holpert, hält das Fahrwerk alle Räder zuverlässig am Boden – mustergültig. Das Anfahren auf dem verworfenen Belag gelingt mühelos und ohne Kupplungsmord. Mit welcher Geschwindigkeit man nach oben eilt, ist völlig unerheblich – keinerlei Traktionsprobleme. Eine wahre Zirkusnummer zeigt der Jimny obendrein: Er fährt den Geröllhang auch im Standgas ohne Zutun des Fahrers einfach so hinauf. Da zeigt der kleine Diesel richtig Herz.

Steigfähigkeit
129
maximal 200 Punkte

Der Jimny ist bislang das schwächste Auto, das wir die Steigungsbahnen im Supertest hinaufgetrieben haben. Doch die Bergauffahrt stellt ihn vor keinerlei Problem, auch nicht auf der 65-Prozent- Bahn. Im Gegenteil: Je nach Belieben erklimmt er den Berg im gemütlichen Schlendertempo oder mit beeindruckender Geschwindigkeit. Etwas problematisch ist das Anfahren am Hang. Die Kupplung packt das locker, allerdings ist die Handbremswirkung zu schwach, um den 1,2-Tonner im steilsten Stück festzuhalten. Akrobatik an den Pedalen ist gefragt. Bergab zeigt die lange Übersetzung Wirkung: Ab 45 Prozent muss mitgebremst werden. Eine elektronische Bergabfahrkontrolle kennt der Jimny nicht.

Handling
48
maximal 100 Punkte

Die simulierte Dünen-Etappe stellt vor allem den Motor vor eine echte Herausforderung. Im Straßenallrad hat er ziemlich zu kämpfen, erst in der Untersetzung geht es ordentlich voran. Durchgeschaltet werden kann bis in den dritten Gang, doch schon nach ein, zwei Kurven im tiefen Sand sackt die Drehzahl mit gurgelndem Turbolader weg, und der zweite Gang muss her. Die träge Lenkung verlangt extrem viel Gekurbel, um den Suzuki auf den vorgegebenen Slalomkurs zu zwingen. Dabei schwankt der Kleine ordentlich – 1,70 Meter Höhe bei nur 1,36 Meter Spurweite lassen eben kein Sportwagen-Verhalten zu. Nein, das ist nicht seine Paradedisziplin. Aber immerhin bleibt der Suzuki beherrschbar und überrascht auch nicht mit zickigen Ausbruchsversuchen.

Wat-Verhalten
73
maximal 100 Punkte

Nur 40 Zentimeter Wattiefe erlaubt der Hersteller. Das liegt wenige Millimeter unterhalb des Türeinstiegs – klar, dass da kein Wasser eindringen kann. Doch auch die Rückwärtsfahrt und eine Durchfahrt mit leicht erhöhtem Tempo lassen keinerlei Schwallwasser eindringen. Die Luftansaugung im Innenkotflügel mündet in einem kleinen Schnorchel im Motorraum (auf Höhe der Motorhaube), an den sich notfalls noch eine Ansaugverlängerung für ganz tiefe Furten montieren lässt. Die Lichtmaschine ist ganz oben am Motor montiert – vorbildlich. Elektrolüfter statt eines Visko-Ventilators für die Kühler sind ein weiterer Pluspunkt. Selbst wenn ein wenig Spritzwasser nach dem Test im Maschinenabteil verdampft – das packt der Suzuki locker.

Übersichtlichkeit / Wendigkeit
95
maximal 100 Punkte

Vor dem Start der Trial-Sektion witzelt Tester Müller, man solle den Jimny als Handicap quer durch die Tore fahren, sonst könnten wir uns das Aufstellen der Stangen gleich sparen. Tatsächlich wuselt der blaue Dreitürer durch den Parcours, als sei er ein Supermarkt- Parkplatz. Kleiner Wendekreis, schmales Gehäuse und kurzer Radstand – wenn es für den Jimny zu eng wird, muss man auf das Mountainbike umsteigen. Kein Wunder, dass dieses Auto sehr oft von Profis gekauft wird, die viel im Wald zu tun haben. Ein weiterer Pluspunkt für den Jimny ist seine gute Übersichtlichkeit. Direkt nach vorn muss man ein wenig schätzen, wegen der senkrecht abfallenden Front gelingt das aber recht genau. Nach hinten und seitlich dagegen reicht ein kurzer Blick, um ein Hindernis zuverlässig zu taxieren. Angesichts der famosen Wendigkeit ist es in dieser Sektion auch nicht tragisch, dass die Geschwindigkeit im Standgas vergleichsweise hoch ausfällt.

Traktion
38
maximal 50 Punkte

Besser in Bewegung bleiben: Nachdem im Straßengang im tiefen Sand nur wenig auszurichten ist, muss die Untersetzung ran. Mit dem Ergebnis, dass es beim Anfahren erst einmal abwärts geht. Angesichts der geringen Bodenfreiheit unter den Achsen sollte man nicht lange graben, denn sonst ist das Spiel vorbei. In Bewegung gehalten, fliegt der leichte Suzuki aber förmlich durch die Sektion. Leichter Anlauf und flüssiges Fahren sind für Jimny-Fahrer also die entscheidenden Regeln vor solchen Passagen.

Antriebssystem
40
maximal 100 Punkte

Sperren oder Traktionskontrolle kennt der Jimny nicht, er treibt seine vier Räder mit offenen Differentialen an. Das ist im Sandhang allerdings nicht unbedingt ein Manko, hier zählt auch sein geringes Gewicht. Das Anfahren am Hang aus dem Stand gelingt nur in zwei von drei Durchläufen, beim dritten Mal wühlt er sich fest – die geringe Bodenfreiheit! Einmal in Fahrt, rödelt der Suzuki den Hang zwar mit leichter Anstrengung, aber zuverlässigem Vortrieb hinauf. Ein großes Lob geht an den Renault-Diesel. Der ist ein echter Steher, der sich nicht aus dem Konzept bringen lässt. Mit Vollgas treibt er nahe am Begrenzer ungerührt bergauf, wird nicht warm, zickt nicht rum. Und liefert schön gleichmäßigen Schub über das gesamte Drehzahlband, rappelt sich auch aus niedrigen Touren auf. Für den Jimny der ideale Motor.

Technische Daten
Suzuki Jimny 1.5 DDiS
Grundpreis17.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3645 x 1600 x 1670 mm
KofferraumvolumenVDA113 bis 816 L
Hubraum / Motor1461 cm³ / 4-Zylinder
Leistung63 kW / 86 PS (200 Nm)
Höchstgeschwindigkeit145 km/h
Verbrauch6,1 L/100 km
Testverbrauch8,0 L/100 km
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