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Ferrari California im Supertest

Cabrio-Coupé wächst über sich hinaus

Ferrari California Foto: Rossen Gargolov 30 Bilder

Der Ferrari California überzeugt im Test als das Universaltalent der Scuderia. Dadurch tritt das Cabrio-Coupé mit dem Supertest-Resultat aus den Schatten der neuen Ferrari-Heroen namens 458 Italia und 599 GTO. Denn das V8-Modell ist von einer Ferrariuntypischen Sachlichkeit geprägt und dennoch mit herausragenden Qualitäten gesegnet.

16.02.2012 Horst von Saurma Powered by

Der innere Vorbeimarsch, ein an sich schon äußert bemerkenswerter Vorgang der Glückselig-Machung, lässt sich in seiner nachhaltigen Wirkung durchaus noch steigern: Und zwar dann, wenn er nicht wegen eines besonderen Umstandes eintritt, sondern dennoch. Dass man mit einem Ferrari 599 GTO (hier kommen Sie zum Fahrbericht Ferrari 599 GTO) die Konkurrenz leicht in die Schranken weisen kann, daran besteht a priori kein Zweifel: Er ist eindeutig als sportlicher Überflieger konstruiert und als solcher auch akzeptiert, womit der Überraschungseffekt für alle Beteiligten eher gering ist. Dass aber auch der ausgewiesene Generalist innerhalb der breiter gewordenen Ferrari-Range, der Ferrari California, im Test dazu taugt, mehr als nur sportliche Achtungserfolge einzufahren - obwohl er das breit gefächerte Programm bodenständiger Alltäglichkeit zu absolvieren hat -, geht als Überraschung, sprich: als oben erwähntes "Dennoch" durch.

Ferrari California ist Cabrio und Coupé

Angesichts seiner in sportlichen Dingen stets kompromisslos auftretenden Ahnenreihe dürfte der Ferrari California in seiner speziellen Konfiguration einen Sonderfall in der Geschichte der Roten darstellen. Oder anders ausgedrückt: Sein Angebotsspektrum ist deutlich weiter gefasst als im Ferrari-Umfeld bisher üblich. So stellt der Test-Kandidat die nicht zu verachtenden Vorteile eines geschlossenen Systems ebenso zur Disposition wie die liebenswerten Segnungen, die nur ein Cabriolet in seiner offenherzigsten Form bereitzustellen vermag. In beiden Aggregatzuständen - offen wie geschlossen - offenbart der Ferrari California im Test durchweg vorbildliche Eigenschaften: luftig und entspannend auf der einen, behütend und beschützend auf der anderen Seite.

Die analog des von Mercedes im SL schon seit Längerem gepflegte Technik des per Knopfdruck zusammenfaltbaren Hardtops hat eben schlicht den unabweisbaren Vorteil, gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können. Allerdings haben die in puncto Alltagsnutzen segensreichen Errungenschaften durchaus ihre negativen Seiten. Die innerhalb von 14 Sekunden zwischen Cockpit und Kofferraum elegant versenkbare Aluminium-Dachhaut des Ferrari California lastet schwer auf dem Gewichtskonto. Ein Umstand, der dem im Heckbereich entsprechend stämmig wirkenden Ferrari California im Test auch auf der Waage zum Nachteil gereicht. So verharrt der Zeiger erst bei 1.787 Kilogramm, was die Hoffnung auf gesteigerte Ressourcen in Sachen Dynamik zunächst einmal deutlich reduziert.

Der Ferrari California erfüllt auch anspruchsvolle Erwartungen

Der hochkarätige Antriebsstrang, bestehend aus dem vorn im Motorraum tief eingebetteten, 4,3 Liter großen und mit 460 PS antretenden 90-Grad-V8 und dem getrennt von ihm gemäß dem Transaxle-Prinzip an der Hinterachse untergebrachten Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, hält für sich betrachtet allerdings alle Optionen offen. In Einwirkung der im Umfeld dieser Maschine wirksamen Anziehungskraft werden ungeachtet seiner nominellen Eckwerte selbst Bedenkenträger spontan dazu angehalten, ehrfurchtsvoll in die Knie zu gehen. Und die Anmut, die sich in der optischen Aufbereitung der hochkarätigen Ferrari-Technik zeigt, muss für die meisten Mitbewerber noch immer als die wahre Herausforderung gelten. Über die faszinierende, weil unverwechselbare Klangwolke eines Ferrari - selbstredend auch die des Ferrari California - viele Worte zu verlieren, hieße, die sprichwörtlichen Eulen nach Athen zu tragen. Vom fein orchestrierten, erst mit gutturalem Unterton und später mit scharfem Timbre hinterlegten Sound nicht fasziniert zu sein, ist in etwa so abwegig, wie beim Auftritt des Ferrari California im Test bewusst den Blick abwenden zu wollen.

Ungeachtet seines Makels in der Gewichtsbilanz ist motorisch also auch in diesem Coupé/Cabriolet Ferrari-typisch bestens Vorsorge getroffen. Entsprechend seines Leistungsgewichts von 3,9 Kilogramm pro PS sind die Durchzugs- und Beschleunigungswerte des Ferrari California im Test in einem Maß entwickelt, das auch anspruchsvolle Erwartungen erfüllt. Den Sprint auf Tempo 100 erledigt das als 2+2-Sitzer konzipierte Ferrari-Einstiegsmodell im Supertest standesgemäß in 4,2 Sekunden - um nur gut zehn Sekunden später, nach exakt 14,7 Sekunden, locker- flockig die 200-km/h-Marke zu passieren. Der Ferrari California tut das am liebsten in der parallel zum manuellen Modus angebotenen Automatikfunktion - und zwar ohne großes Federlesen in einer geradezu nach Wiederholung schreienden, geschliffenen Perfektion. Die Umgänglichkeit seines Charakters, hervorgerufen durch technische Verbindlichkeit, hat eine verblüffende Konsequenz: Die Unnahbarkeit, die manchem früheren Ferrari wegen seiner besonderen, teilweise auch gewöhnungsbedürftigen Charakterzüge zu Eigen war, geht dem Ferrari California gänzlich ab. Er ist für alles offen - auch und besonders im geschlossenen Zustand.

Der Schein trügt

Der dem Ferrari California in bestimmten Kreisen deshalb zuweilen unterstellte Vorwurf, gerade deswegen zu wenig Charakter aufzuweisen, muss von dieser Stelle aus energisch widersprochen werden. Gute Umgangsformen und ein breit gefächertes Anbebotsprofil sind diesbezüglich nämlich gewiss kein Killerkriterium. Einmal mehr ist es auch das im Ferrari California serienmäßig implantierte Doppelkupplungsgetriebe, das den Umgang mit der zur Verfügung stehenden Motorleistung so reizend einfach gestaltet. Die hoch wie runter höchst geschmeidigen Gangwechsel und die Lust fördernd eingearbeiteten Zwischengasstöße bringen die Meriten des V8-Saugers so überzeugend zur Geltung, dass es zuweilen als Qual empfunden wird, sie aufgrund der gesetzlichen Restriktionen nicht öfter in vollen Zügen genießen zu können. Selbst im Zustand himmelhoher Kopffreiheit fällt es - anders als in den meisten anderen Cabrios - schwer, sich in Mäßigung zu üben. Das fast als turbulenzfreie Zone durchgehende, offenen California-Cockpit stellt sich selbst bei hohem Tempo als ein vergleichweise ruhiger Ort der Entspannung und Besinnung dar. Durch den hohen, festen Kragen und die flach ansteigende Frontscheibe gelingt es dem Ferrari California im Test hervorragend, die tosenden Winde selbst bei Tempo 200 weitgehend außen vor zu halten. Dem Versuch, die Höchstgeschwindigkeit von 310 km/h auch im offenen Fahrzustand erreichen zu wollen, steht demnach eigentlich nichts entgegen - allein der im Vergleich zum Coupé-Auftritt schlechtere cW-Wert dürfte das kühne Anliegen hintertreiben.

Das alltagstaugliche Format des Ferrari California findet darüber hinaus in einem beglückenden Federungs- und Abrollkomfort Ausdruck, der es bei der ersten Hochrechnung unwahrscheinlich erscheinen lässt, auf beeindruckende Querbeschleunigungen hoffen zu dürfen. Das, gemessen am Supersport-Genre, vergleichsweise geschmeidige Abrollen der breiten 19-Zöller und die nach scharfem Einlenken in starke Seitenneigung verfallende Aluminium-Karosserie entsprechen in ihrer Ausprägung keineswegs dem Bild von einem Sportwagen, dem an außergewöhnlichen Leistungen im Sportumfeld gelegen ist. Doch der Schein trügt. Anders als andere, vom Setup her meist unerbittliche, weil knochenhart konfigurierte Mitstreiter, geht der Ferrari California im Test die Darstellung des Grenzbereichs zunächst einmal deutlich verbindlicher an. Ebenso wie die unter Last sachte Neigung zum Untersteuern ist auch das bei strammer Gaszufuhr leicht aus der Spur zu bringende Heck nie bösartig unterwegs. Aus diesem Grund wird das Vertrauen ins Fahrverhalten zu keiner Zeit auch nur ansatzweise beschädigt.

Reifen zwingen den Ferrari California in die Knie

Was nun die Fahrbahrkeit im Grenzbereich angeht, so zeigt sich der in der Gewichtsbalance gut austarierte und mit einer sehr direkt arbeitenden, gleichwohl nicht "überziehenden" Lenkung auch deshalb von liebenswertester Seite, weil er sich Lastwechseln gegenüber ziemlich unempfindlich zeigt. Und genau das macht den Ferrari California im Test dann auch so schnell. Die Tatsache, dass der inklusive Fahrer deutlich über 1,8 Tonnen schwere Gran Turismo auf der Nordschleife bis auf eine Sekunde an die Vorgabe des konzeptionell deutlich sportlicher aufgestellten F 430 herankommt, ist ein starker Hinweis darauf, dass es auf dieser anspruchsvollsten aller Strecken mehrheitlich die Fahrbarkeit ist, die das Resultat bestimmt - nicht so sehr das Konzept oder das eine oder andere Kilo mehr oder weniger.

Die achtbare Supertest-Rundenzeit des Ferrari California von 7.56 Minuten korrespondiert mit der in Hockenheim gezeigten Leistung: Mit 1.13,5 Minuten ist der Universalkünstler aus dem Hause Ferrari in exakt dem Zeitfenster unterwegs, das der in Sachen Sportlichkeit als Maßstab anerkannte Porsche Carrera S für sich reklamiert. Das will etwas heißen. Gemessen am erklärten Leistungswillen des kernig sägenden Achtzylinders und der auch im Rennstrecken-Stress niemals aufgebenden, von der ersten bis zur letzten Bremsung fulminant verzögernden Keramik-Bremsanlage ließe sich der schwere, gleichwohl höchst handlich wirkende Gran Turismo womöglich noch zu etwas Besserem hinreißen. Doch letzten Endes sind es die Pirelli P Zero-Pneus, die in Einwirkung der hohen schiebenden Masse dann doch die Waffen strecken müssen. Speziell die mit einer Breite von 245 Millimeter nicht eben üppig bemessenen Reifen auf der Vorderachse weisen durch in Kurven zunehmend wachsende Schräglaufwinkel darauf hin, dass ihnen härtere Querbeschleunigungs-Prüfungen wie auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim nicht unbedingt aufs Profil geschnitten sind.

Der Ferrari California schmückt die Marke

Da liegt dem Ferrari California die Nordschleife mit ihrem erheblich höheren Durchschnittstempo schon erheblich besser, wie sich sowohl an den erreichten Geschwindigkeiten auf den Geraden als auch an den Kurventempi unschwer ablesen lässt. Die ansteigende Gerade der Döttinger Höhe durchmisst die 460 PS starke Berlinetta im Test mit knapp 270, die Anfahrt zum Streckenstück Schwedenkreuz mit fast 250 km/h. Der Wohlfühleffekt im Ferrari California gründet allerdings auf mehreren Faktoren. Sein Talent, die Besatzung - zur Not auch vier: zwei Große und zwei (ganz) Kleine - für sich einzunehmen, beschränkt sich beileibe nicht allein auf die Qualität seines brillanten Antriebs und das fast als narrensicher zu bezeichnende Fahrwerk. Es hat auch mit den netten Gegebenheiten zu tun, die das gänzlich mit hellem Leder ausgeschlagene Cockpit aufzuweisen hat - zum Beispiel die außergewöhnlich gut entwickelte Ergomie. Das extrem steil stehende Lenkrad mit den netten "Spielsachen" oben drauf, namentlich dem roten Starterknopf und der ebenso originellen wie praktikablen Manettino-Armatur, liegt perfekt in der Hand. Innerhalb des für den Fahrer relevanten Dreiecks - Lenkrad, Sitzposition, Pedalerie - ist es sozusagen der Dreh- und Angelpunkt des an faszinierenden Aspekten reich gesegneten Umfelds.

Allerdings handelt es sich beim Ferrari California im Test auch um eines, das mit stattlichen Zusatzinvestitionen auf ein designtechnisches Spitzenniveau gebracht worden ist. Sowohl die perfekten Halt gebenden Schalensitze als auch die Cockpitverkleidung aus Karbon sind nämlich aufpreispflichtig. Erstgenannte schlagen mit 5.236 Euro zu Buche, das Karboninterieur belastet die Portokasse mit weiteren 7.021 Euro. Für die aus demselben hochwertigen Material gefertigte Motorraumverkleidung werden noch einmal 6.188 Euro fällig. Wer auch auf den Karbon-Diffusor nicht verzichten mag - jenes Teil im unteren Bereich der stattlichen Heckansicht, das gewissermaßen als einziges Aerodynamik-Element einen sachdienlichen Hinweis auf das supersportliche Talent des Boulevard-Kreuzers namens Ferrari California gibt -, muss weitere 7.140 Euro berappen. Dass er sportlich trotzdem überzeugen kann und im Supertest nicht nur deshalb reüssiert, weil ihm sein Einsatzgebiet zusammengestrichen und die Alltagstauglichkeit damit abhanden gekommen ist, ehrt seine Entwickler und schmückt die Marke.

Nürburgring Nordschleife 7.56,00 min
8
maximal 10 Punkte

Ungeachtet der betont komfortablen Abstimmung schließt der Ferrari California im Test auf der Nürburgring-Nordschleife zeitlich fast auf sein sportliches Schwestermodell Ferrari F430 auf - siehe die Rundenzeit auf der Nordschleife. Der Grund dafür liegt in der Fahrbarkeit: Der Grenzbereich ist verlässlich definiert. Er wechselt nicht von Unter- ins Übersteuern, sondern ist bis in höchste Querbeschleunigungsbereiche neutral unterwegs. Einzig die starke Seitenneigung der Karosserie ist anfangs gewöhnungsbedürftig. Stärkere Stabilisatoren könnten Abhilfe schaffen.

Rundenzeit Nordschleife Ferrari California
Hockenheim-Ring Kleiner Kurs 1.13,5 min
9
maximal 10 Punkte

Bei der Rundenzeitenfahrt auf dem Hockenheimring ist das "Nachschieben" in die Kurve hinein mit dem hohen Gewicht - 1.787 Kilogramm - leicht erklärt. Die Narrensicherheit im Grenzbereich ist ein Pfund, mit dem sich hervorragend wuchern lässt - siehe die Rundenzeit auf dem Hockenheimring. Das leichte Untersteuern am Kurveneingang lässt sich relativ einfach mit gefühlvoller Gaszufuhr neutralisieren. Ein plötzlich ausbrechendes Heck oder gar die Steigerung davon - die gefürchtete Konterneigung - ist im Umfeld des Ferrari California weitestgehend unbekannt. Auf die serienmäßige Keramik-Bremse ist auch im Rennstrecken-Umfeld Verlass.

Rundenzeit Hockenheim, Ferrari California
Beschleunigung / Bremsen 19,7 sek
8
maximal 10 Punkte

Mit seinen 460 Pferdestärken kann der Ferrari California im Test seine Masse gut kaschieren. Der Motor hängt am Gas wie der sprichwörtliche Junkie an der Nadel. Sein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe mit den bei Ferrari mittlerweile üblichen F1-Bedienschaltern am Lenkrad ist Volllast-Exkursionen gegenüber sehr aufgeschlossen. Die Gangwechsel sind im Vergleich zu den beiden aktuellen sportlichen Topmodellen nicht ganz so perfekt verschliffen. Die Transaxle-Bauweise - Motor vorn, Getriebe hinten - sorgt für eine hecklastige Gewichtsverteilung von 46,6 zu 53,4 Prozent. Die Traktion ist auch bei deaktivierter Traktionskontrolle "F1-Trac" gut entwickelt.

Beschleunigung 0-200 km/h:
14,7 s
Bremsen 200-0 km/h:
5,1 s
Windkanal
5
maximal 10 Punkte

Der cW-Wert des Ferrari California schwankt naheliegenderweise sehr stark zwischen geschlossenem und offenem Fahrzustand. Als Coupé weist der Ferrari California einen Wert von 0,32 auf; als Cabriolet 0,38. Interessanterweise kehrt sich der Auftrieb an der Hinterachse bei offenem Vollzug in einen minimalen Abtrieb an der Hinterachse um. Auch der Auftrieb an der Vorderachse ist beim Offenfahren reduziert: von 750 Newton auf 709 Newton. An der guten Geradeausfahr-Stabilität des Ferrari California ändert sich so oder so nicht das Geringste. Dass er als Cabriolet noch mehr überzeugen kann, zeigt sich beim Offenfahren schnell: In keinem anderen Cabriolet ist man hinsichtlich der Turbulenzen besser aufgehoben als im Ferrari California.

Fahrzeugstirnfläche (A):
2,16 m²
Luftwiderstandsbeiwert (cw):
0,32
Luftwiderstandsindex (cw × A):
0,69
Vorderachse bei 200 km/h:
76 kg Auftrieb
Hinterachse bei 200 km/h:
6 kg Auftrieb
Querbeschleunigung 1,30 g
9
maximal 10 Punkte

Das vom Ferrari California gezeigte Querdynamik-Potenzial gründet sich nicht etwa auf Sportreifen, sondern auf normale Pirelli P Zero in der Größe 245/40 vorn und 285/40 hinten - jeweils in 19 Zoll. Insofern ist auch der Maximalwert von 1,3 g in einem besonderen Licht zu sehen. Zum vergleichsweise weichen Setup des Ferrari California würden die an anderer Stelle verwendeten Sportreifen auch gar nicht passen, weil die Rollneigung so schon sehr stark ausgeprägt ist. Die beträchtliche Seitenneigung der Karosserie - siehe oben - stellt das auch sehr bildhaft dar. Der mechanische Grip ist trotzdem - oder gerade deshalb - erstaunlich gut ausgebildet.

36-Meter-Slalom 133 km/h
9
maximal 10 Punkte

Das soft abgestimmte Fahrwerk sorgt für eine starke Krängung der Karosserie, was das Treffen des exakten Einlenkpunktes nicht immer einfach macht. Während das Fahrverhalten unter konstantem Zug neutral bis leicht untersteuernd ist, stellt sich bei Lastwechseln ein deutliches Übersteuern ein, das aber recht einfach zu parieren ist. Die Lenkung der Ferrari California vermittelt ein gutes Gefühl für die Erfordernisse, soll auch heißen: Der Ferrari California zeigt sich gegenüber Experimenten am fahrdynamischen Limit sehr aufgeschlossen und bleibt in seiner Handhabung jederzeit gutmütig.

Ausweichtest 142 km/h
8
maximal 10 Punkte

Die Linie muss von Beginn an exakt passen, um mit dem Ferrari California ein gutes Resultat einfahren zu können. Diese Forderung stellt das komfortable Fahrwerk, das sich sozusagen erst "setzen" muss, bevor es der Vorgabe entsprechend reagieren kann. Unter Last ist auch hier mit leichtem Untersteuern zu rechnen, welches sich erst bei gröberen Lastwechseln in ein Ausbrechen des Hecks umkehrt. Die Übergänge vom Unter- ins Übersteuern gehen sanft vonstatten, sodass genügend Zeit bleibt, um auf Veränderungen reagieren zu können.

Nasshandling
8
maximal 10 Punkte

Am insgesamt sehr gutmütigen Fahrverhalten ändert sich auch auf nasser Fahrbahn nichts. Seinen Grenzbereich definiert der Ferrari California vorbildhaft über die Vorderachse - er kündigt also über nachlassenden Seitengrip an der Lenkachse an, dass es mit der Haftung ein Ende nimmt. Bei plötzlich abreißendem Grip an der Antriebsachse täte sich der Fahrer deutlich schwerer, dem teuren Hecktriebler eine korrekte Linie beizubringen. Sein grundsätzlich unspektakuläres Fahrverhalten beweist der Ferrari California vorbildhaft auch bei ausgeschalteter elektronischer Stabilitätsund Traktionskontrolle (CST und F1-Trac). Die Regelgüte des ABS überzeugt ebenso auf nassem Terrain.

Fazit

Im sowohl als solides Coupé als auch als veritables Cabriolet überzeugenden Ferrari California sind sportliche Talente verankert, die respektable Auftritte auch an Orten ermöglichen, die weit jenseits von Strandpromenaden, Stadtboulevards oder Autobahnen liegen - auf der Nordschleife zum Beispiel. Dass der Ferrari California im Supertest auf dem Nürburgring zeitlich eine ähnlich gute Vorstellung liefert wie der sportliche Halbbruder Ferrari F430, ist ein bemerkenswerter Fall eines "Über-sich-hinauswachsens". Das überzeugende Sportprogramm des Ferrari-Einstiegsmodells ist freilich nur ein Bestandteil seines breit angelegten Angebotsspektrums: Kaum ein Mitbewerber hat das Offenfahren so weit kultiviert wie der Ferrari California im Test. Und kaum einer aus dem Reigen ähnlich gestrickter Supersportler ist in der Lage, den Ansprüchen des Alltags so umfassend gerecht zu werden. Es scheint fast so, als sei die 2+2-sitzige Berlinetta - übrigens die Erste ihrer Art mit Achtzylinder-Frontmotor - stark unterschätzt.

Fahrspaß:
8 Punkte
Alltagstauglichkeit:
8 Punkte
Technische Daten
Ferrari California
Grundpreis180.596 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4563 x 1902 x 1308 mm
KofferraumvolumenVDA240 L
Hubraum / Motor4297 cm³ / 8-Zylinder
Leistung360 kW / 490 PS (505 Nm)
Höchstgeschwindigkeit312 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h3,8 s
Verbrauch13,1 L/100 km
Testverbrauch17,5 L/100 km
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