Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Ferrari F430 F1 im Supertest

Welches Potenzial steckt im Ferrari-Achtzylinder?

Ferrari F430 F1 12 Foto: Herzog 17 Bilder

Wer Ferrari fahren darf, spürt, dass hier mehr als nur Motorkraft am Werk ist. An Bord des F430 wird man von einer langen Geschichte und großer motorsportlicher Tradition getragen.

02.01.2009 Horst von Saurma Powered by

Das Heiligtum, der Motor, ist selbstverständlich nach wie vor in beklemmend schöner Weise zur Schau gestellt. Die Kraft und die Herrlichkeit, die in ihm steckt, lässt Ferrari-Jünger weltweit noch immer ehrfürchtig auf die Knie sinken. Die betörende Stimme hat Suchtcharakter. Seine Wirkung auf die Außenwelt ist ähnlich stark entwickelt wie die Anziehungskraft der im All vermuteten schwarzen Löcher auf das Licht. Die optischen Bezüge zu den berühmten Ahnen sind gleichfalls unübersehbar und die Ähnlichkeiten mit dem Vorgänger so augenscheinlich, dass der jüngste Ferrari aus dem Achtzylinder-Sortiment Gefahr zu laufen scheint, von der großen Vergangenheit eingeholt und überrollt zu werden. Aber keine Bange – im richtigen Leben wird ihm derlei nicht widerfahren. Der Status des F430 ist schon mit seinem bloßen Erscheinen so gut wie zementiert. Ganz nebenbei ist seine Konstitution nominell so gut entwickelt, dass sowohl seine Vorgänger als auch die Konkurrenz kaum eine nennenswerte Chance haben werden, ihn ernsthaft zu kompromittieren. Der Erfolg des Neuen steht vor diesem Hintergrund also nicht mehr zur Debatte. Mit der Präsentation schnellte die Lieferzeit spontan auf zwei Jahre hoch. Mit der Verfügbarkeit der offenen Spider-Version verhält es sich nicht anders. Wie sagte einst Enzo Ferrari, der charismatische Firmengründer, der gedanklich immer einen Schritt voraus war: „Der liebste Ferrari wird mir immer der sein, der als Nächstes gebaut wird.“ Für ihn wäre das aktuelle Objekt der Begierde folglich schon längst aus dem Fokus gerückt. Nicht so bei uns – und vermutlich auch nicht bei den Fans der italienischen Traditionsmarke, die nach dem schmerzhaften Verlust der Formel 1-Weltmeisterschaft vermutlich sehr empfangsbereit für gute Nachrichten sind.

Der F430 - Eine Erfolgsmeldung

Vergegenwärtigt man sich die Supertest-Ergebnisse der Vorgänger - F355 (6/1997), 360 Modena (10/1999) und Challenge Stradale (2/2004) -, dann offenbart sich eine Leistungskurve, die der des neuen Achtzylindermotors im F430 nicht ganz unähnlich ist: kontinuierlich ansteigend, wenn auch nicht ganz so steil. An dem positiven Verlauf der Achtzylinder-Vita hat der Motor seit jeher einen überproportional großen Anteil. Beim letzten Step vom 400 PS starken 360 Modena zum F430 hat sich dieser allerdings erheblich reduziert – nicht etwa deshalb, weil sich der neue, um 90 PS stärkere Achtzylinder nun weniger dominant in Szene setzt, sondern weil das Umfeld – Getriebe, Fahrwerk, Bremsen – einen erheblich größeren Anteil am positiven Gesamtergebnis hat als bisher. Für diejenigen unter den Ferrari-Fahrern, die sich nur an den fahrdynamischen Talenten in Längsrichtung interessiert zeigen, wird der mittig so vorbildlich untergebrachte 90-Grad-V8 wohl auch in Zukunft die uneingeschränkte Hauptrolle spielen. Der Fahrdynamik-Junkie sieht dies naturgemäß etwas differenzierter: Erst in einem perfektionierten Umfeld, das auch einer gesteigerten Querdynamik Rechnung trägt, können sich die Talente des Motors in vollem Umfang entfalten – lautet das Credo. Um diesen Beweis zu erbringen, bedarf es allerdings so aufwändiger Methoden, wie sie im Supertest angewandt werden.

Auf öffentlicher Straße dürfte es schwer fallen, in den Grenzbereich des F430 vorzustoßen. Das Umfeld, das der imposante Antrieb im neuen F430 antrifft, ist fraglos von exquisiter Güte. Schon die eingangs erwähnte optische Präsenz dürfte selbst erklärte Anhänger öffentlicher Verkehrsmittel in den Bann ziehen. Der scharfe, durchdringende Ton aus den vier Endrohren ebenfalls – aber möglicherweise aus einem ganz anderen Grund. Was Kritiker dieses Genres tatsächlich als Makel betrachten könnten - die akustische Dominanz des F430 -, klingt in den Ohren verwöhnter High-End-Freaks wie eine originäre, auf den Motorsportbühnen dieser Welt komponierte Sinfonie. Der schon im Leerlauf einnehmende, heisere Sound geht mit zunehmender Drehzahl in ein freudiges Kreischen über, neben dem jeder andere Ton verblasst. In Sachen Taktfolge und Frequenz gibt es so gut wie keine Parallele. Der F430 ist - wie seine Vorgänger - schon von weitem und mit geschlossenen Augen eindeutig als Ferrari zu identifizieren. Die energischen Töne lassen sich mit der Schalt-Klaviatur hinter dem Lenkrad zu einer Melodie aneinanderreihen, die auf eine sehr unterhaltsame Weise variierbar ist. Das betörende Lied, das der Achtzylinder so gekonnt zu singen versteht, erfährt dadurch einen ganz besonderen Reiz. Das automatisierte F1-Getriebe, das das Kupplungspedal überflüssig macht und das Schalten zur Fingerübung degradiert, liefert dafür einen höchst professionellen Background. Weil die Gangwechsel in bisher nicht gekannter Geschliffenheit vonstatten gehen, wird der Motorsound in wunderschöner Weise modelliert.

Ein Kupplungspedal braucht der F430 nicht

Die Schaltvorgänge werden allerdings spürbar härter, wenn, wie im „Race“-Modus, die Schalthydraulik im Millisekundenbereich agiert. Aber selbst dabei gehen die Gangwechsel völlig geräuschlos über die Bühne, was in Kenntnis vergleichbarer Schaltsysteme sehr bemerkenswert ist. Das Zusammenspiel des Antriebsstrangs, angefangen beim Motor bis hin zum neuen, elektronisch gemanagten Sperrdifferenzial (E-diff), offenbart eine Perfektion, die in dieser Form einmalig ist. Der 490 PS starke Achtzylinder ist also in der vorzüglichen Lage, seine herausragenden Talente ohne störende Intermezzi und ohne Reibungsverluste vorführen zu können. Er tut dies nicht nur in puncto Laufkultur, Spontaneität und Drehfreude in wahrhaft meisterlicher Manier kund. Innerhalb weniger Augenblicke macht sich der immerhin knapp 1,5 Tonnen schwere Sportler - einen großartigen Klangteppich hinterlassend - aus dem Staub und erreicht den Standardwert beim Beschleunigen (100 km/h) in glatt vier Sekunden. Der Vorgang wird erst recht als eindrucksvoll empfunden, wenn man dem F430 auch darüber hinaus freien Lauf lässt. Nur 12,6 Sekunden dauert der Sprint bis 200 km/h, der sich wie jedes lustvolle Erlebnis unauslöschlich ins Hirn brennt. Das Vergnügen geht so leicht von der Hand, und die Halbwertzeit der dabei heraufbeschworenen Empfindungen ist so kurz, dass energisch vorgetragene Zwischenspurts zu häufiger Wiederholung zwingen. Mit den Bedingungen des öffentlichen Straßenverkehrs konveniert das zweifellos nur selten, sodass sich die Besatzung zwangsläufig mehrheitlich auf jene Eigenschaften konzentrieren muss, die im Alltag eher von Relevanz sind.

Der Einstieg über den breiten Schweller hinweg in das tief gelegene und zugleich flache Cockpit ist fraglos nichts für Rückenkranke. Allerdings findet man speziell in den aufpreispflichtigen, mit feinstem Leder bezogenen Sitzschalen eine sowohl angenehme als auch der Querbeschleunigung verpflichtete Sitzposition vor. Zudem gibt es keine Spur von Minimalismus, wie er in Sportwagen ähnlicher Prägung häufig zelebriert wird. Bis auf den für Langbeiner etwas kurz geratenen Beinschacht, der dazu zwingt, die Beine etwas stärker als gewohnt anzuwinkeln, ist der F430 ergonomisch bestens entwickelt. Angesichts der Attraktivität des Cockpits, ausgeschlagen mit Leder und vollendet mit glänzend verarbeiteten Karboneinfassungen, verbietet sich jedwede Frotzelei. Die Verarbeitungsqualität geht mittlerweile auch dann in Ordnung, wenn man in die dunklen Ecken schaut. Die schöne Pedalerie, der große zentrale, gelb unterlegte Drehzahlmesser und last but not least das scheinbar direkt aus dem Rennsport adaptierte Lenkrad mit dem roten Starterknopf links und dem „Manettino“ auf der gegenüberliegenden Seite stehen beispielhaft für jene nicht zu unterschätzenden Nettigkeiten, die letzten Endes Auslöser für eine dauerhafte und innige Freundschaft sein können – sofern das Objekt als Ganzes nicht durch gröbere Missstände in Misskredit gebracht worden ist. Aber dies steht im Fall des F430 nicht zu befürchten.

Die Bedienelemente sorgen für dauerhafte innige Freundschaft

Die sowohl von angemessenem Luxus als auch von eindeutigen Insignien der Sportlichkeit umschmeichelten Insassen werden zu ihrem Erstaunen mit einem Fahrkomfort konfrontiert, der in diesem Umfeld mehr als ungewöhnlich ist. Angemessene Straffheit: ja – knackige Härte: nein. Sogar die Abrollgeräusche der Reifen bleiben weitestgehend außen vor. Seine Umgänglichkeit im Alltag ist zunächst vielleicht der überraschendste Aspekt, der sich im Umgang mit dem F430 auftut: leichtfüßiges Handling, unkomplizierte Bedienung, einigermaßen gute Übersicht und nicht zuletzt ein Motor, der trotz seiner hoch qualifizierten Eigenschaften auch im quälenden Stop-and-go-Verkehr keine Sperenzchen macht. Wer gelegentlich eine freie Autobahn zur Verfügung hat, wird auch überrascht sein, wie sicher und unbeirrt der Mittelmotor-Sportwagen seiner Höchstgeschwindigkeit entgegenpfeilt. Bei Tempo 300 ist es äußerst angenehm zu wissen, dass man sich auf eine gewisse Sturheit gegenüber äußeren Einflüssen verlassen kann. Die Spitze ist übrigens erst bei 316 km/h erreicht.

Auch die Lenkung ist in ihrer Übersetzung so ausgelegt, dass die Hände bei hohen Geschwindigkeiten trocken bleiben. Die Einflüsse der Straße teilt sie dem Fahrer nur in sehr geringem Maße mit, was die erforderliche Rückmeldung im Grenzbereich naturgemäß etwas schmälert. In dem Maße direkt, wie man es von einem Supersportler dieser Gattung, noch dazu mit Sportreifen bestückt, erwarten würde, ist die Lenkung nicht. Dies gestaltet den Umgang folglich etwas lässiger und weniger nervös, mindert aber zwangsläufig auch die Agilität. Sollte in diesem Zusammenhang Kritik laut werden, dann äußert sich diese fraglos auf hohem Niveau: Die famose Rundenzeit in Hockenheim (1.12,7 Minuten) führt deutlich vor Augen, dass wir es hier mit einem sehr austrainierten Sportler zu tun haben – wenn auch mit einem, der potenziell der öffentlichen Straße verpflichtet ist. Das wiederum weckt Hoffnungen. Denn die Stradale-Version der für den Rennsport aufgelegten Challenge-Variante folgt vermutlich noch und wird – wie im Rennsport schon geschehen – der Konkurrenz aus deutschen Landen auch auf der Straße energisch entgegentreten. Wie dem auch sei: Schon mit der eindrucksvollen Rundenzeit auf der Nordschleife – 7.55 Minuten – hat der F430 den Beweis angetreten, dass er nicht nur aus den kleinen Verfehlungen seiner Vorgänger gelernt, sondern erstmals auch die Konkurrenz voll im Visier hat. Beruhigend auf die empfindsame Psyche des Ferrari-Fahrers wirkt sich dabei vor allem die Tatsache aus, dass der neue Mittelmotor-Sportler aus Maranello die Launenhaftigkeit seiner Vorgänger weit gehend abgelegt hat.

Der F430 hat weniger Launen

Auch mit der beim Supertest verwendeten, optionalen Pirelli Corsa-Bereifung zeigt der F430 ein leicht untersteuerndes Naturell – ein bei Ferrari bislang eher untypischer Charakterzug. Selbst das Thema Lastwechselempfindlichkeit - bei den Vorgängern fast immer präsent - ist so gut wie obsolet. Obwohl die dynamische Radlastverschiebung wegen des vergleichsweise komfortabel abgestimmten Setups deutlich zutage tritt – sichtbar durch relativ tiefes Eintauchen bei harten Bremsmanövern -, bleibt der F430 auch im Fall negativer Beschleunigung sicher in der Spur. Dabei hilft ihm natürlich die besondere Gewichtsverteilung: Statisch gemessen lasten 58,1 Prozent des Gesamtgewichts auf der Hinterachse. Auch bei harten Bremsmanövern dürften die Achslasten etwa paritätisch verteilt sein, was der Stabilität beim Bremsen und der Bremsleistung selbst zweifelsfrei zugute kommt. Die optional erhältliche Sportbremse mit wuchtigen Keramikscheiben und ebensolchen Bremssätteln wird dem gestellten Anspruch in vollem Umfang gerecht. Sie liefert trotz der immensen kinetischen Energie, die sie bei den brutalen Anforderungen auf der Autobahn oder auf der Rennstrecke im Zaum halten muss, Verzögerungsleistungen von bis zu 11,7 m/s² - ein souveränes Resultat, das vor dem Hintergrund der beglückenden fahrdynamischen Talente allerdings auch zu erwarten war.

Nürburgring Nordschleife 7.55,00 min
8
maximal 10 Punkte

Trotz des erstaunlich komfortablen Setups, das im Alltag zur vollsten Zufriedenheit der Besatzung arbeitet, schiebt sich der F430 in die vorderste Reihe ausgewiesener Ring-Experten. Die Pirelli Corsa-Bereifung spielt dabei natürlich eine nicht unwesentliche Rolle. Charakterlich sind keine Einwände erlaubt: Im Grenzbereich ist ein leichtes Untersteuern feststellbar. Auf die einstmals so gefürchteten Lastwechsel reagiert der F430 vorbildlich gelassen.

Rundenzeit Nordschleife Supertest Ferrari F430 sportauto0106
Hockenheim-Ring Kleiner Kurs 1.12,7 min
9
maximal 10 Punkte

Die Wankneigung in Längs- und Querrichtung beim Bremsen, beziehungsweise bei der Kurvenfahrt erscheint für einen Sportler dieses Kalibers etwas ungewohnt. Sie ist naheliegenderweise eine Konsequenz aus der vergleichsweise moderaten Feder-/Dämpferabstimmung. Dass sich der F430 dennoch so erfolgreich in Szene setzt und mit einer 12er-Zeit brilliert, ist ein Zeichen professioneller Abstimmungsarbeit im Detail. Theoretisch hat der markante Mittelmotorsportler ohnehin viele Vorteile auf seiner Seite.

Rundenzeit Hockenheim Supertest Ferrari F430 sportauto0106
Beschleunigung / Bremsen 17,6 sek
9
maximal 10 Punkte

Ein Motor, der ungeheuer zubeißt. Ein Getriebe, das in seiner Gesamtheit perfekt funktioniert. Eine standfeste Kupplung und nicht zuletzt eine hervorragende Traktion machen den F430 zu einem formidablen Sprinter, der völlig ohne Allüren zu Werke geht. 4,0 Sekunden bis 100 km/h und, noch eindrucksvoller, 12,6 Sekunden bis 200 km/h – das sind Resultate, die keines weiteren Kommentars bedürfen. Auf der anderen Seite steht eine Bremsanlage mit Rennsport-Komponenten parat, die sich vor lauter Begeisterung ab und zu ein verhaltenes Quietschen erlaubt. Im Verbund mit den Sportreifen schafft sie Verzögerungsleistungen von rund 11,5 m/s².

Beschleunigung 0-200 km/h:
12,6 s
Bremsen 200-0 km/h:
5,0 s
Windkanal
9
maximal 10 Punkte

Die bei DaimlerChrysler im Windkanal ohne Laufband ermittelten Aerodynamikwerte fallen grundsätzlich schlechter aus als jene, die in einem Windkanal mit Laufband (wie bei Ferrari) herausgefahren werden. Das liegt an den unterschiedlichen Messmethoden. So generiert der F430 laut Hersteller einen deutlichen Abtrieb, und zwar 18 respektive vier Kilogramm an Vorder- und Hinterachse bei 200 km/h. Die hier veröffentlichen Werte liegen dagegen bei gleicher Geschwindigkeit im Plus-Bereich, wenn auch auf sehr niedrigem Niveau. Fakt ist, dass der F430 aerodynamisch gut entwickelt ist.

Fahrzeugstirnfläche (A):
2,04 m²
Luftwiderstandsbeiwert (cw):
0,34
Luftwiderstandsindex (cw × A):
0,7
Vorderachse bei 200 km/h:
11 kg Auftrieb
Hinterachse bei 200 km/h:
6 kg Auftrieb
Querbeschleunigung 1,35 g
9
maximal 10 Punkte

Das Gewicht des voll getankt 1493 Kilogramm schweren Zweisitzers ist trotz der Mittelmotorbauweise nicht ganz paritätisch auf beide Achsen verteilt. 41,9 Prozent der Masse lasten auf der Vorderachse, 58,1 Prozent auf der Hinterachse. Im Vergleich zur üppig bereiften Hinterachse (285/35 ZR19) sind die Reifenbreiten vorn eher schmächtig gewählt – wohl auch deshalb, um auf diesem Weg eine ausgewogenere fahrdynamische Balance herzustellen. Die Breite beträgt hier nur 225 Millimeter. Mit der Corsa- Sportbereifung liefert der F430 aber Querbeschleunigungen von bis zu 1,35 g.

36-Meter-Slalom 132 km/h
8
maximal 10 Punkte

Obwohl die Pirelli-Sportreifen dank ihrer niedrigen und damit auch steifen Flanken grundsätzlich in der Lage sind, die Lenkbefehle annähernd verzögerungsfrei umzusetzen, kommt nicht der Eindruck einer übermäßig direkten Lenkung auf. Der positive Aspekt: Sie wirkt unter keinen Umständen nervös. Auf der anderen Seite sind die notwendigen Lenkeinschläge größer als in einem derart sportiven Umfeld erwartet. Hier spielt vermutlich auch das konservative Reifenformat auf der Vorderachse eine tragende Rolle. Der F430 bleibt sehr neutral, zeigt aber eine starke Seitenneigung.

Ausweichtest 143 km/h
8
maximal 10 Punkte

Auch hier fällt die Gutmütigkeit am Limit auf. Die beim Gaswechsel zwangsläufig vorkommenden Lastwechselreaktionen bleiben zahm. Die früher monierte Drehfreude um die Hochachse ist einem sicheren Verhalten im Grenzbereich gewichen. Die Agilität mag darunter ein wenig leiden, der Kompromiss darf aber als gelungen bezeichnet werden. Der tendenziell breitere Grenzbereich ist natürlich auch eine Folge des kommoderen Fahrwerk-Setups, das selbst in puncto Abrollkomfort keine Kritik verdient.

Nasshandling
1
maximal 10 Punkte

Mit den Pirelli Corsa-Sportreifen zeigt der F430 bei Nässe nur dann ein zickiges Fahrverhalten, wenn die Sicherheitssysteme völlig abgeschaltet sind – was vermutlich niemand tun wird, dem das geschwungene Alu-Blech seines F430 lieb und teuer ist. Man vertraut also vorzugsweise auf das elektronische Stabilitätsprogramm, das mit vier unterschiedlichen Eingriffsschwellen aufwartet, und dem konsequenterweise auch verschiedene Feder- und Dämpferkennlinien zugeordnet sind. Die Justierung geschieht via „Manettino“. Das Programm hat überzeugende Talente: Der F430 legt auch bei niedrigen mÿ-Werten ein gutmütiges Fahrverhalten an den Tag. Nur: Das Tempo bleibt dabei zwangsläufig auf der Strecke.

Fazit

Die Leistungskurve der Achtzylinder-Baureihe von Ferrari , angefangen beim F355 über den 360 Modena und den Challenge Stradale, geht glatt nach oben – zwar nicht ganz so steil wie die Leistungskurve des neuen Achtzylinders im F430, aber immerhin sehr eindrucksvoll. Der traditionell längs eingebaute Vierventiler ist nach wie vor uneingeschränkter Mittelpunkt des Geschehens. Sozusagen ein Glücksfall: Sagenhafte Drehfreude, vorbildliche Leistungsentfaltung, betörender Klang und ein unglaublicher Leistungswille charakterisieren dieses begeisternde Triebwerk. Es wird nicht nur optisch wunderschön präsentiert, sondern lässt sich nun auch mit einem automatisierten Getriebe kombinieren, welches in perfekter Harmonie mit dem Motor agiert. Dessen Anteil am Gesamtergebnis ist allerdings etwas geringer geworden – einfach deshalb, weil zum Glück nun auch dem Umfeld jene Aufmerksamkeit geschenkt wurde, die notwendig ist, um als Gesamtkunstwerk Anerkennung zu finden. Der F430 ist zudem ein sehr umgänglicher Sportwagen geworden: Im Alltag unproblematisch zu fahren und überraschend komfortabel. Auf der Rennstrecke zugleich ein ausgewiesener Könner, der – Streckenkenntnis und etwas Einfühlungsvermögen vorausgesetzt – die Schnellsten der Branche herausfordern kann. Ein Makel haftet dem Ferrari dennoch an: Er ist nur schwer zu kriegen.

Technische Daten
Ferrari F 430
Grundpreis169.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4512 x 1923 x 1214 mm
KofferraumvolumenVDA250 L
Hubraum / Motor4308 cm³ / 8-Zylinder
Leistung360 kW / 490 PS (465 Nm)
Höchstgeschwindigkeit316 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,0 s
Verbrauch18,3 L/100 km
Testverbrauch18,7 L/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Neu Registrieren

Erstellen Sie ein kostenloses Profil und profitieren Sie von vielen Vorteilen

  • Zugriff auf alle technischen Daten
  • Artikel kommentieren
  • Teilnahme an Gewinnspielen
  • Schneller PDFs kaufen
  • 360° Ansichten von Autos
  • Exklusives PDF-Bonus-Programm
Kostenlos anmelden
Login mit Ihrem Profil
    Kommentar schreiben

    Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
    Empfehlungen aus dem Netzwerk
    Autokredit berechnen
    Anzeige
    Gebrauchtwagen Angebote