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Gumpert Apollo Sport im Supertest

Neue Dimension der Supersportwagen

Gumpert Apollo Sport Foto: Rossen Gargolov 30 Bilder

Der Gumpert Apollo Sport erschließt sich im Test eine neue Bewertungs-Dimension: Mit Maximalpunktzahlen in sechs von sieben Supertest-Kriterien beweist die deutsche Antwort auf Pagani, Koenigsegg und Co., dass der Supersportwagen die Magie des Rennsports wie kein Zweiter auf die Straße bringt.

09.12.2011 Horst von Saurma Powered by

Die Unterarmmuskeln sind angespannt, die Fingerknöchel weiß, und die Zunge fühlt sich pelzig an. Wahrscheinlich sind bei diesem Supertest des Gumpert Apollo Sport auch die Augen etwas größer als sonst. Das gedanklich vorab aufgezeichnete Delta zwischen dem, was faktisch möglich ist und dem, was aus eigenem Erleben im Kopf gespeichert ist, beträgt mehr als 20 Sekunden. Aber wo herholen? An welcher Stelle stehen lassen? Wie viele Meter später bremsen?

Wer in etwa eine Ahnung davon hat, wie schwer es ist, nur ein, zwei oder gar drei Sekunden auf einer definierten und tausendfach gefahrenen Strecke herauszuholen, der weiß, wie lang 20 Sekunden sind - eine halbe Ewigkeit. Die in diesem Augenblick der Konzentration gestellte Frage, ob es Spaß mache, in einem begrenzten Zeitfenster den Grenzbereich auszuloten, würde spontan negativ beschieden werden: Nee, mit diesem Geschoss Gumpert Apollo Sport eher nicht.

Die Test-Erwartungen an den Gumpert Apollo Sport sind riesig

Was kaum einer ahnt: Der Druck bei diesem Test ist groß, die Erwartung an das Testergebnis riesig und das Gefühl im Magen des Testfahrers entsprechend flau. Quatsch, sagt die innere Stimme nur zwei Kilometer weiter. Klar macht das Spaß - und wie! Die Körperspannung verliert sich zusehends, der Druck auf die Zahnreihen ist verschwunden und die Unterlippe wieder total entspannt. Was sich hier im Gumpert Apollo Sport abspielt, ist der helle Wahnsinn - mitreißend wie ein dramatischer Film in den Anfängen von Cinemascope: viel zu schnell im Bewegungsablauf. Der Streifen ist von einem Hintergrundrauschen begleitet, das sich fast wie ein Vermächtnis des Urknalls anhört.

Gumpert Apollo Sport auf dem Autosalon Genf 2010: Gumpert Apollo Sport jetzt mit 750 PS 7:44 Min.

Mit dem Gumpert Apollo Speed ist die Nordschleife eckiger geworden

So, wie man sie aus Tausenden von Umrundungen kannte, in ihrer Form, im Verlauf und in der Topografie, so unbekannt erscheint sie einem im Gumpert Apollo Sport: Die Nordschleife ist eckiger geworden. Die langen Biegungen sind zu engen Kurven mutiert, und die Sprunghügel, auf denen normale Sportwagen regelmäßig bis zum Abheben aus den Federn springen, scheinen wie von Geisterhand begradigt zu sein. Die Döttinger Höhe stellt sich am Ende so verkürzt dar, dass ihre 2,8 Kilometer Länge nicht mal mehr zu einem kurzen Verschnaufer oder einen Seitenblick auf die oberhalb der Strecke thronenden Ruine der Nürburg reichen. 260, 270, 280 km/h - der sechste und letzte Gang ist schon seit kurz hinter der Brücke im Ausgang des Galgenkopfs eingelegt. Die Schaltlampen im Gumpert Apollo Sport blitzen auf der welligen Fahrbahn bei knapp 7.000 Touren abwechselnd gelb und rot. 

Der V8 im Rücken brüllt, als unterliege er der Folter. Das akustische Donnerwetter aus Motor-, Wind- und Abrollgeräuschen strebt kurz vor der Senke hinter der Antoniusbuche dem Höhepunkt zu, um dann abrupt mit dem Werfen des Bremsankers in eine deutlich moderatere Tonlage überzugehen. Wow! Der schnelle Linksknick, eine der markantesten Angstkurven der Nordschleife, jene hinter der Brücke am Ende der langen Döttinger Höhe, sie geht im Gumpert Apollo Sport voll: kein kritisches Zusammenkneifen der Augen mehr, kein Zucken im Gasfuß, keine Spur von Bedenken. Warum tut man das, sich mit Vollgas durch die lange Biegung katapultieren und dann auf die darauffolgende Senke zustürzen? Nun ja, weil es sich anbietet. Das Werkzeug für derartige Eskapaden, der Gumpert Apollo Sport, ist bisher der erste und einzige Vertreter der Gattung Supersportler, der sich dem Rennsport nicht nur in formalen Ansätzen nähert, sondern auch die dort maßgeblichen Stellhebel konsequent zu nutzen weiß.

Gumpert Apollo unterliegt dem Diktat aerodynamischer Gesetzmäßigkeiten

Die Erkenntnis, dass PS-Leistung ab einer bestimmten numerischen Größe zum Selbstzweck verkommt, weil der Zugewinn keinen verwertbaren Ertrag mehr bringt, hat Roland Gumpert, Audi-Sportchef zu Zeiten grandioser Rallye-Erfolge und Gründer der gleichnamigen Sportwagenmanufaktur im thüringischen Altenburg, wie kein Zweiter in seine Konzeption einfließen lassen. Die Silhouette des Gumpert Apollo Sport unterliegt deshalb keiner verbrämten Design-Philosophie, sondern schlicht dem Diktat aerodynamischer Gesetzmäßigkeiten. Motto: Wer mit - wie in diesem Fall - 700 PS auf die Piste gehen will und dabei der Querbeschleunigung mindestens so viel Bedeutung zubilligt wie der Längsbeschleunigung, kommt nicht daran vorbei, sich Bedingungen zu beugen, die im Rennsport gang und gäbe sind. Dazu gehören grob betrachtet ein geschlossener Unterboden mit Diffusor, ein Heckflügel im Maximalformat und ein extrem breiter Frontsplitter, dessen Bezeichnung sich auch mit Blick auf seine Eigenschaften beim versehentlichen Bordstein-Kontakt erklärt.

Das Grundlayout des Gumpert Apollo Sport definiert sich überdies durch seine ebenfalls im Rennsport verbreitete Chassis-Struktur, deren Substanz ein extrem verwindungssteifes Carbon-Monocoque ist. Um dieses zentrale Element sind die übrigen Komponenten - Antriebseinheit und Radaufhängungen - unter Zuhilfenahme stählerner Gitterrohr-Konstruktionen gruppiert. Den Mittelpunkt diese Konstrukts bilden - wenn man so will - die beiden direkt in der Carbon-Schale ausgebildeten Sitzschalen, in denen die Gumpert Apollo Sport-Besatzung eine intime, mit kleinen Einschränkungen aber sehr passable Bleibe finden.

Das knapp über der Fahrbahn liegende Nervenzentrum der Macht lässt sich durch die Flügeltür-Konstruktion sogar mit eleganter Grazie entern, wenn man die schrittweise Abfolge des Ein- und Austritts verinnerlicht hat. Da die Sitzposition in den mit schmeichelndem, roten Leder bezogenen Schalen unverrückbar ist, gestattet ein trickreicher Verschiebemechanismus der Pedalerie eine beschränkte individuelle Anpassung an die Gegebenheiten der überwiegend mit feinem Alcantara ausgekleideten Apollo-Kapsel. 

Die Handhabung dieses Rekordjägers erklärt sich fast von selbst

Während Kopf- und Ellbogenfreiheit im Gumpert Apollo Sport als ausreichend durchgehen - selbst bei aufgesetztem Helm und mit Copilotin an der Seite -, müssen sich großgewachsene Kommandanten auch bei tiefster in den Fußraum verschobener Pedalerieanordnung mit deutlich angezogener Beinhaltung arrangieren. Ansonsten konfrontiert die Besatzung eine aufgrund ihrer wuchtigen Seitenschweller auch als Überlebensraum sehr Vertrauen erweckende Kanzel mit wenigen Überraschungen. Abgesehen davon, dass sich der analog anzeigende Tacho nur schwer ablesen lässt und das Blaulicht der Verfolger auf dem im Radioteil integrierten Bildschirm wegen der Panoramaoptik erst dann erkannt wird, wenn es zu spät ist, erklärt sich die Handhabung dieses Rekordjägers fast von selbst.

Der hoch aufragende, griffgünstig neben dem leicht abzunehmendem Lenkrad des Gumpert Apollo Sport angeordnete Schaltstock kennt nur ein Bewegungsmuster: vor oder zurück. Der Rückwärtsgang wird eingelegt, indem bei gleichzeitigem Knopfdruck am Lenkrad der Hebel nach vorn gedrückt wird. Die Gänge eins bis sechs werden schließlich einer nach dem anderen mittels Zug nach hinten aktiviert.

Dass das Hoch- und Runterschalten im Gumpert Apollo Sport nur unter gleichzeitiger Betätigung des Kupplungspedals funktioniert, ist ein untrügliches Indiz dafür, dass es sich bei dem italienischen Cima-Getriebe trotz der sequenziellen Bedienung nicht um eine automatisierte, sondern um eine klassische Getriebevariante handelt. Hier wurde lediglich die Handhabung umgestellt. Als unbedingt leichte Fingerübung geht diese Art der Bedienung zwar nicht durch. Doch mit etwas Schmackes im rechten Oberarm wird aus der anfangs etwas knorrigen Aktion ein befriedigendes Arrangement - vor allem dann, wenn im Zuge starker Leistungsabfrage eine engagierte, körperbetonte Herangehensweise gefordert ist. Dies gilt auch für die Zweischeibenkupplung von Sachs. Sie erfordert beim Anfahren etwas mehr Feingefühl im Fuß und zudem mehr Beinkraft als üblich, wenn der Start im Gumpert Apollo Sport nicht im abrupten Stillstand oder alternativ in einem Rodeo-ähnlichen Ablegemanöver enden soll. 

Mit Normalität hat der Umgang mit dem Testkandidaten nicht viel zu tun

Die Kupplung des Gumpert Apollo Sport ist ein weiteres Indiz dafür, dass eine von extrem niedrigem Leistungsgewicht - 2,1 Kilogramm pro PS - geprägte Synthese wie diese Weichspültendenzen gegenüber nicht unbedingt aufgeschlossen sein kann. Allein was der tief hinterm Rücken installierte Motor anzurichten vermag - vor allem auch im Kopf des Fahrers –, hat mit Normalität nicht viel zu tun. Die großartige, Eindruck schindende Hardrock-Akustik und der unter vollem Ladedruck geradezu explosionsartige Leistungsanstieg des von zwei stattlich dimensionierten Turboladern unter Druck gesetzten Achtzylinders scheinen in dieser dramatischen Kombination nicht von dieser Welt zu sein - obwohl der Motor in seiner Grundform aus dem Audi-Regal stammt. Mit der vorliegenden kürzesten aller möglichen Übersetzungen erfordert der, je nach Modelltyp (Gumpert Apollo, Apollo sport, - race und – speed) zwischen 650 und 800 PS leistende Biturbo nicht nur eine kundige Hand, sondern auch einen schnellen Fuß und ein sicheres Auge.

So, wie dieser Motor an den Antriebswellen reißt, ist es ihm ein Leichtes, die Koordinationsfähigkeiten bis zum Maximum auszureizen. Wenn es nicht die breiten Michelins sind, die bei deaktivierter Traktionskontrolle anfangs haltlos zum Durchdrehen neigen, dann ist es Sekunden später der Beifahrer im Gumpert Apollo Sport, dem aufgrund der einsetzenden Dynamik die klare Sicht der Dinge abhanden kommt. Der Sprint auf 200 km/h gelingt dem Apollo Sport trotz der etwas verhaltener angegangenen ersten Meter in 9,5 Sekunden. Was den Apollo Sport letztlich so sympathisch macht, ist die Coolness, mit der er trotz des Wissens um seine fahrdynamische Übermacht weit diesseits von Rekorden vorstellig wird: Es ruckelt und zuckelt nichts. Klappern und Quietschen? - Fehlanzeige.

Der Motor des Gumpert Apollo Sport läuft auf bei niedrigen Touren so rund und sanftmütig, als könne er kein Wässerchen trüben. Die krawallige Art, die man ihm aufgrund seines unübersehbaren äußeren Erscheinens gern unterstellt, ist ihm akustisch nicht anzulasten - zumindest nicht bei niedrigen Drehzahlen. So steht selbst einer Stadtbesichtigung von dieser niedrigsten aller Fahrebenen aus nichts Wesentliches entgegen - außer, dass dem städtischen Gumpert Apollo-Programm fast an jeder Ecke Beifall gespendet oder zumindest sichtbarer Respekt bekundet wird.

Das Entern von Parklücken ist zugegebenermaßen einer der wenigen Vorgänge, die das bis dahin erlebte stabile Hoch mit einem kurzfristigen Zwischentief unterbrechen. Aber auch das hat seine guten Seiten, wenn die nach oben schwenkbaren Flügeltüren des Gumpert Apollo Sport die Innenansicht dieses extrem niedrigen, flächenmäßig aber raumgreifenden Supersportlers auch fürs flanierende Publikum freigeben.

Geeignet für schnelle Umlaufbahnen und profane Transportaufgaben

Die Tatsache, dass kein seitlich ausschwenkendes Türblatt fremden Lack beschädigen kann und auch der gelernte Ausstieg aus der Raumkapsel wegen des verbleibenden seitlichen Freiraums keine Verrenkungen nötig macht, zeugt durchaus von Klasse und von Stil. Wenn auch das Öffnen der riesigen Heckabdeckung des Gumpert Apollo Sport wegen der damit verbundenen Freilegung sämtlicher technischer Intimitäten verbunden ist, so macht dieser Vorgang letztlich deutlich, dass sich der Gumpert Apollo Sport keineswegs nur dem Selbstzweck verpflichtet fühlt. Er ist nämlich durchaus bereit, neben seiner Tätigkeit als Bereiter schneller Umlaufbahnen auch profane Transportaufgaben zu erledigen. Der oberhalb des V8-Triebwerks platzierte, beleuchtete Kofferraum hat ein Fassungsvermögen von 100 Liter - ist damit also nur geringfügig kleiner als der 120 Liter fassende Kraftstofftank.


^ Die einzelnen Supertest-Wertungen finden Sie im Reiter über dem Foto. ^

Nürburgring Nordschleife 7.24,00 min
10
maximal 10 Punkte

Ein Zeitfenster von zwei Runden - eine zum Eingewöhnen und Reifen anwärmen und die zweite: So schnell es geht. Das Ergebnis ist deshalb so überwältigend, weil - wie üblich - keine sukzessive Annäherung ans Limit möglich ist. Der "Schnellschuss" sagt viel über die Fahrbarkeit des Apollo beziehungsweise über das spontane Vertrauen in die Technik aus. Das Leistungsvermögen des Motors macht sprachlos. Die aerodynamische Komponente ist erstmals körperlich spürbar.

(Hier finden Sie alle Rundenzeiten der Supertest-Kandidaten)

Rundenzeit Nordschleife Gumpert Apollo Sport
Hockenheim-Ring Kleiner Kurs 1.07,2 min
10
maximal 10 Punkte

Über die Qualitäten von Motor und Fahrwerk dieses reinrassigen Sportwagens muss angesichts der erzielten Zeit kein Wort mehr verloren werden. Die Kardinalfrage ist: Wie weit ist es dem Fahrer möglich, die Ressourcen des Supersportlers effektiv zu nutzen? Wie im Rennsport üblich spielen Reifenluftdruck und -temperatur eine ganz entscheidende Rolle. Wer sich mit dem Apollo in die Umlaufbahn schießen will, muss die Checkliste zuvor gewissenhaft abarbeiten.

(Hier finden Sie alle Rundenzeiten der Supertest-Kandidaten)

Rundenzeit Hockenheim Gumpert Apollo Sport
Beschleunigung / Bremsen 14,2 sek
10
maximal 10 Punkte

Mit der eingeschalteten elektronischen Traktionskontrolle stören spürbare Regeleingriffe die Vollkommenheit des Beschleunigungsaktes – und ohne deren Unterstützung geht die Leistung in der Startphase allzu leicht in Reifenrauch auf. Erst im Sprint bis 200, noch besser bis 300 km/h, offenbart der Apollo sein ganzes Leistungsvermögen: Nach 9,5 Sekunden ist die erste Hürde (200 km/h) und nach 26,7 Sekunden (300 km/h) die zweite genommen. Das Getriebe arbeitet konventionell, sodass der Kupplungsfuß beim Hoch- und Runterschalten beschäftigt bleibt. Die theoretische Bremsleistung dürfte die Übertragungskräfte der Reifen ein Stück weit übertreffen.

Beschleunigung 0-200 km/h:
9,5 s
Bremsen 200-0 km/h:
4,7 s
Windkanal
10
maximal 10 Punkte

Ein Gesamtabtrieb von fast 200 Kilogramm schon bei Tempo 200 km/h ist in der im Mercedes-Windkanal durchgeführten Supertest- Messreihe bisher einmalig. Allein der riesige Heckflügel generiert in seiner flachsten Einstellung 1724 Newton, was – bedingt durch das starke Aufnickmoment – den Abtrieb an der Vorderachse (200 Newton) deutlich geringer ausfallen lässt. Ungeachtet dieser nicht ganz ausgewogenen aerodynamischen Balance scheint der 1.458 Kilogramm schwere Mittelmotor-Sportler auf der Fahrbahn zu „kleben“. Das unter anderem durch die großen Kühlluftöffnungen und die ausgestellten Radhäuser bedingte, insgesamt stark zerklüftete Frontprofil reduziert zwangsläufig den cW-Wert.

Fahrzeugstirnfläche (A):
1,99 m²
Luftwiderstandsbeiwert (cw):
0,57
Luftwiderstandsindex (cw × A):
1,14
Vorderachse bei 200 km/h:
20 kg Abtrieb
Hinterachse bei 200 km/h:
176 kg Abtrieb
Querbeschleunigung 1,50 g
10
maximal 10 Punkte

Eine perfekte Gewichtsverteilung in Längs- und Querrichtung, der extrem tiefe Schwerpunkt und nicht zuletzt der auch durch den geschlossenen Unterboden inklusive Diffusors erzeugte Abtrieb dürften grundsätzlich für eine noch höhere Querbeschleunigung gut sein. In diesem Fall sind es ausnahmsweise mal die Reifen, die die Grenze markieren – obwohl es sich bei ihnen um genau jene straßenzugelassenen Sportreifen handelt, die derzeit nach aller Erfahrung das Maximum an Grip liefern: Michelin Pilot Sport Cup in der Dimension 265/30 ZR 19 auf der Vorder- und 345/30 ZR 19 auf der Hinterachse.

36-Meter-Slalom 146 km/h
10
maximal 10 Punkte

Mit dem Wort zackig sind die in Bruchteilen von Sekunden ausgeführten Richtungswechsel nur unzureichend beschrieben. So unmittelbar, wie der Apollo Sport auf Lenkbewegungen reagiert, zeigt er trotz seiner straßenzugelassenen Bereifung die Agilität eines Profi-Renners. Im Hochgeschwindigkeitsbereich sorgt die ungemein direkt arbeitende Lenkung allerdings für etwas Nervosität. Außerdem verhärtet sie sich bei schnellen Richtungswechseln um die Mittellage. Die Summe seiner fahrdynamischen Talente spiegelt sich im Rekordergebnis allerdings eindrucksvoll wider.

Ausweichtest 160 km/h
10
maximal 10 Punkte

Vorausgesetzt, die Reifen sind auf angemessene Temperatur gebracht, zeigt der Apollo Sport auch im schnellen Spurwechsel ein gehorsames Naturell. Den weit jenseits des auf öffentlicher Straße nachvollziehbaren Grenzbereich markiert er vorbildlich zunächst durch leichtes Schieben über die Vorderräder. Selbstverständlich ist mit jeder Gaspedalstellung, die über ein sachtes Schleppgas hinausgeht, jeder Driftwinkel darstellbar. Der aerodynamische Einfluss ist in diesem Tempobereich bereits spürbar relevant.

Nasshandling
1
maximal 10 Punkte

Bei dem engen Layout des Nasshandlingkurses und der damit verbundenen niedrigen Durchschnittsgeschwindigkeit von lediglich 63,3 km/h kommt der Apollo nur schwerlich auf Touren. Die Aerodynamik hilft ihm nicht, und die dynamische Radlastverschiebung, die im Nassen oftmals bessere Ergebnisse zur Folge hat, kommt bei ihm nicht zum Tragen. Er liegt eben wie ein Brett auf der Fahrbahn, was an der geringen Seitenneigung der Karosserie abzulesen ist. Der harte Leistungseinsatz des Biturbo-V8 und der eingeschränkte Nassgrip der Cup-Reifen machen die Sache nicht einfacher, weshalb der Rekordhalter vom Nürburgring in dieser nassen Disziplin erwartungsgemäß nur ein mäßiges Ergebnis einfährt.

Fazit

Rekorde über Rekorde: Auf der Nordschleife des Nürburgrings, auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim, bei der 0-200-0-Prüfung, im Windkanal, bei der maximalen Querbeschleunigung, im 36-Meter-Slalom - die neue deutsche Sportwagenlegende aus dem thüringischen Altenburg namens Gumpert Apollo Sport betritt die Szene mit einem Paukenschlag.

Der von einem 700 PS starken, auf Audi-Basis aufgebauten Biturbo-V8 angetriebene Mittelmotor-Sportler ist sozusagen der Pragmatiker unter den Supersportlern. Während andere sich in dieser Leistungs-Liga schwerpunktmäßig von der Ästhetik leiten lassen müssen, macht sich der Apollo in geradezu professioneller Manier daran, die im Motorsport gängigen Standards auf die Straße zu bringen. Sein Leitmotiv heißt nicht nur Leistung, sondern vor allem Abtrieb.

Das herausragende Merkmal seines Auftritts ist dabei nicht die Ausschließlichkeit, mit der er sein fahrdynamisch begeisterndes Sportprogramm abspult, sondern die Verbindlichkeit, die er trotz seines zugespitzten Charakters an den Tag legt. Mit etwas Eingewöhnung zeigt sich der Apollo selbst den harten Bedingungen des Alltags gegenüber durchaus offen: Selbstverständlichkeiten wie Lederausstattung, Klimaanlage und elektrische Fensterheber bringt er ebenso mit wie einen, wenn auch nur fürs Nötigste tauglichen Kofferraum. Einen solchen Opportunismus hätte man ihm angesichts des Rekord-Registers niemals zugetraut.

Fahrspaß:
10 Punkte
Alltagstauglichkeit:
4 Punkte
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Technische Daten
Gumpert Apollo Sport
Grundpreis477.023 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4460 x 1998 x 1105 mm
Hubraum / Motor4172 cm³ / 8-Zylinder
Leistung515 kW / 700 PS (870 Nm)
Höchstgeschwindigkeit330 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h3,0 s
Testverbrauch22,1 L/100 km
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