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Lamborghini Aventador LP 700-4 im Supertest

Skulptur extremer Dynamik überzeugt

Lamborghini Aventador LP 700-4, Seitenansicht, Zuschauer Foto: Rossen Gargolov 25 Bilder

Der Lamborghini Aventador LP 700-4 legt im sport auto-Supertest einen extrovertierten Auftritt hin und hält was er optisch verspricht. Die sportlichen Anlagen sind vom Feinsten, als wäre es selbstverständlich.

03/08/2013 Horst von Saurma Powered by

Es ist wie immer und überall nicht das große, hehre Versprechen, das einer Beziehung Halt und Substanz gibt. Es sind die kleinen, liebenswerten Details, die den Schlüssel zum dauerhaften Erfolg ausmachen.

700 PS und hochkarätige Rennsport-Technik

Das soll nicht heißen, dass der neue, wieder nach einem tapferen spanischen Stier aus der spanischen Corrida benannte Lamborghini seinem Auftrag im Großen und Ganzen nicht gerecht werden würde. Aber seien wir ehrlich: Es dürfte im Alltag nicht leicht fallen, die von 700 PS getriebenen und von ausnehmend hochkarätiger Rennsport-Technik erlebbar gemachten Sporttalente auch nur ansatzweise zu entdecken. So könnte die Liebe doch rasch abkühlen, wäre da nicht noch etwas anderes, das die Leidenschaft auch in weniger aufregenden Zeiten anheizen kann.

Ob die Investition - in diesem Fall knapp 330.000 Euro - als lohnender Beitrag zur Erhöhung der Lebensqualität verbucht werden kann, hängt demnach auch beim Lamborghini Aventador LP 700-4 von anderen Faktoren ab als von der Möglichkeit, im Schulterschluss mit ihm den Zustand maximaler Leistungsfähigkeit abzurufen. Schließlich ist jener in diesem Lambo erst bei 350 km/h erreicht.

Rote Klappe und schwarzer Knopf

Und doch: Es sind so liebenswerte Formalien wie diese, bei denen einem das Herz aufgeht - und zwar weit diesseits jedes Grenzbereichs. Um den Stier namens Lamborghini Aventador LP 700-4 aus St. Agata zum Leben zu erwecken, ist der Fahrer zunächst einmal angehalten, eine kleine, rote Klappe auf dem Mitteltunnel zu öffnen.

Darunter verbirgt sich noch etwas anderes als nur ein schwarzer Knopf mit roter Schrift, mit dem - sachlich betrachtet - der V12-Motor gestartet oder angehalten werden kann. Die Aufforderung nämlich, sich über sein Tun im Klaren zu sein und die Konsequenzen, die daraus entstehen könnten, genau im Auge zu behalten - Top Gun lässt grüßen. Die Analogie zur Waffentechnik ist nicht zufällig gewählt. Auch im Cockpit des Lamborghini Aventador LP 700-4 sind ernste Konsequenzen im Falle unbedachter Handlungsweisen und -abläufe nicht ausgeschlossen.

Aber ganz so explosiv und folgenschwer stellt sich die auf den Knopfdruck folgende Dramaturgie dann glücklicherweise doch nicht dar. Der rote Sicherungsdeckel ist nur eine Metapher - kein Hinderungsgrund.

Der V12 nimmt die Sinne in Beschlag

Sein bloßes Vorhandensein erzeugt vielmehr eine anregende, freudige Erwartungshaltung, der wenig später, nämlich dann, wenn der Deckel bewusst aufgeklappt und der Knopf darunter auch tatsächlich gedrückt wird, eine grandiose Ouvertüre folgt. Der hinter dem Cockpit längs liegende, bei Lamborghini in Eigenregie entwickelte Sechseinhalbliter-V12 macht sich förmlich einen Spaß daraus, die Sinne der Besatzung und derjenigen, die dem Vorgang im Gravitationsbereich des Lamborghini Aventador LP 700-4 beiwohnen, völlig in Beschlag zu nehmen.

Aber keine Bange: So grell und laut, dass einem Hören und Sehen vergeht, ist die Zeremonie nicht. Trotzdem ist sie so gewählt, dass niemand mehr wegschauen und schon gar keiner mehr weghören kann.

Das markante Design des Lamborghini Aventador LP 700-4 sticht ins Auge

Den Blick von diesem orangefarbenen Keil abwenden zu wollen, hieße, einem nicht dem eigenen Willen gehorchenden Urbedürfnis zuwider handeln zu wollen. Denn der Lamborghini Aventador LP 700-4 verkörpert, wie es die Lamborghini-Designer im Centro Stile ausdrücken, „ein Kunstwerk avantgardistischen Designs“. Oder, wie an anderer Stelle vermerkt „eine Skulptur extremer Dynamik.“ Mit anderen Worten: Von der gepfeilten Front über die extrem flache Dachlinie in 1.136 Millimeter Höhe bis hin zum markanten Diffusor herrscht gespannte Präsenz.

Mit seinen extrem scharfen, wie mit dem Schnitt eines Messers gezogenen Linien und den in Kohlefasermaterialien geformten Flächen scheint der Lamborghini Aventador LP 700-4 die Logik des Form-follows-Function-Gebots mit jedem Atom aufgesogen zu haben. „Wir haben uns die Inspiration aus einer anderen Sphäre von Geschwindigkeit und Dynamik geholt“, heißt es im Centro Stile weiter. Gemeint ist die moderne Aeronautik.

Boden-Boden-Rakete

Trotzdem muss jeder bewusste Versuch, jenseits der 300 km/h abheben zu wollen, angesichts der aus Flieger-Sicht ins Gegenteil verkehrten aerodynamischen Kraft als aussichtslos betrachtet werden. Aber wenn wir schon bei Überfliegern sind: Angesichts des vorhandenen Schubs ist der Begriff Boden-Boden-Rakete sicher nicht abwegig. Und ein Bezug zum Jet-Set ist angesichts des Eintrittsgelds, das zum Entern dieses 700-PS-Geschosses entrichtet werden muss, auch leicht herzustellen. Die Zuneigung der eben genannten Klientel wird sich der große Lamborghini-Zwölfzylinder sicher mit Links erwerben können, selbst wenn deren Expertise wohl nur in den seltensten Fällen ausreichen wird, um den wahren Wert des Lamborghini Aventador LP 700-4 zu erkennen.

Der Lamborghini Aventador LP 700-4 besitzt praktische Züge

Aber bleiben wir zunächst bei dem, was sich leicht erschließen lässt: Die praktischen, weil senkrecht nach oben schwenkenden Scherentüren erlauben es auch ungelenkigen Naturen, das Cockpit mit angemessener Grandezza zu entern. Trotz der ausladenden Fahrzeugbreite (2,26 Meter inklusive Außenspiegel) bieten sich sogar schmale Parklücken an, weil die Türen beim Öffnungsvorgang seitlich so gut wie keinen Platz beanspruchen. Ausgerechnet der Lamborghini Aventador LP 700-4 ein städtischer Lückenfüller?

Nun, dort wo er auftaucht und geparkt wird, sind die guten Ränge drumherum im Nu besetzt. Sozialneid ficht den Lamborghini Aventador LP 700-4 nicht an. In seiner optischen und qualitativen Abgehobenheit hat er die Klassen, in denen diese misslichen Gefühlsregungen der Außenwelt blühen, weit hinter sich gelassen.

Inspirationen aus der Luftfahrt sind unübersehbar

Das Angebot, zur Probe doch einmal im Lamborghini Aventador LP 700-4 Platz zu nehmen, wird regelmäßig mit einer Mischung aus Ehrfurcht, Respekt und großer Dankbarkeit angenommen - „Wann sitzt man schon mal in einem Lamborghini?“ Sogar Menschen, die unter einem Fortbewegungsmittel grundsätzlich etwas völlig Anderes verstehen, scheinen zu erkennen, dass es sich um ein automobiles Kunstwerk handelt. Ihr Fazit - „Wie im Flugzeugcockpit“ - kommt tatsächlich nicht von ungefähr. Die Fahrgastzelle - übrigens ein geschlossenes Kohlefasermonocoque - ist wie die äußere Silhouette in seiner Grundform nach vorn hin leicht gepfeilt. Die Inspirationen aus der Luftfahrt sind auch hinsichtlich der Instrumente unübersehbar: Sie werden auf einem Flüssigkristall-Flachbildschirm abgebildet. Die große Skala im Mittelpunkt bildet wahlweise entweder die Tachoskala oder den Drehzahlmesser ab. Der jeweils andere Wert wird digital dargestellt.

Bessere Übersichtlichkeit als erwartet

Vergessen sind die Zeiten, als Fahrersitz und Pedalerie bei Lamborghini wegen des weit in den Fußraum ragenden Radhauses versetzt angeordnet waren. Der Lamborghini Aventador LP 700-4 hat es gelernt, sich anzupassen: Die Beziehungen Lenkrad zu Sitzhöhe und Pedalerie zu Sitz sind unter ergonomischen Gesichtspunkten angemessen. Ungeachtet der extrem niedrigen Sitzhöhe ist sogar für eine ausreichende Kopffreiheit gesorgt.

Zu guter Letzt: Die Übersichtlichkeit im im Lamborghini Aventador LP 700-4 ist - selbst nach hinten - deutlich besser, als man es in einem Tiefflieger dieses Kalibers erwarten würde, der gemäß seiner formalen Ausrichtung und der technischen Konzeption eigentlich nur ein Ziel kennt - mit Macht und Vehemenz nach vorn zu stürmen. Nebenbei bemerkt: Er kann auch rückwärts.

Kraft im Überfluss

Angesichts der Kraftfülle des im Rücken grollenden Zwölfzylinders ist man als perfekt ins System integrierter Fahrer gut beraten, eine vorausschauende Fahrweise zu kultivieren. Denn die Sprintfähigkeit des mit Allradantrieb und automatisiertem Getriebe gesegneten Lamborghini Aventador LP 700-4 ist legendär: Drei Sekunden bis Tempo 100, 9,5 Sekunden bis 200 km/h.

Schon die Gangspreizungen des neuen, sogenannten ISR-Getriebes zeigen anschaulich, mit welchem Kraftmeier von Motor wir es zu tun haben: Der erste Gang reicht ausgedreht bis 95, der zweite bis 152, der dritte bis 205, der vierte bis 254, der fünfte bis 313 km/h. Theoretisch würde der Lamborghini Aventador LP 700-4 im sechsten Gang bei Höchstdrehzahl 383 km/h schnell sein. Aber dafür reichen die Kräfte dann doch nicht aus: Bei 350 km/h, also weit jenseits dessen, was auf deutschen Autobahnen guten Gewissens durchführbar ist, halten sich Motorleistung und Fahrwiderstände die Waage.

Schaltzeit liegt bei 50 Millisekunden

Das neue Zweiwellen-Getriebe des Lamborghini Aventador LP 700-4 ist in zweierlei Hinsicht ein Sonderfall. Subjektiv ist es eine Mischung aus konventionellem, automatisierten Schaltgetriebe und Doppelkupplungsgetriebe. Beim ISR-Getriebe (Independent Shifting Rod) sind die Gangräder im Gegensatz zu konventionellen Konstruktionen voneinander getrennt, das heißt, die Schaltmuffen werden über voneinander unabhängigen Schaltstangen betätigt. Noch während die eine Schaltstange den einen Gang herausnimmt, kann die zweite den nächsten einlegen.

Weil sich die Bewegungen eng überlappen, wird das Prozedere fast als ein Vorgang wahrgenommen. Gegenüber dem gleichfalls automatisierten e.gear-Getriebe des Gallardo, das bereits zu den schnellsten Gangwechslern zählt, ist die Schaltzeit des Lamborghini Aventador LP 700-4 noch einmal um 140 Prozent verkürzt - beträgt nun 50 Millisekunden.

Harte Gangwechsel im Lamborghini Aventador LP 700-4

Der große Vorteil des mit Synchronringen aus Kevlar und einem Betriebsdruck von 60 bar arbeitenden ISR-Getriebes: Es wiegt nur 79 Kilogramm. Damit ist es deutlich leichter als ein Doppelkupplungsgetriebe und hat darüber hinaus Vorteile in Sachen Effizienz. Ob das angesichts des riesigen Motors respektive dessen Verbrauch relevant ist, steht auf einem anderen Blatt.

Das per Schaltpaddeln zu bedienende oder - wahlweise - selbsttätig arbeitende Getriebe haut allerdings im schnellsten der drei Fahrmodi (Strada, Sport, Corsa) die Gänge derart rein, dass empfindliche Naturen mit großer Empathie für technische Zusammenhänge die Zähne aufeinanderbeißen.

Die Zahnradpaare werden von den Aktuatoren unter so starkem Druck ineinander geschoben, dass es die Köpfe der Insassen infolge des ruckartigen Kraftschlusses mit Macht nach hinten drückt. Lamborghini sagt: Der Kunde will es so. Wir sagen: Der Vorgang ist - wenn auch durch gleichzeitiges Gaswegnehmen vermeidbar - in der vorliegenden Härte kontraproduktiv, weil a) noch niemand einen Gegner mit schnellen Gangwechseln allein bezwingen konnte und b) der heftige Schaltruck Einfluss auf das Fahrverhalten nehmen kann. So lässt sich im Moment des Lastwechsels zumindest in Kurven ein gewisses „Drehmoment“ um die Hochachse in Form eines deutlich vernehmbaren Zuckens nicht verleugnen.

Der Hochdrehzahl Motor ist im Vergleich geschmeidig

Der hoch verdichtete und mit der Souveränität eines großvolumigen, kurzhubig ausgelegten Hochdrehzahl-Motors bestehende V12 gibt im Vergleich dazu ein vergleichsweise geschmeidiges Bild ab. Die Leistungsentfaltung des 60-Grad-Motors könnte gleichmäßiger und trügerischer nicht sein. Man wähnt sich dank der Leichtigkeit, mit der er aus niedrigen Drehzahlen heraus grandiosen Vortrieb erzeugt, nämlich kaum je zu schnell. Weder was die Ge- und Verbote im öffentlichen Umfeld anbetrifft, noch hinsichtlich der locker erreichbaren Überschuss-Tempi, die auf abgeschlossenen Kursen wie der Nordschleife erreicht werden.

Mit Tacho 320, „echten“ 305 km/h, auf der Döttinger Höhe in Richtung „Tiergarten“ zu pfeilen ist - seien wir ehrlich - ein Zustand, bei dem einem die zuvor angestimmte Lobeshymne zum Thema Leistungsreserven leicht im Halse stecken bleibt. Schön zu wissen, dass zumindest die Gesundheit des kernig brüllenden V12 auch unter solchen Bedingungen nie auf dem Spiel steht.

Insgesamt acht Ölpumpen saugen den Schmierstoff aus den unteren Bedplate, die mit dem Kurbelgehäuse verschraubt ist. Eine Hochdruck-Ölpumpe hält die Schmierung in Gang, während ein Öl/Wasser-Kühler und ein Öl/Luft-Kühler die Thermik dieses großen Verbrenners auch bei höchster Belastung stets im grünen Bereich halten.

Erkleckliche Masse von 1.794 Kilogramm

Diese Form der Trockensumpfschmierung erlaubt im Lamborghini Aventador LP 700-4 eine gegenüber dem Murciélago um 60 Millimeter tiefere Einbaulage des Zwölfzylinders, der mit 235 Kilogramm in etwa dasselbe Gewicht auf die Waage bringt wie das Chassis, in das er mittig integriert ist. Das Gewicht des Kohlefasermonocoques mitsamt seinen vorderen und hinteren Anbaurahmen aus Aluminium wird vom Werk mit 229,5 Kilogramm beziffert.

Wo wir schon bei Gewichten sind: Angesichts der aufgeführten Einzelposten für Chassis und Motor fällt es fast schwer zu glauben, dass die Gesamtbilanz 1.794 Kilogramm ausweist. Das Gute daran ist: Man spürt die doch erkleckliche Masse vordergründig nicht. Subjektiv wähnt man sich dank des motorseitig extrem lockeren Umgangs mit dem gewichtigen Allradler und der fahrwerkseitigen Agilität allenfalls mit einem 1,4-Tonner konfrontiert.

Alles hat seinen Preis

Beim Blick in die mit allen Technik- und Luxus-Features ausgestattete Kanzel des Lamborghini Aventador LP 700-4, auf sein thermodynamisch und aerodynamisch notwendiges Beiwerk drumherum und auf die Aggregate-Sammlung, die der Lamborghini Aventador LP 700-4 zur Erreichung seiner hoch gesteckten Ziele benötigt, kommt man zu der Einsicht, dass die zusätzlichen Kilos doch nicht ganz umsonst angefallen sind.

Der Allradantrieb mit elektronisch gesteuerter Haldexkupplung, selbstsperrendem Differenzial an der Hinterachse und einer vom ESP gesteuerten elektronischen Differenzialsperre vorne tragen ebenso zu diesem Eindruck bei wie die aufwendigen Pushrod-Aufhängungen, bei denen die Feder/Dämpferelemente nicht am Radträger, sondern innenliegend an der Karosseriestruktur des Lamborghini Aventador LP 700-4 befestigt sind und über Druckstangen (Pushrods) und Hebelsysteme bewegt werden. Es hat eben alles seinen Preis.

Nürburgring Nordschleife 7.25,00 min
10
maximal 10 Punkte

272 Km/h kurz vorm Schwedenkreuz, 256 km/h in der Fuchsröhre, 306 km/h auf der Döttinger Höhe. Der nachträgliche Blick auf die jeweils höchsten Geschwindigkeiten in den entsprechenden Passagen lässt einen noch im Nachhinein erschauern. Mit 7.25 Minuten für die fliegende Runde sichert sich der Lamborghini Aventador LP 700-4 aus St. Agata einen der vorderen Plätze in der ewigen Bestenliste. Kein Supertest-Kandidat hat sich bisher so bereitwillig diesem exklusiven Zeitfenster geöffnet.

Lamborghini Aventador LP 700-4, Rundenzeit, Nürburgring
Hockenheim-Ring Kleiner Kurs 1.08,6 min
10
maximal 10 Punkte

Grandiose Traktion bei leichter Untersteuer-Tendenz. Daraus resultiert ein extrem konstruktives, von keiner Lässlichkeit behindertes Fahrverhalten. Der anfängliche Eindruck, es wegen der schieren Kraft und Größe mit einem schwer zu beherrschenden PS-Monster zu tun zu haben, kehrt sich innerhalb einer Runde in Respekt und Begeisterung um. So umgänglich und zielorientiert waren nur wenige vor dem Lamborghini Aventador LP 700-4. Die entgegen der Erwartung hohe Masse von 1.794 Kilogramm verfliegt gleichsam im Nu, wenn der V12 zum Luftholen ansetzt.

Lamborghini Aventador LP 700-4, Hockenheim, Supertest
Beschleunigung / Bremsen 14,3 sek
10
maximal 10 Punkte

Wie unprätentiös und vor allem: wie schnell der über alle Viere angetriebene Lamborghini Aventador LP 700-4 sich aus dem Stand ohne großes Zutun seitens des Fahrers aufmacht, den Horizont zu erobern, hat fast etwas Magisches. Sanft wie ein Raketenstart ist der Vorgang indes nicht: Die im Corsa-Modus extrem schnellen, im wahrsten Sinne des Wortes schlagartig vorgetragenden Gangwechsel lassen einen um das Überleben des neu entwickelten, automatisierten Zweiwellen-Getriebes fürchten.

Beschleunigung 0-200 km/h:
9,5 s
Bremsen 200-0 km/h:
4,8 s
Windkanal
9
maximal 10 Punkte

Der Heckspoiler ist im Ruhezustand im Fahrzeugheck bündig integriert. Die Topspeed-Position ist bei einem Anstellwinkel von vier Grad erreicht. In der Maximalposition (elf Grad) produziert der Flügel an der Hinterachse einen Abtrieb von strammen 732 Newton. In dieser Position wird die Vorderachse durch das starke Aufnickmoment allerdings um 280 Newton entlastet.

Fahrzeugstirnfläche (A):
2,03 m²
Luftwiderstandsbeiwert (cw):
0,37
Luftwiderstandsindex (cw × A):
0,76
Vorderachse bei 200 km/h:
28 kg Auftrieb
Hinterachse bei 200 km/h:
73 kg Abtrieb
Querbeschleunigung 1,45 g
10
maximal 10 Punkte

Die hohen Querbeschleunigungen sind nicht zuletzt den Grip-fördernden Corsa-Reifen von Pirelli zu verdanken. Format: 255/35 ZR 19 vorn und 335/30 ZR 20 hinten. Die Gewichtsverteilung ist des Lamborghini Aventador LP 700-4 nicht ganz paritätisch. 57,1 Prozent lasten auf der Hinterachse.

36-Meter-Slalom 138 km/h
10
maximal 10 Punkte

Dank der verbindlichen Charakteristik seiner hydraulischen Lenkung fühlt sich der Lamborghini Aventador LP 700-4 leichter an, als er tatsächlich ist. Das Fahrverhalten ist wie in allen anderen Fällen auch stark abhängig von den Reifen, das heißt, von ihrem Erwärmungsgrad und dem daraus resultierenden Luftdruck. Die besten Ergebnisse werden grundsätzlich immer dann erzielt, wenn der Luftdruck im warm gefahrenen Zustand auf das Maß reduziert wird, welches das Werk grundsätzlich, also für den kalten Aggregatzustand, vorschreibt. In diesem Fall wurden die besten Resultate aber mit deutlich niedrigerem Luftdruck als angegeben - vorn 2,2, hinten 2,3 bar (warm) - erzielt. Der Luftdruck muss bei erkalteten Reifen unbedingt wieder auf das vorgeschriebene Maß erhöht werden. Ansonsten ist der Reifenschaden vorprogrammiert.

Ausweichtest 155 km/h
10
maximal 10 Punkte

Der Lamborghini Aventador LP 700-4 bleibt unter Last auffallend neutral in der Spur. Mit einem sachten Untersteuern erinnert der Aventador seinen Fahrer daran, dass die Grenze knapp erreicht ist. Das Heck bleibt unter Last jederzeit stabil. Auf Lastwechsel zeigt der Lamborghini zwar Reaktionen, bleibt dabei aber gut beherrschbar. Die Zielgenauigkeit der Lenkung begeistert. Kurzum: Nie war es im Einflussbereich eines 700 PS leistenden Motors so einfach, den Grenzbereich zu erkunden. In seinen Reaktionen ist der Aventador eine ehrliche Haut - hinterhältige Verhaltenweisen sind dem Italiener gänzlich fremd.

Nasshandling
5
maximal 10 Punkte

Wenn auch objektiv bei weitem nicht so schnell, wie angesichts der Power erhofft, so ist dem mit Sportreifen - Pirelli P Zero Corsa - bestückten Lamborghini Aventador LP 700-4 auch bei Nässe ein gutes Zeugnis auszustellen. Die Grenzen seiner Möglichkeiten zeigt er durch eine sehr klar geäußerte Untersteuer-Tendenz. Zu forsche Gasstöße quittiert er natürlich zwangsläufig mit einem beherzten Ausfallschritt. Aber auch der ist mit der feinfühlig arbeitenden Lenkung leicht in den Griff zu kriegen. Im ABS-Regelbereich schiebt der Allradler zunächst etwas geradeaus. Das Einlenken kommt etwas verzögert.

Fazit

Das avantgardistische Design des Lamborghini Aventador LP 700-4 steht ganz in der Tradition der berühmten Ahnen Miura, Countach, Diablo und Murciélago. Mit ihnen teilt der neue 700-PS-Stier aus St. Agata auch das Layout: Zwölfzylinder-Mittelmotorbauweise. Damit erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten dann aber auch schon. Der Aventador ist sozusagen auf einem weißen Blatt Papier entstanden: Motor, Allradantrieb, Getriebe, Chassis, Karosserie - alles neu.

So extrovertiert der Auftritt des Lamborghini Aventador LP 700-4 im Supertest auch ist: Die Umgangsformen sind anständig. Es bedarf keiner großen Eingewöhnung, um das Wesen Aventador zu begreifen. Hier muss sich beispielsweise keiner verbiegen, um das Cockpit zu entern. Überdies bietet der Supersportler eine erstaunlich gute Übersicht. Es spricht also nichts gegen eine tagtägliche Nutzung - wenn man es liebt, wie ein Filmstar permanent im Fokus zu stehen.

Das beste am Lamborghini Aventador LP 700-4 aber ist: Er hält, was er optisch verspricht. Die sportlichen Anlagen sind vom Feinsten. Es ist fast so, als wäre es eine Selbstverständlichkeit, mit 7.25 Minuten um die Nordschleife zu brausen. Tatsächlich gab es bislang keinen Supersportler, mit dem eine solche Traumzeit so vergleichsweise lässig erreicht werden konnte.

Technische Daten
Lamborghini Aventador LP 700-4
Grundpreis321.300 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4780 x 2030 x 1136 mm
KofferraumvolumenVDA150 L
Hubraum / Motor6498 cm³ / 12-Zylinder
Leistung515 kW / 700 PS (690 Nm)
Höchstgeschwindigkeit350 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h2,9 s
Verbrauch16,0 L/100 km
Testverbrauch25,0 L/100 km
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