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Lamborghini Murciélago LP 670-4 SV

König der Stiere im Supertest

Lamborghini Murciélago LP 670-4 Super Veloce Foto: Rossen Gargolov 39 Bilder

Die Lamborghini Murciélago LP 670-4 in der Super Veloce-Version zeigt im Supertest auf den Rennstrecken beispielhaft auf, was die Sportwagen-Ressourcen der Zukunft sind. Obwohl beim italienischen Test-Kandidaten die Gewichtsreduzierung noch nicht in dem Umfang vollzogen worden ist wie angekündigt.

09.07.2012 Horst von Saurma Powered by

Die Haare stehen waagerecht vom Kopf ab. Und das Flattern der Jacke klingt fast so, als werde ein Segel gehisst. Der Gesichtsausdruck des Menschen, der in ihr steckt, verrät ein gehöriges Maß an Anstrengung. "Warum steht denn der so schief?", ertönt es feixend aus dem Lautsprecher. "Und was guckt er dabei so gequält aus der Wäsche? Das ist doch nur ein Windhauch im Vergleich zu dem, was dem Lamborghini Murciélago LP 670-4 SV im Supertest noch blüht - läppische 50 km/h."

Was den spaßeshalber im konzentrierten Luftstrom des Mercedes-Windkanals stehenden Menschen schon bei innerstädtischer Höchstgeschwindigkeit völlig aus dem Lot bringt, kann eine gedrungene Gestalt wie den Supertestkandidaten Lamborghini Murciélago LP 670-4 SV nicht einmal ansatzweise erschüttern. Mit seiner gravitätischen Masse von 1.764 Kilogramm steht der Testwagen auf seinen dicken Schlappen ganz ungerührt auf den vier Stempeln der Windkanal-Waage, als wolle er sagen: Komm her, gib‘s mir - gib mir den Gegenwind, so viele Meter pro Sekunde wie du hast. Damit mein Körper arbeiten kann, ich die Luft in vollen Zügen in mich einsaugen und sie unter mir und über mir für mich arbeiten lassen kann. Blas mich richtig an, damit ich meine unbändige Kraft im Supertest beweisen und den Fahrwiderständen den gestreckten Mittelfinger zeigen kann.

Windschlüpfigkeit ist nicht so gut, wie die Keilform suggeriert

Bei 200 km/h fängt für den Lamborghini Murciélago LP 670-4 SV das Spiel nämlich erst richtig an - bei einer Windgeschwindigkeit, bei welcher der Mensch schon längst mittig im stählernen Sicherheitsgitter am Ende der Tunnelröhre stecken würde. Aber ganz so unbeeindruckt scheint auch der Lamborghini Murciélago LP 670-4 SV im Supertest nicht zu sein: Die ausladenden Spiegelohren stehen zwar noch immer stocksteif wie eine Eins im Wind, doch die Scheibenwischer des Lamborghini Murciélago LP 670-4 SV zittert schon wie Espenlaub. Als surreales Abbild seiner charakteristischen Silhouette hatten die waagerecht auf seine flache Stirn zuströmenden Rauchsäulen kurz zuvor schon mächtige Luftbilder über dem Lamborghini Murciélago LP 670-4 SV gezeichnet - als wollten sie ihm bedeuten, dass nicht er die Lufthoheit besitzt und es um seine Windschlüpfigkeit gar nicht so gut bestellt ist, wie seine gedrungene Keilform suggeriert.

Die nun deutlich vorgeschobene Lippe in der spitzen Front und der große, feststehende Heckflügel - beides handwerkliche Kleinode -, sind aber nicht die einzigen Widerstände, die der Lamborghini Murciélago LP 670-4 Super Veloce in den Luftstrom stellt. Dazu zählen auch die riesigen Luftschächte in der Front und die seitlich vor der Hinterachse eingeschnittenen Schlünde zum Belüften des V12-Maschinenraums im Lamborghini Murciélago LP 670-4 SV. So üppig be- und entlüftet und bespoilert weist der Windkanal dem Supertest-Kandidaten einen mäßigen cW-Wert von gerade mal 0,38 aus, was den nur 1.135 Millimeter hohen, andererseits 2.058 Millimeter breiten und 4.705 Millimeter langen Zweisitzer diesbezüglich wie einen veritablen Kleinbus daherkommen lässt.

Geschwindigkeitsregion über 300 km/h als natürliches Habitat

Außer der Maßgabe, ausreichend Vorsorge hinsichtlich der thermischen Belange der in der Mitte stolz residierenden Wärmekraftmaschine zu treffen, stehen bei Leistungssportlern dieser Prägung schließlich auch wichtigere Kriterien im Vordergrund als solche, mit denen verbrauchsoptimierte Hybridfahrzeuge gemeinhin vorstellig werden müssen - die aerodynamische Balance im Allgemeinen und die Abtriebswerte an den Achsen im Besonderen. Denn was nützt ein geschliffener cW-Wert, wenn bei Tempo 300 und mehr der Auftrieb an den Achsen zerrt und das landgestützte Fahrzeug tendenziell zum Flugobjekt mutiert? Das Flügelprofil einer Tragfläche ist der Dachlinie des Lamborghini Murciélago schließlich nicht ganz unähnlich. Immerhin haben wir es hier im Supertest auch mit einer Leistungsklasse zu tun, die die Geschwindigkeitsregion jenseits von 300 km/h sozusagen als ihr natürliches Habitat beanspruchen - und zwar nicht wegen, sondern in diesem Fall trotz ihrer wirksamen aerodynamischen Komponenten.
 
In der Höchstgeschwindigkeit liegt die um 30 PS stärkere, doch mit deutlich mehr Abtrieb fahrende SV-Variante logischerweise etwa gleichauf mit der geringfügig schwächeren, dafür aber mit besserem cW-Wert fahrenden Basisversion Lamborghini Murciélago LP 640 (0,35) - Hier geht es zum Supertest Lamborghini Murcielago LP 640. Das Ausleben der in beiden Fällen erst bei rund 340 km/h endenden Tempo-Eskapaden sollte vorzugsweise auf abgeschlossenen Hochgeschwindigkeitskursen wie Papenburg oder Nardo erprobt werden - nicht etwa, weil der Lamborghini Murciélago LP 670-4 SV sich beim Annähern an seine Vmax sonderlich mühen müsste oder er sich charakterlich schlecht gebärden würde. Sondern einfach deshalb, weil sich niemand in dem riesigen, parallel existierenden Autofahrerkosmos ernsthaft vorstellen kann, dass es möglich ist, ohne zusammengebissene Zähne und schweißnasse Hände mehr als 90 Meter pro Sekunde zurücklegen zu können.

Der Murciélago steht aus 300 km/h nach 6,49 Sekunden

Ausgestattet noch dazu mit der beruhigenden Zuversicht, dass das Wiedereintauchen in die normale Atmosphäre im Notfall in nur wenigen Sekunden erledigt ist. Geht der Kommandant in der Lambo-Kapsel bei 300 km/h voll in die Eisen, steht der Lamborghini Murciélago LP 670-4 SV nach nur 6,49 Sekunden. Die kurze Dauer hat allerdings keineswegs einen kurzen Weg zur Folge: Er beträgt mehr als 270 Meter. Der imaginäre Bremsfallschirm, der sich beim Betätigen des Bremspedals auftut, ist also - auch wenn es sich so anfühlt -, keine Vollkasko-Versicherung. Die aus hohem Tempo heraus als überwältigend empfundene Verzögerungsleistung von bis zu 14 m/s² könnte sich im Ernstfall nämlich noch immer als deutlich zu schwach erweisen, wenn nach links ausscherende Tanklaster diesseits der Horizontlinie plötzlich und unerwartet mittig auf der Bildfläche erscheinen. (Hier geht es zum Beschleunigungs- und Bremsduell 0-300-0 km/h).
 
Fakt ist aber, dass die wuchtige, serienmäßige Keramikbremse des Lamborghini Murciélago LP 670-4 SV mit zu den Besten ihrer Art zählt. Und ebenso selbstverständlich trifft sie im austarierten Gewichtsumfeld des Lamborghini-Flaggschiffs hervorragende Bedingungen an, um ihre brutale und dabei ebenso gut zu dosierende Wirkung auch in vollem Umfang entfalten zu können. Die Tatsache, dass die Entlastung der Hinterachse durch die dynamische Radlastverschiebung beim Bremsen umso geringer ist, je hecklastiger die Gewichtsverteilung ausfällt, liegt auf der Hand. Dieser logische Zusammenhang wird von den eindrucksvollen Resultaten in den Bremsprüfungen schließlich auch vollumfänglich gestützt. Zu viel des Guten kann - wie sich zeigt -, allerdings auch kontraproduktive Wirkung haben.
 
Das partielle Überbremsen an der Hinterachse im Supertest bei starken Verzögerungen auf nasser Fahrbahn ist entweder den breiten Reifen anzulasten, deren Seitengrip bei Nässe doch eher mäßig ausgeprägt ist, und/oder dem etwas verspätet eingreifenden ABS. In den zügig angegangenen Bremszonen des Dunlop-Nasshandlingkurses überraschte der Lamborghini Murciélago LP 670-4 SV jedenfalls des Öfteren mit einem sehr plötzlich auftretenden Auskeilen des Hecks. Die deutlich schlechtere Performance, die die SV-Variante im Vergleich zur antriebsseitig fast identischen Basis-Version Lamborghini Murciélago LP 640 auf nassen Terrain liefert, erstaunt umso mehr, als beide nicht nur dieselben Reifengrößen trugen, sondern auch mit demselben Reifentyp unterwegs waren. So liegt die Vermutung nahe, dass der Sportreifen von Pirelli, der P Zero Corsa in der Lamborghini-Spezifikation, während der knapp drei Jahre, die zwischen beiden Supertests liegen, einer charakterlichen Neujustierung unterzogen worden ist.

Nordschleifen-Rundenzeit von 7.42 Minuten

Die signifikant verbesserten Rundenzeiten und das zeitgleich deutlich schlechteren Abschneiden bei Nässe lassen im Grunde genommen keinen anderen Schluss zu. Denn die 30 PS, die der Lamborghini Murciélago LP 670-4 SV sozusagen als Zusatz-Feuerwerk in seinem riesigen Motorenabteil hinter dem Zweier-Cockpit versammelt hält, dürften angesichts des horrend hohen Leistungsniveaus kaum den Ausschlag geben, wenn es darum geht, dem mit 640 PS nur wenig schwächeren Basis-Murciélago den Schneid abzukaufen. Das gelingt erfahrungsgemäß tendenziell eher mit weniger Masse als mit einem Mehr an Leistung.
 
Trotz des großen Aufwandes, der sowohl an Karosserieteilen als auch im Innenraum materialmäßig getrieben worden ist, hat die Abspeckaktion beim Lamborghini Murciélago LP 670-4 SV letztlich nicht das gebracht, was in Aussicht gestellt wurde. Von den 100 Kilogramm, die er laut Werk weniger auf die Waage bringen sollte, ist beim Testwagen doch nur ein Minus von 41 Kilogramm übrig geblieben. Zusammen mit den 30 zusätzlichen PS ergibt sich daraus nur ein leicht verbessertes Leistungsgewicht von vormals 2,8 auf nunmehr 2,6 Kilogramm pro PS. Bis Tempo 100 sind es zwei Zehntelsekunden, der der Lamborghini Murciélago LP 670-4 SV gegenüber der Basis in der Beschleunigung gut macht. Bis 200 km/h erhöht sich die Differenz immerhin noch auf knapp eine Sekunde. Die Verbesserungen der längsdynamischen Talente fallen also im Gegensatz zu denen, die in erster Linie für die Erhöhung der Querkräfte verantwortlich zeichnen - Reifen und Fahrwerk -, etwas bescheidener aus. Was nicht heißen soll, dass die Besatzung nun auf den Trichter kommen könnte, auch nur ansatzweise mit zu wenig Vortriebsenergie konfrontiert zu werden. 

Der Beschleunigungshimmel auf Erden

Denn das, was beim Supertest im Lamborghini Murciélago LP 670-4 SV abgeht, ist bei aller technischen Geschliffenheit und Umgänglichkeit nichts anderes als der Beschleunigungshimmel auf Erden. Das Maß der Rückenpressung nimmt in den hart gepolsterten, dafür mit schmeichelndem Alcantara bezogenen Sportsitzen im Extremfall eine Intensität an, die bei empfindlichen Beifahrerinnen für Kurzatmigkeit sorgen kann. Die Klanggewalt des im Rücken brüllenden Zwölfzylinders ist bei hohen Drehzahlen zudem derart intensiv, dass keine Schallschutzwand der Welt das Echo seiner Stimme verschlucken könnte. Angesichts dieser extrem schönen Stimme wäre es auch zu schade, wenn sie im allgemeinen Verkehrslärm ungehört unterginge. Schließlich wird sie eine der wenigen sein, die in späteren Jahrzenten als jene Stimme identifiziert werden wird, die die Ära der Verbrennungsmotoren mit am eindrucksvollsten repräsentiert.

Super Veloce ist schneller als der normalen Murciélago

Wenn auch beim Lamborghini Murciélago LP 670-4 Super Veloce im Supertest messtechnisch alles einen Tick schneller geht als im normalen Lamborghini Murciélago, so sind sie charakterlich doch absolut als eineiige Zwillinge einzustufen. Den unbeirrbaren Geradeauslauf hat die deutlich teurere Leichtbau-Variante ebenso vererbt bekommen wie die nicht zu verleugnende Untersteuertendenz im Grenzbereich. Was der Fahrsicherheit im normalen Verkehrsalltag klar Vorschub leistet, nervt im Supertest auf der Rennstrecke speziell immer dann, wenn der Kurveneingang etwas zu forsch genommen wurde und das dann einsetzende leichte Schieben Geduld abverlangt. Nämlich bis zu dem Punkt am Ende der Biegung, an dem der knapp fünf Meter lange Keil einigermaßen korrekt auf die Gerade ausgerichtet ist und im grenzenlosen Vertrauen auf die Segnungen des Allradantriebs volle Kraft voraus gegeben werden kann. In solchen unvergesslichen Momenten nimmt die Verherrlichung der Gewalt eine Sprache an, die man im größeren Gesellschaftskreis derzeit besser nicht artikuliert.

Nürburgring Nordschleife 7.42 min
9
maximal 10 Punkte

Wie schon die Basis-Version (Hier geht es zum Supertest Lamborghini Murcielago LP 640) definiert der Super Veloce seinen Grenzbereich sicherheitshalber über eine dominante Tendenz zum Untersteuern - bevor das Heck kommt, muss schon viel passieren. Die fünf Sekunden, die er mit der Rundenzeit von nunmehr 7.42 Minuten auf den 30 PS schwächeren und knapp 50 Kilo schwereren LP 640 gutmacht, ließen sich mit einer etwas neutraleren Abstimmung sicher deutlich steigern. Auch dem Fahrspaß käme es nochmal deutlich zugute. (Hier sehen Sie alle Rundenzeiten aus den Supertests in Hockenheim und auf der Nordschleife)

Rundenzeit Nordschleife, Lamborghini Murci�lago LP 670-4 Super Veloce
Hockenheim-Ring Kleiner Kurs 1.09,5 min
10
maximal 10 Punkte

Ein Motor, der begeisternd im Saft steht, eine perfekte Traktion und eine Bremse, die Resultate auf Rekordlevel liefert, sind wesentliche Aspekte dieses Programmpunkts. Der mit 1.764 Kilo vollgetankt immer noch gewichtige Allradler erfordert wie viele seiner Gattung partielle Rücksichtnahme im Kurveneingang. Soll heißen: Wer allzu spät auf der Bremse steht und schließlich bis zum möglichen Gasanlegen ein Großteil des Kurvenausgangs unter Schleppgas verschenken muss, verliert viel Zeit. (Hier sehen Sie alle Rundenzeiten aus den Supertests in Hockenheim und auf der Nordschleife)

Rundenzeit Kleiner Kurs Hockenheim, Lamborghini Murci�lago LP 670-4 Super Veloce
Beschleunigung / Bremsen 15,1 sek
10
maximal 10 Punkte

Unter Einbindung der tadellos funktionierenden Launch Control springt der Allradler förmlich vom Fleck weg und erledigt den Sprint bis 100 km/h in sagenhaften 3,2 Sekunden. Mit 10,3 Sekunden bis 200 km/h verfehlt er im automatisierten Schaltmodus nur ganz knapp die magische Zehn-Sekunden- Marke. Die Traktion ist erwartungsgemäß ebenso wenig ein Thema wie die Bremsverzögerung. Schon bei der 0-300-0 km/h-Prüfung (Hier kommen Sie zum Beschleunigungs- und Bremsduell 0-300-0 km/h) überrasche der Supertest-SV mit der besten Bremsleistung aus 300 km/h. Der Akt dauerte gerade einmal 6,49 Sekunden, entsprechend einer Bremsdistanz von 270,4 Metern.

Beschleunigung 0-200 km/h:
10,3 s
Bremsen 200-0 km/h:
4,8 s
Windkanal
10
maximal 10 Punkte

Die Aerodynamik des Super Veloce ist hinsichtlich der Balance deutlich besser entwickelt als beim Basis-Murciélago. An der Vorderachse summiert sich der Abtrieb bei 200 km/h auf gut 40 Kilogramm, während an der Hinterachse sogar 70 Kilogramm registriert wurden. Die marginal größere Stirnfläche und die voluminöseren Kühlluftschächte bewirken zusammen mit den abtriebsfördernden Elementen jedoch einen schlechteren cW-Wert, der nunmehr mit 0,38 beziffert wird (Basis: 0,35). Sind die zusätzlichen Kühlluftklappen hinten über den Kotflügeln aufgestellt, verschlechtert sich der Wert sogar auf 0,39. Der Vmax tut das keinen Abbruch: Knapp 340 km/h dürfen mit dem großen Heckspoiler als verbrieft gelten.

Fahrzeugstirnfläche (A):
2,05 m²
Luftwiderstandsbeiwert (cw):
0,38
Luftwiderstandsindex (cw × A):
0,75
Vorderachse bei 200 km/h:
42 kg Abtrieb
Hinterachse bei 200 km/h:
70 kg Abtrieb
Querbeschleunigung 1,30 g
9
maximal 10 Punkte

Zur atemberaubenden Längsbeschleunigung gesellt sich eine nicht minder eindrucksvolle Querbeschleunigung: 1,3 g. Sie fällt allerdings nicht höher aus als bei der Basisversion, was mit Blick auf die Reifenpaarung auch nicht verwundert. In beiden Fällen sind Pirelli P Zero Corsa montiert, noch dazu in denselben Größen: 245/35 ZR 18 vorn und hinten 335/30 ZR 18. Das Gesamtgewicht von 1.764 Kilogramm (Basis: 1.805 kg) verteilt sich zu 42,5 Prozent auf die Vorderachse und 57,5 Prozent auf die Hinterachse. Das Leistungsgewicht liegt mit 2,6 Kilogramm pro PS um 0,2 Kilogramm unterhalb der Basisversion.

36-Meter-Slalom 136 km/h
10
maximal 10 Punkte

Die schon beim Basis-LP 640 monierte indirekte Arbeitsweise der Lenkung steht besseren Resultaten entgegen. Zudem sind die Haltekräfte bei eingeschlagenem Volant sehr hoch, was die Lenkarbeit auf kurvenreicher Strecke oder wie hier im Slalomparcours deutlich erschwert. Der Allradler fühlt sich dadurch unnötig schwerer und unhandlicher an. Unter gleich bleibender Gaszufuhr ist es die stets präsente Untersteuerneigung, die die Grenze des Machbaren markiert. Nur unter bewusst eingeleiteten Lastwechseln zeigt der SV ein etwas neutraleres Kurvenverhalten.

Ausweichtest 151 km/h
10
maximal 10 Punkte

Auch hier erfordert die sehr indirekt übersetzte Lenkung fast ein Umgreifen am Volant. Bei aller unnötigen Trägheit, die durch diese spezielle Lenkcharakteristik produziert wird, offenbart der Allradler eine vorbildhafte Fahrsicherheit. Mit provozierten Lastwechseln ist allenfalls ein leichter Heckschwung hervorzurufen. Und auch dabei bleibt der mit fast 2,70 Meter Radstand gesegnete Allradler gut beherrschbar. Die Übergänge von der Haft- in die Gleitreibung sind weich und ziehen auch keine Konterneigung nach sich.

Nasshandling
1
maximal 10 Punkte

Im Gegensatz zum LP 640, der im Nasshandling- Test noch mit einer Zeit von 1.29,2 Minuten überzeugte und die Teststrecke in Wittlich folgerichtig mit Maximalpunktzahl verließ, zeigt der SV auf dem nassen Geläuf deutliche Schwächen. Dies erstaunt umso mehr, als Reifentyp und Reifengröße bei beiden Probanden nominell identisch sind. Während die Basis-Version mit sicherheitsorientiertem Untersteuern die Grenze markierte, definiert der SV sein Limit vornehmlich über die Hinterachse. Die Sidesteps der Hinterachse beim Ausbremsen weisen auf eine stark nach hinten verschobene Bremsbalance hin. Die Seitenführungskräfte der breiten Antriebsräder fallen bei Nässe jedenfalls deutlich geringer aus.

Fazit

Die 30 Extra-PS der deutlich teureren SV-Variante spielen im Gesamtkontext keine allzu große Rolle. Extrem schnell ist der Murciélago auch ohne die Zusatzbezeichnung Super Veloce. Dass beim Thema Gewichtsreduzierung nur ein Teilerfolg verbucht werden kann, ist umso betrüblicher, als von den angekündigten 100 Kilogramm, die die SV-Variante weniger wiegen sollte, in Summe nur 41 Kilo übrig geblieben sind. Der Aufpreis, den Lamborghini für 30 PS mehr und gut 40 Kilo weniger Gewicht verlangt, darf als extrem stattlich angesehen werden.

Aber wie dem auch sei: Sowohl die optische als auch haptische Anmutung des LP 670-4 SV ist - salopp gesagt - allererste Sahne. Der Wiedererkennungswert des charakteristischen Lambo-Designs geht gegen 100 Prozent. Bei aller Außergewöhnlichkeit, die ihn in all seinen Facetten umgibt, ist es gar nicht so schwer, sich mit ihm auch im Alltag zu arrangieren. Abgesehen von der durch die weit ins Cockpit ragenden Radhäuser bedingten, nach innen gedrehten Sitzposition, weist dieser wie von einem anderen Stern kommende Supersportler keine schrägen Charakterzüge auf - zumindest nicht in der Art, die einen im Gewöhnungsprozess länger beschäftigen müssten.

Was ewig haften bleibt, ist die Dominanz des riesigen Zwölfzylinders, der im Rücken der beiden Passagiere eine grandiose Vorstellung abliefert. Leistung ist bei dieser Maschine selbstredend kein Thema, Klang und vor allem Verbrauch hingegen schon.

Fahrspaß:
9 Punkte
Alltagstauglichkeit:
2 Punkte
Technische Daten
Lamborghini Murciélago LP 670-4 SuperVeloce
Grundpreis357.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4705 x 2058 x 1135 mm
KofferraumvolumenVDA150 L
Hubraum / Motor6496 cm³ / 12-Zylinder
Leistung493 kW / 670 PS (660 Nm)
Höchstgeschwindigkeit342 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h3,2 s
Verbrauch20,6 L/100 km
Testverbrauch24,8 L/100 km
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