Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows

Maserati Gran Turismo MC Stradale

Neptuns Rache beim Supertest

Maserati Gran Turismo MC Stradale, Frontansicht, Nasshandling Foto: Rossen Gargolov 30 Bilder

Maserati - wer wird bei diesem Namen nicht erwärmt von automobiler Leidenschaft? Unvergessen sind Mistral, Mexico, Khamsin, Ghibli, Merak und Bora. Der derzeit schärfste Maserati ist namentlich keinem heißen Wind gewidmet und heißt schlicht Gran Turismo MC Stradale. Was er mit seinen frühen Ahnen gemein hat? Nun, außer einer lauten Stimme einen Hang zur Sportlichkeit - zumindest ansatzweise, wie der Supertest zeigt.

19.03.2013 Horst von Saurma Powered by

Den Maserati Gran Turismo MC Stradale bewusst ins stehende, kalte Wasser zu treiben, entsprang keiner gemeinen Bösartigkeit. Schließlich gehören die Nasshandling-Versuche auf dem Dunlop-Testparcours in der Eifelstadt Wittlich unweit des Nürburgrings schon seit geraumer Zeit zum Pflichtprogramm des Supertests. Überdies sollte man meinen, dass ein Maserati schon insofern nicht wasserscheu sein kann, als das „Tridente“ des römischen Wassergotts Neptun - der markante Dreizack -, seit jeher das Markenzeichen der bereits 1914 als Rennstall gegründeten Sportwagenschmiede Maserati ist. Er ist dem Neptun-Brunnen in Bologna entlehnt.

Neptun hilft dem Maserati nicht bei Nässe

Die gute Beziehung zu Neptun hat dem Maserati Gran Turismo MC Stradale indes wenig genutzt. Seine fahrdynamischen Kunstfertigkeiten sind bei Nässe eher unterdurchschnittlich, zumindest dann, wenn es um das Ausreizen höherer Tempi geht. Das zeitlich mäßige Ergebnis auf dem bewässerten Rundkurs war aber - seien wir ehrlich - mit Blick auf die Semislicks von Pirelli (P Zero Corsa) auch nicht anders zu erwarten gewesen.

Es hätte angesichts der stark auf Trockengrip spezialisierten und daher angesichts von Aquaplaning-Gefahr mit großer Vorsicht zu genießenden Sportreifen noch viel schlimmer kommen können. Denn bei allem Phlegma Nässe tendenziell lieber durch die Kurve, als dass der Maserati Gran Turismo MC Stradale sein Heck rauslässt. Angesichts des zivilisierten Wasserdurchmarschs könnte man fast meinen, Meeresgott Neptun hätte sich dafür im Trockenen trickreich revanchiert. Wer es mit dem knapp fünf Meter langen und über 1,9 Meter breiten - sprich: sehr üppig dimensionierten Sportcoupé artgerecht fliegen lässt, kann sich des Eindrucks leider nicht erwehren: Die Art der Wank- und Rollbewegungen mutet im Extremfall fast so an, als sei Neptuns Medium - und nicht trockener Asphalt - das tragende Element unter den hübschen, matt graphitfarbenen Rädern.

Diese zugegeben überzeichnete Interpretation des Feder/Dämpfer-Verhaltens ist das Ergebnis einer, wie es scheint, inneren Zerrissenheit der zuständigen Projektleiter. Sie mochten offenbar trotz der sportlichen Profilierung nahezu aller relevanten Komponenten ihrer ins Auge gefassten Klientel in puncto Komfort keine Kompromisse abverlangen. Die gegenüber dem Basismodell Gran Turismo dickeren Stabilisatoren und geänderten Feder/Dämpfer-Kennlinien sind in ihrer Wirkung jedenfalls dergestalt, dass sie selbst vorgeschädigten Bandscheiben keinen weiteren Schaden zufügen können. Anders ausgedrückt: Die Fahrwerksabstimmung ist vergleichsweise weich, die Rollneigung stark und die Seitenneigung der Karosserie in Kurven entsprechend beträchtlich.

Der komfortverwöhnten Kundschaft macht es der Maserati Gran Turismo MC Stradale damit tatsächlich leicht, den Umstieg ins Sportmodell zu wagen, zumal das beschriebene Fahrverhalten sich im alltäglichen Gebrauch und bei entsprechend niedrigem Fahrdynamik-Level nur selten, und wenn, dann allenfalls ansatzweise zeigt. Die Nordschleife mit ihren besonderen topografischen Gesetzmäßigkeiten legt beim Supertest die merkwürdigen Karosseriebwegungen jedoch in einer Weise offen, die anfangs zum Zähne-aufeinander-beißen anregt und nach etwas Eingewöhnung von fatalistischem Schulterzucken begleitet wird. Denn: Erschreckend im Sinne von bösartig oder gar gefährlich ist das aus weichen Federn, schwacher Druck- und noch schwächerer Zugstufendämpfung resultierende Verhalten nicht.

Nordschleifen-Rundenzeit von 8.14 Minuten

Auf der anderen Seite weckt es beim Fahrer auch nicht unbedingt den Ehrgeiz, mit dem vom Rennsport optisch stark beseelten Maserati Gran Turismo MC Stradale auf Topzeiten-Jagd zu gehen. Die Nordschleifen-Rundenzeit von 8.14 Minuten im Supertest ist zwar für sich betrachtet nicht schlecht. Sie passt aber nicht zum Selbstverständnis dieses so sichtbar mit allen sportlichen Wassern gewaschenen italienischen Sportcoupés.
 
Auch angesichts der hervorragenden Rennschalen mit Vierpunktgurten, des Überrollbügels, der Alu-Pedalerie, des Aerodynamik-Pakets, diversen Karbon-Applikationen und Verkleidungen, des Feuerlöschers und last but not least der Dekorstreifen und der roten Bremssättel mitsamt Keramikscheiben wäre es sicher nicht abwegig, dem Maserati Gran Turismo MC Stradale sozusagen unbesehen eine Zeit von unter acht Minuten zuzubilligen. Unsere Prognose: mit passendem Setup kein Problem.
 
Auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim sind die Konsequenzen der nicht optimalen Abstimmungsarbeit weniger auffällig. Die auf der Berg-und-Tal-Bahn Nordschleife erzwungenen starken Vertikalbewegungen werden von dieser Strecke nicht angeregt, weshalb die Reise am Grenzbereich hier vergleichsweise konventionelle Züge annimmt. Abgesehen von der bereits erwähnten starken Seitenneigung der Karosserie bei Kurvenfahrt sind es die bekannten Fahrdynamik-Muster, die im Maserati Gran Turismo MC Stradale bei der Suche nach guten Rundenzeiten abwechselnd die Herausforderungen darstellen.
 
Mit anfangs sachtem Untersteuern wiegt der auf zwei Sitze reduzierte Sportwagen den Fahrer zunächst in großer Sicherheit, um dann, wenn die Seitenführung der Reifen wegen starker Erhitzung nachlässt, mit drängendem Heck vorstellig zu werden. Angesichts des Drucks, der vom Motor in den höheren Drehzahlbereichen ausgeht, eine völlig normale Reaktion.

Hockenheim-Rundenzeit von 1.13,0 Minuten

Die Hockenheim-Rundenzeit von 1.13,0 Minuten, die der Maserati GranTurismo MC Stradale anlässlich eines ersten Testumlaufs realisierte, erreichte derselbe Testwagen im zweiten Anlauf nicht. Der Aufschlag von 0,7 Sekunden dürfte aber primär der extrem hohen Außentemperatur (31 Grad Celsius) und entsprechend heißem Geläuf (50 Grad Asphalttemperatur) am Testtag geschuldet sein. Dem Tribut an die Sonne kann sich ungeachtet seiner südeuropäischen Herkunft auch ein 450 PS starker Maserati nicht entziehen, zumal er mit 1.850 Kilogramm Lebendgewicht nicht eben zu den leichtesten Vertretern der Zunft zählt. Konditionsmäßig ist diese Gewichtsklasse bei Hitze zwangsläufig noch mehr gehandicapt.
 
Die Nervosität bei extrem starken Bremsmanövern, wie sie etwa ausgangs der Querspange des Kleinen Kurses in Hockenheim notwenig werden, dürfte eine Mischung aus dem starkem Nickmoment der Karosserie bei gleichzeitigen Eingriffen des ABS sein, wenn die Federn vorne auf Block gehen. Jedenfalls bleibt der Maserati Gran Turismo MC Stradale im Zustand höchster Verzögerung - bei warmer Bremse immerhin bis zu 11,2 m/s² - nicht so stur in der Spur, wie man es von einem mit solcher Länge gesegneten Frontmotor-Sportwagen erwarten würde.
Die sichtbar gut konditionierte Bremsanlage ist eine Kombination aus üppig dimensionierten Keramikscheiben und wuchtigen Sechs- beziehungsweise Vierkolbensätteln. Sie kommt ihren Aufgaben insgesamt zufriedenstellend nach, wobei auch sie im Extremfall nicht ganz frei von Belastungs-Phänomenen ist. Immerhin löste sich das bei der Übernahme festgestellte, leichte Rubbeln bei sachtem Bremsdruck nach der gewohnt harten Gangart im Supertest in Wohlgefallen auf. Festgebackener Bremsabrieb scheint hier die Ursache gewesen zu sein. Auch der nach starken Bremsmanövern stets etwas weicher werdende Druckpunkt am Pedal erholte sich nach der Abkühlphase wieder.

Italienischer Sportwagen für 170.000 Euro

Dass im Umfeld dieser teuren, aufwändig konfigurierten Anlage die rote Lackierung der Bremssättel Aufpreis kostet - 590 Euro -, ist, gemessen am Gesamtpreis des Maserati Gran Turismo MC Stradale (170.530 Euro inklusive aller Gimmiks), ein eher belustigender Aspekt.
 
Kommen wir zum Motor, der sich imagemäßig damit schmücken darf, ein von Ferrari beigesteuertes Juwel zu sein. Der mit knapp 4,7 Liter Hubraum antretende Kurzhuber weist einen klassischen Zylinderwinkel von 90 Grad auf, verfügt über je zwei obenliegende Nockenwellen mit variabler Steuerung und selbstverständlich vier Ventilen pro Zylinder. Er ist tief unten im Motorraum des Maserati Gran Turismo MC Stradale zu Füßen der Besatzung platziert. Das von ihm erzeugte sinnliche Erlebnis macht ihn zwingend zum Lieblingsobjekt für jeden Petrolhead, zumindest für jene mit Vorliebe für akustische V8-Dramaturgie mit italienischem Einschlag.
 
Nur schlechte Menschen würden behaupten, er wäre laut. Kinder halten sich in seinem Gravitationsfeld zwar auch die Ohren zu, grinsen dabei aber wie beim Anblick einer Geburtstagstorte. Zugegeben: Besonders beim Kaltstart, also im Zustand offener Auspuffklappen, entweicht der Abgasanlage eine Klangwolke von ausgesprochen großer Ausdehnung. Der Maserati Gran Turismo MC Stradale schafft in der Nachbarschaft klare Verhältnisse: Dort, wo die Fenster geöffnet werden, sitzen die Symphatisanten beziehungsweise die Sound-Gourmets. Da, wo sie geschlossen werden - na ja, lassen wir das.

GT MC Stradale ist keine Rennmaschine

Schade, dass der scharfe Rennsportsound etwas zuviel verspricht, ebenso wie die gleichfalls begeisternde Linienführung mit ihren eindeutig rennsportlichen Accessoires: Als echte Rennmaschine mit Anlagen zum Aufstellen der Nackenhaare geht der Maserati Gran Turismo MC Stradale nicht durch. In 4,8 Sekunden zoomen sich auch weniger sportlich gekleidete Wettbewerber auf Tempo 100. Ebenso sind die 15,8 Sekunden bis zum Erreichen der 200-km/h-Marke, gemessen am motorischen Leistungsvermögen, keine Offenbarung.
 
Neben der großen Masse, die es beim Maserati Gran Turismo MC Stradale zu bewegen gilt, ist es die Übersetzung des Getriebes, oder besser: der Hinterachse, die einen dämpfenden Einfluss auf die von Haus aus fraglos aggressiven Pferdestärken nimmt. Um auf Höchstgeschwindigkeit - laut Werksangabe 301 km/h - zu kommen, bedarf es eines kilometerlangen, freien Auslaufes, der sich bei der heute üblichen Verkehrsdichte allenfalls noch zu nächtlicher Unzeit anbietet.
 
Das Getriebe selbst macht seine Sache im Maserati Gran Turismo MC Stradale erstaunlich gut. Überraschend deshalb, weil es sich um ein konventionelles, automatisiertes Sechsganggetriebe handelt, also eine Konstruktion jener aussterbenden Sorte, die sich in Sachen Geschmeidigkeit der Gangwechsel mittlerweile schwer tut, gegen moderne Doppelkupplungsgetriebe zu bestehen. Denn sie haben einen Vorteil: Sie sind bauartbedingt leichter und kosten weniger Kraft aufgrund geringerer innerer Reibung. Aber werden wir nicht kleinlich: Bei einem Durchschnittsverbrauch im Supertest von 20 Liter Superkraftstoff sind ein paar Prozente Einsparungspotenzial sicher nicht die Rede wert.
 
Aber auch routinierte Virtuosen auf dem Kupplungspedal und am Schaltstock werden sich in diesem Umfeld kaum beklagen, den automatisierten Schaltmodi den Vorzug geben zu müssen. Die Gangwechsel gehen ebenso schnell wie geschliffen vonstatten, inklusive launiger Zwischengas-Fanfaren beim Herunterschalten. Will sagen: Das Spiel mit den hinter dem Lenkrad feststehenden Schaltpaddeln hat hohen Unterhaltungswert.

Reinsetzen und sich wohlfühlen

Der alte Slogan, „Reinsetzen und sich wohlfühlen“ wird beim Maserati Gran Turismo MC Stradale darüber hinaus von einer Innenarchitektur typisch italienischer Abstammung gestützt. Blaues Alcantara beherrscht die Szenerie. Die Vielzahl von sauber verarbeiteten Karbon-Applikationen steht für Rennsport-Nähe, ebenso wie das ausgeräumte Fond-Abteil und der Überrollbügel. Das Anlegen der Vierpunktgurte ist zwar etwas umständlich, kann in seiner zwangsläufig bedächtigeren Abfolge aber auch als Einverständnis mit den Normen des Rennsports verstanden werden - nach dem Motto: Einfach nur reinsetzen und losbrettern - das machen nur Flegel.

Nürburgring Nordschleife 8.14,00 min
6
maximal 10 Punkte

Die Fahrwerkabstimmung des Maserati Gran Turismo MC Stradale harmoniert nicht mit den topografischen Eigenheiten der Eifeler Berg-und-Tal-Bahn. Das Setup ist zu weich, die Linienverfolgung daher zu unpräzise. Was die übrigen Anlagen angeht - zum Beispiel Motor, Bremse, Fahrsicherheit, Bedienung -, offenbart der Maserati gutes Potenzial. Er klingt dabei um ein Vielfaches schneller, als er tatsächlich ist. Die Übersetzungen sind insgesamt zu lang.

Maserati Gran Turismo MC Stradale, Nürburgring Nordschleife, Rundenzeit
Hockenheim-Ring Kleiner Kurs 1.13,7 min
8
maximal 10 Punkte

Auf schnelles Einlenken reagiert der Hecktriebler sehr spontan, um dann in unmittelbarer Nähe des Limits gern ins Untersteuern abzudriften. Auf Power-Oversteering sollte man bei deaktiviertem ESP stets vorbereitet sein. Allerdings sind die Ausbruchversuche des Hecks relativ leicht abzufangen. Der lange Radstand (2.942 Millimeter) wirkt sich in dieser Hinsicht sehr beruhigend aus. Mit etwas nachlassendem Druckpunkt zeigt die Bremse nur geringe Reaktion auf extreme Belastung. Die Verzögerungsleistungen sind stabil. Allerdings zeigt das Maserati Gran Turismo MC Stradale Coupé bei Vollbremsungen eine leichte Nervosität um die Hochachse.

Maserati Gran Turismo MC Stradale, Kleiner Kurs Hockenheim, Rundenzeit
Beschleunigung / Bremsen 20,8 sek
8
maximal 10 Punkte

Aus 1.850 Kilogramm Masse und 450 PS errechnet sich beim Maserati Gran Turismo MC Stradale ein Leistungsgewicht von 4,1 Kilogramm pro PS. Die daraus resultierenden Fahrleistungen sind angemessen. Die Traktion des Frontmotor-Coupés geht dank ausgewogener Gewichtsverteilung und Differenzialsperre in Ordnung. Die Gang- und Achsübersetzungen sind insgesamt relativ lang gewählt. Das drückt etwas aufs Gemüt des V8-Motors. Die Gangwechsel des aus Gewichtsgründen an die Hinterachse verlegten Sechsganggetriebes sind automatisiert.

Beschleunigung 0-200 km/h:
15,8 s
Bremsen 200-0 km/h:
5,0 s
Windkanal
8
maximal 10 Punkte

Der Maserati Gran Turismo MC Stradale ist ein üppig dimensioniertes Coupé. Das lässt sich auch an der Stirnfläche – 2,26 Quadratmeter – ablesen. Dabei ist der cW-Wert mit 0,32 nicht unbedingt schlecht entwickelt. Abtriebskräfte können die zierlichen aerodynamischen Hilfsmittel – siehe Heckspoiler – nicht generieren. Die Auftriebswerte bleiben dennoch insgesamt gering.

Fahrzeugstirnfläche (A):
2,26 m²
Luftwiderstandsbeiwert (cw):
0,32
Luftwiderstandsindex (cw × A):
0,72
Vorderachse bei 200 km/h:
14 kg Auftrieb
Hinterachse bei 200 km/h:
25 kg Auftrieb
Querbeschleunigung 1,30 g
9
maximal 10 Punkte

Die Bereifung – Pirelli P Zero Corsa – ist grundsätzlich für hohe Querbeschleunigung gut, wohlbemerkt auf trockener Fahrbahn. Dass der Maserati Gran Turismo MC Stradale die Reifen-Leistung nicht angemessen umsetzen kann, liegt an der besonderen Fahrwerkabstimmung.

36-Meter-Slalom 133 km/h
9
maximal 10 Punkte

Mit kompromissloseren Sportlern wie dem BMW M3 GTS oder dem Mercedes C 63 AMG Coupé Black Series kann der Maserati Gran Turismo MC Stradale im 36-Meter-Slalom nicht mithalten. Ebenfalls sportbereift fehlt es ihm vor allem an Querabstützung. Die Feder/Dämpfer-Abstimmung und vor allem die Stabilisatoren sind in ihrer Auslegung eher dem Komfort verpflichtet. Spür- und sichtbare Seitenneigung der Karosserie ist die Folge. Das anfängliche Einlenkuntersteuern bei hartem Einlenken wechselt durch die schnell aufeinanderfolgenden Richtungswechsel in ein gut kontrollierbares, leichtes Übersteuern. Da ist viel Gefühl am Lenkrad gefragt.

Ausweichtest 145 km/h
8
maximal 10 Punkte

Auch im Ausweichtest liegt der Italiener knapp hinter der in der Abstimmung deutlich strafferen Konkurrenz aus Stuttgart und München. Im Vergleich zum restlichen Feld kann er sich aber durchaus sehen lassen und lässt veritable Sportler hinter sich. Wie schon zuvor im schnellen Slalom bemerkt, ist die Fahrwerksabstimmung für diese fahrdynamischen Disziplinen aber zu weich geraten. Es darf nicht zu hart eingelenkt werden, denn sonst verliert die Vorderachse an Seitenführung – Untersteuern stellt sich ein. Auch hier werden die schnellsten Zeiten mit sanftem Einlenken erreicht. Kritische Lastwechselreaktionen sind dem Maserati Gran Turismo MC Stradale fremd.

Nasshandling
1
maximal 10 Punkte

Die Pirelli P Zero-Bereifung mit dem Zusatz „Corsa“ ist primär auf Trockengrip ausgelegt. So werden mit dem Maserati Gran Turismo MC Stradale bei der Nasshandling-Prüfung auf dem Dunlop-Testgelände erwartungsgemäß keine Spitzen-Zeiten erreicht. Mit aktiviertem Stabilitätssystem sind keine Überraschungen zu erwarten. Das Heck bleibt ruhig, und die Haftgrenze kündigt sich über die sanft schiebenden Vorderräder an. Bei abgeschalteter Regelelektronik bleibt grundsätzlich alles beim Alten, aber nur so lange sich der rechte Fuß beherrschen kann. Bei Hinterradantrieb, 450 PS und 510 Nm ist konzeptbedingt Sensibilität am Gas vonnöten. Heckschwünge am Kurvenausgang sind zwar vorprogrammiert, aber stets gut beherrschbar. Die Dosierbarkeit der Bremsanlage und die Regelfrequenzen des ABS sind den Anforderungen gewachsen. Das Fahrverhalten kann insgesamt als sicher bezeichnet werden.

Fazit

Der Maserati Gran Turismo MC Stradale hinterlässt im Supertest gemischte Gefühle. Auf der einen Seite überzeugt er durch Form, Klang, Aussehen und Ausstattung. Auf der anderen Seite ist es sein extrem sportlicher Auftritt, der - gemessen an den Fakten - doch etwas übertrieben wirkt. Mehr Schein als Sein - das ist hier das Motto.
Auf Seiten des Antriebs ist alles in Butter: Der Motor zieht - vom Verbrauch einmal abgesehen - alle Sympathien auf sich. Selbst das automatisierte, mechanische Sechsganggetriebe bringt sich mit guter Schaltkultur und schnellen, unterhaltsamen Gangwechseln positiv ein.
Allein das Fahrwerk enttäuscht - zumindest aus Sicht der Sportfraktion. Der Maserati Gran Turismo MC Stradale könnte fahrdynamisch deutlich mehr leisten, wenn man ihn komfortmäßig nicht so artig erzogen hätte. Zugegeben: Im Alltagsgebrauch zeigt sich das Spitzenmodell damit äußerst zugänglich.
Tipp: Die jetzt präsentierte offene Variante namens Maserati Gran Cabrio MC dürfte, was ihre konzeptionelle Stimmigkeit angeht, in Summe bessere Überzeugungsarbeit leisten können.

Technische Daten
Maserati GranTurismo MC
Grundpreis152.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4933 x 1915 x 1343 mm
KofferraumvolumenVDA260 L
Hubraum / Motor4691 cm³ / 8-Zylinder
Leistung338 kW / 460 PS (520 Nm)
Höchstgeschwindigkeit303 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,5 s
Verbrauch14,4 L/100 km
Testverbrauch20,0 L/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Neu Registrieren

Erstellen Sie ein kostenloses Profil und profitieren Sie von vielen Vorteilen

  • Zugriff auf alle technischen Daten
  • Artikel kommentieren
  • Teilnahme an Gewinnspielen
  • Schneller PDFs kaufen
  • 360° Ansichten von Autos
  • Exklusives PDF-Bonus-Programm
Kostenlos anmelden
Login mit Ihrem Profil
    Kommentar schreiben

    Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
    Empfehlungen aus dem Netzwerk