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Nissan Pathfinder 2.5 dCi im Supertest

Findet der Pathfinder den Weg?

Nissan Pathfinder 2.5 dCi 22 Bilder

Tut der nur so, oder kann er es wirklich? Rein optisch verspricht Nissans Pfadfinder, ein harter Kerl fürs Grobe zu sein. Wir haben geprüft, ob das stimmt.

21.09.2008 Powered by

Das waren noch Zeiten: 1986 wurde der Lada Niva gerade erst zarte neun Jahre alt, Jeep hatte den Namen Wrangler noch nicht erfunden, und Nissans eckiger Patrol K160 fuhr mit Blattfedern durch die Gegend. Damals schon ein wenig revolutionär, den Pathfinder vorzustellen. Der basierte optisch wie technisch auf dem Nissan Pick-up jener Zeit, bekam aber flotte Benziner und ein komfortables Fahrwerk, dazu eine geräumige und gemütlich ausgestattete Karosserie. Der bei uns als Terrano verkaufte Ur-Pathfinder war eines der ersten wirklichen Komfort-SUVs, lange bevor an Mercedes ML und BMW X5 zu denken war.

Nissan Pathfinder mit Getriebeuntersetzung

Allerdings schon seinerzeit mit einem Bekenntnis zum Geländeeinsatz, denn eine Getriebeuntersetzung war stets an Bord. Daran hat sich bis heute nichts geändert: Immer noch ist der Nissan Pathfinder (der seit 1996 auch bei uns so heißt) optisch dem Pick-up wie aus dem Gesicht geschnitten, der verwendet teilweise dessen Technik, seine Motoren und Teile des Interieurs. Allerdings alles verfeinert und mit einem sanfteren Fahrwerk mit Einzelradaufhängung sowie je nach Spendierfreude des Käufers auch mit durchaus feudalem Luxus.
Styling-Gags wie der hintere Türgriff in der C-Säule erinnern noch an den Urvater. Ansonsten kommt aber die dritte Generation Pathfinder erheblich männlicher daher als der sportlich-runde Großvater vor 22 Jahren. In der stattlichen 4,74 Meter langen Karosse haben bis zu sieben Menschen Platz: Die hinteren Zusatzsitze sind ab der SE-Ausstattung serienmäßig. Nur beim Motor gibt es keine Wahl. Während der Pathfinder in den USA sogar mit dem 317 PS starken 5,6-Liter-V8 aus dem Pickup Titan angeboten wird, ist in Deutschland lediglich der auch im Navara eingebaute 2,5-Liter-Diesel zu haben.

Der entlässt immerhin 171 PS aus seinen vier Zylindern, das klingt nach angemessener Leistung. Die kann er aber auch gebrauchen, denn speziell die getestete LE-Version mit Vollausstattung bringt ordentlich Pfunde auf die Waage. Dafür ist allerdings nicht nur der viele Luxus verantwortlich, sondern ebenso der stabile Leiterrahmen, mit dem die Karosserie verbunden ist. Und nicht nur das klingt verdächtig nach Geländetauglichkeit: Die elektrisch zuschaltbare Untersetzung reduziert das Fünfganggetriebe um den Faktor 2,6, im ersten Gang liegt damit eine Gesamtübersetzung von 45,5 : 1 vor - Respekt!

Bergabfahrkontrolle auch Teil des Supertest-Programms

Deshalb dachte sich Nissan wohl auch, dass der Schaltgetriebe-Pathfinder damit allein zurechtkommt - die elektronische Bergabfahrhilfe ist nur im Automatikmodell serienmäßig. Schade eigentlich, denn dieses zusätzliche Sicherheitsmerkmal würde dem Schalter ebenfalls gut stehen. Zwar ist oft an Stammtischen zu hören, dass die Motorbremse von „echten Geländewagen“ eine elektronische Hilfe überflüssig mache - doch das stimmt nicht. Deshalb ist die Bergabfahrkontrolle auch Teil unseres Supertest-Programms. In harten Geländesituationen ist es mit der Motorbremse allein nicht getan, im Gegenteil: Bei starkem Gefälle auf glattem Untergrund kann ein Wagen überbremsen und unkontrollierbar ins Rutschen geraten, ein Überschlag droht.

Unterboden
31
maximal 10 Punkte

Raumgreifend hängt das große Ersatzrad unter dem Heck. Das ist nicht nur für den hinteren Böschungswinkel ein wenig hinderlich, sondern dort auch allem Dreck und Schlamm ausgesetzt, den so ein Geländeleben mit sich bringt - kein großer Spaß, falls man es wirklich mal brauchen sollte. Problemzonen sind außerdem der unter der Hinterachse verlaufende Stabilisator, die über den mittleren Querträger herausragende Ölwanne und der ungeschützte Tank. Besser ist es um die Auspuffanlage bestellt, die relativ sicher innerhalb der Rahmenträger angeordnet wurde. Der Motor ist nur von einer Plastikschürze nach unten abgedeckt. Gut gelöst: Die ABS-Sensoren sitzen direkt am Differnzial, wo sie weniger Schmutz und Beschädigungsgefahr ausgesetzt sind als bei der Montage am Rad. Die lackierten Stoßfänger sind nichts für rempelfreudige Ausflüge in felsige Gegenden. Mehr als einen Zupfer kann man dagegen an den rahmenfesten  Abschleppösen (zwei vorn, eine hinten) wagen, die sind richtig stabil.

Verschränkung
133
maximal 200 Punkte

Mit vier einzeln aufgehängten Rädern und konventioneller Stahlfederung lassen sich verschränkungstechnisch keine Wunder vollbringen. Entsprechend mager ist das Ergebnis: 160 Millimeter entsprechen eher einem straßenorientierten SUV. Dafür schlägt sich der Pathfinder aber dank seiner recht ordentlich arbeitenden Traktionskontrolle ganz wacker. Nur einmal muss sie mit deutlichem Gasgeben zum Eingreifen überredet werden. Die Hecktür klemmt in der vollen Verschränkung. Die langen Überhänge und die am steilsten Abschnitt zu geringe Bauchfreiheit vermasseln allerdings die Punktewertung. In solchen Situationen ist beim Pathfinder ein Einweiser sehr hilfreich, um teure Karosserieschäden zu vermeiden.

Fahrwerk
76
maximal 100 Punkte

Allzu viel Seitenneigung des 1,76 Meter hohen Pathfinder setzten die Konstrukteure ein ziemlich sportlich abgestimmtes Fahrwerk entgegen. Das spürt man bereits auf der Straße, wo der Nissan bei schlechtem Fahrbahnzustand ziemlich bockig wird. Am Geröllhang ist es ähnlich, der Federungskomfort eher mäßig. Dennoch hält der Pathfinder seine Räder recht gut am Boden, läuft bergab ganz entspannt mit der Motorbremse bei minimalen Radschlupf. Die Bergauffahrt bewältigt er im Standgas, allerdings stets kurz vor der Ohnmacht mit gerade einmal 500 Touren. Wenn Gas gegeben wird, kommt dagegen Leben ins Gehäuse: Das übersensibel eingestellte elektronische Gaspedal setzt die im Fuß des Piloten vom Fahrwerk kommenden wippenden Impulse in kräftige Bocksprünge um. Das kann in kniffligen, engen Geländesituationen zum Problem werden. Eine geänderte Gaspedal-Steuerkurve in der Geländeuntersetzung - wie es sie beispielsweise bei Land Rover gibt - könnte dies verhindern.

Steigfähigkeit
148
maximal 200 Punkte

Die Bergabfahrkontolle bleibt dem Schaltgetriebe-Pathfinder vorenthalten, bei der Automatikversion ist sie Serie - unverständlich. Immerhin haben auch die handgeschalteten Modelle eine Berganfahrhilfe, die mit drei Sekunden genügend Zeit für den Wechsel vom Brems- auf das Gaspedal lässt. Das ist auch gut so, denn die Feststellbremse allein kann den Pathfinder in der 65 Prozent-Steigung nicht mehr halten. Das Anfahren gelingt dagegen in allen Steigungen problemlos, bei den steilsten Bahnen zu Beginn mit leichtem Radschlupf. Gründe dafür sind die kurze Übersetzung und der abrupte Turboschub. Selbst die steilste Bahn fährt der Pathfinder im ersten, untersetzten Gang nur mit Motorbremse bergab.

Handling
55
maximal 100 Punkte

Das ESP lässt sich zwar abschalten, hat aber eine Restregelung und bremst den Pathfinder selbst in der Untersetzung gnadenlos herunter, wenn die Kurven dem Computer zu gefährlich vorkommen - dem Motor wird einfach die Spritzufuhr gekappt. Keine Freude, wenn man beispielsweise gerade mit Schwung eine Sahara-Düne entern will. Die Lenkung ist träge und reagiert zu indirekt. Außerdem gibt es heftige Wankbewegungen. Das können andere besser.

Wat-Verhalten
76
maximal 100 Punkte

Das war knapp: Das Luftfilter-Gehäuse des Testwagens ist nach den vorangegangenen Sektionen aufgesprungen. Gut, dass wir vor der Wasserdurchfahrt stets den Motorraum checken - eine Empfehlung zum Nachahmen in solchen Situationen. Mit geschlossenem Gehäuse wird die Atemluft nicht im Schwallwasserbereich, sondern gut geschützt im Innenkotflügel angesaugt. Die Lichtmaschine ist zu tief montiert. Die Türen liegen über der freigegebenen Wattiefe von 450 Millimetern, auch Spritzwasser dringt nicht ein. Die Nebelscheinwerfer zeigen nach dem Test Spuren von Kondenswasser - sie sind nicht ganz dicht. Nach Möglichkeit sollte man also ohne jede Bugwelle in extremer Schleichfahrt tiefere Wasserfurten durchfahren.

Nissan Pathfinder 2.5 dCi
Übersichtlichkeit / Wendigkeit
53
maximal 100 Punkte

Die Breite ist nicht ohne: Zu den 1,89 Metern der Karosserie addieren sich noch die Außenspiegel, insgesamt misst der Pathfinder damit 2150 Millimeter von einer Seite zur anderen. Da ist Augenmaß und eifriges Betätigen der Anklappfunktion für die Spiegel gefragt, um die Trial-Sektion zu meistern. Dank der kantigen Form lassen sich die Fahrzeugenden relativ gut einschätzen, im Blick hat man sie nicht: Die hohe Fensterlinie und die breiten hinteren Säulen nehmen die Sicht. Die Rückfahrkamera verschenkt bei ihrer Abbildung einen guten Meter freie Fahrt. Drei Mal muss rangiert werden, um die Strecke durchfahren zu können, der Wendekreis ist ziemlich üppig. Für den Einsatz im dichten Wald ist der Pathfinder kaum geeignet.

Traktion
37
maximal 50 Punkte

Sekt oder Selters? Die kurze Untersetzung führt im Tiefsand zu Kapriolen. Denn in Verbindung mit dem schlagartig einsetzenden Turboschub geht es nur ruckartig oder gar nicht vorwärts. Untenrum fehlt dem Motor die Kraft für ausreichenden Vortrieg. Erst wenn der Pathfinder einmal in Schwung ist, geht es durchaus souverän voran. An Kraft mangelt es ihm nicht, nur an Antritt aus dem Stand. Die zähe Lenkung macht in dieser Sektion abermals auf sich aufmerksam, Richtungswechsel gelingen nur zögerlich.

Antriebssystem
46
maximal 100 Punkte

Überlässt man die Antriebswahl der Elektronik (Schalter in 4x4-Automatik-Modus), greift die Traktionskontrolle übermäßig ein und vernichtet dabei unnötig Kraft, die gerade bei dieser Prüfung gebraucht wird. Mit gesperrter Kraftverteilung geht es etwas besser. Nur das Anfahren gelingt nicht. Man benötigt viel Drehzahl, um den Motor nicht sofort abzuwürgen; bei Leistungseinsatz geht es dann sofort nach unten statt nach vorn. Am besten lässt sich der Sandhang in der Geländeuntersetzung bewältigen. Mit viel Gefühl kann man im ersten Gang anfahren - fast noch mehr Feeling benötigt man, um anschließend - ohne dass der Vortrieb zusammenbricht - den zweiten einzulegen. Nur so schafft es der Pathfinder, sich den Hang hinaufzufräsen. Er ist offenbar eher für weites Land als für tiefe Böden konzipiert.

Technische Daten
Nissan Pathfinder 2.5 dCi
Grundpreis46.770 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4740 x 1850 x 1763 mm
KofferraumvolumenVDA190 bis 2091 L
Hubraum / Motor2488 cm³ / 4-Zylinder
Leistung126 kW / 171 PS (403 Nm)
Höchstgeschwindigkeit186 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h11,0 s
Verbrauch8,7 L/100 km
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