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Kindersitz-Crashtest 2008

10 Kindersitze der Gruppen I und II-III

Foto: Beate Jeske 35 Bilder

Zehn neue oder verbesserte Kindersitze der Gruppen I und II-III sind zum auto motor und sport-Crashtest 2008 angetreten. Sehr guten Schutz bieten nur zwei, acht Sitze zeigen im Detail noch Verbesserungs-Potenzial.

09.05.2008 Christian Bangemann

80.000 Euro teure Dummies

Auf stählernen Rädern kommt der Crashschlitten mit der darauf montierten Golf-Karosserie angerast. Im Schlepp ein fünf Zentimeter dickes Kabel, über das die Dummy-Daten zum Computer übertragen werden. Mit einem lauten Rumms kommen Schlitten und Karosse zum Stehen, das lange Kabel schießt zischend ein paar Meter weiter. Dann herrscht Ruhe in der Halle. Der 80.000 Euro teure Dummy sitzt noch, wenn auch etwas schief, der Kindersitz ist intakt geblieben. Tatsächlich war in dieser Crashtest-Serie bei keinem Sitz ein Versagen zu beobachten – die erste gute Nachricht.

Wie die Sitze schützen, dafür gibt es freilich unterschiedliche Lösungen. Bei den vier Sitzen der Gruppe I – für Kinder von etwa neun Monaten bis vier Jahre – kommen zwei grundverschiedene Techniken zum Einsatz.

Isofix mit Vor- und Nachteilen

Drei Mal wird der Dummy von einem Fünfpunktgurt gehalten (Besafe Izi Comfort X1 Isofix, Maxi Cosi Priorifix, Römer Safefix Plus), ein Mal sorgt ein Fangtisch (Kiddy Infinity Pro) dafür. Nur beim Kiddy spielt in dieser Gruppe der Auto-Sicherheitsgurt eine Rolle, denn er befestigt sowohl den Sitz als auch den Fangtisch. Die drei anderen Kandidaten können zwar ebenfalls mit dem Autogurt eingebaut werden, verfügen aber alle über Isofix-Befestigungen, die auch genutzt wurden. Isofix hat Vor- und Nachteile. Der hohe technische Aufwand macht die Sitze teuer, schwer und mit ausgeklapptem Stützfuß extrem sperrig. In den Fond eines Zweitürers bekommt man so einen Sitz nur mit Verrenkungen. Der Einbau an sich ist dann aber sehr einfach, weil nur die Isofix-Befestigungszungen in die Stahlbügel in der Rücksitzbank gedrückt werden müssen.

Dann wird der Kindersitz auf seiner Grundkonsole ganz an die Banklehne geschoben – fertig. Man braucht keinen Gedanken an die Gurtführung zu verschwenden, auch ein Nachspannen des Autogurts entfällt völlig. Ein Isofix-Sitz ist, einmal eingebaut, immer optimal mit dem Auto verbunden. Das schafft ein messbares Sicherheitsplus, wie der Besafe Izi Comfort X1 zeigt. Beim letzten Crashtest ist er in der Version ohne Isofix angetreten und schrammte nur ganz knapp am Top-Ergebnis vorbei. Mit der starren Befestigung verbessern sich alle Belastungswerte.

6× nur "bedingt empfehlenswert"

Trotz der harten Crashbedingungen wären im Izi Comfort X1 Isofix keine nennenswerten Verletzungen zu befürchten. Es überrascht nicht, dass der zweite empfehlenswerte Sitz, der Maxi Cosi Priorifix, ebenfalls über eine Isofix-Anbindung an das Auto verfügt, in ihm genießt ein Kind auch hier besten Schutz. Der Römer Safefix Plus mutet dagegen der Dummy-Brust ein etwas höheres Verletzungsrisiko zu. Mehr als Rippenprellungen sind jedoch nicht zu erwarten.

Schwere Blessuren wird ein Kind im Kiddy Infinity Pro ebenfalls nicht erleiden. Der Sitz mit Fangtisch verpasst das Spitzenergebnis mit leicht erhöhter Hals- und Kopfbelastung. Weil der Dummy mit Kinn und Nase auf den Fangtisch prallt, liegt der HIC, das Maß für die Kopfbelastung, allerdings höher als bei der Konkurrenz. Sechs Mal "bedingt empfehlenswert" als Testergebnis bei Sitzen der Gruppe II-III, die von etwa 3-12 Jahren mitwachsen, scheint indes enttäuschend zu sein. Denn alle Sitze sind entweder ganz neu oder zumindest überarbeitet und nach der aktuellen Norm ECE R 44/04 zugelassen. Müsste da nicht überwiegend ein "empfehlenswert" als Resultat herauskommen?

Eigentlich schon, aber bei dieser Gruppe beeinflusst der Autosicherheitsgurt das Testergebnis wesentlich stärker als bei den Isofix-Sitzen für die kleinen Kinder. Hätte der Golf auf der Rückbank nämlich einen Gurtkraftbegrenzer – auf den Vordersitzen ist er mittlerweile Standard –, lägen die Belastungen für die Dummy-Brust auf einem niedrigeren Niveau. Leider sind solche Kraftbegrenzer im Fond aber in fast keinem Auto vorhanden.

Kindersitz-ModellGruppeErgebnis im Detail
Besafe IziComfort X1 IsofixGruppe Iempfehlenswert
Maxi Cosi PriorifixGruppe Iempfehlenswert
Römer Safefix PlusGruppe Ibedingt empfehlenswert
Kiddy Infinity ProGruppe Ibedingt empfehlenswert
Concord Lift Evo PTGruppe II-IIIbedingt empfehlenswert
Cybex Solution XGruppe II-IIIbedingt empfehlenswert
Kiddy ContourGruppe II-IIIbedingt empfehlenswert
Römer KidfixGruppe II-IIIbedingt empfehlenswert
Recaro Monza SeatfixGruppe II-IIIbedingt empfehlenswert
Storchenmühle IpaiGruppe II-IIIbedingt empfehlenswert

Nachbesserung bei Autogurten nötig

Da kann der Kindersitz noch so gut sein – die unnachgiebigen Autogurte belasten die kindliche Brust unerfreulich hoch. Hier sollten die Auto-Hersteller schleunigst nachbessern. 4 Sitze (Concord Lift Evo PT, Cybex Solution X, Kiddy Contour und Römer Kidfix) überzeugen mit niedrigen Verletzungsrisiken für Kopf und Hals. Der Schutz dieser wichtigen Körperteile ist exzellent, selbst bei Unfällen mit 50 km/h. Die Brustbelastungen – in keinem Fall ist Schlimmeres als eine Prellung zu erwarten - vermasseln aber ein Abschneiden mit Top-Resultat.

Concord Lift Evo PT

Preis: 135 Euro
Urteil: bedingt empfehlenswert

Einteiliger mitwachsender Kindersitz (15–36 kg oder 3–12 Jahre), der ausschließlich mit dem Auto-Dreipunktgurt benutzt werden darf. Siebenfach höhenverstellbare Kopfstütze, dicke Polsterung aus Watte/Schaumgummi. Steht nur bei demontierter Autokopfstütze optimal auf der Golf-Rückbank. Relativ leichter Sitz. Keine Schäden nach dem Test. Kopf und Hals schützt der Lift Evo sehr gut, und mit 45 cm ist auch die Vorverlagerung des Dummy-Kopfes klein. In seiner Gruppe belastet er zudem die Dummy-Brust vergleichsweise niedrig, das Top-Ergebnis wird knapp verfehlt.

Cybex Solution X

Preis: 135 Euro
Urteil: bedingt empfehlenswert

Einteiliger mitwachsender Kindersitz (15–36 kg oder 4–12 Jahre), der ausschließlich mit dem Auto-Dreipunktgurt benutzt werden darf. 7-fach höhenverstellbare Kopfstütze, dicke Polsterung aus Watte/Schaumgummi. Steht nur bei demontierter Autokopfstütze optimal auf der Golf-Rückbank. Relativ leichter Sitz. Keine Schäden nach dem Test. In der Gruppe II-III sind die Kopf- und Halsbelastungen im Solution X die geringsten, auch die Vorverlagerung mit 43 cm ist klein, allein die erhöhte Brustbelastung führt zur Abwertung.

Kiddy Contour

Preis: 90 Euro
Urteil: bedingt empfehlenswert

Einteiliger mitwachsender Kindersitz (15–36 kg oder 4–12 Jahre), der ausschließlich mit dem Auto-Dreipunktgurt benutzt werden darf. 5-fach höhenverstellbare Kopfstütze, dreifach verstellbare Sitzfläche, relativ dünne Polsterung, mit Verarbeitungsschwächen (Polster lösen sich leicht). Zum Test musste die Autokopfstütze entfernt werden. Kopf und Hals genießen einen guten Schutz, die Vorverlagerung ist mit 53 cm zwar die größte im ganzen Test, aber dennoch unkritisch. Zur Abwertung führt die erhöhte Brustbelastung.

Kiddy Infinity Pro

Preis: 135 Euro
Urteil: bedingt empfehlenswert

Dreiteiliger Kindersitz mit Fangtisch und Sitzerhöhung (bis 18 Monate) für Kinder von neun bis 18 kg. Befestigung im Auto ausschließlich mit Dreipunktgurt. Sehr leichter Sitz. 5-fache Kopfstützen-Höhenverstellung. Dicke Watte-Schaumstoff-Polsterung, verständliche Einbau-Anleitung. Einstellen der Liegesitzposition während der Fahrt nicht möglich. Bedingt empfehlenswerter Sitz mit Fangtisch, der sowohl bei der Kopfbelastung wie bei der Halskraft leicht höhere Messwerte zulässt, als für ein Top-Ergebnis notwendig wären. Der Fangtisch sorgt allerdings für eine niedrige Brustbelastung, auch die Vorverlagerung ist mit 40 cm absolut unkritisch.

Besafe IziComfort X1 Isofix

Preis: 349 Euro
Urteil: empfehlenswert

Einteiliger Kindersitz mit Fünfpunktgurt für Kinder von 9–18 kg. Befestigung im Auto mit Isofix-System oder Auto-Dreipunktgurt. Durch Isofix-Stützbein sehr sperrig und schwer. Dreifache Gurthöhenverstellung, die auch bei sitzendem Kind eingestellt werden kann. Dicke Watte-Schaumstoff-Polsterung, verständliche Einbau-Anleitung. Sehr sicherer Sitz, bester Schutz für Kopf, Hals und Brust, mit Isofix-Befestigung getestet. Alle Belastungswerte liegen auf niedrigem Niveau. Mit 37 cm ist die Vorverlagerung des Dummy-Kopfes außerdem erfreulich gering, das Anstoßen an den Vordersitz wäre bei einem realen Unfall nahezu ausgeschlossen.

Maxi Cosi Priorifix

Preis: 310 Euro
Urteil: empfehlenswert

Einteiliger Kindersitz mit Fünfpunktgurt für Kinder von 9–18 kg. Befestigung im Auto mit Isofix-System oder Auto-Dreipunktgurt. Durch Isofix-Stützbein relativ sperrig und schwer. Vierfache Gurthöhenverstellung, die fummelig und nur bei ausgebautem Sitz erreichbar ist. Mitteldicke Watte-Polsterung, verständliche Einbau-Anleitung. Sehr sicherer Sitz, bester Schutz für Kopf, Hals und Brust, mit Isofix-Befestigung getestet. Alle Belastungswerte liegen auf niedrigem Niveau. Mit 38 cm ist die Vorverlagerung des Dummy-Kopfes außerdem erfreulich gering, das Anstoßen an den Vordersitz wäre bei einem realen Unfall nahezu ausgeschlossen.

Recaro Monza Seatfix

Preis: 180 Euro
Urteil: bedingt empfehlenswert

Einteiliger mitwachsender Kindersitz (15–36 kg oder 3–12 Jahre), der mit dem Auto-Dreipunktgurt oder Isofix-Befestigungen benutzt werden darf. 11-fach höhenverstellbare Kopfstütze, aufblasbares Luftpolster in der Kopfstütze, dicke Schaumgummi-Polsterung, schlecht erkennbare Verriegelungsanzeige für die Isofix-Befestigung. Die Kopfbeschleunigung ist zwar niedrig, der HIC allerdings erhöht, daher ist der Schutz für den Kopf nur mittelmäßig, dasselbe gilt für die Belastungswerte von Hals und Brust. Allein die Vorverlagerung fällt mit 43 cm sehr klein aus.

Römer Kidfix

Preis: 330 Euro
Urteil: bedingt empfehlenswert

Einteiliger Kindersitz mit Fünfpunktgurt für Kinder von 9–18 kg. Befestigung im Auto mit Isofix-System oder Auto-Dreipunktgurt. Durch Isofix-Stützbein relativ sperrig und schwer. Siebenfache Gurthöhenverstellung, die gemeinsam mit der Kopfstütze bei montiertem Sitz einstellbar ist. Dicke Watte-Schaumstoff-Polsterung, verständliche Einbau-Anleitung. Knapp verfehlt der Römer mit Isofix das Top-Ergebnis, die Brustbelastung ist erhöht, weil das Dummy-Kinn kräftig auf das Brustbein drückt. Guter Schutz für Kopf und Hals, die Vorverlagerung des Kopfes ist mit 42 cm ebenfalls unkritisch, ein Kontakt mit dem Vordersitz praktisch ausgeschlossen.

Römer Safefix Plus

Preis: 330 Euro
Urteil: bedingt empfehlenswert

Einteiliger Kindersitz mit Fünfpunktgurt für Kinder von 9–18 kg. Befestigung im Auto mit Isofix-System oder Auto-Dreipunktgurt. Durch Isofix-Stützbein relativ sperrig und schwer. Siebenfache Gurthöhenverstellung, die gemeinsam mit der Kopfstütze bei montiertem Sitz einstellbar ist. Dicke Watte-Schaumstoff-Polsterung, verständliche Einbau-Anleitung. Knapp verfehlt der Römer mit Isofix das Top-Ergebnis, die Brustbelastung ist erhöht, weil das Dummy-Kinn kräftig auf das Brustbein drückt. Guter Schutz für Kopf und Hals, die Vorverlagerung des Kopfes ist mit 42 cm ebenfalls unkritisch, ein Kontakt mit dem Vordersitz praktisch ausgeschlossen.

Storchenmühle Ipai

Preis: 120 Euro
Urteil: bedingt empfehlenswert

Einteiliger mitwachsender Kindersitz (15–36 kg oder 3–12 Jahre), der mit dem Auto-Dreipunktgurt oder mit Isofix-Befestigungen benutzt werden darf. 11-fach höhenverstellbare Kopfstütze mit Zentimeteranzeige passend zur Kindergröße, dicke Schaumgummi-Polsterung, wie beim Recaro Monza wurde zum Sitzeinbau die Autokopfstütze entfernt. Das Schlusslicht in diesem Test ist der Ipai. Die Halskraft, die er dem Dummy zumutet, liegt nur knapp im gelben Bereich, das Verletzungsrisiko ist dennoch moderat. Erfreulich klein: die Vorverlagerung mit 44 cm.

So wurde getestet

Bereits seit 16 Jahren testet auto motor und sport Kindersitze. Der Partner dabei war stets der TÜV SÜD Automotive, auf dessen Anlage die Sitze untersucht wurden.

Der Versuchsaufbau hat sich seit 1992 nicht wesentlich verändert. Alle Kindersitze wurden wie in der Betriebsanleitung vorgeschrieben auf dem rechten hinteren Sitzplatz einer Kompaktwagen-Karosserie eingebaut und dann mit 50 km/h gecrasht.

Die Verzögerung von Karosserie und Sitz war mit 33 g stets identisch. Ursprünglich stand für die Tests ein Opel Astra A zur Verfügung, der von einem VW Golf IV abgelöst wurde. Mittlerweile dient ein VW Golf V als Crash-Karosserie.

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