Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

16 Winter-Scheibenreiniger im Test

Sind teure Reiniger auch besser?

Winterscheibenreiniger, Frontscheibe Foto: Dino Eisele 24 Bilder

Markenprodukte aus dem Fachhandel und von der Tankstelle gegen Günstigware vom Discounter – wer schafft den schnelleren Durchblick und schont dabei noch Lack und Kunststoffteile?

15.01.2015 Thiemo Fleck Powered by

Watsch! Völlig unerwartet klatscht eine Breitseite schmutzig-grauen Schneematschs von der Gegenfahrbahn auf die Frontscheibe. Reflexartig greift die Hand zum Wischerhebel, jetzt ist schneller Durchblick gefragt. Das schaffen zunächst intakte Wischergummis, aber auch gute Reinigungsmittel, die auch tiefen Temperaturen Paroli bieten können.

Kompletten Artikel kaufen
Service Winterscheibenreiniger im Test
auto motor und sport 26/2014
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 4 Seiten)

Winterscheibenreiniger wird Schmierstoff Glykol zugesetzt

Für den Frostschutz bei Winterscheibenreinigern sorgen hohe Konzentrationen von Alkohol. Unverdünnt sind die Konzentrate so bis etwa −60 °C frostsicher. Werden sie mit der gleichen Menge Leitungswasser vermischt, wird immer noch Frostsicherheit mindestens bis −20 °C erreicht. Für effiziente Reinigung sind Tenside beigesetzt. Sie lösen Fette und Öle und sorgen dafür, dass diese mit Wasser abtransportiert werden können. Tenside können allerdings Kunststoffe angreifen, speziell der häufig für Scheinwerfer oder Rückleuchten verwendete Kunststoff Polycarbonat kann bei längerer Einwirkung der Reinigersubstanzen Spannungsrisse ausbilden.

In einem guten Winterscheibenreiniger steckt mehr: Damit etwa die Wischer auf der entfetteten Scheibe nicht rubbeln, ist als unsichtbarer Schmierstoff Glykol zugesetzt. Dazu kommen Farbstoffe und auch Duftstoffe, die den strengen Geruch der alkoholbegleitenden Vergällungsstoffe überdecken sollen, was je nach Art des verwendeten Sprits nicht immer gelingt. Darüber hinaus haben, um versehentliches Verschlucken durch Kinder zu vermeiden, einige Hersteller ihren Mischungen Bitterstoffe beigefügt. Das haben wir bei der Verbraucherschutzbewertung mit drei Punkten honoriert ist ein Kindersicherheitsverschluss vorhanden, gibt es zwei Punkte.

Jetzt zum Kapitel Handhabung: Hier gibt es je einen Punkt für praktische Ausgießöffnungen, für eine Mischskala an der Flasche sowie für sinnvolle, leicht verständliche und gut lesbare Mischhinweise. Zwei Punkte gibt es, wenn auf der Flasche eine eindeutige Warnung vor unnötig hohen Dosierungen angebracht ist. Eine Warnung, die nur bei wenigen Herstellern zu finden ist. Stattdessen ist meist die Frostschutzwirkung der unverdünnten Mischung dominant und werbewirksam aufgedruckt. Häufig ist dort minus 60 Grad zu lesen, ein Frostschutz, der in mitteleuropäischen Regionen allerdings eher selten notwendig sein dürfte. Besonders die großen, preisgünstigen Gebinde der Discounter verleiten dazu, Konzentrate unverdünnt anzuwenden. Auch das eilige Nachfüllen an Tankstellen birgt Risiken: Wer, ohne auf den Restinhalt zu achten, einfach Frostschutzmittel in den Waschwasserbehälter gießt, kann erstens das Mischungsverhältnis nicht richtig abschätzen, zweitens kann das unkontrollierte Mischen von Sommer- und Winterreinigern zu Ausflockungen führen, was letztlich die Waschdüsen verstopft. Besser ist daher, die Flüssigkeit bereits im Herbst komplett aufzubrauchen, um den Behälter dann mit Winterreiniger aufzufüllen – idealerweise in einem separaten Gefäß vorgemischt.

16 Reiniger stellen sich dem Test

Gekauft wurden die Produkte im Autozubehörhandel, bei Tankstellen, Baumärkten und bei Discountern. Wie frostsicher sind sie wirklich? Zur Messung der Gefrierpunkte landen die Reiniger grundsätzlich in dem für −20 °C empfohlenen Mischungsverhältnis im Tiefkühlfach – und bleiben eisfrei. Offensichtlich gehen die Hersteller hier auf Nummer sicher und haben ihre Produkte auf einige Grad tiefer ausgelegt. Dafür gibt es bis zu 5 Zusatzpunkte.

In höchstmöglicher laut Etikett erlaubter Konzentration wurden die Mittel im Reinigungstest sowie in der Materialverträglichkeitsprüfung angewendet. Der Großteil der Reiniger soll laut Etikett für −60 °C gut sein, Jet verspricht unverdünnte Frostsicherheit bis −55 °C, Shell bis −50 °C und Total bis immerhin −42 °C. Ist die unverdünnte Anwendung laut Etikett nicht empfohlen, wird entsprechend auf die höchstzulässige Konzentration verdünnt. Das wird bei den Reinigern von Aral, Avia, Sonax und Cartechnic durch Mischen von zwei Teilen Reiniger mit einem Teil Wasser (2:1) erreicht. Der Frostschutz: immerhin bis −30 °C.

So vorbereitet lassen wir die Winterscheibenreiniger auf vorbereitete Proben aus Wischergummi, lackiertem Blech und Polycarbonat los, eine Nacht bleiben die Testmuster mit den Flüssigkeiten benetzt. Während sich die Effekte auf das Gummimaterial der Scheibenwischer noch überwiegend in Grenzen hielten, reagieren Scheinwerfer- oder Blinkergläser aus Polycarbonat nach längerer Einwirkzeit mit Rissbildung allergisch auf die Inhaltsstoffe der Reiniger. Bei Avia, Nigrin, Maxxiclean und Cartechnic führt die mehrstündige Einwirkzeit sogar zum Bruch der Probe. Das sollte so nicht sein, denn auch in der Praxis kann der Reiniger mal länger auf der Scheinwerferscheibe verbleiben. Wer etwa nach Winterfahrten kurz vor der heimischen Garage nochmals schnell die Scheiben- und damit meist auch die Scheinwerfer-Reinigungsanlage aktiviert hat, tut gut daran, zumindest die empfindlichen Scheinwerferscheiben vor längeren Standzeiten mit klarem Wasser abzuspülen.

Auch Autolack nimmt längeren Kontakt mit einigen Reinigern übel: In sechs Fällen wurde der Lack spürbar weich, bei dem als Mischung angewendeten Reiniger von Sonax wurde der Lack gar matt und unansehnlich. Das gibt Punktabzug.

Reinigungswirkung entscheidet

Wie schnell wird die Scheibe sauber? Um das zu überprüfen, wenden wir zwei Verfahren an: Im automatisierten Testaufbau im unabhängigen Kärcher-Labor wischt ein mit dem Reiniger in höchstmöglicher Dosierung getränktes Tuch dreimal über eine mit Testschmutz aus Ölrückständen, Gesteinsmehl und Flammruß behandelte Fläche. Die Qualität des Schmutzabtrags entscheidet über das Ergebnis. Sauber wischt hier der Reiniger von Shell, kaum überzeugend sind die Produkte von Ernst und Lidl.

Wichtiger und daher in der Punktewertung weit mehr gewichtet ist der Praxistest: Hierzu wird zunächst der Wintertestschmutz aus Salzen und Gesteinsmehl auf die Frontscheibe eines Kia Sportage aufgetragen. Die, wie bei Winterfahrten üblich, von der Fahrzeugheizung erwärmte Scheibe sorgt für ein beschleunigtes Antrocknen des Schmutzes. Nun wird der Reiniger aufgespritzt und die Anzahl der notwendigen Wischzyklen gezählt: Wie viele Durchläufe sind nötig, bis die Scheibe schlierenfrei sauber ist? Viele Reiniger, darunter auch günstige Produkte vom Discounter oder Baumarkt, schaffen das schon nach einer Auf-und-ab-Bewegung der Wischer. Nur bei RMP, Aral und Nigrin mussten die Wischer für klare Sicht vier- oder fünfmal ran.

Wie letztlich die Auswertung aller Aspekte des Reinigertests zeigt, müssen kunststoff- und lackschonende Produkte mit guter Reinigungswirkung nicht teuer sein. Der Priva Car Scheibenfrostschutz vom Discounter Netto ist als klarer Testsieger hier ein gutes Beispiel.

Diese Winter-Scheibenreiniger haben wir getestet
Netto Priva Car Scheibenfrostschutz
Shell Winter Klarsicht
OMV Caristal
Aldi Auto XS Scheibenfrostschutz-Konzentrat
Ernst Eisfrei Klare SichtJetzt bei Amazon kaufen
Lidl W5 Scheibenfrostschutz
ATU Stobi Freeze
RMP Scheibenreiniger- und Frostschutz-Konzentrat
Jet Scheibenfrostschutz-Konzentrat
Toom Maxxiclean
Total Frostschutz-Konzentrat
Sonax Antifrost- & Klarsicht-KonzentratJetzt bei Amazon kaufen
Aral Klare Sicht Winter
Avia Scheibenklar Citrus
Cartechnic Scheibenreinigerzusatz mit FrostschutzJetzt bei Amazon kaufen
Nigrin Scheibenfrostschutz Nano TecJetzt bei Amazon kaufen

So haben wir getestet

Bei Kärcher kennt man sich mit Schmutz aus, das Labor des unabhängigen Reinigungsgeräteherstellers bietet somit optimale Testbedingungen. Wir wollten prüfen, wie aktuelle Winterscheibenreiniger mit typischem Winterschmutz aus Salzen, Abrieb und Straßendreck auf der Frontscheibe fertigwerden. Im Labor wurden vornehmlich die Materialverträglichkeit mit Wischergummi, Lack und Polycarbonat sowie die Frostschutzwirkung geprüft. Im Praxisversuch wurde eine Fahrzeugscheibe mehrfach mit Testschmutz präpariert, gezählt wurde die Anzahl der Wischtakte, bis die Scheibe schlierenfrei sauber war.

Viel hilft viel

Besonders die preisgünstigen Produkte in großen Fünf-Liter-Gebinden verleiten zu unverdünnter Anwendung. Doch das bringt nichts! Im Gegenteil. Die hohe Konzentration von Alkohol und reinigenden Tensiden greift Lack, Gummi und besonders die empfindlichen Scheinwerferscheiben aus Polycarbonat an. Zudem sind die versprochenen −60 °C in mitteleuropäischen Breiten selten. Für das Flachland und Mittelgebirgsregionen dürften Mischungen für −20 °C genügen, dazu werden die Reiniger-Konzentrate 1:1 mit Leitungswasser gemischt. Wer auch in Alpenländern auf Nummer sicher gehen möchte, gibt für Frostschutz bis −30 °C ein Teil Wasser auf zwei Teile Frostschutz-Konzentrat.

Fazit

Wenn man als Autofahrer während der kalten Jahreszeit an etwas nicht vorbeikommt, dann ist es der Winterscheibenreiniger. Aber es ist gar nicht so einfach, ein gutes Produkt zu finden, das dem Frost standhält, gut reinigt und nicht gleich die Materialien angreift. Das Ergebnis unseres Tests zeigt eindeutig: Am Preis oder an den Werbeversprechen auf den Etiketten kann man sich definitiv nicht orientieren.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk