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8 Dachboxen im Test

Welche Dachboxen sicher sind

Dachboxen, Beladung Foto: Dino Eisele 30 Bilder

Ob im Winter- oder Sommerurlaub: Dachboxen sind bei Autofahrern beliebt. Doch sind sie auch eine sichere Transportlösung? auto motor und sport testete 8 Modelle – mit zum Teil erschreckenden Resultaten. Nur 2 Produkte überzeugten im Crash. Bei einigen versagten die Spanngurte fürs Gepäck, und eine Box flog sogar vom Autodach.

14.12.2013 Henning Busse

Stellen Sie sich vor: Sie fahren mit 120 km/h auf der Autobahn. Plötzlich taucht hinter der Kurve das Ende eines Staus auf. Vollbremsung. Im letzten Moment wenden Sie den Unfall ab. Das Glück währt jedoch nur kurz, denn Ihre Dachbox schießt wie eine Rakete in das Auto vor Ihnen. Oder noch schlimmer: Der Gegenverkehr wird getroffen. Völlig übertrieben? Keineswegs. So etwas kann passieren – wie unser Dachboxentest beweist.

Dachboxentest 2013, ErgebnisseFoto: auto motor und sport
Dachboxen im Test: Diese Produkte sind sicher 2:31 Min.

Dachboxen verändern Handling des Autos

Bald starten wieder Millionen von Deutschen in den Winterurlaub. Da oft die sperrige Skiausrüstung nicht ins Auto passt, greifen viele zur Dachbox. Eine gute Sache, weil sie den Stauraum im besten Fall verdoppelt. Was allerdings gern in Vergessenheit gerät: Die Behälter zeigen auch Schattenseiten. Zum einen steigt der Verbrauch um bis zu 1,5 Liter, zum anderen verändert sich das Handling des Autos. Das fördert der Test von auto motor und sport zutage, bei dem 8 Boxen mit einem Volumen zwischen 390 und 470 Liter getestet wurden.

Während die Ladung in den Boxen (Skier und anderes Gepäck) bei Vollbremsungen aus 120 km/h kaum Probleme verursachte, zeigte das abrupte Ausweichen ein anderes Bild. Bei der Kamei Oyster bewegte sich der Dachkoffer auf dem Träger. Bei der ATU Jetbag, der Menabo Marathon und der Rameder black line lockerten sich die Spannriemen, dadurch verrutschte die Ladung – auch wenn nichts zu Bruch ging, wirkte sich das auf das Fahrverhalten aus.

Die Ladungssicherung ist ohnehin eine Schwachstelle. Meist gibt es nur 2 Befestigungsgurte, in höheren Preisklassen sind auch schon mal 3 Riemen zu finden. Das stellt lediglich die Minimalanforderungen in Sachen Sicherheit dar, wie an der Thule Excellence erkennbar ist. Diese Box besitzt einen vorbildlichen Ladungsschutz, der aus drei Spanngurten, einem Fangnetz, Antirutschmatten und einer neuartigen Frontversteifung besteht. Wie der Crashtest zeigt, zahlen sich diese Maßnahmen positiv aus.

Im Crash nur zwei Dachboxen gut

Alle Dachboxen wurden nach der DIN-Norm 75302 gecrasht, die sich auf die Prüfung von Ladesicherungen bezieht. In einem Schlittenversuch simulierte das Dekra Automobil Test Center in Klettwitz einen Frontaufprall mit 30 km/h. Schon bei diesem geringen Tempo gab es Auffälligkeiten. Am schlechtesten schnitt die Mont Blanc RoofBox Space 450E ab. Hier versagte die Befestigung für die Dachbox, und der Behälter flog samt Inhalt vom Grundträger. In der Realität hätte das schlimme Folgen gehabt.

Ebenfalls schlecht präsentierte sich die Menabo Marathon. Der Aufprall öffnete den Deckel, zudem wurden die Spanngurte vom Inhalt so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass man von einer intakten Ladungssicherung nicht mehr reden konnte. Bei der Atera Cargo, der Kamei Oyster, der Hapro Zenith und der Rameder black line ragten dagegen die Skier aus der Box heraus – nicht schlimm, aber auch nicht gut. Wenig zu beanstanden gab es dagegen bei der ATU Jetbag. Am besten schnitt jedoch die Thule Excellence ab, vor allem das Fangnetz und die Frontversteifung haben den Unterschied zu den anderen Boxen ausgemacht. Am Ende kommen im Crash nur 2 Boxen mit der Note „gut“ davon.

Beladungstipps fehlen zu oft

Oft ist der Fehler schon in den Anleitungen zu suchen, weiß Dekra-Ingenieur Lutz Zimmermann: „Die Dachboxen könnten in puncto Sicherheit besser sein, wenn die Produzenten in den Bedienungsanleitungen hilfreiche Beladungstipps geben würden.“ So erhöht es zum Beispiel den Schutz, wenn man darauf hinweist, dass sperrige Dinge mit Decken abgepolstert werden sollten. „Leider fehlen solche Hinweise oft“, sagt Zimmermann. Und somit verschenken einige Boxen gute Noten – wie der Crashtest beweist.

Thule Excellence XT – Sicherste Dachbox im Test

Die Thule Excellence XT ist mit Abstand die teuerste Box im Test, dafür aber auch die beste. Drei Spanngurte, ein Fangnetz, Antirutschmatten und eine Frontversteifung machen sie im Crash sicher. Alles bleibt an seinem Platz. Auch in den Fahrversuchen gab es nichts zu bemängeln, genauso wenig bei der Nässeprüfung. Gut sind auch das Platzangebot und das Befestigungssystem, das aus Schnellverschlüssen besteht. Hilfreich sind zudem die Beladungstipps in der Anleitung, sie könnte allerdings mehr erklärenden Text vertragen.

Stärken: Ausstattung, Verarbeitung, gut im Fahrbetrieb, sehr sicher.
Schwächen: Montageanleitung etwas verwirrend – zu wenig Text.

Hapro Zenith 8.6 – Gute Box mit leichten Schwächen im Crash

Einfache Montage, gutes Platzangebot, beidseitig zu öffnen, 3 Spanngurte und eine gute Verarbeitung zeichnen die Dachbox von Hapro aus – für rund 650 Euro darf der Kunde auch einiges erwarten. Dass sie ihr Geld wert ist, beweisen ebenfalls die Fahrversuche oder der Nässetest, in denen die Box sich keine Blöße gibt. Den Crash besteht die Zenith mit der Note „3“: Der Boxendeckel brach, was aber keine Auswirkungen hatte. In Verbindung mit den zwei gerissenen Spanngurten im Innenraum gibt es jedoch eine Abwertung.

Stärken: Einfache Montage, Platzangebot, Verarbeitung, gutes Handling.
Schwächen: Bedienungsanleitung gibt nur wenige Beladungstipps.

ATU Jetbag Family 455 – Guter Dachkoffer zum günstigen Preis

ATU beweist mit der Jetbag, dass günstige Dachboxen nicht gleich schlecht sein müssen. Zwar wirkt die Verarbeitung auf den ersten Blick etwas billig, doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Die Fahrversuche stand die Jetbag ohne größere Probleme durch. Zudem erwies sich der Behälter als dicht in der Nässeprüfung, und beim Crashtest schnitt er mit der Note „2-“ ab. Das war das zweitbeste Ergebnis, woran die Anleitung großen Anteil hatte. Denn sie gab wertvolle Tipps zur Ladungssicherung.

Stärken: Günstige Dachbox, gutes und sicheres Konzept
Schwächen: Etwas billig wirkende Verarbeitung, fummelige Montage

Atera Cargo 830 – Ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis

Die Atera Cargo erledigt ihre Aufgabe sehr ordentlich. Die Fahrversuche beendete die Dachox auf dem 2. Platz. Die Verarbeitung kann sich sehen lassen, und mit den Schnellverschlüssen geht die Montage fix von der Hand. Allerdings ist die Erstmontage auf dem Auto aufgrund des Ausrichtens der Dachbox eine fummelige Angelegenheit – das gibt eine leichte Abwertung. Den Crash schließt die Cargo nur mit der Note „4“ ab: Die Skier sind deutlich aus der Box getreten, aber nicht rausgefallen. Somit hat die Box den Test bestanden.

Stärken: Gut im Fahrbetrieb, Schnellverschlüsse, leichte Dachbox.
Schwächen: Etwas kurze Box, leichte Schwächen im Crash, Erstmontage.

Kamei Oyster 450 – Der Deckel brach beim Crashtest

Das Konzept der Kamei Oyster scheint durchdacht zu sein. Sie lässt sich mit den Schnellverschlüssen leicht auf dem Grundträger montieren, bietet viel Platz für das Gepäck und drei Spanngurte für die Ladungssicherung. Das Konzept hat aber auch Schwächen: Im Fahrversuch verrutschte die Dachbox leicht auf dem Grundträger, und beim Crash brach der Deckel der Box. Zudem rissen alle 3 Spanngurte. Dadurch trat die Ladung deutlich aus dem Behälter, fiel aber nicht raus – macht am Ende Note „4“ im Crash.

Stärken: Gutes Platzangebot, schnelle Montage auf dem Grundträger.
Schwächen: Verrutscht im Fahrbetrieb, Schwächen im Crash.

Rameder black line 460 – Viele Detailmängel verhindern gute Note

Obwohl die Dachbox einen ordentlichen Eindruck hinterlässt, reicht es nicht für ein „empfehlenswert“. Daran kann auch das drittbeste Crashergebnis nichts ändern oder das gute Platzangebot, das selbst für große Skier geeignet ist. Die Schwächen beginnen bereits bei der billig wirkenden Verarbeitung oder der fummeligen Montage, was an den Bügeln zur Befestigung am Grundträger liegt. Zudem kann bei Regen Feuchtigkeit in die Dachbox gelangen, und im Fahrbetrieb verrutscht die Ladung wegen der billigen Zurrgurte, was das Handling stört.

Stärken: Großes Platzangebot, wenig Windgeräusche während der Fahrt.
Schwächen: Spanngurte, Verarbeitung, Anleitung, Montage, Nässeschutz.

Mont Blanc RoofBox Space 450E – Dachbox flog vom Grundträger

Den ersten Teil des Tests meisterte die Dachbox von Mont Blanc ohne Probleme: Dank der Schnellverschlüsse ließ sie sich leicht montieren, der Behälter bot zudem viel Platz und war einfach zu beladen. Auch bei den Fahrversuchen fiel die RoofBox Space nicht unangenehm auf – nach dem ersten Teil des Tests lag sie weit vorn. Doch der Crash deckte die Schwächen auf: Die Grundträger-Befestigung ist nicht stabil genug ausgelegt, sie brach, und somit wurde der Behälter vom Träger geschleudert – macht Note „6“ im Crash.

Stärken: Schnellverschlüsse, einfache Montage, gut im Fahrbetrieb.
Schwächen: Schwache Boxhalterungen – kann beim Crash brechen.

Menabo Marathon Dark 460L – Hier ging der Boxendeckel auf

Die günstigste Dachbox im Test kann nicht überzeugen. Zu billig wirken Verarbeitung und Materialauswahl, was sich vor allem im Crashtest negativ auswirkte. Hier rissen nicht nur die 2 Spannriemen, es öffnete sich sogar der Deckel. Damit hatte die Ladungssicherung komplett versagt, was zur Note „5“ in diesem Kapitel führte. Auch bei den Fahrversuchen kann der Dachkoffer nicht punkten, mehr als ein „befriedigend“ springt am Ende nicht heraus. Die Wertung für die Montage der Box fällt sogar eine Note schlechter aus.

Stärken: Geringes Gewicht, wenig Windgeräusche, Preis.
Schwächen: Verarbeitung, Montage, Platzangebot, Ladungssicherung

Diese Dachboxen haben wir getestet
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So haben wir getestet

Bei Aufbau und Gebrauch standen Montage und Beladung der Dachbox im Vordergrund. Aber auch Konzept, Verarbeitung, Anleitung, Diebstahlsicherung, Platzangebot, Ladekomfort sowie die Qualität der Ladungssicherung zählten. Die Fahrversuche wurden mit einem VW Passat Alltrack durchgeführt (Tempo: 120 km/h) und bestanden aus einer Geräuschmessung, einem doppelten Spurwechsel – was das abrupte Ausweichen simulieren sollte – sowie einer Vollbremsung.

Bei der Nässeprüfung ist der Wasserstrahl so definiert worden, dass er eine Regenfahrt bei Tempo 100 nachstellt. Der Crashtest wurde nach DIN 75302 (Ladungssicherung) durchgeführt, bei dem ein Frontaufprall mit 30 km/h simuliert wird. Das Crash- und das Fahrversuch-Kapitel mussten bestanden werden, sonst gab es unabhängig von der Gesamtpunktzahl das Urteil „nicht empfehlenswert“ – schließlich stand die Sicherheit im Vordergrund.

Dachboxen lassen sich einfach und bequem online bestellen

Für den Test bestellten wir alle Boxen im Internet. Eine gute Sache, wie sich zeigte. Die Bezahlung ging bei allen Anbietern über einen gesicherten Server, und die Ware wurde prompt zu der gewünschten Adresse verschickt. Am schnellsten erfolgte die Lieferung bei ATU, schon nach einem Tag war die Box da – allerdings mussten wir sie in einer Filiale abholen. Dafür entfielen aber die Versandkosten. Kostenlose Lieferung gab es auch bei Autoteile Immler und bei HIT Online Shops. Bei anderen zahlten wir zwischen zehn und 25 Euro für die Spedition.

Fazit

Zwar schlagen sich alle 8 Vertreter in den Fahrversuchen ganz gut. Doch spätestens beim Crashversuch offenbart die Mehrheit der Dachboxen ihre Schwächen – 6 von 8 Behältern liefern bestenfalls ein durchschnittliches Ergebnis ab. Fast makellos präsentiert sich dagegen die Thule Excellence XT in diesem Kapitel. Sie bietet die Ladungssicherung, die sich im Crash wirklich auszahlt, aber leider bei den anderen fehlt. Okay, zugegeben, das ist alles eine Preisfrage. Aber wie der Test auch zeigt, kann mit kleinen Maßnahmen die Sicherheit erhöht werden, wenn die Bedienungsanleitungen ein paar hilfreiche Tipps geben. So würde schon ein Hinweis genügen, dass Skienden und anderes schweres Gepäck vorne mit Decken oder Kleidung abzupolstern sind. Bei der Thule Excellence und bei der ATU Jetbag Family wurde das explizit gemacht. Besonders beim ATU-Produkt hat sich der Tipp ausgezahlt, den Crash beendete der Behälter auf dem zweiten Rang. So einfach kann es gehen.

Zahlreiche Bilder sowie mehr Infos zu Preisen, Stärken und Schwächen der getesteten Dachboxen haben wir in unserer Bildergalerie für Sie zusammengestellt.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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