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8 Dachboxen im Funktions- und Crashtest

Teilweise erschreckende Ergebnisse

Dachboxentest, Crashtest Foto: Dekra 52 Bilder

Sind Dachboxen wirklich eine sichere Transportlösung? Wir testeten 8 Vertreter – mit zum Teil erschreckenden Resultaten.

19.12.2010 Henning Busse

Bald starten wieder rund vier Millionen Deutsche in den Winterurlaub. Dann sind Transporthilfen gefragt – wie etwa Dachboxen. Sie sind nicht nur eine Stauraumergänzung, sondern oft die einzige Chance, die sperrige Skiausrüstung zu verstauen. Doch die Dachboxen haben auch Schattenseiten.

Dachboxen verursachen Defizite bei Verbrauch und Handling

Zum einen steigt der Verbrauch um bis zu 1,5 Liter/100 km, zum anderen verändert sich das Handling. Das zeigt schon der erste Testteil, bei dem acht Dachboxen mit einem Volumen zwischen 300 und 520 Liter überprüft wurden. Während die Ladung in den Boxen (Skier und Gepäck) bei Vollbremsungen aus 100 km/h keine Probleme verursachte, zeigte der Slalomversuch ein anderes Bild. Ohne beladenen Behälter war der Testwagen im 180-Meter-Slalom bei Tempo 60 zwei Zehntelsekunden schneller.

Dieser Versuch sollte aber vor allem das abrupte Ausweichen simulieren. Resultat: Bei der Kamei Corvara und der Thule Ranger bewegte sich die Dachbox auf dem Grundträger. Bei der Neumann Whale riss sogar der Spannriemen in der Dachbox, dadurch verrutschte die Ladung. Auch andere Kandidaten offenbarten Bewegungen des Inhalts, obwohl die Riemen nicht beschädigt waren. Die Ladungssicherung ist ohnehin eine Schwachstelle. Meist gibt es nur zwei Befestigungsgurte. Zwar besitzt die Thule Dynamic als einzige Dachbox im Test drei Riemen sowie Antirutschmatten, doch das ist immer noch zu wenig, wie der Crashversuch belegt.

Crashtests mit Dachboxen zeigen schon bei geringerem Tempo Auffälligkeiten

Alle Dachboxen wurden nach der DIN-Norm 75302 gecrasht, die sich auf die Prüfung von Ladesicherungen bezieht. In einem Schlittenversuch simulierte das Dekra-Automobil-Testcenter in Klettwitz einen Frontaufprall mit rund 30 km/h. Schon bei diesem geringen Tempo gab es Auffälligkeiten, obwohl die Höchstgeschwindigkeit mit den Dachboxen bei 130 km/h liegt. Einzig die Stoffbox Thule Ranger konnte überzeugen. Die A.T.U Jetback Sprint 450 und die Rameder Xtreme 450 verloren Ladung, die Neumann Whale 200 hielt gerade noch die Skier zurück. Bei der Thule Dynamic und der Kamei Corvara ragten die Bretter dagegen nur ein Stück weit heraus – nicht schlimm, aber auch nicht gut.

Das alles könnte verhindert werden, wenn die Hersteller der Dachboxen Fangnetze montieren oder die speziellen Skiträger für die Boxen ab Werk und nicht gegen Aufpreis anbieten würden. Auch ein Tipp in der Anleitung wäre hilfreich, der darauf hinweist, dass sperrige Dinge etwa mit Decken abgepolstert werden sollten. Obwohl Experten dazu raten, war diese Info bei keiner Box in der Anleitung zu finden. Übrigens: Auch die Dachbox Atera Certo 410 und Mont Blanc Triton 350 schafften gute Crashresultate. Wegen der breiten Bauform passten aber nur die kleinen Skier in die Behälter. Dabei ist das Volumen der Dachboxen mit dem der anderen vergleichbar.

Thule Dynamic 800: Teure Dachbox mit modernem Konzept

Der Testsieger kann vor allem beim Thema Gebrauch (Note 1,9) überzeugen. Die Montage ist selbst für technische Laien kein Problem, und wegen der langen Bauform passen auch große Skier in die Box. Zudem erleichtert die beidseitige Öffnungsmöglichkeit das Be- und Entladen. Allerdings wird durch die niedrige Bauform Stauraum verschenkt. Dagegen ist die Dynamic in Sachen Ladungssicherung der beste Vertreter im Test: Drei Spannriemen und Antirutschmatten verhinderten während des Slaloms und der Vollbremsungen das Verrutschen der Ladung. Beim Crash konnten diese Sicherungen aber nicht unterbinden, dass sich die Skier geringfügig durch die Box bohrten. Ein Riemen riss sogar. Als guter Schutz erwies sich die vordere Verstrebung der Box, die ebenfalls die Ladung abbremste.

Kamei Corvora 390 K Duo Lift: Dachbox mit wenigen Schwächen

Im Gebrauch ist die Dachbox von Kamei nicht viel schlechter als der Testsieger Thule Dynamic. Allenfalls beim Aufbau benötigt man mehr Zeit, was an der fummeligen Boxhalterung und der dazugehörigen Spannvorrichtung liegt. Der Ladekomfort und das Platzangebot können sich dagegen sehen lassen. Durch die beidseitige Öffnung sind selbst sperrige Gegenstände wie Skier einfach zu verstauen. Außerdem erlaubt die maximale Zuladung von 75 Kilogramm viel Gepäck. Nachbesserungsbedarf besteht bei der Halterung, denn im Slalomversuch verrutschte die Box eine Handbreit auf dem Grundträger. Und auch die Ladungssicherung könnte etwas besser sein. Im Crashversuch hielten zwar die beiden Spanngurte samt Aufnahmen, doch die Skispitzen stießen ein kurzes Stück durch die Box. Immerhin fielen die Bretter aber nicht heraus.

Thule Ranger 500: Unpraktische Box mit gutem Crashtest-Ergebnis

Konzeptionell ähnelt die Ranger einer Sporttasche – allerdings einer übergroßen. Die Dachbox besteht aus einem Stoffgewebe, ist in der Größe verstellbar und hat keinen Deckel wie die anderen Boxen, sondern nur einen umlaufenden Reißverschluss an der oberen Kante. Zum Beladen oder Montieren des Dachkoffers ist das unpraktisch, weil eine hohe Ladekante entsteht. Obwohl das Platzangebot eher knapp ausfällt, verfügt der Behälter gerade für Skier über eine gute Ladungssicherung. Hierzu werden ab Werk spezielle Halter geliefert. Die Bretter blieben im Crash an ihrem Platz. Zwar waren beide Spannriemen und ein Skihalter beschädigt, doch die Box wurde nicht durchstoßen. Besser könnte jedoch die Halterung mit Schnellverschluss sein: Bei einem Testwagen verrutschte im Slalom die Box leicht auf dem Träger.

Neuman Whale 200: Gutes Platzangebot, Schwächen bei der Ladungssicherung

Das Plus der Whale 200: In die Dachbox passen große Skier. Allerdings sollte man auf das Gewicht achten, denn mehr als 50 Kilogramm Zuladung verträgt der Behälter nicht. Größter Schwachpunkt ist allerdings die zu gering ausgelegte Ladungssicherung. Schon beim Beladen riss eine von zwei Spanngurtaufnahmen, die andere verabschiedete sich bei den Fahrversuchen im Slalom. Dadurch kann die Ladung verrutschen und das Handling des Wagens beeinträchtigen. Den Crashtest mit den gebrochenen Aufnahmen bestand die Box gerade so. Die Skier sind zwar deutlich herausgetreten, aber nicht auf den Schlitten und somit auf die Straße gefallen. Daraufhin wurde eine weitere Whale 200 mit intakten Aufnahmen gecrasht. Das Ergebnis ist das gleiche: Die Aufnahmen brachen, die Skier traten deutlich aus der Box.

A.T.U. Jetback Sprint 450: Box verliert beim Crash die Ladung

Zwar ist die Dachbox für den Skitransport geeignet, doch eine Zuladung von nur 50 Kilogramm setzt enge Grenzen. Viel schwerer wiegt aber, dass die Dachbox beim Crash Ladung verliert. Die zwei Spanngurte konnten das Gepäck nicht zurückhalten – eine Aufnahme brach sogar. Zudem wurde das vordere Scharnier aus seiner Verankerung gedrückt. Die Skier stießen durch die Box und öffneten sie so weit, dass Ladung herauskatapultiert wurde. Bei einem Unfall hätte das umherschleudernde Gepäck andere Verkehrsteilnehmer schwer verletzen können. Somit hat die Box den Versuch nicht bestanden, was zum Urteil „nicht empfehlenswert“ führt. Denn im Mittelpunkt stand die Sicherheit der Boxen, die hier nicht gewährleistet ist. Es spielt keine Rolle, dass sich der Behälter bei den Fahrversuchen achtbar geschlagen hat.

Rameder Xtreme 450: Beim Crashtest aufgebrochen

Einfache Montage, gutes Platzangebot sowie großer Öffnungswinkel, was das Be- und Entladen erleichtert – das sind die Pluspunkte der Xtreme 450. Auch bei den Fahrversuchen zeigte die Rameder akzeptable Werte. Doch den Crashversuch bestand die Dachbox nicht – somit lautet das Urteil wie beim A.T.U-Behäter „nicht empfehlenswert“. Das Ergebnis fiel sogar noch etwas schlimmer aus, denn neben dem gerissenen Spanngurt oder dem herausgedrückten Scharnier trat bei der Rameder Xtreme auch eine gebrochene Bodenwanne auf. Dieses Resultat gab es bei keiner anderen Box im Versuch. Dadurch konnten die Skier den Behälter vorne so weit öffnen, dass sie ungehindert ins Freie gelangten. Die Bretter prallten auf den Crashschlitten. In der Realität wären sie beim Unfall vom Autodach geflogen und hätten viel Unheil anrichten können.

Atera Certo 410: Sehr breite Dachbox mit guten Crashtest-Ergebnissen

Obwohl sich der Atera-Behälter bei der Volumenangabe kaum von den anderen Teilnehmern im Test unterscheidet, passen nur kleine Skier oder Snowboards hinein. Ihre knappe Länge kompensiert sie durch die größere Breite. Ähnlich sieht es bei der Mont Blanc Triton aus, weshalb beide Dachkoffer in einer eigenen Wertung laufen. Die Montage mit Schnellverschlüssen ist einfach und gibt keine großen Rätsel auf. Zum Beladen wäre aber eine beidseitige Öffnung gut. Dafür lässt sich die Dachbox mit 75 Kilogramm bepacken. Und auch bei den Fahrversuchen zeigte sie kaum Auffälligkeiten – genauso wie im Crash. Die Box öffnete sich zwar vorne, schloss sich aber sofort wieder – somit reichte die Größe des Loches nicht aus, um Ladung zu verlieren. Außerdem: Alle Halter und Spannriemen blieben intakt.

Mont Blanc Triton 350: Gute Dachbox mit wenig Schwächen

Ähnlich wie bei der Atera Certo 410 passen in die Mont Blanc Triton 350 nur kleine Skier hinein. Davon abgesehen kann die Dachbox überzeugen. Der Aufbau geht schnell, und das Platzangebot fällt größer aus als beim Atera-Vertreter. Allerdings lässt sich die Mont Blanc nur von einer Seite be- und entladen. Bei den Fahrversuchen gibt es wenig zu kritisieren. Slalom und Vollbremsungen wurden problemlos gemeistert, auch den Crashversuch überstand die Triton. Allerdings riss der vordere Spanngurt, und die Boxhalterung schnitt sich in das Plastik der Bodenwanne. Das hatte jedoch keine gravierenden Folgen, denn die Ladung blieb an ihrem Platz. Zwar öffnete sich auch die Triton vorne ein kleines Stück, doch genauso schnell machte sie wieder zu. So konnte die Ladung nicht aus der Dachbox geschleudert werden.

Diese Dachboxen haben wir getestet
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A.T.U. Jetback Sprint 450
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Sind Skihalter sie eine bessere Transport-Alternative?

Nicht immer muss es eine Dachbox sein, um Skier zu transportieren. Spezielle Skihalter sind eine Alternative. Doch wie sicher ist diese Lösung?

Wir crashten nach den Vorgaben der DIN-Norm 75302 exemplarisch zwei Produkte, um das herauszufinden. Das Resultat: Der Atera Nova 6 sowie der Thule Deluxe 727 zeigten zwar Schwächen, bestanden jedoch den Aufpralltest. Bei beiden Trägern öffneten sich die vorderen Spangen, die hinteren blieben geschlossen. Somit konnten die Skier nicht vom Dach fliegen. Wer sich für diese Transportlösung entscheidet, braucht aber noch einen Grundträger. Denn auf diesen werden die zwischen 100 und 190 Euro teuren Skihalter montiert.

Wie gut eignen sich die Magnet-Systeme?

Als Alternative zu klassischen Skihaltern gibt es auch Magnetträger, um die Bretter zu transportieren; sie haften ohne Grundträger direkt auf dem Dach des Wagens. Auch hier wollten wir wissen, wie sicher sie sind.

Skier blieben im Test fest verankert

Dazu wurden der Fabbri Kolumbus Deluxe und der Shuttle von Rameder getestet, ebenfalls nach DIN-Norm 75302. Die zwischen 55 und 190 Euro teuren Varianten bestanden den Versuch. Zwar bewegte sich bei beiden die vordere Halterung deutlich auf dem Dach, doch die Skier blieben fest verankert. Zu beachten ist aber: Damit die Magnete der Träger gut haften, muss das Dach sauber und fettfrei sein. Zudem eignen sie sich in der Regel nicht für Dächer aus Aluminium, Plastik oder Glas.

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