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8 Navigationssysteme im Test

Günstig schlägt Teuer

Peugeot 208, Navi, Dirk Gulde Foto: Beate Jeske 50 Bilder

Beim Infotainment fällt der Preisunterschied von Geräten der gleichen Automarke oft riesig aus. Wir haben daher günstige und teure Systeme verglichen.

15.05.2014 Dirk Gulde

Bei Opel ist es mehr als Faktor vier, der zwischen den Infotainment-Systemen von Adam und Insignia liegt. Anders ausgedrückt: 300 zu 1.335 Euro. Bei Peugeot 208 und 508 lauten die Zahlen 740 zu 1.550 Euro, bei Toyota Auris und Lexus GS 590 zu 2.300 Euro, während bei VW Up und Passat die Spreizung zwischen 750 und 2.970 Euro am größten ausfällt. Und das Gemeine daran: Meist haben die Käufer gar keine Wahl, da die Hersteller in unterschiedlichen Baureihen auch unterschiedliche Infotainment-Systeme anbieten.

Internet-Dienste im Kleinwagen

Trotzdem Grund genug, je ein günstiges und ein teures Gerät innerhalb einer Marke miteinander zu vergleichen. Sind die großen Systeme wirklich so viel besser? Schließlich bieten Multimediazentralen in Kleinwagen für ihre junge Zielgruppe oft schon Internetdienste, die in den großen Baureihen nicht verfügbar sind. Wir haben uns dabei nicht nur die Connectivity-Fähigkeit angeschaut, sondern auch die Bereich Navigation, Telefon, Medienangebot und Bedienung. Denn was nützen die schönsten Funktionen, wenn sie den Fahrer im Verkehrsgetümmel zu sehr ablenken. Die wichtigsten Begriffe werden im unten stehenden Lexikon erklärt.

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Test Navigationssysteme Günstig schlägt Teuer
auto motor und sport 09/2014
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Opel: Clever vernetzter Adam lässt Multimedia-System im Insignia alt aussehen

Warum ein komplettes Infotainment-System ins Auto bauen, wo doch die meisten Funktionen schon auf dem Handy laufen? Das nur 300 Euro teure IntelliLink-System im Adam beschränkt sich daher auf Bildschirm, UKW-Tuner, Bluetooth- und USB-Anschluss. Die restlichen Aufgaben übernimmt das angestöpselte Smartphone, das auch zum Telefonieren oder Abspielen der MP3-Sammlung komplett über den Opel-Touchscreen bedient wird. Zur Navigation bedarf es noch einer App von Bringgo, die für knapp 50 Euro bei Apple und Google heruntergeladen werden kann. Beim Test begeisterte die Navi mit übersichtlicher Kartendarstellung und umfangreicher Ausstattung inklusive Online-Staudaten. Zudem war kaum zu merken, dass sie auf dem Smartphone und nicht auf dem Hauptgerät läuft. Neben der Navigation stehen Apps für Webradio und Podcasts zur Verfügung. Angesichts der günstigen Preise lassen sich Schwächen wie lange Musikunterbrechungen bei Navidurchsagen oder die fummeligen Handy-Halterungen auf dem Armaturenbrett verzeihen.

Vor allem, da auch die Insignia-Bedienung nicht frei von Fallstricken ist. Dessen Touchpad erkennt zwar mit der Fingerspitze gekritzelte Zeichen und steuert Menüs, zudem lässt sich der hoch gelegene Acht-Zoll-Monitor gut ablesen. Verschachtelte Menüs und eine teils begriffsstutzige Sprachsteuerung kosten jedoch Punkte. Zudem verwundert es, dass Opel in der Dienstwagenklasse nur eine simple Bluetooth-Freisprecheinrichtung ohne empfangsverbessernde Außenantenne anbietet.

Ebenfalls für wenig Begeisterung bei Vielfahrern dürfte der antiquierte Staumelder TMC auslösen, wo doch bereits die Navi-App des Adam mit einem viel schnelleren Online-Verkehrsdienst aufwartet. Auch auf sonstige Web-Funktionen via Apps müssen Insignia-Käufer noch bis Ende des Jahres warten. Immerhin sollen sie sich bei bereits ausgelieferten Fahrzeugen nachrüsten lassen. Schon jetzt überzeugt die Navi 900 IntelliLink mit tollem UKW-Empfang, komfortabler USB-Media-Steuerung und der Möglichkeit, einen CD-Player (150 Euro) sowie ein großes Zusatzdisplay (235 Euro) einzubinden.

Gewinner: Adam

Wer ohnehin ein Smartphone bei sich hat, bekommt für nur 300 Euro ein Infotainment-System, das alle wichtigen Funktionen beherrscht und sich per App leicht erweitern lässt.

Peugeot: Doppelt so teuer, aber nur halb so pfiffig

Das Navigationssystem im 208 zeigt, wie Infotainment-Systeme für die Generation Smartphone aussehen sollten: Auf dem großen und hochauflösenden Touchscreen lassen sich nicht nur Navigationskarten übersichtlich darstellen, auch die Medienauswahl vom Bluetooth-Smartphone oder USB-Player klappt intuitiv und sieht dank Cover-Darstellung auch noch schick aus. Der eigentliche Clou sind jedoch die Online-Dienste, die ohne fummelige und störungsanfällige Handy-Koppelung funktionieren: Ein USB-Stick mit integrierter SIM-Karte stellt den Kontakt ins Internet her und ruft bei Unfällen automatisch nach Hilfe. In den 109 Euro Jahresgebühr sind sogar Roamingkosten für 17 europäische Länder enthalten. Derzeit umfasst das System 12 Apps (u. a. Reiseführer, Spritpreise, Parkhäuser, Wetter, Verkehrsinfos) und soll nach und nach erweitert werden.

Den erwachsenen Eindruck unterstreicht das 740 Euro teure Gerät mit seinem praktischen Zusatzdisplay zwischen den Instrumenten oder der Möglichkeit, zu Kontakten im Telefonbuch zu navigieren. Eine Connect-Box mit SIMKarte bietet auch die 1.550 Euro teure Navi im 508. Doch anders als beim kleinen Bruder wird die Datenleitung nur bei Pannen oder Unfällen genutzt. Auch sonst kann das große System wenig Glanzpunkte setzen: Der Dreh-Drück-Regler in der Mittelkonsole lässt sich zwar blind ertasten, er verlangt jedoch mehr Einarbeitung als das Touchscreen-Menü im 208. Ein mit Knöpfen überladenes Lenkrad und das langsame Hochfahren des Systems sorgten im Test ebenso für wenig Begeisterung.

Darüber hinaus übertrug das Telefonmodul nur einen Teil der Adressbucheinträge des gekoppelten Android- Smartphones und war nicht in der Lage, Kontaktadressen zur Navi weiterzureichen. Auf eine Sprachbedienung müssen 508-Fahrer sogar ganz verzichten. Dass die Multimedia-Einheit schon einige Jahre auf dem Buckel hat, verrät auch die verstaubt wirkende Kartengrafi k, die nicht mit dem modernen System im 208 mithalten kann. Lediglich beim Radioempfang und der guten Sprachqualität seiner Freisprecheinrichtung macht der 508 etwas Boden zum kleinen Bruder gut.

Gewinner: Peugeot 208

Vom vernetzten Infotainment-System im 208 können sich viele deutlich teurere Geräte eine Scheibe abschneiden. Seinen großen Bruder schlägt er damit jedenfalls locker.

Toyota/Lexus: Der Weg ins Internet erinnert bei Auris und GS an die Steinzeit

Die mit 590 Euro Aufpreis günstige Auris-Navigation Touch & Go lässt sich um Online funktionen (Wetter, Parken, Google-Suche oder Benzinpreise) erweitern. Hierfür bedarf es eines per Bluetooth gekoppelten Handys als Modem, was den Zugang zwar kompliziert, jedoch auch günstig macht, da keine zusätzlichen Datentarife gebucht werden müssen. Umso ärgerlicher jedoch, dass die wenigen Apps erst nach einer langwierigen Registrierung von der Toyota-Homepage heruntergeladen und auf einen USB-Stick gespielt werden müssen, bevor sie dann endlich im Auto installiert werden können.

Ebenfalls ärgerlich, dass mit den Live-Staudiensten die wichtigste Online-Funktion überhaupt nicht angeboten wird und einige Apps kostenpflichtig sind. So will die Parkplatz-App mit 5,99 Euro separat bezahlt werden. Davon abgesehen, überzeugt die kleine Toyota-Navigation mit schneller Bluetooth-Koppelung, der Vorlesefunktion für eingegangene SMS, einem Fahrspurassistenten und der trotz kleinem Touchscreen übersichtlichen Kartendarstellung.

Auch die Premium-Navigation im Lexus GS bereitet seinen Besitzern einen steinigen Weg ins Internet: So klappt der Zugang nur über Smartphones, die das seltene Bluetooth-Profi l DUN unterstützen – womit alle iPhones gleich mal raus sind. Nicht nur das: Nach der Registrierung im Kundenportal ließen sich keine Apps downloaden. Beim Thema Connectivity fahren die Hybrid-Profis damit in beiden Klassen hinterher.

Ansonsten gefiel das große Multimedia-System mit seinem riesigen 12,3-Zoll-Monitor, der Wiedergabe vieler Medienformate bis hin zu Digitalradio und DVD, dem tollen Klang des Mark-Levinson-Soundsystems und einem einzigartigen Bedienkonzept: Während der rechte Arm bequem auf der Mittelarmlehne lümmelt, lassen sich die einzelnen Menüfelder wie mit einer Computermaus anklicken. Allerdings zieht das System während der Fahrt einige Aufmerksamkeit ab, noch dazu gab sich die Sprachsteuerung begriffsstutzig und wollte Hausnummern in Einzelziffern serviert bekommen. Angesichts 2.300 Euro Aufpreis zur Executive Line (5.500 Euro) keine überzeugende Leistung.

Gewinner: Auris

Trotz kompliziertem Online-Zugang: Für 590 Euro bietet das Touch & Go die wichtigsten Funktionen für den Alltag, während der Lexus in seiner Klasse multimedial hinterherfährt.

Volkswagen: Beim Infotainment ist die Zeit des Passat abgelaufen

Up-Fahrern, die keine Lust auf den Kabelsalat einer Nachrüst-Navi haben, bietet VW den Routenführer Maps + More an. Das Touchscreen-Gerät wird in seiner Halterung auf dem Armaturenbrett mit Strom versorgt, fungiert als erweiterter Bordcomputer mit Spritspartipps sowie als Bluetooth-Bindeglied zum Handy, um sich als Freisprecheinrichtung samt Musik-Streaming nützlich zu machen. Selbst einige praktische Online-Funktionen lassen sich abrufen: So warnt das von Garmin stammende Gerät vor Blitzern, gibt Wetterberichte, informiert über Restaurants und Sonderziele entlang der Strecke und bindet Live-Verkehrsmeldungen in die Routenführung ein. Da der Internetzugang via Tethering läuft, funktioniert er mit den meisten Handys problemlos.

Angesichts der Stärken lassen sich die kleinen Touch-Felder bei der Navi-Zieleingabe ebenso verschmerzen wie die schlechte Display- Ablesbarkeit bei Sonneneinstrahlung oder der fehlende USB-Eingang des Radios RCD 215. Dinge, bei denen sich die Passat-Navigation keine Blöße gibt – ebensowenig wie beim UKW-Empfang. Die Festplatte kann zudem zum Musikserver mit 18 GB Kapazität aufgerüstet werden. Wer sein Auto als mobiles Büro betrachtet, dürfte sich über die Premium-Telefonvorbereitung (740 Euro) freuen. Dank eigenem Empfangsteil und separater Außenantenne bot der Passat die beste Telefonqualität im Test inkl. WLAN-Hotspot für die Mitfahrer.

Sonstige Online-Funktionen beherrscht das leicht bedienbare RNS 510 jedoch gar nicht. Angesichts des zähen Staumelders TMC vermissen Vielfahrer vor allem Live-Verkehrsdienste. Auch die Sprachsteuerung mit ihren vielen Zwischenschritten entspricht nicht mehr dem Stand der Technik. Dass es VW besser kann, zeigt unter anderem der Golf mit seiner neuen Infotainment-Generation. Umso ärgerlicher: Trotz des hohen Preises für das seit Jahren nahezu unverändert angebotene RNS 510 lässt sich VW Multimedia-Buchsen für USB bzw. iPod mit 175 bzw. 220 Euro separat bezahlen.

Gewinner: Up

Die günstige Online-Navi Maps + More bietet alles, was sich Kleinwagenfahrer wünschen, während das Passat-System nur beim Telefon und der Medienvielfalt überzeugt.

Fazit

In allen vier Paarungen schnitt die günstige Navi mindestens so gut ab wie die teure, teilweise sogar deutlich besser. Vor allem beim Thema Connectivity konnten die großen Systeme nicht mithalten, die allenfalls bei Bedienung oder Telefonie im Vorteil waren. Daher lautet die klare Forderung an die Hersteller, die günstigen Systeme auch in den größeren Baureihen – zumindest als Alternative – anzubieten.

Die positive Überraschung im Test war der Peugeot 208 mit seinem Handy-unabhängigen Online-Zugang und den praxisorientierten Apps. Nur wenn der Internet-Zugang problemlos funktioniert, wird er auch genutzt. Zudem darf die App-Auswahl gern noch deutlich größer ausfallen. Die Funktionen bei Adam, Up und Auris stellen einen guten Anfang dar, mehr aber auch nicht. Ein paar dröge Wetter- oder Parkplatz-Apps sind zu wenig. Erst wenn die Bereiche Verkehr, Reise, Unterhaltung und soziale Medien über eine verlässliche Sprachsteuerung schnell und sicher bedienbar im Auto integriert sind, lassen Smartphone-Fans ihr Handy während der Fahrt in der Tasche. Davon profitiert die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer – auch derer, die sich gar nichts aus dem ganzen Connectivity-Hype machen.

Lexikon: Die wichtigsten Begriffe

App
Abkürzung von Application. Kleine Softwareprogramme, die bestimmte Funktionen übernehmen. In Autos kann dies die Anzeige von Wetterberichten oder Nachrichten, aber auch ein Navigationsprogramm sein.

Bluetooth-Profil
Das Profil legt fest, wie zwei per Bluetooth-Funk gekoppelte Geräte zusammenarbeiten. Für Autofahrer wichtig sind A2DP (Musik-Übertragung), DUN (Internet-Einwahlverfahren), HFP (Hands Free Profi l zur einfachen Sprachkoppelung mit einer Freisprecheinrichtung) und SAP zur Einbindung des Handys ins Autotelefon, meist mit Außenantenne.

Connectivity
Lässt sich am ehesten mit "Verbindungsfähigkeit" übersetzen und beschreibt, wie sich vorhandene Fahrzeugfunktionen um Mobiltelefone, Internetprogramme, WLAN-Hotspots oder vernetzte Sicherheitssysteme erweitern lassen.

Hotspot
Drahtloser Internetzugang, bei dem sich Mobilgeräte über WLAN einwählen. Wird auch im Auto immer beliebter, da Mitfahrer den Internetzugang des Fahrzeugs für ihr Handy oder einen Tablet-PC nutzen können.

Online-Staudienst
Auch Live-Traffic genannt. Verkehrsinformationen, die meist aus den anonymisierten Bewegungsprofilen von in Fahrzeugen mitgeführten Mobiltelefonen berechnet und mittels Internetverbindung übertragen werden. Schneller und präziser als das alte TMC-Verfahren.

Tethering
Verbindung elektronischer Geräte, z. B. von Navigationssystemen, mit einem Handy, um über dessen Mobilfunkverbindung ins Internet zu kommen. Die Verbindung kann über Bluetooth oder Kabel erfolgen.

TMC (Traffic Message Channel)
Veralteter Staudienst, der im unhörbaren Bereich des UKWRundfunks ausgestrahlt wird. Die Erfassung der Staus erfolgt zeitaufwendig über Verkehrsleitzentralen, wegen der geringen Datenrate können zudem nur Autobahnen und größere Durchgangsstraßen erfasst werden.

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