AMG-Triebwerk: Raub-Sauger

Mit 510 PS und 630 Nm stärkster V8-Saugmotor der Welt: der neue 6,3-Liter von AMG.

Leistungen ab 500 PS mobilisierte AMG bislang entweder mit Kompressor- oder Biturbo-Aufladung. So wurde AMG-Triebwerken jenes Power-Plus eingehaucht, das sie gegenüber den zivilen Mercedes-Versionen per Definition haben mussten.

Auf 510 PS bringt es der neue – großzügig aufgerundet – 6,3 Liter große V8 aus Affalterbach und zwar ganz ohne Zwangsbeatmung. Die Leistung resultiert zum einen aus dem üppig eingeschenkten Hubraum, zum zweiten aus einem gegenüber dem bekannten 5,5-Liter-Sauger um rund 1.000 Touren erhöhten Drehzahlniveau.

So erreicht die Großkolben-Maschine, deren Zylinderbohrung über zehn Zentimeter misst, ihre Nennleistung bei 6.800 Umdrehungen. Als absolute Höchstdrehzahl lässt die Elektronik sogar 7.200 Touren zu. Für AMG reicht das, um beim neuen V8 von einem Hochdrehzahl-Konzept zu sprechen. Freilich liegen beim V10 aus dem BMW M5 und dem Audi RS4-Aggregat nochmals über 1.000 Touren mehr an.

Maximal stemmt der V8 630 Newtonmeter

Unschlagbar ist der AMG-V8 gegenüber der Sauger-Konkurrenz jedoch in puncto Drehmoment-Maximum. Hubvolumen sei Dank. Unterstützend wirken bei AMG sowohl die variable Verstellung der Ein- und Auslass-Nockenwellen als auch ein leichtes Magnesium-Schaltsaugrohr. Mit knapp über 100 Nm pro Liter liegt das spezifische Drehmoment allerdings auf dem gleichen Level wie bei den hubraumschwächeren Motoren von BMW M5 und Audi RS4.

Tassenstößel zur Betätigung der Ventile sollen die Drehzahlfestigkeit des neuen V8 garantieren. Zur Reduzierung der Reibung werden die Zylinderlaufbahnen, erstmals in einem Serienmotor, per Lichtbogen mit einer Eisen-Kohlenstofflösung beschichtet. Lichtbogen-Draht-Spritze nennt AMG das Verfahren.

Ein weiteres Novum ist, dass es sich bei dem 6,3-Liter-V8 um eine komplette AMG-Eigenentwicklung handelt, die nicht auf einem Mercedes-Motor aufbaut. Das zeigt sich auch an der besonders steifen Bedplate-Ausführung des Kurbelgehäuses, bei der die unteren Kurbelwellenlager aus einem einzelnen Gussteil bestehen.

Rechnen dürfte sich die aufwendige Entwicklung trotzdem. Schließlich soll das Triebwerk von der R- über die S-Klasse bis zum SLK in fast allen Baureihen für Vortrieb sorgen. Den Anfang macht der ML 63 AMG.

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Hermann-Josef Stappen

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