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Audi A8-Bremsen

Scheiben-Meister

Foto: Hans-Dieter Seufert 5 Bilder

Schweres Metall oder teure, aber leichte Keramik – beim Bremsscheiben-Material können Audi A8 W12-Kunden wählen. Lohnt der Aufpreis?

28.04.2006

Metall ist bei Motorsportbremsscheiben längst von superleichtem Karbon verdrängt worden. Rennbremsen müssen jedoch für optimale Leistung mehrere hundert Grad heiß sein, daher eignen sie sich nicht für den Straßeneinsatz. Die ebenfalls sehr leichten Keramikbremsscheiben aus Siliziumkarbid sollen nun den optimalen Kompromiss aus Leistung und Straßentauglichkeit bieten.

Mercedes und Porsche begannen vor sechs Jahren, Scheiben aus Keramik optional anzubieten. Ganz ausgereift erschienen die Anlagen zunächst jedoch nicht. Mercedes nahm die Bremse wieder aus dem Programm, weil die Scheiben an der Oberfläche nach starker Beanspruchung Abplatzungen aufwiesen. Schabgeräusche und Quietschen waren dagegen bei Porsche Begleitumstände des neuen Materials. Die besonders sportlich orientierte Klientel ließ sich davon aber kaum beirren.

Jetzt bietet Audi ausgerechnet den Luxus gewohnten Kunden der Topmodelle S8 und A8 W12 für 6.896 Euro Aufpreis Keramikbremsscheiben an allen vier Rädern an. Darum eine wichtige Nachricht vorweg: Der Bremskomfort ist beim W12 mit Keramik- besser als mit Metallscheiben.

Rubbeln beim Verzögern aus hoher Geschwindigkeit, Quietschen oder Schaben beim Langsamfahren treten gar nicht auf. Zudem ist der Druckpunkt besser zu spüren und die Bremse eine Nuance exakter zu dosieren. Wobei die Unterschiede gering ausfallen, denn schon die Gusseisen Bremse ist in allen genannten Punkten sehr gut.

Insgesamt wiegt jede Keramikscheibe rund fünf Kilogramm weniger als das Guss-Pendant, was zwar die ungefederten Massen an jedem Rad klar verringert, auf den Federungskomfort aber ohne für den Fahrer spürbaren Einfluss bleibt. Die Hauptkaufgründe sind aber ohnehin höhere Standfestigkeit und eine angeblich größere Unempfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit, ebenso der geringe Verschleiß. Während die Gussscheiben nach spätestens 75.000 Kilometern verschlissen sind, sollen die Keramikscheiben 300.000 Kilometer halten, was den gesalzenen Aufpreis teilweise egalisiert.

Wie ist es jetzt um die Bremsleistung der Verbundkeramik-Scheiben bestellt? Fading, also das Nachlassen der Bremswirkung unter hoher Belastung, ist im normalen auto motor und sport-Bremszyklus (zehn Bremsungen aus Tempo 100) nicht zu erkennen. Deshalb werden die Bremsanlagen in diesem Test weiter belastet. Erst sehr spät, nach 21 Folgebremsungen aus 100 km/h, beginnt die Bremsleistung nachzulassen – ein hervorragender Wert. Die Gussscheiben bauten dagegen nach der 14. Verzögerung ab, waren bereits nach 20 Versuchen kräftig verschlissen und mussten ausgetauscht werden.

Beim Verzögern aus 240 km/h zeigt sich ein weiterer Vorteil. Mit der Keramik- Bremse kommt der A8 immerhin vier Meter vor dem metallbestückten Rivalen zum Stehen. Aber die Keramikscheiben haben auch einen kleinen Nachteil. Regenwasser haftet auf ihnen etwas besser, was auch die Bremsscheiben-Wischfunktion, die beide Systeme haben, nicht ganz beseitigt.

Bei eingeschaltetem Frontscheibenwischer legen sich die Bremsbacken immer wieder leicht an, eigentlich sollte sich also kein Wasserfilm halten können. Dennoch haben die Gussscheiben auf nasser Straße eine minimal kürzere Ansprechzeit. Kein Grund zur Sorge, denn diese Zeitdifferenz ist deutlich kürzer als ein Lidschlag.

Trotzdem sprechen bessere Standfestigkeit und mehr Komfort für die teure Keramik-Bremse.

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