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Audi A8 und Mercedes S-Klasse

Digitale Surround-Soundsysteme im Vergleich

Foto: Beate Jeske 21 Bilder

Mit seinem High-End-Soundsystem im A8 hat Audi bei Preis und Verstärker-Leistung die bisherigen Dimensionen gesprengt. Kann die Mega-Anlage auch gegen das digitale Surround-Soundsystem in der Mercedes S-Klasse bestehen?

20.04.2006

Es geht um die Krone. Nicht wie gewohnt im Bremsen-, Beschleunigs- oder Komforttest. Nein, auto motor und sport sucht den Gipfel der Soundsysteme. Soviel Aufwand und High Tech wie in den Audio-Anlagen des Audi A8 und der Mercedes S-Klasse steckt derzeit in keinem anderen System ab Werk. Wer in diesem Vergleich die Nase vorn hat, ist bei automobilem HiFi weltweit tonangebend. Speziell für den A8 gilt zudem: So teuer war Auto-HiFi ab Werk in der Großserie noch nie – 6.000 Euro Aufpreis. Da wirken die 1.143 Euro für das S-Klasse-System richtig günstig.

Audi hat sich im A8 ganz auf die Seite traditioneller Stereo-Tugenden gestellt. Es existiert im MMI-System zwar ein Untermenü mit dem Namen Surround, doch das päppelt mit einer geschickten digitalen Matrixschaltung nur Stereo-Signale zu einem etwas weiträumigeren Rundumklang auf.

Die neuen digitalen Audio- und Video- Surroundformate wie Dolby Digital 5.1 oder DTS (Digital Theater System) lässt das A8-System nicht gewähren. Trotzdem war gerade der Wunsch nach besonders räumlichem Klang einer der Hauptgründe, weshalb sich Audi den dänischen Design-HiFi-Hersteller Bang & Olufsen als Partner für sein High-End-System aussuchte.

Dessen so genannte Akustik-Linsen-Technologie verspricht durch eine besondere, auf den Punkt fixierte Schallabstrahlung ein weit über das Armaturenbrett aufgefächertes luftiges Klangbild.

Dafür war man in Ingolstadt sogar bereit, das Wagnis von elektrisch aus dem Armaturenbrett ausfahrenden Hochtönern einzugehen. Deren optische Wirkung ist schon ein voller Erfolg. In Internet-Foren diskutieren A3-Fahrer ernsthaft darüber, ob sich das System wohl nachrüsten ließe.

Ein Dutzend weiterer Lautsprecher unterstützt das vordere Hochton-Duo rund um den Innenraum verteilt. Der größte Lautsprecher-Brummer tobt auf der Heckablage, misst 20 Zentimeter und schiebt aus einem nur zehn Liter kleinen geschlossenen Gehäuse seine bis 30 Hertz hinabreichenden Basswellen. Doch viele Lautsprecher sind heutzutage nichts Besonderes mehr bei großen Soundsystemen.

1.065 Watt Verstärkerleistung im A8 sind dagegen für eine Ab-Werk-Lösung ein eindrucksvolles Statement pro Dynamik. Kein Zuckerschlecken für die Bordelektrik könnte man meinen, doch Audi behielt kühlen Kopf und wählte sogenannte ICE-Power-Endstufen, deren digitale Verstärkungstechnologie extrem effizient arbeitet. Ginge es nur um die reinen Leistungsdaten, dürfte das harman/kardon-Soundsystem in der S-Klasse gleich wieder nach Hause fahren. Vergleichsweise bescheidene 600 Watt werden auf die 14 Lautsprecher losgelassen.

Doch die Finesse der S-Klasse-Anlage liegt in anderen Bereichen. Dolby Digital und DTS, also digitale Surroundformate, gibt das harman/kardon-System in voller Qualität wieder. Dafür mussten die Ingenieure sogar extra das gesetzlich vorgeschriebene DRM (Digital Rights Management)-System, das illegale Digitalkopien verhindert, in den MOST (Media Oriented System Transfer)-Bus einschleifen.

Sicherlich hätte auch ohne DRM kein vernünftiger S-Klasse-Fahrer versucht, heimlich seinen MOST-Bus anzuzapfen. Doch dafür hat man in der Musikindustrie leider kein Ohr.

Den Passagieren kann es egal sein, denn sie erhalten extrem rauscharmen, voll digital verarbeiteten Logic7-Surround-Sound im Kinoformat. Die in der S-Klasse arbeitenden Lautsprecher glänzen aber nicht nur damit, sondern auch mit ihren Aluminium-Membranen. Ausfahren tut freilich nix.

Zumindest kann sich das Sternenschiff damit brüsten, mit seinem 20x32-Zentimeter-Subwoofer den noch größeren Tieftonschwinger im Heck zu tragen als der A8. Das verhilft ihm laut auto motor und sport-Messungen auch bei 40 Hz zu bemerkenswerten 120 Dezibel maximaler Lautstärke und damit satten sechs Dezibel mehr als im Audi. Membrangröße siegt hier im Bass über schiere Leistung.

Die S-Klasse-Anlage trumpft auf

Und die S-Klasse-Anlage holt gleich zum nächsten Schlag aus. Bei Surround-DVD wirbelt und kracht es so authentisch und eindrucksvoll um den Kopf herum, dass einem der Umstieg auf Stereo wie das Drücken der Mono-Taste vorkommt. Da kann die versammelte Lautsprecher-Schar im A8 nur zart dazu rauschen, denn diese Medien müssen hier schließlich draußen bleiben. Doch lassen wir die Kirche im Dorf. Das mit Abstand meiste Musikmaterial liegt weltweit immer noch in ganz normalem Stereo vor. Und mit üblichen CD bläst das Bang & Olufsen-System zum Klang-Halali auf die S-Klasse.

Jette Torp erhebt ihr Organ, steht scheinbar wie in Granit gemeißelt auf dem Armaturenbrett und singt mit ihrer ultrapräzisen und plastischen Stimme Gänsehautwogen über die Hörer. Wenn die dänische Sängerin Luft holt, ertappt sich der Zuhörer dabei, ergriffen zusammenzuzucken. So greifbar sind die feinen Atemgeräusche.

Genre-Wechsel: erst AC/DC, dann Blue Man Group. Die australischen Hardrocker wirbeln wie entfesselt unter der Windschutzscheibe herum, und die Bassdrum-Schläge der blauen Künstler klopfen ansatzlos den grauen Alltagsstaub aus den Polstern. Schillernde Klangfarben, packende Dynamik – Auto-HiFi aus einer neuen Dimension. Übrigens auch mit digitalem Radioempfang (DAB), der so für den Mercedes nicht lieferbar ist.

Die S-Klasse wirkt im direkten Vergleich blass und benötigt eine kräftige Hochtonspritze über die Klangregler. Doch dann taut sie auch unter Stereo auf und verwöhnt mit einem fein auflösenden weiträumigen Klangbild, das von einem mächtigen Tiefton-Fundament unterstützt wird.

Alles angenehm, alles gekonnt abgestimmt, doch die Authentizität und die enorme Luftigkeit des B&O-Audi erreicht das harman/kardon-System nicht. Schon gar nicht im Radiobereich. Da hängt die S-Klasse mit ihrem matten Ton regelrecht durch.

Frei von Fehlern ist auch das B&OSystem nicht. Bei kritischen Aufnahmen ist der Mitteltonbereich überbetont, und Fondpassagiere erleben einen etwas unausgewogenen Bassbereich.

Was aber nichts daran ändert, dass Audi mit seiner Bang & Olufsen-Anlage den höchsten Stereo-Klanggipfel erklommen hat. Der S-Klasse bleibt die Zukunft, denn sie greift sich dafür die Surround-Spitze.

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