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Audi-Effizienzprogramm

Audi erzieht den Fahrer zum Sparen

Audi A4 2.0 TDIe Foto: Reinhard Schmid 5 Bilder

Fein, wenn uns moderne Technik beim Spritsparen unterstützt. Aber das Audi-Effizienzprogramm übertreibt es, weil es den Fahrer für dumm hält, meint Sebastian Renz.

22.05.2010 Sebastian Renz

Ich widerspreche der besten aller Mütter nicht und schätze stets ihren Rat. Etwa, wenn ich über ein Feiertagswochenende bei meinen Eltern übernachte, unter deren Tisch ich die eigenen Beine schon seit 14 Jahren nicht mehr strecke. Wenn ich dann nach dem Joggen ins Bad gehe und es dabei mütterlich hinter mir herschallmeit: "Vergiss nicht, dir ein Handtuch zu nehmen, wenn du duschen gehst", so darf dieser Hinweis keineswegs mit einem flapsigen "Ach, was du nichts sagst", "Nein, wer hätte das gedacht" oder "Das sind ja mal ganz neue Sitten hier" abgetan, sondern als fürsorgliche Reaktion verstanden werden.

Denn wer mich schon vor drei Jahrzehnten darauf hingewiesen hat, eine Jacke anzuziehen, weil es kalt ist, mich erinnert hat, den Turnbeutel nicht zu vergessen und mit mir ausdiskutierte, ob es wirklich eine so klasse Idee sei, vom Garagendach zu hüpfen, wer mich also erzogen hat, darf das auch heute noch. Der Audi A4 TDIe darf es nicht.

Audi rüstet die Modelle Audi A1, Audi A4 und Audi A5 mit einem Effizienzprogramm aus

Beim Versuch, den CO2-Ausstoß immer weiter zu senken, möchten die Audi-Techniker gern auf die 30 Prozent Sparpotenzial Einfluss nehmen, die der Pilot mit seiner individuellen Fahrweise verantwortet. Deswegen rüstet Audi die Modelle Audi A1, Audi A4 und Audi A5 als Vierzylinder-Schalter mit einem Bordcomputer samt Effizienzprogramm aus. Es analysiert die Fahrweise und gibt "situationsgerecht Einsparhinweise und Tipps zur Optimierung des Kraftstoffverbrauchs", sagt Audi. Dazu blendet das Programm etwa ein Balkendiagramm ein, auf dem es zeigt, wie viel Energie gerade durch den gleichzeitigen Betrieb der Heckscheiben-, der Sitzheizung links sowie der Klimaanlage verbraucht wird. Nur wozu? Es dürfte mir als Fahrer nicht entgangen sein, dass diese Verbraucher aktiviert sind - ich habe sie selbst eingeschaltet. Ähnliches gilt - verrückte Sache - für das Seitenfenster. Auch das habe ich aufgemacht.

Ein grundsätzliches Problem hat der Effizienz-Manager übrigens auch mit dem Schiebedach. Das soll ebenfalls besser immer geschlossen werden - beispielsweise wegen des negativen Einflusses auf den Luftwiderstand. Vielleicht wäre es da schlauer gewesen, einfach kein optionales Schiebedach anzubieten. So kassiert Audi erst 980 Euro Aufpreis dafür, und dann verdirbt das Effizienzprogramm die Freude daran. Man darf davon ausgehen, dass sich die Käufer eines Sparmodells wie des Audi A4 TDIe selbst schon Gedanken machen, wie sie möglichst ökonomisch fahren. Dabei kann sie eine Schaltanzeige unterstützen. Die des Audi erträgt es aber nicht, wenn sie ignoriert wird - aus gutem Grund, am Berg etwa. Wer nicht nach ihren Wünschen hochschaltet, bekommt eine rot eingefärbte Schaltaufforderung und den Hinweis "Schaltanzeige beachten" eingeblendet.

Die Sparhinweise nehmen den Spaß am Audi-Fahren

Das Audi-Effizienzprogramm kennt noch weitere Weisheiten, die mit ihrer Inhaltsschwere Glückskeks-Sprüchen kaum nachstehen: "Motorbremse: Erst unter 1.300/min auskuppeln" etwa oder "Im Stand Gaspedal nicht betätigen". Wer das liest, muss denken, er hat mindestens 32.800 Euro für ein Auto ausgegeben, das ihn für blöd hält. Was kommt als nächstes? Verweigert bald das Navigationssystem die Routenführung zu einem nahen Ziel mit dem Hinweis: "Da könnten Sie nun wirklich auch hinlaufen. Oder nehmen Sie doch mal wieder das Fahrrad." Vielleicht gibt es bald auch eine eingebaute Waage in der Sitzfläche und die Einblendung "Ihre Gattin hat aber über die Feiertage mächtig zugelangt, kostet voraussichtlich 0,3 Liter pro 100 km extra - wollen Sie sie wirklich mitnehmen?" Sie finden das überzogen? Überlegen Sie mal, ob Sie sich vor 15 Jahren hätten vorstellen können, dass Zigarettenpackungen mal mit "Rauchen tötet"-Klebern tapeziert sein würden.

Natürlich ist die Verbrauchsreduktion wichtig, wahrscheinlich die größte Herausforderung der automobilen Zukunft. Dafür müssten uns alle Mittel recht sein. Aber Hinweise sollten uns nicht wie kleine Kinder bevormunden und den Spaß am Fahren nehmen. Denn manchmal gehört es einfach dazu, nach dem Duschen nackt über den Flur rennen zu müssen, weil man das Handtuch vergessen hat.

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