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Bediensysteme im Test

Acht Systeme im Praxistest

Bedientest Foto: Hans-Dieter Seufert 29 Bilder

Moderne Autos beeindrucken mit immer neuen Funktionen. Wie leicht und sicher sie sich bedienen lassen, klärt der große Praxistest mit Audi A8, BMW 7er, Citroën C6, Jaguar XJ, Lexus RX, Mercedes S-Klasse, Porsche Panamera und VW Touareg.

19.02.2011 Dirk Gulde

Der Gast-Tester nimmt es mit Humor. Schon zum dritten Mal versteht die Sprachsteuerung „Kuckuck“, obwohl er als Navigationsziel klar und deutlich „Würzburg“ artikuliert. Das Dorf Kuckuck existiert tatsächlich, es liegt in Brandenburg. „Jetzt weiß ich wenigstens, wo ich hin muss, wenn mich meine Freundin mal wieder zum Kuckuck schickt.“ 

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Durchschnittliche Autofahrer testen Bediensysteme

Durchhaltevermögen benötigen die acht Hobby-Tester nicht nur für die Sprachsteuerung. Schließlich müssen 20 teils knifflige Bedienaufgaben in acht Fahrzeugen erledigt und die hierfür benötigte Zeit gestoppt werden – zunächst im Stand und anschließend während der Fahrt. Dabei gilt es, Radiosender auf Stationstasten zu legen, Navigationsziele einzugeben oder die Klimaanlage einzustellen. Um praxisnahe Ergebnisse zu erzielen, lässt auto motor und sport keine geübten Redakteure, sondern durchschnittliche Autofahrer ans Steuer – Männer und Frauen zwischen 20 und 67 Jahren. Neben der Messung von Bedienzeiten dürfen sie auch subjektive Noten für die einzelnen Systeme abgeben.

Audi A8-Bediensystem begeistert

Ein Spitzenzeugnis stellen die acht Probanden dem neuen Touchpad im Audi A8 aus, das sie gleich zum besten Eingabemedium überhaupt wählen. Das berührungssensitive Feld, mit dem sich Buchstaben und Ziffern per Finger aufmalen lassen, wird während der Fahrt als echte Erleichterung wahrgenommen, da der Blick nicht von der Straße genommen werden muss. Ebenso gefallen das große Display, die hochwertigen Schalter und Regler sowie die Möglichkeit, auf verschiedenen Menüwegen ans Ziel zu kommen.

Doch das Audi-Flaggschiff erntet auch Kritik: Die vielen Knöpfe in der Mittelkonsole (allein vier Drehregler) sorgen bei einigen Probanden für Verwirrung, andere wünschen sich eine größere Schrift auf dem Monitor. „Soll ich etwa meine Lesebrille während der Fahrt auspacken?“ war einer der Kommentare. Zudem schwankte die Qualität der Spracherkennung zwischen absolut treffsicher und begriffsstutzig. Trotz seines als überladen empfundenen Cockpits ließ sich der Audi A8 sehr schnell bedienen. Über alles gerechnet kam er während der Fahrt sogar auf die kürzesten Eingabezeiten aller acht Testprobanden, womit der Audi im Test den zweiten Platz belegt.

BMW 7er mit tollen Direkttasten

Neulinge mussten im BMW die ein oder andere Funktion etwas länger suchen. Nach kurzer Einarbeitung und während der Fahrt kam der BMW 7er jedoch auf nahezu identische Bedienzeiten wie der Audi A8. Durchweg lobende Worte gab es für die iDrive-Menüstrukturen: Der logische, intuitiv erlernbare Aufbau und die schnelle Befehlsannahme überzeugten ebenso wie die übersichtliche Gestaltung des großen Displays ohne unnötigen Schnickschnack und die folgsame Spracheingabe.

„Absolut genial“ lautete gar der Kommentar einer Testerin für die Kurzwahltasten, auf die sich oft benötigte Funktionen nach eigenen Wünschen legen lassen. So bezieht sich die Kritik am BMW 7er-Bediensystem nur auf Details: etwa, dass Radio-Verkehrsdurchsagen über eine Taste mit unverständlichem Piktogramm aktiviert werden müssen, oder dass die Lautstärke am Lenkrad mittels Wippe geregelt wird, während die hierfür viel praktischere Drehwalze zum Blättern im Menü gedacht ist.

Citroën C6 mit zu vielen Knöpfen

Auf wenig Gegenliebe stieß dagegen der Citroën: Fünf der acht Tester kürten sein Bediensystem zum schlechtesten in diesem Vergleich. Vor allem die vielen winzigen und wenig ergonomisch ausgerichteten Tasten auf der Mittelkonsole führten während der Fahrt zu langen Blickabwendungen. Noch dazu, wo sie für teils unwichtige Funktionen wie Klangeinstellungen reserviert sind. Dabei verfügt der Citroën C6 zusätzlich über eine Menü-Bedienung mit Dreh-Drückregler, in die man selten Benötigtes hätte integrieren können. Nerven kosten auch die verspielte Bildschirmgestaltung und unglückliche Bezeichnungen.

So lässt sich mit der „Nav“-Taste die Karte anzeigen; wer die Navigation bedienen möchte, muss jedoch „Menü“ drücken. Und wer ein Sonderziel sucht, wird ausgerechnet unter „Adresse“ fündig. Kein Wunder, dass der Citroën C6 die schlechtesten Noten in den Kapiteln Ablenkung und Erlernbarkeit bekam. Den Vogel schoss jedoch nicht das Infotainment-System ab, sondern eine schlichte Komfortfunktion: „Der hat ja gar keine Sitzheizung“, schallte es gleich mehrmals aus dem Citroën-Innenraum, als es galt, das Sitzmöbel zu temperieren. Hat er wohl, doch das hierfür zuständige Drehrad sitzt tief unten am Sitzgestell und muss blind ertastet werden. Immerhin bewahren die insgesamt ordentlichen Bedienzeiten während der Fahrt den Franzosen vor dem letzten Platz.

Jaguar XJ mit trägem Touchsceen

Bei der Wahl zum Sieger der Herzen hatte auch der Jaguar XJ keine Chance. Und das, obwohl sein edles und aufgeräumt wirkendes Cockpit die Hobby-Tester zunächst beeindruckte. Der träge und verzögert reagierende Touchscreen brachte sie jedoch im Nu zur Weißglut, ebenso die teils winzigen Bedienfelder. Wer mit etwas größeren Fingern ausgestattet ist, hatte daher Schwierigkeiten, die einzelnen Segmente zu treffen. Doch oft fanden die Probanden die gesuchten Funktionen erst gar nicht.

Beispiel Klimaanlage: Während Lüftung und Temperatur über griffige Drehregler eingestellt werden, muss im Menü nach Luftverteilung und (der im Winter oft benötigten) Sitzheizung gesucht werden. Zum Bordcomputer notierte ein Tester: „Komplizierter als meine Playstation.“ Der 20-Jährige muss es wissen, daddelt er doch seit früher Kindheit mit der Spielekonsole. Zum kruden Gesamteindruck kommen die längsten Bedienzeiten: Egal ob im Stand oder während der Fahrt, im Jaguar dauerte die Aktivierung einer Funktion im Schnitt doppelt so lang wie bei den besten Systemen. Damit landet der edle Brite abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Lexus RX: Generation Computer

Als zentrales Bedienelement setzen die Japaner auf eine Art Joystick, an dessen Seite sich Eingabetasten wie bei einer Computermaus befinden. Damit sind nach kurzer Gewöhnung ablenkungsarme und entspannte Eingaben möglich, vergleichbar mit denen von Dreh-Drückreglern. Positiv auch das schnelle Ein- und Auszoomen der Navigationskarte und die im wesentlichen übersichtlich aufgebauten Menüs. Allerdings kritisierten die Tester das Fehlen einer „Zurück“-Taste, lieblos gestaltete Bedienelemente, unter der Mittelarmlehne versteckte Sitzheizungsschalter, die geringe Auswahl an Sprachbefehlen und viele englische Abkürzungen: Nur die wenigsten wussten, dass mit „POI“ Sonderziele und mit „TMC“ Verkehrsstörungen gemeint sind. Zusammen mit den zähen Bedienzeiten im Stand und während der Fahrt kommt der Lexus so nur auf einen der hinteren Plätze.

Mercedes S-Klasse mit reduziertem Bediensystem

Das Eingabesystem der Mercedes S-Klasse setzt voll auf den Dreh-Drück-Regler und kommt mit einem Minimum an Knöpfen aus. Das sorgt für ein aufgeräumtes Cockpit. Die Tester loben vor allem die ergonomische Gestaltung des Drehreglers mit bequemer Handauflage und den logischen Menü-Aufbau, der zu wenig Blickabwendungen und kurzer Eingewöhnungszeit führt. Vorbildlich auch, dass sämtliche Bedienelemente für die Sitze im oberen Teil der Türen zusammengefasst sind.

Ein paar Schalter mehr hätten es jedoch ruhig sein dürfen: Dass zur Regelung der Luftverteilung ins Menü geklickt werden muss, empfanden die meisten als umständlich. Schwierigkeiten bereitete es auch, Tankstellen im Navi-Unterordner „Automotive“ aufzuspüren, während die Sprachsteuerung mit zähen Dialogen Zeit kostete. Ansonsten können sich die Bedienzeiten sehen lassen, weshalb die Mercedes S-Klasse in der Spitzengruppe landete.

Porsche Panamera: Schnelles Bediensystem

Nicht nur fahrdynamisch glänzt der große Porsche mit Topzeiten, auch in Sachen Bedienung geht es kaum schneller. Die clevere Mischung aus logisch strukturiertem Touchscreen-Menü, das schon bei leichtester Berührung reagiert, und der richtigen Menge an Knöpfen ist vor allem im Stand nicht zu schlagen. Kein Wunder, dass die Hobby-Tester beim Erstkontakt angetan waren: „Ich wüsste nicht, was es da zu verbessern gibt“, lautete ein Kommentar.

Beim Absolvieren des Fahrparcours fielen dann doch ein paar Details auf. Etwa, dass die bequeme Handauflage der Dreh-Drück-Regler-Systeme fehlt, oder dass einige Knöpfe unter dem Bildschirm etwas schwerer zu treffen sind als die anderer Kandidaten. Auch dadurch fielen die Bedienzeiten während der Fahrt leicht ab. Die Qualität der Sprachsteuerung konnte indes nicht getestet werden, da Porsche ein Fahrzeug ohne die praktische Funktion schickte. Dies kann den Testsieg des Panamera freilich nicht gefährden.

VW Touareg: Der Touchscreen-Profi

Noch konsequenter als im Porsche setzen die VW-Entwickler auf den Touchscreen. So befinden sich unter dem großen und blickgünstig positionierten Monitor nur wenige Knöpfe für die Grundfunktionen. Am positiven Eindruck änderte dies nichts. Zwar kamen die Tester im Touareg nicht ganz auf die Bedienzeiten der Spitzen-Kandidaten, was vor allem am etwas überladenen Bordcomputer lag, der über eine Lenkradwippe befehligt wird. Eine echte Schwäche leistete er sich jedoch nirgends.

Dafür waren die acht Tester vom logischen Menü-Aufbau ebenso angetan wie von der schnörkellosen Bildschirmgestaltung oder den großen, leicht zu treffenden Touchscreen-Segmenten. Auch die Sprachsteuerung bekam Bestnoten, da sie nicht nur komplette Adressen bis hin zur Hausnummer an einem Stück aufnimmt, sondern ohne umständliche Zwischenfragen sofort losnavigiert – wenn es sein muss, auch ins brandenburgische Kuckuck.

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