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Bedientest

Drückerkolonne

Foto: Beate Jeske 25 Bilder

Acht Autos, acht verschiedene Bediensysteme: BMW X5, Citroën C4 Picasso, Honda Civic, Ford S-Max, Lexus LS 460, Mercedes C-Klasse, Volvo C30 und VW Golf stellten sich im großen Bedientest der Stoppuhr und dem Urteil der Probanden.

28.03.2007 Alexander Bloch

Einmal im Jahr werden die auto motor und sport-Redakteure zu Statisten. Dann übernehmen ganz normale Autofahrer das Zepter und bewerten die Bedienung moderner Autos vom Lichtschalter bis zur Navigationszieleingabe in einem ausgefeilten Praxistest.

8 Probanden (4 Frauen und 4 Männer verschiedener Altersstufen) durften mit der Stoppuhr in der Hand acht Autos mit unterschiedlichsten Bedienkonzepten vergleichen. Das Besondere am auto motor und sport-Testverfahren: Durch die akribische Bedienzeitermittlung über mehrere Versuche hinweg zeigt sich nicht nur, welches Auto beim ersten Kontakt am leichtesten bedienbar ist, sondern auch, welche Modelle mit Erfahrung während der Fahrt gut, schnell und damit verkehrssicher zu handhaben sind.

Also genau jene Testkriterien, die für den längerfristigen Umgang mit einem Auto entscheidend sind. Dass man mehrere hundert Funktionen, wie sie moderne Autos bieten, nicht von der allerersten Sekunde an im Griff haben kann, zeigte sich bei allen Modellen deutlich. Selbst bei der Mercedes C-Klasse, die bei den Audio- und Navigationsfunktionen mit ihren klar und eindeutig beschrifteten Menüs von den Probanden am schnellsten verstanden wurde, waren die Bedienzeiten mit etwas Übung um 50 Prozent besser als beim ersten Versuch.

Große Schwierigkeiten tauchten dagegen bei BMW und Volvo auf. Aus dem BMW X5 erscholl so oft wie in keinem anderen Auto der Ruf: „Ich muss hier abbrechen, ich weiß nicht, wie es funktioniert.“ Die verschachtelte Menüstruktur und die nicht optimal ausgeführten Piktogramme stellten selbst die jüngeren, computeraffinen Tester am Anfang vor Probleme.

Auch für die Navigationseingaben im Volvo C30 brauchten die Tester im Schnitt 34 Sekunden länger als in der C-Klasse. Doch während sich der i-Drive von seiner Schlappe schnell erholte und mit etwas Übung zu dem im Stand am schnellsten zu bedienenden Gerät avancierte, kämpften die Probanden im Volvo immer noch unverdrossen mit den Tücken der Lenkrad-Fernbedienung.

Überraschend zwiespältig zeigte sich auch der Honda Civic. Auf die überforderten Wo-finde-ich-hier-denn-was-Gesichter am Anfang folgte schnell die Das-ist-ja-einfach-Mimik. Wie bei BMW erfordert die spezielle Logik mit dem in mehreren Ebenen verschiebbaren großen Dreh-/Drücksteller etwas Training. Nur die Citroën C4 Picasso- User wollten nicht so recht glücklich werden.

Jeder Proband hatte jetzt in jedem Auto reichlich Bedienerfahrung gesammelt und war mit Informationen über praktische Kurzeingabemöglichkeiten gut versorgt. Dermaßen trainiert stand der Bedientest während der Fahrt in einem Pylonen-Kurs an.

Jede Sekunde Bedienung bei 100 km/h entspricht einer quasi blind gefahrenen Strecke von 27,7 Metern. Es ist jedoch unzulässig, Bedienzeiten von mehreren Sekunden einfach als Blindflug zusammenzurechnen. Die Konzentration leidet jedoch über die ganze Bedienaufgabe hinweg mehr oder minder stark.

Mercedes legt vor

Wie man fast alles richtig macht, zeigte die neue C-Klasse, die nur um einen Punkt die Maximalpunktzahl bei den Bedienzeiten im Fahrtbereich verpasste. Klare Menüs, kluge Tastenauswahl kombiniert mit einem angenehm laufenden Dreh-/Drücksteller bescherten nicht nur intuitive, schnelle und ablenkungsarme Bedienung, sondern auch die besten Noten der Tester.

Golf gleichauf mit BMW

Besonders überraschend: Der Golf, die heimliche Ikone einfacher Bedienung, muss sich den zweiten Platz beim Bediengefühl mit dem ehemaligen Prügelknaben BMW i-Drive teilen. Dessen großes Plus ist unter anderem die erstklassige Bildschirmdarstellung. Honda und Lexus bereiten geübten Fahrern zwar kaum Probleme, müssen aber noch an ihrer Darstellungsqualität und intuitiven Erlernbarkeit arbeiten.

Die Eingabeschwächen des Touchscreen-System im S-Max sollen laut Ford beim neuen Mondeo-System behoben worden sein. Bei Volvo fehlt dringend eine Verbesserung der Menülogik und Navigationseingabe. Bei Citroën handelt es sich dagegen schlicht um ein veraltetes und zusammengestückeltes System. Es darf dabei ruhig bei Mercedes kopiert werden, denn im stark von Gewöhnung abhängigen Bedienbereich ist das Kopieren eine Tugend und keine Schande.

Anlaufende Scheiben zeugten davon, dass der extravagant gestylte Franzose auch nach mehreren Versuchen keine südländische Lockerheit bei den Testern erreichte. Der wilde Mix aus Menü- und klassischer Autoradiosteuerung führte unter anderem dazu, dass C4-Bediener im Stand fast sechs Mal so lange für den Abruf von TMC-Radiomeldungen brauchten wie Civic-Piloten.

Noch schlechter präsentierte sich der Ford S-Max in dieser Hinsicht: Seine Insassen können schriftlich überhaupt keine TMC-Meldungen abrufen. Aber auch durch besonders schnelle Bedienung im Stand stach der schnittige Van nicht hervor. Der VW Golf erlaubte sich dagegen kaum Schwächen und überzeugte nicht nur bei der Klimaeinstellung mit intuitiver Funktion.

Interessanterweise brauchten die weiblichen Probanden bei der Radiosender-Programmierung im Golf über zweieinhalb Minuten länger als die Männer. Letztere nutzten nicht die manuelle Suche, sondern aktivierten sofort die praktischen, auch bei BMW, Citroën und Mercedes angebotenen automatischen Listen mit den am besten empfangbaren Sendern. Beim Lexus LS 460 sorgte der ständige Wechsel zwischen Touchscreen und Tastenbedienung für Verwirrung, die sich aber sehr schnell legte.

Jeder Proband hatte jetzt in jedem Auto reichlich Bedienerfahrung gesammelt und war mit Informationen über praktische Kurzeingabemöglichkeiten gut versorgt. Dermaßen trainiert stand der Bedientest während der Fahrt in einem Pylonen-Kurs an. Während längere Eingaben im Stand nur das Bediengefühl verschlechtern und das Losfahren verzögern, sorgt schnelle Bedienung während der Fahrt für geringere Ablenkung.

Jede Sekunde Bedienung bei 100 km/h entspricht einer quasi blind gefahrenen Strecke von 27,7 Metern. Es ist jedoch unzulässig, Bedienzeiten von mehreren Sekunden einfach als Blindflug zusammenzurechnen. Der normale Fahrer wechselt eher im 1–2-Sekunden-Rhythmus zwischen dem Blick auf die Straße und auf die Bedienelemente.

Die Konzentration leidet jedoch über die ganze Bedienaufgabe hinweg mehr oder minder stark. Bei einem außerhalb der Bewertung durchgeführten Sprachbedienversuch (nicht alle Autos hatten die Funktion) zeigte sich, dass nur die gut funktionierende Mercedes-Linguatronic wirklich einen Nutzen brachte.

Sprachsysteme wie im Lexus, Citroën oder Honda schadeten durch Fehlerkennungen und mangelhafte Befehlsstruktur der Konzentration dagegen mehr, als sie nutzten. Die Schlusslichter bei der Fahrtbedienung waren eindeutig der Volvo C30 und der Citroën C4 Picasso. Bei beiden kämpften die Probanden besonders mit den Audio- und Navigationsfunktionen. Licht und Schatten lagen dabei eng beieinander.

Der Volvo war spitze bei allen Funktionen, die über direkte Tasteneingabe erfolgen, und ein Flop bei der menügesteuerten Bedienung. Dabei wurde er nur noch vom Picasso getoppt, dessen Nutzer zum Teil über eine Minute im Dunkel der Mode- und Menütasten tappten. Für die eigentlich simple Lüftungsverstellung benötigte man hier fast doppelt so lange wie im Golf oder im Lexus.

Der Ford S-Max punktete zwar mit seiner gelungenen Lenkradbedienung, doch Touchscreen- Eingaben gerieten auch deshalb zum mühsamen und ablenkenden Job, weil der Touchscreen Fingerdrücke nicht immer sofort annimmt. Tempomat-Einstellungen dauerten hier am längsten, dann folgten der Volvo und der Honda.

Eine Scharte, die der kompakte Japaner sofort auswetzte: So wirr das futuristische Tasten- und Bildschirm-Sammelsurium im Civic auch wirken mag, so wenig stört es geübte Fahrer. Der Lexus holte sich seine niedrigen Durchschnittsbedienzeiten im Audio- Navigationsbereich während der Fahrt mit umfangreichen Eingabesperrungen.

Die nicht immer einheitliche Logik und der zum Teil überladene Bildschirm erschweren jedoch selbst geübten Fahrern manchmal den Funktionsabruf. Der BMW X5 vermasselte sich besonders gute Bedienzeiten durch altbekannte Menüaufbau-Probleme im Bereich Klangeinstellung, Verkehrsfunk und Sonderzielsuche, obwohl sein i-Drive insgesamt viel logischer, schneller und besser aufgebaut ist als die Version im Siebener.

Besonders die neuen Favoritentasten haben die Bedienung in einigen Bereichen deutlich beschleunigt. Das größte Lob bekam der Fünfer aber von den Probandinnen: „Auch wenn es länger dauert, fühlt man sich nicht so abgelenkt.“ Dagegen patzte der Golf beim Bedienen der Navigation während der Fahrt.

Der lahme Navigationsrechner und die nicht immer sofort verständlichen Piktogramme (auch ein BMW-Problem) verlängerten die Eingabezeiten – eine der wenigen Schwächen des sonst vorbildlich einfach zu bedienenden VW. Wie man fast alles richtig macht, zeigte die neue C-Klasse, die nur um einen Punkt die Maximalpunktzahl bei den Bedienzeiten im Fahrtbereich verpasste.

Klare Menüs, kluge Tastenauswahl kombiniert mit einem angenehm laufenden Dreh-/ Drücksteller bescherten nicht nur intuitive, schnelle und ablenkungsarme Bedienung, sondern auch die besten Noten der Tester. Besonders überraschend: Der Golf, die heimliche Ikone einfacher Bedienung, muss sich den zweiten Platz beim Bediengefühl mit dem ehemaligen Prügelknaben BMW i-Drive teilen. Dessen großes Plus ist unter anderem die erstklassige Bildschirmdarstellung.

Honda und Lexus bereiten geübten Fahrern zwar kaum Probleme, müssen aber noch an ihrer Darstellungsqualität und intuitiven Erlernbarkeit arbeiten. Die Eingabeschwächen des Touchscreen- System im S-Max sollen laut Ford beim neuen Mondeo-System behoben worden sein. Bei Volvo fehlt dringend eine Verbesserung der Menülogik und Navigationseingabe.

Bei Citroën handelt es sich dagegen schlicht um ein veraltetes und zusammengestückeltes System. Es darf dabei ruhig bei Mercedes kopiert werden, denn im stark von Gewöhnung abhängigen Bedienbereich ist das Kopieren eine Tugend und keine Schande.

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