Bedienungsanleitungen: Sieben Hersteller-Exemplare im Test

Bedienungsanleitungen im Test

Bedienungsanleitungen sollen für Klarheit sorgen, doch häufig ist das Gegenteil der Fall. Was schief gehen kann, zeigt ein Test von sieben Exemplaren für Audi A4, BMW 3er, Mercedes C-Klasse, Mazda 6, Alfa Romeo 159, Chevrolet Cruze und Citroen C5.

Autos werden immer komplexer. Selbst technisch kompetenten Fahrern fällt es mittlerweile schwer, Funktionen und Bedienkonzepte auf Anhieb zu verstehen. Deshalb kommt den Bordbüchern eine größer werdende Bedeutung zu. Wie groß der Aufklärungsbedarf ist, hat sich noch nicht bei allen Herstellern herumgesprochen. Beispiel Uhreneinstellung. Ein Kinderspiel, sollte man meinen. Doch ohne Anleitung geht heute in modernen Fahrzeugen fast nichts mehr.

Es gibt keine wirklich schlechten Bedienungsanleitungen

Dies ist nur ein Ergebnis eines Tests, den auto motor und sport zusammen mit den Spezialisten vom Prüfinstitut Dekra durchgeführt hat. Sieben Anleitungen von Mittelklassemodellen wurden intensiv unter die Lupe genommen. Unterm Strich gibt es keine wirklich schlechten Handbücher, trotzdem möchte man bei der Lektüre häufig vor Wut ins Lenkrad beißen. Nehmen wir an, man steht mit seiner Mercedes C-Klasse (zum Testbericht) beim Tanken und beschließt, Öl nachzufüllen. Doch welcher Schmierstoff behagt dem Triebwerk?

Viele Bedienungsanleitungen sind etwas für Rätselfreunde

Ein Blick in die Betriebsanleitung bringt alles andere als Klärung. Schon die Suche nach dem Stichwortverzeichnis ist ein Hürde, weil es sich hinter dem Inhalt versteckt. Schön für Rätselfreunde. Im entsprechenden Kapitel dann die nächste Überraschung: Mercedes verweist zur Klärung der Frage auf eine unübersichtliche Homepage, auf der man das freigegebene Schmiermittel unter Angabe der "MB-Blattnummern" finden könne. Erst später erfährt der Autofahrer, dass diese ominöse vier- bis fünfstellige Nummer oft auch auf den Ölflaschen steht.

Die Suche nach dem richtigen Öl ist eine der leichtesten Aufgaben

Die Suche nach der passenden Motorölsorte gehört noch zu den leichten Aufgaben. Selbst einfache Vorgänge werden nicht selten durch den formalen Aufbau der Bordbücher erschwert: Wer in der Bedienungsanleitung des Chevrolet Cruze (zum Einzeltest) mit Hilfe des Stichwortverzeichnisses im hinteren Buchteil zum Ziel finden möchte, tappt in eine Falle. Das Bordbuch besteht nämlich aus drei Teilen, die einfach zusammengebunden wurden. Zum Einstellen der Uhrzeit wird man vom Stichwortverzeichnis im hinteren Teil des Buches auf Seite 14 verwiesen. Beim Durchblättern von vorn gelangt man jedoch auf eine Seite, auf der etwas über die Bedienung der Blinkanlage steht. Uhreinstellung? Fehlanzeige. Die Infos dazu befinden sich auf Seite 14 im dritten Teil des Handbuches. Darauf muss man erst einmal kommen. Zum Glück stellt man die Uhr in der Regel nur zwei Mal im Jahr um.

Für die Citroen-Betriebsanleitung sollte man Fremdsprachenkenntisse mitbringen

Ohne Fremdsprachenkenntnisse wird es für Citroën-Fahrer problematisch, da auf manchen Bildern Display-Anzeigen auch schon mal in Englisch oder Französisch dargestellt werden und so unnötig für Verwirrung sorgen. Dagegen sind Warn- und Sicherheitshinweise eine Spezialität von Mazda. Sie schießen aber deutlich über das Ziel hinaus, wenn direkt hinter dem Kapitel zum korrekten Einbau einer Babyschale entgegen der Fahrtrichtung der Hinweis steht, dass man die "Babywanne nur in der richtigen Sitzposition" einbauen soll. Gleich zwei Mal auf einer Doppelseite erscheint die identische Warnung, die Babyschale vorn nur zu montieren, wenn der Airbag ausgeschaltet wurde.

Auch Bedienungsanleitungen weisen qualitative Mängel auf

Beruhigendes erfahren hingegen Alfa Romeo-Fahrer: Wenn in der Mittelkonsole der Inhalt eines Kaffeebechers schwappt, müssen sie sich keine Sorgen machen. Eine Ablaufbohrung weist dem Getränk den Weg auf die Fahrbahn. Wichtiger wäre für den Alfisti, wie er die Seiten des Bordbuches wieder zusammenklebt: Die Bindung löst sich nach kurzer Zeit bereits auf.

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René Olma

Autor:

auto motor und sport, Heft 18 / 2009

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