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Bremsprobleme bei Toyota

Was ist dran an den Gaspedal-Problemen?

Bremsprobleme bei Toyota Foto: Reinhard Schmid / ams 12 Bilder

Die Toyota-Unfallserie wirft ernste Fragen auf: Sind die Autos wirklich gefährlich, oder liegt hier auch menschliches Versagen vor? auto motor und sport versuchte mit unterschiedlichen Methoden, fünf Toyota- und Lexus-Modelle bei Vollgas abzubremsen.

09.04.2010 Alexander Bloch

Toyota kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus. Wöchentlich prasseln neue Fälle von selbstständig gasgebenden Lexus- und Toyota-Modellen herein. Über 50 Menschenleben soll das Problem in Amerika schon gekostet haben. Die letzten Sekunden am Handy von Mark Saylor, der mit seiner Familie in einem Lexus verbrannte, gehören zu den meistgesehenen Youtube-Videos. Doch so tragisch die Fälle auch sind - sie werfen auch viele Fragen und Zweifel auf.

Toyota hat 8,5 Millionen Autos zurückgerufen

Kein Zweifel besteht daran, dass es bei dem weltgrößten Automobilhersteller Gas-Probleme gibt. Toyota hat deshalb 8,5 Millionen Autos zurückgerufen und sich mit seiner Salamitaktik bei der Problembewältigung kommunikativ nicht mit Ruhm bekleckert. Erst wurde lange abgestritten, dann waren es die Fußmatten, schlussendlich klemmende Gaspedale. Nur einen von einigen Experten vermuteten elektronischen Fehler als Grund weist Toyota vehement von sich. Doch selbst wenn ein Auto selbstständig Vollgas gibt, stellt sich die entscheidende Frage: Muss das zum Unfall führen?

Selbst bei Vollgas lässt sich ein Auto gefahrlos stoppen

James Sikes, ein Immobilenmakler aus Kalifornien, ließ sich mit seinem gasgebenden Prius medienwirksam von einer Polizeistreife abbremsen. Doch bei einer nachträglichen Überprüfung des Wagens von Toyota und Experten der amerikanischen Highway-Sicherheitsbehörde NHTSA kam heraus: Sogar bei Vollgas lässt sich der Sikessche Prius problemlos stoppen. Genau diese Untersuchung machte auto motor und sport jetzt bei fünf Modellen des japanischen Konzerns (Yaris, Prius, Avensis, Auris und Lexus LS). Das Ergebnis ist eindeutig: Wer sich an ein paar einfache Regeln hält, kann das Auto völlig gefahrlos stoppen.

Das Wichtigste ist, sofort den Gang herauszunehmen

Bei einem handgeschalteten Auto muss der Fahrer dafür in den Leerlauf schalten, bei einer Automatik stellt er den Wählhebel in Stellung N oder P. Alle getesteten Automatikmodelle schalteten daraufhin sofort in Neutralstellung. Der Motor heult zwar auf, doch der in jedem modernen Auto integrierte Drehzahlbegrenzer verhindert Schäden. Zeitgleich muss die Bremse mit voller Wucht getreten werden. Bei modernen Autos ist deren Kraft immer größer als die des Motors. Schon ein mittelstark getretenes Bremspedal stoppte im Test alle fünf Autos auf überschaubarer Distanz. In einem kleinen, aber ungefährlichen Detail unterscheiden sich die Toyota/Lexus-Modelle dabei von vielen deutschen Autos: Sie nehmen nicht automatisch das Gas weg, wenn die Bremse getreten wird.

Auf Unterdruckspeicher des Bremssystems achten

Gefährlich wird die Situation nur, wenn beim Bremsen gepumpt wird. Dann leert sich recht schnell der Unterdruckspeicher des Bremssystems, und der Bremsdruck muss dramatisch erhöht werden. Dieser Speicher ist bei vielen Benzinautos direkt an das Saugrohr angekoppelt. Steht dort die Drosselklappe komplett offen - also Vollgas -, kann kein neuer Druck aufgebaut werden. Im Test war es schwierig, einen derart falsch verzögerten Yaris zu stoppen. Beim Prius kann das Problem nicht auftreten, da dort der Unterdruck elektrisch aufgebaut wird.

Mehrere Gründe für Unfallserie möglich

Auf keinen Fall sollte die Handbremse gezogen werden. Deren Wirkung ist oft zu schwach, um das Auto zu stoppen, die Bremsscheiben überhitzen. Zudem besteht die Gefahr des Schleuderns, wenn das Auto nicht sauber geradeausfährt. Ebenso sollte der Motor nicht abgestellt werden, da sonst das Lenkradschloss einhaken könnte. Nach auto motor und sport-Erkenntnissen kommen daher drei Gründe für die Unfallserie in Betracht: große Unwissenheit der Fahrer oder mediales Trittbrettfahrertum - schließlich winken in Zivilprozessen Millionenbeträge. Der dritte Grund wäre ein komplettes Versagen der Gas- und Bremsanlage. Da dies aber nach derzeitigem Stand nachträglich kaum überprüfbar ist, erwägen die amerikanischen Behörden, den Einbau von Fahrdatenspeichern in Neuwagen vorzuschreiben.

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