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Crashtest Erdgasautos

Lebengefahr für Heckpassagiere

Foto: Thomas Küppers 13 Bilder

Erdgas erfreut sich wachsender Beliebtheit, daher werden immer mehr Anlagen nachgerüstet. Ob die Passagiere im Auto bei einem Unfall durch die Gasanlage gefährdet werden, hat die Dekra-Unfallforschung jetzt mit einem Heckcrashtest untersucht. Das Ergebnis ist erschreckend.

18.04.2006

Ein gut 1,8 Tonnen schwerer, starrer Schlitten fährt hier mit 48 km/h und voller Überdeckung von hinten gegen den Testwagen, einen Opel Vectra Caravan mit nachgerüstetem Gassystem. So wird ein typischer Unfall an einem Stauende nachgestellt. Weil es der Dekra aber nicht ausschließlich um die Überprüfung der Tank-Dichtheit nach einem Unfall ging, platzierten die Techniker auf der Rückbank zwei Erwachsenen-Dummys. Für den Heckaufprall wurde der Opel-Kofferraum mit drei Druckgasflaschen bestückt, die den voluminösesten Teil der rund 85 Kilogramm schweren Gasanlage bildeten.

Hat sich nun die Gesamtabstimmung des Opel-Sicherheitssystems geändert? Mit der Gasanlage an Bord ist das eindeutig der Fall. Nach der simulierten Stau-Karambolage war das Heck des Gas-Opel 40 Zentimeter eingedrückt. Ein identisches Modell ohne Gasanlage wurde bei einem vergleichbaren Test dagegen noch zehn Zentimeter weiter zusammengestaucht.

Erhöhtes Sicherheitsrisiko auf der Rückbank

Die versteifte hintere Knautschzone konnte beim Gasauto zwar offensichtlich nicht so viel Energie umwandeln, wie dies von Opel bei der Konstruktion des Vectra vorgesehen war, aber die Ergebnisse zeigen, dass das bei diesem Test für die vorn sitzenden Passagiere kaum eine Rolle spielte. Denn die Beschleunigung der Fahrgastzelle war beim Gasauto nur wenig höher als beim Standard-Vectra. Die Dekra-Spezialisten gehen davon aus, dass bei beiden Autos ein niedriges Verletzungsrisiko für Fahrer und Beifahrer bei so einem Unfall besteht.

Auf der Rückbank unterscheiden sich die Ergebnisse dagegen dramatisch: Im Auto mit Erdgas-Anlage werden die Dummys viel stärker belastet. Die Beschleunigung der Dummy-Köpfe und -Becken ist im Fond doppelt so hoch wie in einem Standard-Vectra, bleibt aber im unkritischen Bereich. Die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen für diese Körperbereiche ist nahezu ausgeschlossen - eine Mehrbelastung im Gasauto, aber eine erträgliche?

Nein. Denn ein genauer Blick auf die Brust-Belastungswerte zeigt extreme Beschleunigungen. Bei Menschen wären Verletzungen an inneren Organen und Rippenbrüche zu erwarten. Die Unfallforscher sprechen von einem hohen Risiko für schwere oder gar tödliche Verletzungen.

Der Test macht damit klar, dass die Montage der Gastanks dicht hinter der Rückbank ein lebensbedrohliches Sicherheitsrisiko für die davor sitzenden Passagiere darstellen kann. Die Dekra- Experten sehen hier erheblichen Entwicklungsbedarf.

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