Infotainment bei BMW, Porsche und Mercedes: Drei Systeme im Vergleich

Infotainment

Die Infotainment-Systeme von BMW 7er, Mercedes S-Klasse und Porsche Cayenne bieten unzählige Funktionen und wollen dennoch ruck zuck bedienbar ein. Wer hat das beste Gesamt- Paket aus Navigation, Telefon und HiFi-Anlage?

So schnell kann’s gehen. Bis vor wenigen Monaten gehörte das Infotainment-System der Mercedes S-Klasse noch zum Modernsten, was der Markt zu bieten hatte. Immerhin speichert es Navigationskarten nicht mehr auf CD, sondern zeitgemäß auf einer 20-GB-Festplatte, zeigt Routen auf einem großen Acht-Zoll-Monitor an und lässt sich um viele Zusatzquellen wie Digitalfernsehen oder MP3-Player erweitern. Inzwischen hat die Konkurrenz von BMW und Porsche jedoch nachgelegt, um den Elektronik-Primus vom Sockel zu stoßen. Das Kuriose dabei: Alle drei getesteten Multimedia-Systeme in Mercedes S-Klasse , BMW 7er und Porsche Cayenne stammen vom selben Zulieferer Harman/Becker.

Fortschritt durch Vereinfachung

Da verwundert es nicht, dass ihre Navigationsgeräte im Test nahezu identische Routen zum Ziel berechneten und sich auch die Sprachansagen kaum unterschieden. Lediglich Staus meldet der BMW über den hauseigenen Dienst V-Info Plus schneller und präziser als die Konkurrenten per TMC.

Trotz ähnlicher Basis gehen die umfangreichen Systeme bei Bedienung und Ausstattung komplett verschiedene Wege. So lässt sich das Porsche Communication Management in seiner neuesten Version (PCM 3.0) wahlweise über feste Tasten samt Dreh-Drückregler steuern oder über den 6,5-Zoll- Touchscreen, was vor allem im Stand die kürzesten Bedienzeiten aller drei Kandidaten ergibt. Während der Fahrt führt der tief eingebaute und kleine Monitor jedoch zu längeren Blickabwendungen.

In puncto Ablenkung setzt der BMW 7er den Maßstab. Mit 10,2-Zoll-Diagonale verfügt er nicht nur über den momentan größten Bord-Monitor überhaupt, sein optionales Head-up-Display blendet zudem neben der gefahrenen Geschwindigkeit auch Navigationspfeile und das jeweils gültige Tempolimit in die Frontscheibe ein. Mit der neuesten Version des einst kontrovers diskutierten i-Drive lassen sich die vielen Funktionen zudem endlich so leicht aktivieren, wie es BMW von Anfang an versprochen hatte. Tasten für die wichtigsten Hauptfunktionen und eine entschlackte Menüführung brachten den Fortschritt.

Auch der präzise rastende Drehregler in der Mercedes S-Klasse bedarf nur einer kurzen Einlernphase. Allerdings merkt man der begriffsstutzigen Sprachsteuerung ihr Alter inzwischen an. Seit dem Start der Mercedes C-Klasse setzen die Schwaben in jüngeren Baureihen deutlich verbesserte Systeme ein, an die selbst der neue 7er wegen zu vieler Zwischenschritte nicht ganz herankommt.

Begriffsstutzige Sprachsteuerung
 
Der Cayenne-Testwagen war leider ohne das aufpreispflichtige Sprachmodul ausgestattet. Doch BMW hat nicht nur den i-Drive modernisiert, sondern auch das Medienangebot kräftig aufgestockt: Neben dem inzwischen obligatorischen Anschluss für iPod & Co lassen sich zwölf Gigabyte der 80 GB großen Festplatte mit eigenen Musiktiteln bespielen. Beim Mercedes reicht der Speicher hierfür nicht aus, während Porsche aus Kopierschutz-Bedenken trotz ausreichender Kapazität (40 GB) auf die Musik-Server-Option verzichtet. Außerdem bieten die Münchner erstmals einen Internetzugang im Fahrzeug an. Der langsame Übertragungsstandard EDGE macht den Seitenaufbau jedoch zäh, selbst Adresseingaben dauern über den i-Drive nervtötend lang.

Infotainment-Übersicht
Fahrzeugtyp BMW 7er Mercedes S-Klasse Porsche Cayenne
Art/Preis Soundsystem Hifi-System Professional 900,-; DVD-Wechsler 590,-; Spracheingabe 410,- Logic7 1.190,- ; DVD-Wechsler 785,-; Sprachbedienung 470,- Bose 1.350,-; DVD-Wechsler 523,-; Sprachbedienung 452,-
Art/Preis Navigation Professional 2.900,-; Head-up 1.340,- Comand APS 2154,- PCM 3.0 3141,-
Art/Preis Telefon Business Bluetooth 950,- Mobiltel-Vorrüstung 595,- Bluetooth Telefonmodul 785,-
weitere Ausstattungsoptionen TV 1.650,- ; Rear Seat 2.950,-; DAB Tuner 410,- Rearseat-Entert. 4.760,-; TV-Tuner 1.285,- TV-Tuner 1.535,-; Rearseat-Ent 3.748,-
Audio-Schnittstelle Aux/USB/iPod Aux/iPod/PC-Card Aux/USB/iPod
Verkehrsinfos TMC/V-Info Plus TMC TMC
Kartenumfang Europa Europa Europa

Unterschiedliche Soundsyteme

Dass der BMW 7er die Radio-Wertung gewinnt, liegt vor allem an der Möglichkeit, den empfangsstarken UKW-Tuner um einen Digitalradio-Empfänger (DAB) aufzurüsten, der Rundfunk in CD-Qualität bietet. Im reinen UKW-Modus fällt vor allem die zwar störungsarm, aber dumpf tönende S-Klasse ab, während das PCM im Porsche Cayenne kräftig und frisch aufspielte. Ebenso überzeugt der Porsche mit seiner Freisprecheinrichtung, samt Bluetooth- SAP-Profil. So muss das Handy nicht in eine spezielle Halterung gesteckt werden und kommt dennoch in den Genuss einer empfangsfördernden Außenantenne. Auch die Freisprecheinrichtung im Mercedes kann um ein SAP-Modul erweitert werden, während die simplere Bluetooth-Koppelung im 7er ohne Außenantenne auskommen muss, was zu häufigeren Gesprächsabbrüchen führt. Erstaunlicherweise bieten die Bayern SAP nur für den optionalen Fond-Hörer an.

Anders als bei der Haupt-Elektronik setzen alle drei Marken bei ihren Soundsystemen auf verschiedene Hersteller. Das von Harman produzierte Logic7-System im Mercedes gefällt mit seiner tollen Räumlichkeit und dem dynamischen Klang. Allerdings werden Stimmen etwas aufdringlich wiedergegeben, was auf Dauer lästig werden kann. Das Bose-System im Cayenne begeistert mit spritziger Abstimmung und stimmiger tonaler Balance. Allerdings geht dem kleinen Subwoofer früh die Puste aus.

Mit ihrem angenehm perlenden Mittel-Hochtonbereich und der sauberen Basswiedergabe macht die HiFi-Anlage BMW Professional - trotz ebenfalls leichter Verfärbungen - am meisten Spaß. Unter dem Strich gewinnt der 7er den Infotainment-Vergleich also klar. Den Stärken bei Klang, Ausstattung, Medienintegration und Bedienung steht nur der Durchhänger beim Telefon gegenüber. Doch schon Mitte des Jahres werden die Karten neu gemischt: Dann tritt die S-Klasse mit einem überarbeiteten System an.

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Dirk Gulde

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auto motor und sport, Heft 04 / 2009

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