Ethanol als Ersatz: Schnaps-Renner

Angesichts steigender Ölpreise rücken vermehrt alternative Kraftstoffe in den Blickpunkt. Als Benzin-Ersatz könnte Ethanol dienen. Bio-Kraftstoffe werden auf absehbare Zeit als Ergänzungskraftstoffe auf dem Weg zum Wasserstoff-Zeitalter eine feste Größe sein.

E85 ist ein Kraftstoff für Ottomotoren, der zu 85 Prozent aus Ethanol und zu 15 Prozent aus Benzin besteht. Im Gegensatz zu Wasserstoff ist Ethanol aber eine bereits heute in nennenswerter Menge verfügbare Energiequelle.

Ford kündigte an, im Laufe des Jahres vier neue Modelle auf den Markt zu bringen, die entweder mit E85, Benzin oder jeder beliebigen Mischung daraus betankt werden können. Wegen ihrer Flexibilität beim Kraftstoff werden solche Autos Flex-Fuel-Vehicles (FFV) genannt.

Während Ford und GM nicht nur in den USA, sondern auch in Europa mit der Einführung von Flex-Fuel-Versionen wie dem Focus Flexifuel und dem Saab 9-5 Bio-Power ein Statement pro E85 abgeben, favorisieren VW und Mercedes hingegen die Beimischung von geringeren Mengen Ethanol zum Benzin. Das aber dann flächendeckend.

Es gibt mehrere Aspekte, die Ethanol als alternativen Kraftstoff interessant machen. Zum einen wird Ethanol aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, wodurch sich bei der Verbrennung im Motor eine ausgeglichene CO2-Bilanz ergibt. Es wird nur soviel Kohlendioxid an die Atmosphäre abgegeben, wie die Pflanzen, aus denen das Ethanol produziert wurde, im Laufe ihres Wachstums aufgenommen haben. Allerdings müssen in der Gesamtbilanz die CO2-Emissionen der gesamten Herstellungs- und Verteilungskette berücksichtigt werden.

Bio-Ethanol und BTL-Kraftstoffe

Zudem sorgt der erhöhte Bedarf an Energiepflanzen zur Herstellung von Bio-Kraftstoffen für eine Belebung der Landwirtschaft und damit für einen Aufschwung und neue Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Das gilt für Bio-Ethanol und gleichermaßen für die aus Biomasse hergestellten synthetischen BTL-Kraftstoffe (biomass-to-liquid), die jedoch in erster Linie für Dieselmotoren relevant sind.

Im Gegensatz zum heute bereits verfügbaren Bio-Ethanol werden BTL-Kraftstoffe aber noch nicht kommerziell hergestellt. Erst Mitte 2007 soll die zweite, größere Pilot-Anlage von Choren in Produktion gehen. Diese so genannte Beta-Anlage, an der auch Shell, VW und Mercedes beteiligt sind, hat eine jährliche Kapazität von 16,5 Millionen Liter SunDiesel, wie BTL auch genannt wird. Bio-Kraftstoffe aus lokal erzeugten Energiepflanzen verringern zudem die Abhängigkeit vom fossilen Energieträger Erdöl, der überdies zu mehr als 95 Prozent importiert werden muss. Landwirte also als Ölscheichs der Zukunft?

Vorerst wohl nicht. Denn Kraftstoffe aus Biomasse können Benzin und Diesel aus Erdöl nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Als Fazit ist festzustellen, dass Bio-Kraftstoffe auf absehbare Zeit – auch wegen der eingeschränkten mengenmäßigen Verfügbarkeit – zwar keine grundlegenden Alternativen zu Benzin und Diesel aus Erdöl sein können, aber als Ergänzungskraftstoffe auf dem Weg zum Wasserstoff-Zeitalter eine feste Größe sein werden.

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Hermann-Josef Stappen

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