Fazit Werkstättentest 2005

Trotz leichter Fortschritte fiel das Ergebnis des Werkstätten-Tests 2005 weiter unbefriedigend aus. Eine positive Entwicklung verzeichnete besonders BMW – Opel erlebte dagegen ein Debakel.

Sieger sehen anders aus: Zwar registriert die Mehrzahl der sechs am Werkstätten-Test 2005 beteiligten Firmen einen leichten Aufwärtstrend, doch fiel das Resultat erneut alles andere als positiv aus.

In den 48 von auto motor und sport aufgesuchten Autohäusern in den Regionen Augsburg, Bremen, Leipzig und Saarbrücken wurden im Durchschnitt nur drei Viertel der präparierten Mängel vorschriftsgemäß behoben. Dass die Erfüllungsquote bei der Inspektion im Durchschnitt von 56 Prozent 2003 über 66 Prozent 2004 auf 75 Prozent 2005 anstieg, sollte für das Kraftfahrzeuggewerbe kein Grund sein, die Hände in den Schoß zu legen.

Für Opel-Serviceleiter Ralf Rösner gibt es denn auch keinen Anlass zum Schönreden. Wie auch – nach dem Debakel mit zwei "nicht empfehlenswerten“ und drei "bedingt empfehlenswerten“ Vertragshändlern. Besser zog sich BMW aus der Affäre. Die Münchner fuhren 2005 das beste Ergebnis in ihrer Testhistorie ein. Joachim Geißler, Leiter After Sales Deutschland, wertet dies "als das Resultat intensiver, konsequenter Arbeit“.

Den Schönheitsfleck auf der weiß-blauen Weste lieferte jedoch die BMW-Niederlassung München, bei der ein Drittel der Arbeiten nicht korrekt durchgeführt wurden. So etwas darf laut Geißler "im Stammhaus nicht passieren“. Ärgerlich auch, dass der Keilriemen ungefragt und unnötigerweise gewechselt wurde. Dass es auch anders geht, demonstrierten die BMW-Niederlassung Leipzig und das Augsburger Autohaus Kummer & Klostermair. Sie führten die große Inspektion korrekt durch und schlossen mit der Idealpunktzahl 31 ab.

31 Punkte heißt in diesen Fällen aber nur, dass sich der Monteur exakt an das Wartungsprotokoll gehalten und korrekt gearbeitet hat. Denn alle sieben präparierten Mängel – das Programm reichte von verstellten Scheinwerfern bis zur ausgehängten Bremsleitung – sind im Inspektionsumfang enthalten und eindeutig definiert. Wenn sich der Monteur an der Wartungsliste orientiert, muss er die Fehler finden und macht nur das, was der Kunde erwartet und wofür er zahlt.

Einige der Mängel hätten sich bereits bei einer professionellen Direktannahme auf der Hebebühne finden lassen. "Es hat sich auch in diesem Test wieder gezeigt, dass eine professionelle und standardisierte Fahrzeugannahme durch einen qualifizierten Serviceberater Voraussetzung für einen einwandfreien Service schafft“, führt Johannes Herrlich, General Manager After Sales bei Toyota, an.

Für VW-Serviceleiter Arno Kalmbach ist die Annahme des Fahrzeugs „oft der kritische Punkt“. Mit speziellen Schulungsprogrammen für die Serviceberater setzt Volkswagen an diesem Punkt forciert an. ATU denkt ähnlich und hat seit November 2005 insgesamt 160 neue Serviceberater eingestellt. Dass in der Hälfte der Betriebe die Bremsleitung nach der Inspektion nicht eingeclipst worden war, ist das Resultat einer unterlassenen oder schlampig durchgeführten Direktannahme.

Aber auch bei der Arbeitsqualität in der Werkstatt haperte es. Den zu niedrigen Ölstand der Servolenkung korrigierten nur 15 Betriebe vorschriftsgemäß. Sie füllten nicht nur das fehlende Öl auf, sondern kümmerten sich auch um den Grund für den Flüssigkeitsverlust. In 30 Werkstätten wurde zwar Öl nachgefüllt, aber keine Ursachenforschung betrieben. Drei Mal wurden die Testwagen mit zu wenig Öl wieder auf die Reise geschickt.

Unter den dreien befand sich das Autohaus Sigg in Augsburg. Hier wurde außer dem Austausch der defekten Bremsleuchte nur noch der zu niedrige Luftdruck im rechten Hinterreifen korrigiert. Alle anderen Mängel blieben unentdeckt. Dafür wurde laut Rechnung in den randvollen Scheibenreiniger-Behälter noch Reinigungs-Konzentrat nachgefüllt. Mit sechs von 31 möglichen Punkten fuhr der Opel-Händler das schlechteste Ergebnis in der diesjährigen Testrunde ein. Ähnliche Erfahrungen mit Sigg machte auch auto motor und sport-Leser Simon Burmann aus Augsburg: "Sie sprechen mir aus der Seele, ich bin durch und durch unzufrieden und danke für diese ehrliche Bewertung.“

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Klaus Wießmann

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