Mercedes Einspritzdüsen: Fehlerhaftes Common-Rail-System verbessert

Mercedes C-Klasse T-Modell

Kleines Bauteil mit großer Wirkung: Der fehlerhafte Injektor eines neuen Common-Rail-Systems sorgte bei Mercedes für Ärger, vor allem in der C-Klasse. Jetzt gibts Mercedes Entwarnung, die Probleme seien behoben.

Das hatten sich die Daimler- Verantwortlichen ganz anders vorgestellt: Da präsentierten sie vor gut einem Jahr in der Mercedes C-Klasse einen völlig neuen Vierzylinder-Diesel, mit dem die über 70-jährige Diesel-Kompetenz in neuem Glanz erscheinen sollte.

Auto-Quiz: Wissen Sie mehr .... ???

Der OM 651 sollte seinen Vorgänger weit übertrumpfen

OM 651 heißt der Hoffnungsträger, der mit knapp 2,2 Liter Hubraum und maximal 204 PS bis hinauf zur Mercedes S-Klasse beweisen sollte, dass er in allem besser als sein Vorgänger ist: mehr Leistung und Drehmoment, weniger Emissionen und Verbrauch. Mit neu gestaltetem Brennraum, Zweifachaufladung und Abgasrückführung schafft der Neue selbst ohne aktive Stickoxid-Abgasnachbehandlung die strengen EU 5-Abgaslimits. Voraussetzung dazu ist eine moderne High-Tech-Einspritzung, die mit noch präziserem Einspritzverlauf und Drücken bis 2.000 bar die entsprechende Sprayqualität für eine effiziente Verbrennung bereitstellt.

Der Piezo-Injektor fiel reihenweise aus

Das modernste Konzept kam im Entwicklungszeitraum nicht von den üblichen Verdächtigen Bosch oder Conti, sondern vom US-Zulieferer Delphi. Dort hatte man ein Common-Rail-System mit direkt agierendem Piezo-Injektor entwickelt, bei dem die Düsennadel erstmals direkt vom Aktor und ohne die bisher übliche servohydraulische Betätigung bewegt wird. Doch genau dieser Piezo-Injektor fiel bei den ersten 220 CDI- und 250 CDI Motoren - vor allem in Mercedes C-Klasse-Modellen - gleich reihenweise aus. Erboste Kunden beklagten plötzlichen Leistungsabfall, die Motoren gingen ins Notlaufprogramm.

Anfangs wurde nur eine Einspritzdüse ausgetauscht

Nach dem nächsten Halt ließen sie sich häufig nicht mehr starten, was das Abschleppen in die Werkstatt notwendig machte. 4.500 von rund 30.000 ausgelieferten Motoren sind laut Mercedes betroffen. Wegen der Häufung der Injektorschäden sei anfangs oft nur das defekte Exemplar ohne Berücksichtigung weiterer Vorschädigungen ausgetauscht worden. Inzwischen seien jedoch die technischen Probleme behoben und die Werkstätten angewiesen, gleich alle vier Injektoren im Schadensfall auszutauschen.

Was war mit den Einspritzdüsen geschehen?

Die Delphi-Injektoren bieten zweifellos theoretische Vorteile, die in ihrem Bauprinzip liegen. Denn der 80 Millimeter lange Piezo-Stack, der mit 255 V angesteuert wird, liegt zentral im Injektorkörper und wird ringsum vom Kraftstoff unter hohem Druck umströmt. Das sorgt einerseits - vorteilhaft - für Kühlung, erfordert andererseits aber eine sichere elektrische Isolierung.

Angeblich kein Rückruf notwendig

Die soll eine Kunststoff-Ummantelung gewährleisten, die, so die Delphi-Entwickler, selbst der milliardenfachen Stack-Bewegung standhält. Eine wohl zu optimistische Einschätzung, zumal auch die Stack-Kontaktierung durch Dichtungsprobleme in Mitleidenschaft gezogen worden war. Kommentar der Mercedes-Verantwortlichen: Dies seien bedauerliche Anlaufprobleme der Serienfertigung gewesen, die durch Modifikationen bei Delphi nun beseitigt seien. Aktuell produzierte Autos haben die geänderten Injektoren eingebaut. Zu dem technischen Prinzip stehe man nach wie vor. Ein Rückruf sei übrigens nicht notwendig gewesen, da die Betriebs- und Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigt war: Die Autos blieben ja fahrbar, wenn auch im Notlaufprogramm.

Kommentare
Bild vergrößern
Klaus-Ulrich Blumenstock

Autor:

auto motor und sport, Heft 01 / 2010

Anzeige
Top Artikel
BMW 330d, Mercedes C250 CDI: Vergleich der Mittelklasse-Diesel

Biturbo-Vierzylinder aus Schwaben gegen Turbo-Sechszylinder aus Bayern - wer macht das Rennen? Zwei Diesel stellen sich dem Selbstzünder-Duell.


Mercedes: Neuer Super-Diesel

Gerade rechtzeitig zum 150. Geburtstag von Rudolf Diesel präsentiert Mercedes einen Vierzylinder- High-Tech-Selbstzünder, der neue Maßstäbe setzen soll.


Newsletter
Neuwagen suchen

Neuwagen zu Internet-Preisen

Konfigurieren Sie jetzt Ihr Wunschfahrzeug zu besonders günstigen Konditionen!

Aktuelle Ausgabe
auto motor und sport - Heft 5/2012
Ab jetzt im Handel auto motor und sport - Heft 05/2012
Sportauto
Tuner 0-300-0 km/h 2011: Tuning-Elite beim High-Speed-Test

Acht getunte Sportmodelle mit 5.481 PS nahmen beim Beschleunigungs- und Bremsentest 0-300-0 km/h teil.

Tuning-Elite beim High-Speed-Test
Motor Klassik
Opel Diplomat B V8: Groß-Projekt - Aufbau statt Schrottplatz

Ein schleudernder Mercedes verwandelt Steffen Exners Opel Diplomat in einen Totalschaden. Doch Exner baut ihn wieder auf.

Groß-Projekt - Aufbau statt Schrottplatz
4WheelFun
Kälte-Chaos für Dieselfahrer: Was tun, wenn der Diesel streikt?

Eiseskälte in Deutschland, und immer mehr Diesel-Fahrzeuge bleiben liegen. Woher kommt das und was lässt sich dagegen tun?

Was tun, wenn der Diesel streikt?
Alle Autos von A-Z
  • Loading...
  • Loading...