Hinterradlenkung: Lenken über vier Räder

Aktiv mitlenkende Hinterräder sollen die Fahrsicherheit und das Handling großer Autos verbessern. Doch ein grundlegend neues System zu entwickeln, wird für die Autobauer immer schwieriger.

Hinterradantrieb ist ein alter Hut

Auch die Allrad- oder Hinterradlenkung, angeboten im Renault Laguna GT und im BMW 7er , ist eigentlich ein alter Hut. Mercedes hatte bereits Ende der dreißiger Jahre das Modell 170 VL (Vierradlenkung) als so genannten Kolonial- und Jagdwagen im Programm.

Die Grundidee hinter diesem Konzept, ein Auto wendiger zu machen, hat sich bis heute erhalten. Beim 170 VL ging es freilich eher darum, ohne anzuecken durch den Wald zu pirschen. Bei den neuen Modellen steht die Verringerung des Wendekreises zwar immer noch oben an, aber in erster Linie geht es mittlerweile um bessere Handlichkeit in der Stadt und auf der Landstraße.

Gegenläufiges Einschlagen möglich

Dazu werden neue, vielseitigere Systeme entwickelt, die nicht nur das gegenläufige Einschlagen der Räder (bei Geschwindigkeiten unter 50 km/h) erlauben. Denn bei höherer Geschwindigkeit lenken alle vier Räder in die gleiche Richtung, um beispielsweise bei Überhol- oder Ausweichmanövern die Fahrstabilität zu verbessern.

Auch das ist nicht neu und wurde von Honda bereits in den späten siebziger Jahren im Prelude realisiert. Renault und BMW haben diese Technik nun wiederbelebt, wobei der Hinterrad-Lenkwinkel auf rund drei Grad beschränkt ist.

Laguna GT konnte sich im Test beweisen

Die beiden Hersteller nutzen nur einen elektrischen Verstellmotor an der Hinterachse, der auf spezielle Spurstangen wirkt und so die Räder schwenken kann. Prinzipiell gibt es auch Lösungen mit zwei Verstellmotoren.

Das funktioniert jedoch nur bei fahrendem Auto, weil vermieden werden soll, dass direkt am Randstein geparkte und damit im Stand blockierte Räder das System beschädigen könnten. Die Wirksamkeit seiner Allradlenkung konnte ein Laguna GT im auto motor und sport-Test bereits beweisen.

Hoher Komfort

Alle fahrdynamischen Übungen wurden von der Variante mit vier gelenkten Rädern schneller absolviert als vom spürbar träger agierenden frontgelenkten Pendant. Das Fahrverhalten des Laguna mit Allradlenkung blieb wesentlich länger neutral, die Untersteuerungs-Tendenz der Normal- Variante trat im direkten Vergleich stark hervor.

Der Wendekreis verringerte sich allerdings nur um wenige Zentimeter. Auch im BMW 7er sind die positiven Auswirkungen zu spüren. Lenken alle Räder, lässt er sich beinahe so handlich bewegen wie ein Kompaktwagen. Selbst in engen Kurven muss der Fahrer am Lenkrad nicht umgreifen. Zudem wankt die Karosserie weniger, was wiederum den Komfort für die Passagiere erhöht.

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Christian Bangemann

Autor:

auto motor und sport, Heft 02 / 2009

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