Werkstättentest Honda 2009: Nur 60 Prozent der Fehler behoben

Honda Werkstättentest 2009

"The Power of Dreams" lautet der Slogan, mit dem Honda für sich wirbt. Ein Traumergebnis schafften die Japaner beim Werkstätten-Test wahrlich nicht: Gerade mal 60 Prozent aller Mängel wurden behoben, die Hälfte der getesteten Werkstätten sind nicht oder nur bedingt empfehlenswert.

Deutschland feiert in diesem Jahr 20 Jahre Mauerfall. Und ebenso lange ist es her, dass auto motor und sport das letzte Mal Honda-Werkstätten geprüft hat: 1989 besuchte ein Honda Accord neun Werkstätten des japanischen Automobilherstellers, wobei die Ergebnisse sehr durchwachsen waren. Das Testprozedere hat sich in den 20 Jahren etwas geändert, doch ähnlich wie damals verteilen sich die Ergebnisse der Honda-Betriebe wieder stark auf die beiden Extreme: Erfreulicherweise konnten zwei von acht Werkstätten mit dem Prädikat "sehr empfehlenswert" versehen werden, doch immerhin drei fielen durch. Das Mittelfeld ist mit "empfehlenswert" und einem "bedingt empfehlenswert" vertreten, und die durchschnittliche Erfolgsquote bei der Behebung der Mängel liegt bei mageren 59,9 Prozent.

Alle Honda-Werkstätten entdeckten den Kühlwasserverlust

Woran hapert es? Die präparierten Mängel stellten die Werkstätten bei den in Auftrag gegebenen großen Inspektionen offensichtlich vor große Probleme. Immerhin drei Punkte vom Endergebnis verschenkten gleich sechs der getesteten Betriebe: Ausnahmslos bemerkten alle Autohäuser den Kühlwasserverlust und behoben ihn, doch nur das Autohaus Harke in Hamburg und Eckardt in Korb wiesen die Kunden auch darauf hin - Harke mündlich, während Eckardt sogar schriftlich auf der Rechnung vermerkte, dass man keine undichte Stelle gefunden habe und der Kunde das System daher im Auge behalten müsse. So gehört es sich für gute Werkstätten, denn der Kühlwasserkreislauf ist ein geschlossenes System, so dass es für austretende Flüssigkeit einen Grund geben muss.

Nur drei der acht Honda-Betriebe korrigierten die Scheinwerfer

Auch bei den verstellten Scheinwerfern - links nach unten und rechts seitlich nach innen - taten sich die Honda-Werkstätten schwer. Nur drei von ihnen korrigierten die Einstellung ordnungsgemäß. Bei den anderen war von komplettem und teilweisem Ignorieren über falsches Einstellen bis zum Beschädigen der Höhenverstellung jeder Fehler vertreten. Dabei sollte jeder Mechaniker am Messgerät leicht erkennen, wann sich die Einstellung im korrekten Bereich bewegt, und selbstverständlich gehört es zur Inspektion dazu, die Beleuchtung des Autos zu überprüfen.

Ausgehängte Bremsleitungen wurden übersehen

Neben funktionierender Beleuchtung gehört das Bremssystem zu den sicherheitsrelevantesten Einrichtungen am Auto. Da sollte man meinen, dass eine ausgehängte Bremsleitung auffällt, wenn das Auto gründlich von unten inspiziert wird. Seltsam: Auch diesen Mangel behoben nur drei der Betriebe korrekt. Die gleiche unbefriedigende Trefferquote gilt für die fehlende Schraube am Abschirmblech, die ebenfalls nur drei Betriebe - allerdings nicht immer jene, die die Bremsleitung wieder einhängten - bemerkt haben.

Der Reifencheck wurde von fast allen Honda-Werkstätten durchgeführt

Beim Reifencheck ist dagegen mehr Verlass auf Honda. Nur zwei Werkstätten bemerkten den abgesenkten Luftdruck hinten rechts sowie am Reserverad (bzw. das fehlende Tire-Fit) nicht: Honda Stierle in Stuttgart-Plieningen korrigierte nur am Reserverad, das Hinterrad blieb bei schwachen 1,7 bar. Das Kölner Autohaus Amian dagegen scheint den Kofferraum, in dem sich das Reserverad befand, gar nicht erst geöffnet zu haben - sonst hätte man dort auch gemerkt, dass die Kofferraumbeleuchtung defekt war.

Inspektionspunkte wurden vernachlässigt

Noch weniger Probleme bereiteten die verstellten Waschdüsen: Einzig die Leonberger Honda-Vertretung entdeckte nicht, dass die Frontscheibe rechts nicht in der richtigen Höhe benetzt wurde. Dieser Mangel ist zwar nicht so gravierend wie etwa die falsche Scheinwerferausrichtung, doch die Überprüfung der Düsen gehört ebenso wie die der Wischerblätter zur Inspektionsroutine. Eine defekte Beleuchtung des Kofferraums zu übersehen kann damit gleichgesetzt werden. Dass dieser nicht geöffnet wurde, ist eine grobe Schlamperei bei einer Inspektion. Außer dem Autohaus Amian in Köln braucht zum Glück keiner der geprüften Honda- Händler dieser Nachlässigkeit bezichtigt zu werden.

Bei den Preisen für die Inspektionen gab es große Unterschiede

Riesenunterschiede gibt es bei Honda nicht nur bei der Qualität der Arbeit, sondern auch bei den Preisen. Zwar war mit einem leichten Nord-Süd-Gefälle zu rechnen, aber die 573,66 Euro, die das Autohaus in Stuttgart-Plieningen ohne besondere Reparaturen auf die Rechnung setzte, sind wirklich ärgerlich. Hier wurde eben alles extra berechnet: Während Leistungen wie das Wechseln des Pollenfilters bei anderen Werkstätten im Inspektionslohn enthalten waren oder nur mit einem Betrag von unter zehn Euro berechnet wurden, verlangte Honda Stierle dafür 17,85 Euro. Ähnliches gilt für das Einstellen des Ventilspiels und die Erneuerung der Zündkerzen. Wenig verwunderlich auch, dass dieses Autohaus das teuerste Motoröl verwendete: 19,40 Euro wurden hier pro Liter verlangt - ohne den Kunden vorher nach der gewünschten Ölsorte zu fragen. In Dresden dagegen gab es den Liter Öl für 11,84 Euro, und dass auch Schwaben günstiges Öl verwenden können, bewies das Korber Autohaus mit einem Literpreis von 10,41 Euro.

Honda-Betriebe ohne Direktannahme schnitten meist schlechter ab

Nebst zuverlässiger Mängelbehebung zu angemessenen Preisen zeichnet sich ein gutes Autohaus auch durch eine verständliche Rechnung aus. Auffälligkeiten wie abgelaufene Erste-Hilfe-Kästen oder Bremsklötze, deren Verschleißgrenze bald erreicht sein wird, sollten ebenfalls schriftlich vermerkt werden. Für anstehende Reparaturen gibt es am besten gleich einen Kostenvoranschlag dazu. Neben den Honda-Werkstätten, die mit der Bewertung "Empfehlenswert" oder "Sehr empfehlenswert" versehen wurden, hielt sich an diesen Grundsatz auch das Autohaus Klemm in Leonberg. Doch fiel dieser erst mal seriös und kompetent wirkende Betrieb bei der Behebung der präparierten Mängel durch.

Auch wenn das Autohaus Eckardt in Korb - wo sich erst bei der Abholung ein Meister blicken ließ - ohne Direktannahme das beste Testergebnis erzielte: In einer zuverlässigen Werkstatt beginnt der Besuch mit einer Direktannahme. Die Betriebe, in denen einfach Wagenpapiere und Schlüssel bei einer Servicekraft am Empfang abgegeben wurden, schnitten meist schlechter ab. Die paar Minuten, die man dadurch spart, machen sich also nicht bezahlt. Die Ausnahme bildet hier wieder der Leonberger Betrieb: Der Meister besichtigte das Auto mit den Kunden, und trotzdem war das Testergebnis schlecht.

Alle Werkstättentests 2008/2009

An Freundlichkeit hat es keiner der Honda-Werkstätten gemangelt

Erfreulich selten tauchen bei Honda Kassenfüller auf. Nur der Hamburger und der teure Stuttgarter Betrieb setzten Scheibenklar auf die Rechnung, während bei der Augsburger und der Leonberger Werkstatt überflüssigerweise ein paar Euro für Frostschutzmittel anfielen. Das eigentlich sehr günstige Autohaus Rausch in Dresden, das auch in Sachen Freundlichkeit und Service viel Positives bot, berechnete zudem ein Pflege- und Servicepaket (Alu-Zinkschutz, Polierspray, Kupfer u.ä.) mit knapp 14 Euro. Apropos Freundlichkeit: Da gab es spürbare Unterschiede. Das liegt aber daran, dass einige Betriebe ihre Kunden überdurchschnittlich zuvorkommend behandelten. Einen Mangel an Freundlichkeit kann man keiner der getesteten Honda-Werkstätten nachsagen. Nur ist es damit bei einer Werkstatt leider nicht getan - auch nicht, wenn ihre Markenwurzeln im Land des Lächelns liegen.

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Katharina Hübner

Autor:

auto motor und sport, Heft 16 / 2009

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