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Hybrid

Mit Mehr-Blick

Foto: Foto: Hersteller 6 Bilder

Zur Hybridtechnik haben die deutschen Autobauer ein zwiespältiges Verhältnis. Man wollte nicht ran an die teure, komplexe Technologie und stellte überhaupt ihren Nutzen in Frage. Dennoch bietet der Hybrid ungeahnte Chancen zur Entwicklung neuer Technologien.

24.11.2006

Wenn auch viele der vorgebrachten Argumente heute noch gelten, so hat man doch inzwischen eingesehen, dass am Hybrid kein Weg vorbeiführt. Die unprofessionelle Art, mit der hierzulande die Hybridentwicklung betrieben wurde und immer noch wird, spricht nicht unbedingt von großer Überzeugung. Tief in die Diesel-Entwicklung verstrickt, kam ein aufwendiges, aber im Hinblick auf die CO2-Belastung mindestens gleichwertiges Antriebskonzept höchst ungelegen. Vor allem aber hat man nicht rechtzeitig die Möglichkeiten erkannt, die in der Hybridtechnologie insgesamt stecken.

Wäre dies der Fall gewesen, so hätten die sonst so findigen deutschen Ingenieure wahrnehmen müssen, dass im Umfeld der Hybridentwicklung neue Technologien reifen, die das Automobil auch ohne zusätzlichen Elektroantrieb voranbringen, es sparsamer und umweltfreundlicher machen. Denn der Hybrid motiviert dazu, all jene Dinge zu entwickeln oder voranzutreiben, die man zum Teil ohnehin geplant hatte, aber aus Kostengründen immer wieder verschoben hat.

Beispiel Bordnetz

Seit Jahren basteln die Deutschen am leistungsfähigeren 42-Volt-Bordnetz herum, ohne dass es in Serie ging. Mit dem Hybrid hält es Einzug, Spannung nach oben offen. Auch die Vereinigung von Anlasser und Lichtmaschine zum leistungsfähigen Starter/Generator ist ein Abfallprodukt der Hybridtechnik. Damit startet nicht nur der Motor leichter und unspektakulärer, auch spritsparende Start-Stopp-Systeme sowie die Energie-Rückgewinnung (Rekuperation) lassen sich damit realisieren. Voraussetzung hierfür ist natürlich eine leistungsfähige Batterie und ein intelligentes Energiemanagement.

Auch hier agiert der Hybrid als Protagonist für neue Technologien, wie zum Beispiel bei den Lithium-Ionen-Batterien. Ohne sie würden wir noch Jahre mit den antiquierten, säuregefüllten Bleiakkumulatoren fahren, die in anderen Produktbereichen längst durch leistungsfähigere und kompaktere Stromspeicher ersetzt wurden. Ein weiteres, bisher nur wenig beachtetes Nebenprodukt wäre die Entrümpelung des Motors von all seinen Nebenaggregaten, die mit Riemen oder Ketten angetrieben werden. Lenkservo, Klimakompressor, Kraftstoffpumpe und Wasserpumpe, ja sogar die Ölpumpe ließen sich elektrisch und damit spritsparender betreiben. Dann würden sie jeweils nur noch nach Bedarf aktiviert. Auch die elektromagnetische Ventilsteuerung hätte dann eine Chance auf Realisierung und würde damit ein weiteres Sparpotenzial eröffnen – ganz abgesehen vom Entfall der Nockenwellen und ihrem aufwendigen Antrieb.

Ganz generell liefe der Motor, endlich befreit von seinen leistungsfressenden und störanfälligen Nebenantrieben, eine ganze Ecke sparsamer. Als angenehmes Nebenprodukt wären Dynamik und Ansprechverhalten besser und der Leistungszuwachs nicht nur mess-, sondern auch spürbar. Und der elektrisch unterstützte Turbo könnte all die komplizierten Doppellader-Systeme entbehrlich machen. Das Beste daran: Die elektrische Energie für den Antrieb der Nebenaggregate gäbe es dank Rekuperation umsonst.

Toyotas Vollhybriden bauen auf die Kraft der Bremse

Selbst die elektrohydraulische Bremse, kürzlich bei Mercedes wegen Unzuverlässigkeit in Ungnade gefallen, hätte wieder eine Chance. Die Vollhybriden von Toyota jedenfalls greifen alle auf dieses System zurück. Und vielleicht ist ja in absehbarer Zeit die vollelektrische Bremse serienreif. Auch hierbei könnte also der Hybrid Schrittmacher sein. Nicht zuletzt hat die Hybridtechnik von Toyota auch gezeigt, welches Sparpotenzial intelligente Getriebe eröffnen. Denn erst die Betriebspunktverlagerung des Verbrennungsmotors macht den Toyota-Hybrid zum sparsamsten Vertreter seiner Gattung.

Verantwortlich dafür ist das elektrisch vom Motormanagement gesteuerte CVT, Kernstück der Toyota-Hybridtechnik, das den Verbrennungsmotor so oft wie möglich im Kennfeldbereich mit optimalem Wirkungsgrad arbeiten lässt. Gut denkbar, dass intelligente Getriebe selbst ohne elektrischen Antrieb in der Lage sein werden, dies künftig zu leisten.

Und wer all die kollateralen Abfallprodukte der Hybridtechnik konsequent umsetzt, könnte womöglich einen Antrieb bauen, der auch ohne elektromotorische Unterstützung eine ganze Dimension sparsamer und umweltfreundlicher ist als heutige Aggregate. Das ist doch eine Chance.

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