Internet im Auto: Web-Surfen über Mobilfunk

Internet im Auto

Schnelle digitale Mobilfunksysteme ermöglichen auch im Auto den Zugriff auf das World Wide Web. Noch steckt der integrierte Internetzugang ab Werk aber in den Kinderschuhen.

Wer heute auf das komplette Internet zugreifen will, muss sich längst nicht mehr auf stationäre Verbindungen verlassen. Die moderne Mobilfunktechnik erlaubt inzwischen mit schnellen Datenübertragungssystemen auch unterwegs einen vollwertigen Zugriff. Im Auto gehört der ab Werk integrierte Internetzugang jedoch zu den absoluten Exoten.

BMW-Online schon Realität

Hauptsächlich BMW hält seit den Hype-Tagen um das www-Auto Anfang dieses Jahrtausends mit seinem Connected-Drive-Programm ab Werk die abgespeckte Online-Fahne hoch. Seit Sommer 2008 ist für viele BMW-Modelle ein fast vollwertiger Internet-Zugang erhältlich. Die Adresseingabe erfolgt über den i-Drive-Controller und ein stilisiertes Buchstaben-Wählrad auf dem 16:9-Farbdisplay. Sie ist aber während der Fahrt gesperrt. Als digitale Datenübertragungstechnik kommt EDGE (Enhanced Data Rates for GSM Evolution) zum Einsatz. Dafür muss das Auto über ein eingebautes GSM-Mobilfunksystem verfügen.

EDGE erreicht zwar mit maximal 220 Kilobit/s Datentransferrate (schwankt je nach Anbieter und Empfangssituation stark) nicht die Werte von UMTS (Universal Mobile Telecommunications System), seine Abdeckung in ländlichen Gebietet ist aber deutlich höher als beim hauptsächlich städtisch ausgestrahlten UMTS. Aus Sicherheits- und Datenkapazitäts-Gründen schickt BMW die vom Autofahrer angeforderten Webseiten zuerst durch einen zwischengeschalteten Vermittlungs-Rechner (Proxy-Server). In diesem werden sicherheitskritische Inhalte und besonders große Datenmengen, wie sie zum Beispiel beim Herunterladen von You Tube-Videos entstehen, herausgefiltert. Wie sich das System in der Praxis bewährt, zeigte bereits ein erster Test im Vergleich mit dem Apple iPhone, hier auf auto-motor-und-sport.de.

UMTS deutlich schneller

Aktuell erreicht das EDGE-BMW-System nur langsame Zugriffswerte. Besonders schnelle Übertragungssysteme wie UMTS/ HDSPA oder der ab 2012 im Aufbau befindliche UMTS-Nachfolger LTE (Long Term Evolution) sollen zu drastisch besseren Ladegeschwindigkeiten führen. Für LTE sind bis zu 100 Megabit/s geplant, womit es so schnell wäre wie aktuelle WLAN-Systeme.

Mercedes plant mit "my Comand"

Auf der Basis von LTE hat Mercedes vor, ab 2015 Daten fast völlig aus dem Auto zu verbannen und dafür über eine rein internetbasierte Multimedia-Einheit (my Comand) online herunterzuladen. Internetradio, tagesaktuelle Navigationskarten und der Zugriff auf Musikdatenbanken wären damit möglich. Die Sprachsteuerung soll dann so weit sein, dass Adress- und Sucheingaben über sie zügig möglich und optische Medien wie die CD überflüssig sind.

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Alexander Bloch

Autor:

auto motor und sport, Heft 04 / 2009

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