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Keramikbremsen

Aus Sand gebaut

Foto: Hans-Dieter Seufert 10 Bilder

Audi RS4 und Porsche Carrera 4S können mit Keramikbremsen ausgerüstet werden. Ein hartes Testprogramm soll zeigen, ob sich die hohen Aufpreise lohnen.

01.09.2006

Wenn etwas schief geht oder man einer Sache nicht viel zutraut, wird das oft mit der Redewendung kommentiert, sie sei "auf Sand gebaut“ und besitze deshalb wenig Standfestigkeit. Etwas, das man bei Bremsen für Sportwagen und Hochleistungslimousinen auf jeden Fall vermeiden will.

Und trotzdem soll Sand in diesem Fall sogar helfen, die Standfestigkeit zu verbessern. Denn die Keramik-Bremsscheiben, die für den Porsche Carrera 4S an allen vier Rädern und für den Audi RS4 an der Vorderachse gegen saftige Aufpreise von 7.830 beziehungsweise 5.800 Euro angeboten werden, bestehen zu einem Großteil aus Silizium, das wiederum aus Quarzsand gewonnen wird.

Ob diese Keramikbremsen aus carbonfaserverstärktem Siliziumcarbid tatsächlich den härtesten Belastungen standhalten und wie die serienmäßige Grauguss-Bremse des Audi RS4 sich unter den gleichen Bedingungen verhält, hat auto motor und sport mit einem speziellen Testprogramm überprüft. Denn die Keramikbremsen sollen neben halbiertem Gewicht und sechsfacher Lebensdauer (300.000 km) gegenüber herkömmlichen Grauguss-Bremsen vor allem einen unter hoher Belastung stabileren Reibwert bieten. Und damit das Fading, wie das Nachlassen der Bremswirkung bei hoher Beanspruchung genannt wird, verhindern.

Trotzdem zeigt der Audi mit Keramikbremsen beim verschärften Fadingtest mit zehn Vollbremsungen in Folge aus 190 km/h mit voller Zuladung eine ähnliche Tendenz zu länger werdenden Bremswegen wie der konventionell ausgerüstete RS4. Der braucht im Schnitt jedoch rund einen Meter mehr bis zum Stillstand. Vom kritischen Bereich sind aber beide weit entfernt.

Noch besser setzt sich der Porsche mit Keramikbremsen in Szene. Er erreicht die kürzesten Bremswege und zeigt zudem keine Fading-Tendenz. Die Schwankungen in den Werten können – wie auch bei den beiden Audi – auf kleine Unterschiede in der Fahrbahnbeschaffenheit der Messstrecke zurückgeführt werden, die sich bei dem hohen Tempo stärker auswirken als beim Bremsen aus 100 km/h.

Porsche im Härtetest vorn

Einen Härtetest der besonderen Art stellt die so genannte Touristenabfahrt auf der Großglockner-Hochalpenstraße dar. Hierbei wird die rund zwölf Kilometer lange Gefällstrecke mit voller Zuladung und durchschnittlich 50 km/h im großen Gang absolviert und das Tempo nur mit der Fußbremse reguliert, anstatt die Motorbremswirkung auszunutzen. Am Ende der Abfahrt erfolgt eine Vollbremsung aus 100 km/h bei etwa acht Prozent Gefälle. Alle drei Testkandidaten haben auch diese Prüfung, die sonst nur im Rahmen des alljährlichen großen auto motor und sport-Bremsentests durchgeführt wird, mit Bravour und ohne besonderen Stress bestanden, wie die moderaten Bremsscheiben-Temperaturen verraten.

Ganz vorne ist wieder der Porsche, der mit nur 37 Metern neue Maßstäbe setzt. Aber auch die beiden RS4 bleiben noch unter 45 Metern, der Bestmarke im letztjährigen Bremsentest. Mit 43 Metern benötigt der RS4 mit Keramikbremse noch einen geringfügig längeren Bremsweg als das Serienmodell mit 42 Metern.

Keramikbremse: Verzögertes Ansprechen bei Nässe

Beim dritten Test geht es um das Ansprechverhalten bei Nässe. Eine Wasserdurchfahrt soll die Bremsscheiben so benetzen, wie das bei einer längeren Regenfahrt auch der Fall ist. Hier zeigt sich, dass Keramikbremsen auch Nachteile haben. Denn nach der Wasserdurchfahrt dauert es rund eine Zehntelsekunde länger, bis der Wasserfilm auf der Bremsscheibe verdrängt ist und die Verzögerung einsetzt. Trotz dieser kurzen Zeit nimmt der Fahrer dieses Verhalten sowohl beim Porsche als auch beim Audi RS4 mit Keramikbremsen als verzögertes Ansprechen wahr.

Das ist aber der einzige Fleck auf der weißen Weste der Keramikbremsen. Ansonsten zeigen sie selbst unter den verschärften Testbedingungen keine Schwächen. Erstaunlich ist jedoch, wie wacker sich auch die serienmäßige Bremse im Audi RS4 schlägt. Die Unterschiede zur sehr teuren Keramikbremse sind also eher gering. Deshalb hat man auch mit der Grauguss-Bremse nicht auf Sand gebaut. Im Preis-Leistungs-Verhältnis ist sie in diesem Fall ohnehin unschlagbar.

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