Kindersitz-Crashtest 2011: Drei von neun fallen durch

Traurige Bilanz nach dem diesjährigen auto motor und sport-Crashtest: Von neun Kindersitzen schützen nur sechs unsere kleinsten Mitfahrer ordentlich. Drei Modelle fallen durch.

Wie wichtig ist uns die Sicherheit von Kindern? Fragt man zehn Eltern, bekommt man zehn Mal dieselbe Antwort: Hoch! Aus diesem Grund gibt‘s für die jüngsten Familienmitglieder eigene Autositze - für die normalen sind ihre Körper schlicht zu klein. 1993 hat der Gesetzgeber festgelegt, dass Kinder bis zu ihrem zwölften Lebensjahr (sofern sie dann noch kleiner als 150 cm sind) nur unter Verwendung eines zugelassenen Rückhaltesystems im Auto mitfahren dürfen.

Steht auf einem neuen Kindersitz die Prüfnorm ECE R 44/03 oder ECE R 44/04, gilt er als sicher. Wirklich? Als der Golf mit 51 km/h frontal auf ein Hindernis prallt, ist die Prüfnorm der Concord Intense-Babyschale vergessen - die beiden Isofix-Befestigungshaken halten die plötzliche Verzögerung mit 31g nicht aus, geben nach und verwandeln die Schale in ein tödliches Flugobjekt.

Grausames Schauspiel beim Kindersitz-Crashtest

Das grausame Schauspiel trägt sich beim diesjährigen auto motor und sport-Kindersitz-Crashtest zu, bei dem die Anforderungen etwas höher sind als bei den ECE-Normen. Warum? Weil wir nach fast 20 Jahren Crashtest-Erfahrung wissen, dass moderne Autos deutlich steifer geworden sind. Bei einem Frontalaufprall – immer noch die häufigste Unfallursache – kommt es dadurch zu einer höheren Verzögerung und einem kleineren Deformationsweg. Für einen Kindersitz heißt das, er muss bei solch einem Unfall für kürzere Zeit höhere Kräfte aushalten können. Der Concord Intense schafft das nicht – als einzige von fünf Babysitzschalen.

Weitere drei – Cybex Aton, Maxi Cosi Pebble und Recaro Young Profi – wurden ebenfalls mittels Isofix-Befestigungsschalen mit dem Auto verbunden. Für den BeSafe IziGo gibt‘s diese Technik nicht, er wurde vom Autogurt gehalten. Auch wenn sich die Belastungen der vier genannten Sitze bei Kopf, Hals und Brust nicht groß unterscheiden und alle "empfehlenswert" sind – in der Praxis hinterlässt der Einbau mit Isofix einen sichereren Eindruck, da sich die Schalen während des Unfalls kaum bewegen.

Teurer Römer Kidfix nur bedingt empfehlenswert

Das Ergebnis der vier größeren Rückhaltesysteme ist noch erschreckender: Von vier Kindersitzen bekommen zwei – die Sitzerhöhung vom Wühltisch und der Storchenmühle Taos – das Prädikat "nicht empfehlenswert". Der teure und hochwertig anmutende Römer Kidfix beendet den Test mit "bedingt empfehlenswert". Zehn Euro für eine Kindersitzerhöhung aus dem Baumarkt klingen sehr verlockend, schließlich baumelt auch an dem lieblos überzogenen Styroporkissen die wichtige ECE-Norm. Im Crashversuch hat der Gurt des Autos keine Chance, das Kissen an seinem Platz zu halten. Es rutscht unter dem Dummy hervor, während der Fahrzeuggurt Bauch und Hals des Kindes gefährlich verletzen kann – klarer Fall: durchgefallen.

Beim handlich leichten Kindersitz Taos von der Firma Storchenmühle ist es der Fahrzeuggurt, der aus der Schulterführung rutscht. Dadurch kann sich der Dummy unkontrolliert nach vorn bewegen. Danach wird er abrupt abgebremst, klappt wie ein Taschenmesser zusammen und misst gefährlich hohe Verletzungen im Halsbereich.

Nur fünf von neun Kindersitzen können überzeugen

Ähnlich verhält es sich beim Kidfix von Römer. Obwohl die Gurtführung einen deutlich höherwertigen Eindruck macht, rutscht der Gurt durch und gibt dem Dummy etwas Bewegungsfreiheit – so dass die Belastung im Brustbereich zunimmt. Da die Messwerte niedriger als beim Taos von Storchenmühle sind, erhält der Sitz ein "bedingt empfehlenswert".

Fazit des 19. auto motor und sport-Kindersitz-Crashtests: Von neun Rückhaltesysteme können nur fünf überzeugen. Drei fallen durch. Da nützt es auch nichts, dass alle Bedienungsanleitungen (abgesehen von der Sitzerhöhung, die hat keine) verständlich sind und das Einbauen der Sitze nach ein klein wenig Übung gut von der Hand geht. Denn das Resultat ist traurig und frustrierend zugleich, da alle Sitze die anfangs erwähnte ECE-Prüfung bestanden haben.

Doch das bedeutet – wie unser Crash aus Tempo 51 zeigt – im schlimmsten Fall nicht viel. Und offenbart eine bittere Wahrheit: Beim Kauf eines Kindersitzes sollte man sich nicht allein auf die Prüfnorm verlassen, sondern auf harte Tests wie den von auto motor und sport.

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Dani Heyne

Autor:

auto motor und sport, Heft 21 / 2011

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