Kindersitz-Crashtest: Zehn Kindersitze der Gruppen I und II-III

Zehn neue oder verbesserte Kindersitze der Gruppen I und II-III sind zum auto motor und sport-Crashtest 2008 angetreten. Sehr guten Schutz bieten nur zwei, acht zeigen im Detail noch Verbesserungs-Potenzial.

80.000 Euro teure Dummies

Auf stählernen Rädern kommt der Crashschlitten mit der darauf montierten Golf-Karosserie angerast. Im Schlepp ein fünf Zentimeter dickes Kabel, über das die Dummy-Daten zum Computer übertragen werden. Mit einem lauten Rumms kommen Schlitten und Karosse zum Stehen, das lange Kabel schießt zischend ein paar Meter weiter. Dann herrscht Ruhe in der Halle. Der 80.000 Euro teure Dummy sitzt noch, wenn auch etwas schief, der Kindersitz ist intakt geblieben. Tatsächlich war in dieser Crashtest-Serie bei keinem Sitz ein Versagen zu beobachten - die erste gute Nachricht.

Wie die Sitze schützen, dafür gibt es freilich unterschiedliche Lösungen. Bei den vier Sitzen der Gruppe I - für Kinder von etwa neun Monaten bis vier Jahre - kommen zwei grundverschiedene Techniken zum Einsatz.

Kindersitz-Crashtest: Die Kandidaten
Kindersitz-Modell Gruppe Ergebnis im Detail
Besafe IziComfort X1 Isofix Gruppe I empfehlenswert
Maxi Cosi Priorifix Gruppe I empfehlenswert
Römer Safefix Plus Gruppe I bedingt empfehlenswert
Kiddy Infinity Pro Gruppe I bedingt empfehlenswert
Concord Lift Evo PT Gruppe II-III bedingt empfehlenswert
Cybex Solution X Gruppe II-III bedingt empfehlenswert
Kiddy Contour Gruppe II-III bedingt empfehlenswert
Römer Kidfix Gruppe II-III bedingt empfehlenswert
Recaro Monza Seatfix Gruppe II-III bedingt empfehlenswert
Storchenmühle Ipai Gruppe II-III bedingt empfehlenswert

Isofix mit Vor- und Nachteilen

Drei Mal wird der Dummy von einem Fünfpunktgurt gehalten (Besafe Izi Comfort X1 Isofix, Maxi Cosi Priorifix, Römer Safefix Plus), ein Mal sorgt ein Fangtisch (Kiddy Infinity Pro) dafür. Nur beim Kiddy spielt in dieser Gruppe der Auto-Sicherheitsgurt eine Rolle, denn er befestigt sowohl den Sitz als auch den Fangtisch. Die drei anderen Kandidaten können zwar ebenfalls mit dem Autogurt eingebaut werden, verfügen aber alle über Isofix-Befestigungen, die auch genutzt wurden. Isofix hat Vor- und Nachteile. Der hohe technische Aufwand macht die Sitze teuer, schwer und mit ausgeklapptem Stützfuß extrem sperrig. In den Fond eines Zweitürers bekommt man so einen Sitz nur mit Verrenkungen. Der Einbau an sich ist dann aber sehr einfach, weil nur die Isofix-Befestigungszungen in die Stahlbügel in der Rücksitzbank gedrückt werden müssen.

Dann wird der Kindersitz auf seiner Grundkonsole ganz an die Banklehne geschoben - fertig. Man braucht keinen Gedanken an die Gurtführung zu verschwenden, auch ein Nachspannen des Autogurts entfällt völlig. Ein Isofix-Sitz ist, einmal eingebaut, immer optimal mit dem Auto verbunden. Das schafft ein messbares Sicherheitsplus, wie der Besafe Izi Comfort X1 zeigt. Beim letzten Crashtest ist er in der Version ohne Isofix angetreten und schrammte nur ganz knapp am Top-Ergebnis vorbei. Mit der starren Befestigung verbessern sich alle Belastungswerte.

Sechs Mal "bedingt empfehlenswert"

Trotz der harten Crashbedingungen wären im Izi Comfort X1 Isofix keine nennenswerten Verletzungen zu befürchten. Es überrascht nicht, dass der zweite empfehlenswerte Sitz, der Maxi Cosi Priorifix, ebenfalls über eine Isofix- Anbindung an das Auto verfügt, in ihm genießt ein Kind auch hier besten Schutz. Der Römer Safefix Plus mutet dagegen der Dummy-Brust ein etwas höheres Verletzungsrisiko zu. Mehr als Rippenprellungen sind jedoch nicht zu erwarten.

Schwere Blessuren wird ein Kind im Kiddy Infinity Pro ebenfalls nicht erleiden. Der Sitz mit Fangtisch verpasst das Spitzenergebnis mit leicht erhöhter Hals- und Kopfbelastung. Weil der Dummy mit Kinn und Nase auf den Fangtisch prallt, liegt der HIC, das Maß für die Kopfbelastung, allerdings höher als bei der Konkurrenz. Sechs Mal "bedingt empfehlenswert" als Testergebnis bei Sitzen der Gruppe II-III, die von etwa drei bis zwölf Jahren mitwachsen, scheint indes enttäuschend zu sein. Denn alle Sitze sind entweder ganz neu oder zumindest überarbeitet und nach der aktuellen Norm ECE R 44/04 zugelassen. Müsste da nicht überwiegend ein "empfehlenswert" als Resultat herauskommen?

Eigentlich schon, aber bei dieser Gruppe beeinflusst der Autosicherheitsgurt das Testergebnis wesentlich stärker als bei den Isofix-Sitzen für die kleinen Kinder. Hätte der Golf auf der Rückbank nämlich einen Gurtkraftbegrenzer - auf den Vordersitzen ist er mittlerweile Standard -, lägen die Belastungen für die Dummy-Brust auf einem niedrigeren Niveau. Leider sind solche Kraftbegrenzer im Fond aber in fast keinem Auto vorhanden.

Autogurte: Nachbesserung bei Gurten nötig

Da kann der Kindersitz noch so gut sein - die unnachgiebigen Autogurte belasten die kindliche Brust unerfreulich hoch. Hier sollten die Auto-Hersteller schleunigst nachbessern. Vier Sitze (Concord Lift Evo PT, Cybex Solution X, Kiddy Contour und Römer Kidfix) überzeugen mit niedrigen Verletzungsrisiken für Kopf und Hals. Der Schutz dieser wichtigen Körperteile ist exzellent, selbst bei Unfällen mit 50 km/h. Die Brustbelastungen - in keinem Fall ist Schlimmeres als eine Prellung zu erwarten - vermasseln aber ein Abschneiden mit Top-Resultat.

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Christian Bangemann

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