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Kindersitz Test 2015 (Gruppe I)

Transport in der Übergangsphase

Kindersitz-Test 2015 - Teil 2 Foto: Dino Eisele 20 Bilder

Wie sicher lassen sich die Kleinen im Alter zwischen neun Monaten und vier Jahren im Auto befördern? Verschiedene Kindersitze der Gruppe I im großen Crashtest.

17.11.2015 Annette Napp

Die Anspannung steigt, als der Kindersitz Multi-Tech II von Britax Römer an der Reihe ist. Nicht der bevorstehende Crashtest bereitet Sorgen, sondern der Einbau in die Crash-Karosserie. Schon beim Auspacken fallen die vielen Gurte und Schnallen ins Auge, die einen komplizierten Umgang verheißen. Immerhin ist der Sitz aber ein kleines Multitalent. Denn er befördert Kinder zwischen 9 und 25 Kilogramm, also bis etwa sechs Jahre – und zwar vorwärts- und rückwärtsgerichtet. Obwohl er damit auch für die Sitzgruppe II zugelassen ist, beschränkt sich der Test jedoch auf die Gruppe-I-Anforderungen.

Crashschlitten simuliert Unfall mit 50 km/h

Für die Crashversuche wartet deshalb ein Q3-Dummy auf seine Einsätze, der einem dreijährigen Kind entspricht. Als Erstes stellt der Multi-Tech II als Reboarder seine Sicherheit unter Beweis. Bevor der Crashschlitten mit rund 50 km/h auf das Hindernis knallt, nimmt jedoch der Einbau über eine Stunde Zeit in Anspruch. Nur mit Hilfe von Anleitung und Online- Video gelingt es, alle Gurte sicher zu verspannen und den richtigen Winkel des Stützfußes zu finden. Vor dem Kauf sollte unbedingt ein Probe-Einbau klären, ob der Sitz auch ins eigene Auto passt. Ein Blick in die Typenliste klärt zudem, auf welchen Sitzplätzen der Einbau erlaubt ist. Rückwärtsgerichtet überzeugt der Britax Römer beim Crash, alle Messwerte liegen im grünen Bereich. Beim zweiten Versuch, vorwärts eingebaut, sieht das jedoch anders aus. Die nicht ganz plausibel erscheinende Gurtführung hält den Sitz nur im Beckenbereich, Kopf und Oberkörper klappen beim Aufprall weit nach vorne. Die große Vorverlagerung zeigt ein erhöhtes Verletzungsrisiko. In dieser Einbaulage lautet das Urteil daher: Nur bedingt empfehlenswert.

Ebenso ergeht es dem Chicco Oasys 1 Isofix, wobei das Ergebnis andere Gründe hat. Da die Sitzschale nur in Verbindung mit Isofix-Haken und Top-Tether-Gurt eingebaut werden darf, ist sie sehr straff mit dem Fahrzeug verbunden und lässt wenig Vorverlagerung zu. Die starke Rückhaltewirkung führt aber zu erhöhten Messwerten im Kopfbereich, die auf ein ebenfalls erhöhtes Verletzungsrisiko schließen lassen. Zwar erfüllt der Sitz die Anforderungen der Norm ECE R 44, doch verschiebt man die Anforderungen etwas nach oben, zeigt der Chicco Schwächen. Die von auto motor und sport sowie dem TÜV Süd gewählten Einstellungen liegen nur knapp über der Norm und entsprechen einem Unfallszenario, das häufig in der Realität eintritt.

Kindersitz Phoenixfix pro 2 mit Fangtisch

Dass die Anforderungen durchaus erfüllbar sind, beweist der Kiddy Phoenixfix pro 2 – alle Messwerte liegen im grünen Bereich. Seine Besonderheit ist der Fangtisch, der das Kind im Bereich des Oberkörpers großflächig und sicher zurückhält. Zwar bewegt sich der Kopf beim Aufprall weit nach vorn und berührt den Fangtisch leicht, jedoch ohne messbaren Aufschlag. Problematisch kann dieses System dennoch sein.

Nicht alle Kinder akzeptieren den voluminösen Vorderbau vor ihrem Bauch. Wenn Sie den kleinen Mitfahrer aber von dem Sitz überzeugen können, ist er eine Empfehlung. Der Umgang lässt kaum Wünsche offen. Der leichte und angenehm gepolsterte Kindersitz ist schnell und problemlos in jedes Auto eingebaut, denn er darf sowohl mit als auch ohne Isofix-Haken verwendet werden. An die Größe des Kindes passt er sich dank herausnehmbarem Sitzkissen und höhenverstellbarer Kopfstütze schnell an. Und noch etwas spricht für den Sitz: Er ist der günstigste Vertreter im Test.

Diese Kindersitze haben wir getestet
Britax Römer Multi-Tech II (Reboard)
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Welcher Sitz passt zu meinem Kind?

Für Kinder bis zwölf Jahre und 1,50 Meter Körpergröße ist in Deutschland ein Kindersitz vorgeschrieben. Die Zulassungsnorm ECE R 44 unterteilt die Rückhaltesysteme nach dem Gewicht des Kindes in fünf Gruppen: Gruppe 0 für Babys bis zehn Kilogramm (Alter: rund neun Monate), Gruppe 0+ für Babys bis 13 kg (rund 18 Monate), Gruppe I für Kinder zwischen 9 und 18 kg (neun Monate bis vier Jahre), Gruppe II für Kinder zwischen 15 und 25 kg (drei bis sieben Jahre) und Gruppe III für Kinder zwischen 22 und 36 kg (sechs bis zwölf Jahre). Seit 2013 gilt parallel die UNECE R 129, auch i-Size genannt, bei der die Körpergröße entscheidend ist. Wichtig ist zudem, dass der Hersteller den gewünschten Sitz für das jeweilige Auto freigegeben hat. Vor allem bei Isofix-Systemen kann es Einschränkungen geben.

So haben wir getestet

Seit über 20 Jahren testet auto motor und sport zusammen mit dem TÜV Süd Kindersitze. Um einen Frontalaufprall zu simulieren, wird die Crash -Karosserie eines Golf V aus über 50 km/h mit dem bis zu 31-Fachen der Erd beschleunigung abgebremst. Zum Vergleich: Die Zulassungsnorm ECE R 44 verlangt nur Werte bis maximal 28 g. Zum Praxistest standen Mazda 2, Opel Zafira Tourer und Renault Grand Kangoo für den Einbau bereit. Bewertet wurden dabei Handling, Komfort für das Kind und wie verständlich die Anleitung ist.

Fazit

Den Stützfuß penibel im angegebenen Winkel positionieren, zwei Gurte kompliziert um den Vordersitz schlingen und den Fahrzeuggurt durch versteckte Laschen am Sitz fädeln: Während einigen der Aufwand für den Einbau zu groß ist, freuen sich andere wegen der Flexibilität des Multi-Tech II. Immerhin kann er in beiden Fahrtrichtungen eingebaut werden und bis zum sechsten Lebensjahr im Einsatz bleiben (danach ist allerdings die Versuchung groß, auf eine einfache Sitzerhöhung auszuweichen, die jedoch kaum Sicherheit bietet). Zu bemängeln bleibt die große Vorverlagerung im Vorwärts-Einbau.

Auch der Chicco Oasys 1 Isofix überzeugt im Crash nur bedingt. Noch dazu kommt er durch den Top-Tether-Gurt für viele ältere Autos gar nicht in Frage. Der Kiddy Phoenixfix pro 2 dagegen beendet diesen Test als Empfehlung. Er passt universell in jedes Auto, ist leicht, günstig, und sicher, sofern das Kind den Fangtisch akzeptiert. Blind kaufen sollte ihn aber niemand. Wie bei jedem Sitz gilt: Testen Sie den Einbau im eigenen Auto und lassen Sie Ihr Kind Probe sitzen. Nur wenn alles passt, schützt ein Sitz dauerhaft gut.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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