Lexikon: Aktivlenkung

Unabhängig vom Fahrer kann eine Aktivlenkung den Einschlag der Vorderräder beeinflussen - für agileres Handling oder höhere Fahrstabilität.

Gut dreieinhalb Umdrehungen des Lenkrades benötigt man in den meisten Autos, um vom rechten zum linken Anschlag zu lenken. Rangieren kann so schnell zu einer wilden Kurbelei ausufern. Mit einer direkteren Übersetzung könnte man den Lenkaufwand zwar reduzieren, es bestünde aber die Gefahr, das Auto bei einem Ausweichmanöver mit hohem Tempo zu verreißen. Deshalb ist die gewählte Lenkübersetzung - wie die Abstimmung der Federung - ein Kompromiss zwischen Komfort und Fahrsicherheit. Häufig findet man heute Übersetzungen um 16:1. Das heißt, um die Räder ein Grad einzuschlagen, muss das Lenkrad um 16 Grad gedreht werden.

Lenkübersetzung wird je nach Geschwindigkeit verändert

Diese starre Koppelung zwischen Lenkrad und Vorderrädern wurde erstmals 2003 im BMW 5er aufgehoben. Die nun auch in weiteren Baureihen verfügbare, so genannte Aktivlenkung verändert je nach Fahrgeschwindigkeit unabhängig vom Fahrer die Lenkübersetzung. Das geschieht über ein in die Lenksäule integriertes, elektrisch betätigtes Planetengetriebe, das dem vom Fahrer vorgegebenen Einschlag zusätzliche Lenkwinkel - positiv oder negativ - überlagert. Das heißt: Unter etwa 60 km/h wird der Einschlag der Vorderräder relativ zur Lenkradstellung vergrößert, darüber zurückgenommen. Audi bietet in A4 und A5 unter der Bezeichnung Dynamiklenkung ein ähnliches System an.

Statt eines Planetengetriebes kommt hier jedoch ein so genanntes Wellgetriebe zum Einsatz, das samt Elektromotor Platz sparend koaxial im oberen Teil der Lenksäule integriert ist. Außerdem verfügt das System über zwei vorwählbare Kennlinien, womit die Charakteristik der Übersetzungsänderung beeinflusst werden kann. In der "dynamic"-Stellung erfolgt so der Übergang zu einer indirekteren Einstellung erst bei höherem Tempo. Mit dem System kann das Auto durch selbsttätige Lenkkorrekturen bei drohender Instabilität durch Unter- oder Übersteuern sowie beim Bremsen auf μ-split schneller und effektiver in der Spur gehalten werden als mit Brems-Eingriffen des ESP allein. Auch der automatische Ausgleich von Seitenwind ist möglich.

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Hermann-Josef Stappen

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