Elektrische Parkbremse: Elektrik übernimmt Handbremse

Die elektrische Parkbremse macht das Autofahren komfortabler und übernimmt zugleich immer mehr zusätzliche Funktionen.

Gas geben, sanft die Kupplung kommen lassen und schließlich die Handbremse lösen: Vielleicht ist der Albtraum vieler Fahrschüler in fünf Jahren ausgeträumt. Denn nachdem Automatikgetriebe schon das Schalten übernehmen, mutiert inzwischen auch die Handbremse immer häufiger zur elektrisch aktivierten Parkbremse (EPB).

Trend zur Elektrifizierung mechanischer Komponenten

Die Entwicklung folgt dem allgemeinen Trend zur Elektrifizierung mechanischer Komponenten. Für den Autofahrer am augenfälligsten: Der Handbremshebel verschwindet, und seine Funktion wandert in eine Bedientaste - ein Raumgewinn, den Designer schätzen. Auch für die Techniker wird die Sache einfacher, wenn keine langen Seilzüge mehr bis an die Hinterräder geführt werden müssen. Ob sie jedoch ganz entfallen können, hängt von der jeweiligen Bauart ab.

Die preisgünstigste Lösung baut auf einen zentral zwischen den Hinterrädern liegenden elektromotorischen Aktuator. Der legt über kurze Bowdenzüge die Bremsbeläge an Bremstrommeln oder -scheiben der Hinterräder an. Eine Variante ist die elektrohydraulische Parkbremse, bei der herkömmliche Bremsleitungen den Seilzug ersetzen. Die selbstsperrende Mechanik sorgt dafür, dass im stromlosen Zustand die Bremswirkung erhalten bleibt. Zum Anfahren muss die EPB die Bremsen also wieder aktiv lösen, was sich aber, elektronisch geregelt, fein dosieren lässt.

Zielkonflikt zwischen hohen Stellkräften und geringem Gewicht

Führende Bremsenhersteller wie Bosch, Continental oder TRW forcieren inzwischen eine Weiterentwicklung, bei der jedem Hinterrad ein elektromotorischer Aktuator zugeordnet ist - zwar eine Lösung mit zusätzlichem Aufwand, die aber platzsparender ist und leiser agiert. Um das Zusatzgewicht der ungefederten Radmassen möglichst gering zu halten, stellt sich Bremsenentwicklern der Zielkonflikt zwischen hohen Stellkräften und möglichst geringem Gewicht. Ein gängiger Weg ist die Integration von Bremssattel und Aktuator, der in der Regel mit einem Spindeltrieb arbeitet und damit die geforderte Selbstsperrung gewährleistet.

Da der EPB-Controller über den CAN-Bus mit den anderen Steuergeräten an Bord kommuniziert, lassen sich zum Parkbremsen eine Reihe zusätzlicher Funktionen generieren. So zum Beispiel die Berganfahrhilfe, die versehentliches Rückrollen verhindert, oder auch das selbsttätige Aktivieren der Bremse in Modellen mit Automatikgetriebe. Und ein Notbremsmodus veranlasst die Kooperation mit dem ESP-System. Nach Plänen von TRW soll dann bis 2011 ein eigenes Steuergerät ganz entfallen. Des Weiteren lässt sich das System zum Beispiel mit der Diebstahlwarnanlage kombinieren oder automatisch aktivieren, sobald der Fahrer das Auto verlässt.

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Klaus-Ulrich Blumenstock

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