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Mercedes C-Klasse

Testkilometer auf Straße und Computer

Foto: Daimler-Chrysler 9 Bilder

Damit die neue Mercedes C-Klasse vom Start weg mit optimaler Feinabstimmung kommt, spulen 280 reale und erstmals auch ein vollständig digitaler Prototyp Millionen Testkilometer auf der Straße und im Rechner ab.

11.01.2007 Hermann-Josef Stappen

Wenn die neue C-Klasse von Mercedes im Frühjahr 2007 auf den Markt kommt, soll sie in ihrem Segment bei Komfort und Agilität gleichermaßen neue Maßstäbe setzen. Doch zwischen diesen beiden Eigenschaften besteht von Natur aus ein Zielkonflikt. Viele Millionen Testkilometer sind daher erforderlich, um sich langsam an den besten Kompromiss heranzutasten.

Damit dieser Prozess beschleunigt wird, hat Mercedes schon lange vor der praktischen Erprobungsphase mit 280 realen Prototypen, die im Sommer 2003 begann, ein vollständig virtuelles Abbild der C-Klasse erstellt. Dieser 2.130 Gigabyte große, erstmals bei der Entwicklung eines Serienmodells eingesetzte digitale Prototyp (DPT) existiert nur im weltweiten Rechner-Netzwerk der Mercedes-Entwickler und wird für Computer-Simulationen in den verschiedensten Bereichen genutzt.

Dazu gehören neben den üblichen Berechnungen zu Crashverhalten und Insassenschutz auch die Optimierung von Betriebsfestigkeit, Energiemanagement und Aerodynamik. Besondere Aufmerksamkeit wurde dem Thema Komfort gewidmet, das sich wiederum in mehrere Unterpunkte wie Federungs-, Geräusch- und Klimatisierungskomfort gliedert. So füllt allein die exakte Beschreibung aller Zielvorgaben für die Komfort-Eigenschaften der C-Klasse 6.000 Seiten im Lastenheft. Wie weit das neue Modell noch von diesem Idealzustand entfernt ist, lässt sich mit Hilfe des digitalen Prototyps auch ohne Testfahrten frühzeitig subjektiv beurteilen.

Mehrlenkerachse hinten, McPherson-Aufhängung vorne

Bei der Konstruktion des Fahrwerks setzt Mercedes wie beim Vorgänger auf eine Mehrlenker-Achse hinten und eine McPherson-Radaufhängung vorne. Um Synergien zu erschließen, soll das Fahrwerk des E-Klasse-Nachfolgers künftig ebenfalls nach diesem Prinzip aufgebaut sein.

Damit die Insassen in der neuen C-Klasse möglichst wenig Stöße abbekommen, erhält sie serienmäßig Stoßdämpfer mit amplitudenabhängiger Dämpfung. Dieses rein hydromechanisch arbeitende Bypass-System sorgt schon in A- und B-Klasse für ein sensibleres Ansprechverhalten auf kleine Fahrbahn-Unebenheiten und gleichzeitig hohe, stabilisierende Dämpfungskräfte bei dynamischer Kurvenfahrt und Ausweichmanövern.

Auch diese wurden zusammen mit Bremsentests und Slalomfahrten zur Abstimmung des Fahrverhaltens und der Handling-Charakteristik im Computer schon gefahren, bevor die echten Prototypen - dann bereits mit einem hohen Reifegrad - um die Pylonen wedelten.

Um 13 % verbesserte Verwindungssteifigkeit

Komfort und Fahrverhalten gleichermaßen zuträglich ist eine möglichst steife Karosseriestruktur. So verbesserte sich die statische Verwindungssteifigkeit gegenüber dem Vorgänger um 13 %. Erreicht wurde dies durch einen großen Anteil hochfester Stähle, die bei geringem Gewicht maximale Festigkeit bieten. Zudem entfallen rund 20 Prozent des Gewichts der Rohkarosse auf noch höherwertige, ultrahochfeste Stahllegierungen.

Vom optimierten Schwingungsverhalten der Karosserie soll auch der Geräuschkomfort profitieren. Zusätzlich kommen weitere Schalldämmungsmaßnahmen zum Einsatz, deren Platzierung und Wirksamkeit per Computersimulation optimiert wurden. Bei der Vermeidung von störenden Windgeräuschen half die Vorausberechnung von Aerodynamik und Aeroakustik. Zum Wohlfühlen an Bord gehört aber auch ein gutes Klima. Luft- und Temperaturverteilung der serienmäßigen Klimaanlage sowie der optional angebotenen Dreizonen-Klimaautomatik haben die Techniker im Vorfeld bereits virtuell unter verschiedensten Umweltbedingungen ermittelt. Ein Ergebnis aus diesen Tests: die Verwendung von Lüftungsdüsen mit vergrößerten Austrittsflächen, wodurch bei gleichem Durchsatz die Luftgeschwindigkeit und damit das Risiko störender Zugluft sinkt.

Trotz der Verwendung des digitalen Prototyps spulten die echten Erlkönige noch über 24 Millionen Testkilometer ab - mehr als je zuvor. Auf das Urteil erfahrener Testfahrer kann Mercedes eben doch nicht verzichten.

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