Müdigkeitssensor: Assistent warnt vor Sekundenschlaf

Auf Autobahnen sind rund ein Viertel aller schweren Unfälle auf übermüdete Fahrer zurückzuführen. Mit sinkender Aufmerksamkeit steigt auch das Unfallrisiko enorm. Assistenten warnen, bevor es zum Sekundenschlaf kommt.

Bereits nach vier Stunden permanenter Fahrt verlängert sich die Reaktionszeit eines Fahrers um 50 Prozent. Damit verdoppelt sich das Unfallrisiko, nach sechs Stunden verachtfacht es sich sogar. Um das Problem der Übermüdung in den Griff zu bekommen, forschen die Autohersteller seit vielen Jahren daran, wie sich der schleichende Aufmerksamkeitsverlust erkennen lässt und was dagegen getan werden kann. Volvo bietet nun seit kurzem den so genannten Driver Alert oder Fahrer-Alarm an.

Die Schweden haben herausgefunden, dass sich die Bewegungsmuster eines Autos mit wachem Fahrer klar von denen eines Autos mit müdem Chauffeur unterscheiden. Um diese Bewegungsmuster zu erkennen, nutzt das System eine vor dem Innenspiegel montierte Kamera, die die Straßenmarkierungen erfasst und sehr schnell feststellt, ob der Fahrer beginnt, Schlangenlinien zu fahren. Darin erkennt das System ein untrügliches Zeichen für die nachlassende Aufmerksamkeit und beginnende Übermüdung.

"Driver Alert" mit akustischen Signalen

In einer Balkengrafik zeigt der Driver Alert den Konzentrationsgrad des Fahrers an. Wenn es Zeit für eine Pause wird, gibt das Auto akustische Signale, und eine Kaffeetasse im Info-Display unterstreicht die Aufforderung zum Stoppen. Lieferbar ist Driver Alert für die Modelle V70, S80, XC 60 und XC 70.

Auch die Lexus LS-Modelle erkennen unaufmerksame Fahrer. Ihr Sicherheits-System beobachtet mit einer auf der Lenksäule befestigten Kamera das Gesicht und registriert so permanent, ob der Fahrer auf die Straße blickt. Gleichzeitig überwachen Kameras, Infrarotlicht und Radarsystem den Bereich vor dem Auto. Droht hier eine Gefahr, beispielsweise durch einen plötzlich auftauchenden Fußgänger, warnt das System einen Piloten, der zur Seite blickt, mit einem kurzen Bremsrucken und setzt das Sicherheits-System des Autos in Gang. Die Bremse wird vorgefüllt, damit innerhalb kürzester Zeit voller Bremsdruck aufgebaut werden kann. Müdigkeit erkennt das Lexus-System allerdings nicht.

Der Attention Assist von Mercedes kann dies. Er wird ab März 2009 in der neuen E-Klasse verfügbar sein und nutzt ebenfalls das Lenkverhalten als Indikator für einsetzende Müdigkeit. Der Aufmerksamkeits-Assistent erstellt über den Fahrer und dessen Reaktionen bei Fahrtantritt ein individuelles Verhaltensmuster. Dieses wird permanent mit Sensordaten, die die Lenkung liefert, verglichen, um aufkommende Müdigkeit lange vor dem gefährlichen Sekundenschlaf zu erkennen. Wie bei Volvo wird akustisch gewarnt und per Symbol dazu aufgefordert, eine Pause einzulegen.

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Christian Bangemann

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