Navigationsgeräte im Test: Acht portable Lotsen

Vom Luxus-Artikel zur Massenware: Die Preise mobiler Navigationsgeräte fallen immer weiter. auto motor und sport untersucht, wie es um die Qualität von acht günstigen Routenführern zwischen 170 und 300 Euro bestellt ist.

Von solchen Zahlen können Autohersteller im Moment nur träumen: Laut GFK-Schätzung werden 2008 fast fünf Millionen portable Navigationsgeräte verkauft. Ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein Grund für den anhaltenden Boom liegt im rapide gesunkenen Preisniveau. Elektronikmärkte und Internet-Versender bieten Restposten und Vorjahresmodelle bereits für unter 100 Euro an. Nur Technikmuffel quälen sich da lieber noch mit der Landkarte auf dem Beifahrersitz durch unbekannte Gegenden.

Acht Geräte im Test

Die acht getesteten Geräte gehören mit Preisen von 170 bis 300 Euro zwar zur Mittelklasse, bieten teilweise aber eine Ausstattungsfülle, wie sie vor kurzem nur in 500 bis 800 Euro teuren Topmodellen zu finden war. So verfügen die Geräte von Becker, Medion, Myguide und Navigon über stattliche 4,3-Zoll-Breitbild-Displays, die nicht nur die Kartendarstellung übersichtlicher machen, sondern auch Eingaben über den berührungssensitiven Bildschirm sehr erleichtern. Bei den vier kleineren 3,5-Zoll-Modellen ist schon ein spitzer Finger oder ein Eingabestift gefragt, um die teils winzigen Buchstabenfelder zu treffen. Ein kleiner Monitor hat aber auch Vorteile, da er die Sicht aus der Frontscheibe weniger stark behindert - nach wie vor einer der größten Nachteile der Saugnapf-Fraktion im Vergleich zu den festeingebauten Geräten.

Bis auf das Myguide sind sämtliche Navigatoren mit dem Verkehrsdienst TMC ausgestattet, der im Staufall automatisch eine Umleitung berechnet. Ein eingebauter Tuner empfängt die mit dem UKW-Signal ausgestrahlten Behinderungen und stellt sie dem Routenführer zur Verfügung. Sowohl Medion als auch Becker melden Staus via TMC-Pro. Hier erfassen Sensoren an den Autobahnen, wenn sich ein Stau gebildet hat und geben ihn mit nur kurzer Verzögerung weiter.

TMC-Pro liefert spürbar präzisere Verkehrsinfos

Nach Tests von auto motor und sport liefert TMC-Pro die spürbar präziseren Verkehrsinformationen. Beide TMC-Systeme können allerdings nur dann korrekt arbeiten, wenn die mitgelieferte UKW-Wurfantenne angeschlossen und mit kleinen Saugnäpfen an der Scheibe befestigt wird. Lediglich Navigon versucht, den Kabelsalat einzudämmen, indem der Empfangsdraht in das Stromkabel integriert wird, während Becker immerhin im Zubehörprogramm eine kompakte Bügelantenne anbietet.

Große Preisunterschiede ergeben sich auch aus dem mitgelieferten Kartenmaterial. Günstige Varianten bieten oft nur Deutschland, Österreich und die Schweiz (auf der Verpackung meist mit DACH abgekürzt).Wer häufiger im Ausland unterwegs ist, sollte gleich ein Gerät mit den Straßen Europas wählen, da nachträglich gekaufte Karten deutlich teurer kommen. Neben Westeuropa sind in einigen Geräten bereits die Staaten Osteuropas vertreten.

Vor dem Navigationskauf sollte auch der mitgelieferten Halterung Aufmerksamkeit geschenkt werden. Denn gerade in Fahrzeugen mit viel Abstand zur Frontscheibe erschwert ein zu kurzer Haltearm die Bedienung enorm. In solchen Fällen bieten Fachhändler alternative Befestigungs-Adapter, mit denen sich der Lotse auf dem Armaturenbrett oder an einem Lüftungsgitter in Griffweite montieren lässt. Schwieriger wird es in Fahrzeugen mit metallbedampften Frontscheiben, da diese den Empfang der GPS-Satelliten erschweren oder sogar verhindern können. Bei metallbedampften Scheiben kann dennoch eine separate Außenantenne die Positionierungsgenauigkeit erhöhen. Becker, Blaupunkt und Navigon bieten hierfür Anschlussbuchsen.

Becker und Medion überzeugen


Die beiden top-platzierten Lotsen von Becker und Medion erreichen ihr gutes Ergebnis nicht zuletzt durch ihre umfangreiche Ausstattung. In Verbindung mit einem Bluetooth-Handy lassen sie sich etwa auch als Freisprecheinrichtung nutzen. Im Stadtverkehr noch ganz okay, leidet die Sprachqualität bei hohem Tempo jedoch beträchtlich, da nach wie vor über das Empfangsteil des Mobiltelefons gefunkt wird. Nebengeräusche verschlechtern zudem die Auffassungsfähigkeit der Spracheingabe, die im Medion integriert ist. Lassen sich Navigationsziele im Stand noch bequem diktieren, steigt mit zunehmender Geschwindigkeit die Fehlerquote und damit auch die Ablenkung des Fahrers. Von den Multimedia-Funktionen, die inzwischen viele Geräte bieten, sollte ebenfalls nicht zu viel erwartet werden. So lassen sich die MP3-, Video- und Bildbetrachtungsprogramme meist nur nutzen, indem die Daten umständlich am heimischen PC auf SD-Karte gespielt werden. Einen DVB-T-Tuner für den Empfang von Digitalfernsehen bietet keines der getesteten Modelle.

Überraschenderweise hängt die reine Navigationsleistung kaum vom Gerätepreis ab. So überzeugte schon das günstige Blaupunkt mit intelligenter Routenwahl, kurzen Berechnungszeiten und präzisen Abbiegehinweisen. Wer sich am kleinen Display nicht stört, bekommt für 170 Euro ein solides Gerät. Allein über TMC-Pro rechtfertigt sich aber auch der Aufpreis der beiden Testsieger von Medion und Becker.

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Dirk Gulde

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