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Notbremsassistenten im Test

Was leisten die Brems-Systeme wirklich?

Notbremsassistenten, Testautos Foto: Hans-Dieter Seufert 19 Bilder

So umfangreich wurden Notbremsassistenten noch nie getestet: auto motor und sport überprüfte bei Ford Focus, Honda Civic, Mercedes B-Klasse, Volvo S60 und VW Passat sowie Up, ob und wie sie Unfälle vermeiden können.

18.07.2012 Alexander Bloch

Im Notfall bremst der normale Autofahrer schlecht. Laut den Daten der Unfallforscher in rund 90 Prozent der Fälle entweder zu spät, zu schwach oder gar nicht. Andererseits verzögern sogar Kleinwagen wie früher nur Sportwagen, doch hilft das alles nichts, wenn dieses Bremspotenzial nicht abgerufen wird. Deshalb bieten heutzutage fast alle Neuwagen einen passiven Bremsassistent, der auf der Basis von Pedalbenutzungs-Geschwindigkeit und -druck selbsttätig eine Vollbremsung vervollständigt.

Noch wirkungsvoller sind jedoch aktive Notbremsassistenten, die mit Hilfe von Sensoren (Laser, Radar oder Kamera) nicht nur selbstständig eine kritische Situation erkennen und den Fahrer warnen, sondern - wenn es sehr brenzlig wird - sogar völlig autonom bremsen. Deren Fähigkeiten hat auto motor und sport zusammen mit dem TÜV Süd in einer beispielhaften, aufwendigen Testreihe überprüft.

Über ein Drittel der Unfälle könnte gemildert werden

Zur Bewertung der Systeme wurden deren autonome Brems- und Warnfähigkeiten auch auf der Basis des realen Unfallgeschehens (Daten von 2010) und ihrer tatsächlichen Verbreitung beurteilt. Über ein Drittel aller Unfälle mit Personenschäden können demnach theoretisch durch einen Notbremsassistent gemildert oder sogar ganz verhindert werden.

Grenzfälle wie Kreuzungsunfälle wurden im Test nicht berücksichtigt, da die Reaktion der Assistenzsysteme stark davon abhängt, wie viel Zeit die Sensoren für eine Erkennung des einbiegenden Autos haben. Im Stadtbereich zeigten alle Systeme mindestens befriedigende Unfallvermeidungsfähigkeiten, jedoch in sehr unterschiedlicher Ausprägung: So konnten die City-Notbremssysteme von VW zwar fast in jedem Fall einen Aufprall bis 30 km/h vermeiden, jedoch geben sie dem Fahrer vorher keinerlei optische oder akustische Warnung.

Auch der Ford Focus verzichtet bei seinem Active City Stop auf eine Warnung und fährt zudem bei 30 km/h aufgrund einer sehr späten autonomen Bremsung auf ein stehendes Hindernis mit einer hohen Restgeschwindigkeit von 24,6 km/h auf.

Unkonstanter Notbremsassistent im Honda Civic

Das CMBS-System des Honda Civic zeigte das inkonstanteste Bremsverhalten im Test. Bei weniger als 30 km/h wurde aufgrund der sanften und recht schwachen autonomen Verzögerung zwar kein Aufprall vermieden, jedoch ermöglicht eine frühe Warnung die selbstständige Notreaktion des Fahrers.

Das radargestützte und serienmäßige System der Mercedes B-Klasse erkennt stehende Objekte nicht und beherrscht auch keine autonome Notbremsung, dafür fordert es mit einer zeitlich passenden optischen und akustischen Warnung den Fahrer zum Eingreifen auf. Die Erfahrung zeigt, dass damit schon ein Großteil der möglichen Unfälle verhindert werden kann. Wie bei allen anderen getesteten Systemen werden die Bremsbeläge zur sofortigen Verzögerung vom Auto schon angelegt.

Fast tadellos unterstützt das Volvo-System im Stadtbereich. Es warnt recht früh, konnte im Test alle Unfälle verhindern und ermöglicht mit dem leider sehr teuren Fahrerassistenzpaket (1.980 Euro) sogar eine Notbremsung für Fußgänger.

System des VW Up bei höherem Tempo wirkungslos

Im höheren Tempobereich (72 bis 100 km/h) ist das System des VW Up als einziges wirkungslos. Die durchweg optionalen und mit einem adaptiven Abstandsregeltempomat gekoppelten Systeme in Focus, Civic, S60 und Passat vermindern mit einer autonomen Bremsung die Aufprallgeschwindigkeit deutlich. Das Resttempo im Volvo und VW Passat ist deutlich niedriger als das von Honda und Ford. Bei den vorher erfolgten Warnungen fällt zudem auf, dass Volvo beim 72-km/h-Test tendenziell eher früh und VW eher spät warnt. Zu frühe Warnungen können jedoch zur Genervtheit führen und zu späte den Fahrer in die Bredouille bringen.

Noch ärgerlicher ist es, wenn die Systeme eine Fehlbremsung auslösen. Schon ein unnötiger Bremsruck wie zum Beispiel im VW Passat schockiert unerfahrene Fahrer wie den rückwärtigen Verkehr zum Teil sehr. Das kam im Test glücklicherweise jedoch nur sehr selten vor.

Selten sind Notbremsassistenten leider auch - wenn sie Aufpreis kosten. Teure Systeme finden - Ausnahme Volvo - kaum noch Käufer. So leisten sich gerade mal 1,5 Prozent der Focus-Käufer und 2,3 Prozent der Civic-Kunden dieses Sicherheitsplus. Dementsprechend niedrig fällt so auch der Nutzen für den Gesamtverkehr aus. Wie das Beispiel von ABS und ESP zeigt, senken Sicherheitssysteme erst dann nennenswert die Unfallzahlen, wenn sie serienmäßig angeboten werden. Volvo und Mercedes fahren hier mit gutem Beispiel voran .

So wurde getestet

Die Messungen der Notbremsassistenten führten die Spezialisten des TÜV Süd im Auftrag von auto motor und sport durch. Mit einem auch von Euro-NCAP akzeptierten fahrbaren Universal-Hindernis wurden acht verschiedene Unfallszenarien durchgespielt. Die vier aussagekräftigsten werden exemplarisch auf den folgenden Seiten gezeigt. Bei den Test maß ein zentimetergenaues Differenzial-GPS-System die genaue Verzögerung und Position von Testwagen und Hindernis. Eine Kamera im Auto-Inneren hielt zudem den exakten Warnzeitpunkt des Notbremsassistenten fest.

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