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auto motor und sport misst RDE bei Neuwagen

NOx-Tests im Straßenverkehr unter Realbedingungen

VW Tiguan 2.0 TDI 4 Motion Highline, AMS 1616 Foto: Hans-Dieter Seufert 31 Bilder

Wie viel Stickoxid produziert ein Neuwagen im realen Verkehr? auto motor und sport misst seit April 2016 den tatsächlichen Stickoxid-Ausstoß (NOx) aktueller Automodelle während der Fahrt auf öffentlichen Straßen (Real Driving Emissions, RDE). Damit sind wir die erste Fachzeitschrift Deutschlands, die die tatsächliche Stickoxid-Belastung von Automobilen regelmäßig testet und veröffentlicht.

01.09.2016 Gerd Stegmaier 5 Kommentare

Enge Kooperation mit britischem Spezialisten Emissions Analytics

„Das bedeutet für uns einen erheblichen technischen und auch finanziellen Mehraufwand“, betonen die Chefredakteure Ralph Alex und Jens Katemann. „Unsere Leser erwarten jedoch von uns als kompetenter Testredaktion, dass wir – gerade im Zuge der aktuellen Diskussion um Abgaswerte – den echten Ausstoß unter realen Einsatzbedingungen ermitteln.“ Denn die offizielle NOx-Messung, die quasi unter Laborbedingungen ausschließlich auf dem Rollenprüfstand ermittelt werden, lassen oft keine echten Rückschlüsse auf die tatsächlichen Abgaswerte der Autos im Straßenbetrieb zu. „Für die Verbraucher, also die Autokäufer, werden diese Werte aber immer wichtiger“, so die Chefredakteure.

Abgastest WertungFoto: auto motor und sport
Die Ergebnisse unseres Abgastests im Detail
Abgastest 2015
Acht Autos im Abgastest 5:41 Min.

auto motor und sport hatte Ende vergangenen Jahres zusammen mit den britischen Spezialisten als erste Autozeitschrift in Deutschland 9 Fahrzeuge überprüft (siehe Bildergalerie). Dabei wurden zum Teil überhöhte NOx-Werte festgestellt – bereits Monate vor dem Bundesverkehrsministerium, das erst kürzlich die Messungen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) veröffentlicht hat, was einen Rückruf von 630.000 Fahrzeugen in Deutschland auslöst.

Foto: Hans-Dieter Seufert
Stadtverkehr: Hohe Stickoxid-Werte sind vor allem in der Stadt ein Problem, da viele Verursacher wie Verkehr, Industrie und Privathaushalte zusammenkommen.

Für seine Messungen auf der Straße hat auto motor und sport eine enge Kooperation mit den britischen Messspezialisten Emissions Analytics vereinbart. Dieses Unternehmen verfügt nicht nur über die modernste technische Ausrüstung, um den Schadstoffausstoß von Pkw zuverlässig während der Fahrt zu messen. Zugleich hat Emissions Analytics bereits langjährige Erfahrungen und gilt als unabhängig und äußerst kompetent.

Abgastest auf der Straße, Audi Q3, AMS2515Foto: Hans-Dieter Seufert
Um Abgaswerte während der Fahrt zu messen, bedarf es komplexer Messtechnik. Neben dem eigentlichen Analysegerät sind jede Menge Sensoren gefragt, die Streckenverlauf, Fahrzeug- und Umgebungsparameter aufzeichnen.

Testaufwand für andere Messwerte bleibt unverändert

„Wir wollen präzise Daten liefern und damit unseren Lesern eine echte Entscheidungshilfe beim Autokauf anbieten – zusätzlich zu den zahlreichen Testwerten wie Kraftstoffverbrauch oder Bremswerte, die auto motor und sport seit Jahrzehnten erhebt“, so Alex und Katemann. Emissions Analytics hat in den vergangenen Jahren den NOx- und CO2-Ausstoß von mehr als 1.000 Fahrzeugen in Europa und den USA während der Fahrt ermittelt. Das Portable Emission Measurement System (PEMS, siehe Bild), das Emissions Analytics einsetzt, kostet rund 120.000 Euro.

Ziel der Tests ist auch, festzustellen, um welchen Faktor der Stickoxid- Ausstoß im realen Verkehr über dem Grenzwert liegt. Dass Autos auf der Straße mehr Abgas emittieren, ist gemeinhin bekannt und liegt hauptsächlich an den höheren Lastanforderungen. Die NEFZ-Vorgaben für den Rollen-Test beanspruchen Motoren kaum, da im Schnitt nur 34 km/h gefahren und extrem schwach beschleunigt wird. Zu den praxisfremden Werten kommt es auch, da den Herstellern viel Raum für legales Optimieren eingeräumt wird: Fahren mit extrem hohem Reifendruck, modifizierter Aerodynamik oder speziellen Leichtlaufölen. (Eine Erklärung der verschiedenen Testverfahren und der Abkürzungen wie NEFZ, RDE oder PEMS finden Sie hier.)

auto motor und sport belässt die Testwagen hingegen im Serienzustand, fährt mit dem empfohlenen Luftdruck und einer auf 22 Grad eingestellten Klimaanlage. Zudem haben wir mit unserer über 100 Kilometer langen Eco-Runde eine Route gewählt, die wir besonders gut kennen. Seit Jahren ermitteln wir dort mit leichtem Gasfuß den Minimalverbrauch jedes Testwagens. Die NOX-Messfahrten werden ebenfalls zurückhaltend, aber praxistauglich absolviert: Wir haben zwar nicht so weltfremd-träge beschleunigt, wie es der NEFZ vorschreibt, das Wort „gemütlich“ dürfte den Fahrstil jedoch gut charakterisieren. Selbstverständlich halten wir uns an alle Tempolimits und fahren auf der Autobahn maximal 130 km/h, wo keine Tempobegrenzung gilt. Die Fahrweise beeinflusst das Messergebnis extrem, weshalb wir besonderen Wert auf einen einheitlichen Fahrstil gelegt haben. Durch die Länge der Runde gleichen sich zudem Zufälligkeiten wie Ampelschaltungen aus.

Aufwändige Messtechnik richtig eingesetzt: So testen wir

Für jedes Auto fertigen die Profis von Emissions Analytics eine Kunststoffzuleitung an, die vom Auspuff in ein waagrechtes Metallrohr mündet. Dort zweigt ein Ventil einen kleinen Teil der Abgase ab, der zunächst getrocknet und dann über einen auf 190 Grad beheizten Schlauch zum Analysegerät auf der Rückbank geführt wird. Der Analyzer, der vor jeder Fahrt mit einem Kalibriergas geeicht wird, untersucht die Abgase mittels verschiedener Verfahren. Bei einem davon werden die Stickoxide dem Gas Ozon ausgesetzt, auf das sie reagieren; infolgedessen senden sie einen Lichtimpuls aus.

Je mehr Licht der Analyzer misst, desto höher sind die Stickoxid-Konzentrationen. Nach dem Messvorgang gelangen die Abgase über einen dünnen Schlauch wieder zurück ins Freie. Das Analysegerät sendet seine Rohdaten an einen Laptop, wo sie von einer Spezialsoftware unter der Berücksichtigung von Begleitparametern wie Außentemperatur, Luftdruck oder -feuchtigkeit abgeglichen und ausgewertet werden. Hierbei lassen sich auch Regenerationszyklen des Partikelfilters erkennen und herausrechnen, da sie die Vergleichbarkeit der Ergebnisse verfälschen. Die Messfahrt wird immer per GPS und Videokamera aufgezeichnet.

Emissions Analytics ist ein unabhängiges privates Prüfinstitut, das sich auf die mobile Abgas- und Verbrauchsmessung von Fahrzeugen spezialisiert hat. Die Experten mit ihrem Firmensitz in der Nähe von London haben in den letzten Jahren bereits über 1.000 Fahrzeuge in Europa und den USA gemessen. Sie kennen sich daher mit den unterschiedlichen Fahrprofilen und gesetzlichen Grenzwerten aus. Der Erfahrungsschatz ist auch bei der Interpretation der Messungen wichtig, da die Analysegeräte Rohdaten ausgeben, die erst im Kontext der Umwelteinflüsse zu Messergebnissen werden.

Fazit

Die Messungen von auto motor und sport nehmen künftige Regelungen vorweg: Ab 2018 müssen Hersteller den Stickoxid-Ausstoß ihrer Autos im realen Straßenverkehr begrenzen. Hierfür hat die EU EndeOktober 2015 den Faktor 2,1 beschlossen, mit dem jedes Auto seinen laschen NEFZ-Wert überschreiten darf. Bei 80 mg NOX/km eines Euro-6-Diesel hieße dies 168 mg. Deshalb nennen wir bei künftigen Messergebnissen immer auch den Faktor, um den die Testkandidaten die Grenzwerte überschritten haben. Aktuelle Messergebnisse von auto motor und sport finden Sie hier.

Neuester Kommentar

Ich finde es super, das AMS nachmisst. Irgendwo muß man halt ansetzen um großflächigen Fahrverboten zu entgehen. Wenn bei der Kaufentscheidung angesetzt wird, ergibt sich ein Evolutionsdruck für die Autohersteller, und im Ergebnis frei Fahrt und saubere Luft für alle. Danke!

Samus_Aron 21. November 2016, 13:59 Uhr
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