Porsche Panamera Fahrwerkstechnik: Zwischen Komfort und Fahrdynamik

Mit einem extrem aufwendigen Fahrwerk und kluger Vernetzung der Komponenten will Porsche im Panamera den Oberklasse-Konkurrenten zeigen, dass hohe Fahrdynamik und exzellenter Komfort durchaus eine harmonische Beziehung eingehen können.

Wenn es nach Porsche geht, soll der Panamera ganz im Stil der Marke bei der Fahrdynamik den arrivierten Oberklässlern den Blick auf sein üppiges Hinterteil lehren. Doch das allein reicht noch nicht, um im Reich von Mercedes S-Klasse & Co. zu reüssieren, denn Kuschel-Komfort ist ebenfalls ein Muss. Gegensätzliche Zielsetzungen, die bisher große Kompromisse erforderten.

Tiefer Schwerpunkt

Bei der Sportlichkeit machen zwei Zentimeter schon mal einen großen Unterschied. Um diese Differenz liegt der Sitzreferenzpunkt (HS-Maß) des Porsche Panamera niedriger als bei üblichen Oberklasse-Limousinen. Damit sitzen die Insassen nicht nur dynamisch tief in ihren vier Einzelsesseln, sondern auch der gesamte Schwerpunkt sinkt. Mit dem SUV Cayenne als Basis wäre das jedoch nicht gelungen. Daher startete die Panamera-Entwicklung losgelöst von großen Plattform-Fesseln, als eigenständige vierte Porsche-Baureihe. So ließ sich auch ein Frontmittelmotor-Konzept mit paritätischer Gewichtsverteilung verwirklichen.

Wichtige Fahrdynamik-Grundsteine waren damit gesetzt, danach "haben wir alle unsere bisherigen Fahrwerkstechnologien noch mal auf die Waage gelegt und verfeinert", so Baureihenleiter Michael Steiner. An der Vorderachse des Porsche Panamera hängen die Räder an einer sturzstabilen Doppelquerlenker-Anordnung, die Hinterräder stützen sich an einer Mehrlenker-Achse ab. Um die Steifigkeit des Achsträgers hoch und das Gewicht klein zu halten, ist dieser aus Aluminium hohlgegossen und liegt über Hydrolager entkoppelt auf dem Karosserieträger auf.

Abgespeckte Felgen

So soll Schwingungsübertragung wirkungsvoll gedämpft werden. Gleichzeitig kümmerten sich die Ingenieure um eine Absenkung der für den Komfort wichtigen ungefederten Massen. Die Felgen entstehen daher in flow-forming-Technologie: Die Felge wird gegossen, das Felgenbett aber nochmal ausgewalzt. So ist es laut Steiner "dünn und leicht, aber trotzdem dichter als eine Gussfelge". Ein Kilogramm bringt das Abspeckprogramm pro Rad.

Härtegrad der Feder kann variiert werden

Den Feinschliff übernimmt die Porsche-Abkürzungs-Armada: PASM, PDCC, PTM, PSM und - nicht zu vergessen - eine neu entwickelte Luftfederung, für die man in Zuffenhausen anscheinend noch kein P-Kürzel gefunden hat. Das adaptive Dämpfersystem PASM schaltet mit integrierten Ventilen jetzt drei verschiedene Kennfelder frei - eine bewährte Technik in vielen Porsche-Modellen. Wie im Cayenne gesellt sich eine Luftfederung mit Niveauregulierung und - das ist neu - per Ventil zuschaltbarem zweitem Luftvolumen hinzu. So kann zum ersten Mal auch der Härtegrad der Feder variiert werden.

Ausgewogenes federn im Komfortmodus

An der Vorderachse stecken die Dämpfer in der Feder, hinten erfolgt die Krafteinleitung getrennt. Im Komfortmodus bleiben die Komponenten weich, so dass der Porsche Panamera bei minimalem Wanken erstaunlich ausgewogen federt.

Drückt der Fahrer jedoch die Sportplus-Taste, ist Schluss mit der Sänfte. Dann verhärtet sich die Feder-Dämpfer-Einheit, die Luftfederung lässt die Karosserie um 25 Millimeter tiefer rutschen, ESP erlaubt große Freiheitsgrade, und ein Zweiflügel-Schwenkmotor spannt die aktiven Stabilisatoren in Kurven auf hart. Auch das letzte Quäntchen Wanken soll dadurch eliminiert, das Fahrverhalten präzisiert und der Reifenkraftschluss verbessert werden. Für Traktion aus den Kurven heraus sorgt zusätzlich die zusammen mit PDCC gelieferte geregelte Quersperre an der Hinterachse. Bis zu acht Prozent höhere Querbeschleunigung versprechen sich die Ingenieure mit PDCC.

Bei Geradeausfahrt werden die Stabis entkoppelt und machen so der Federung das Leben leichter. Auch bei der Fahrsicherheit spielen sie die erste Rolle. Erst wenn sie über- oder untersteuern nicht mehr ausreichend kontrollieren, verschiebt in der Allradversion PTM (Porsche Traction Management) die Kraft über eine Lamellenkupplung neutralisierend zu den Achsen. Hilft das auch nicht mehr, tritt als letzte Maßnahme der selektive Bremseingriff über PSM in Aktion und leitet den Porsche Panamera wieder in die Spur. "Wir brauchen kein ESP, um die Fahrdynamik in Ordnung zu bringen", verkündet Steiner stolz.

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Alexander Bloch

Autor:

auto motor und sport, Heft 07 / 2009

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