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Reifenpannen-Sets

Dichtung und Wahrheit

Foto: Beate Jeske 11 Bilder

Als Alternative zum Reserverad bietet der Zubehörhandel eine breite Auswahl an Pannensets – vom einfachen Spray bis zum aufwendigen Kompressor-System. Welche sind zu empfehlen? Sieben Produkte im Test.

23.05.2008 Peter Wolkenstein

In der Praxis treten Reifenpannen nur selten auf – dennoch ist keiner vor ihnen gefeit. Wer sich dann nicht mit schwergängigen Wagenhebern und festsitzenden Radschrauben rumärgern will, greift zum Pannenset: abdichten statt wechseln. Aber taugt das Flickwerkzeug als Alternative zum Reserverad? auto motor und sport hat zusammen mit der Dekra Automobil GmbH sieben Zubehör-Produkte unter die Lupe genommen.

Pannensets helfen nicht bei jedem Luftverlust

Wichtig ist: Pannensets helfen nicht bei jedem Luftverlust. Sie eignen sich in der Regel zum Abdichten von Stichverletzungen, deren Durchmesser nicht mehr als sechs Millimeter misst. Ist der Reifen geplatzt, von der Felge gerutscht oder an der Seitenwand aufgerissen, bleiben sie wirkungslos. Zudem sind sie stets nur als kurzfristige Notreparatur für die Fahrt bis zum Reifenhändler gedacht.

„Wie weit oder wie lange damit gefahren werden darf, wird in der Anleitung häufig nur unpräzise erläutert“, bemängelt Dekra-Reifenexperte Franz Nowakowski. Ersetzt werden muss der geflickte Reifen auf jeden Fall. Eine Reparatur durch die Fachwerkstatt ist nach Einsatz von Reifendichtmitteln in Deutschland verboten.

Drei unterschiedliche Arten von Pannensets

Als Dichtmittel kommen hauptsächlich auf Latex basierende Substanzen zum Einsatz. Weniger aggressiv und umweltschonender sind die auf Fasern basierenden Mittel der Hersteller Premium Seal und Elastofill. Sie zeichnen sich zudem durch längere Haltbarkeit (acht bis zehn statt vier Jahre) aus. Grundsätzlich stehen drei unterschiedliche Arten von Pannensets zur Wahl:

Einfache Sprays von Holt Lloyd („Reifenpilot“) oder Nigrin („Reifendicht“) locken mit günstigen Preisen unter 20 Euro. Wegen ihres entzündlichen Füllgases müssen sie aber vor direkter Sonneneinstrahlung und Temperaturen über 50 Grad Celsius geschützt und deshalb sorgfältig im Auto transportiert werden. Bei beiden Produkten sind die aufgedruckten Anleitungen für Laien äußerst knapp und teilweise unpräzise formuliert. Zudem fehlt eine Angabe zur Haltbarkeit des Dichtmittels. Eine Angabe zum Mindestdruck fehlt, ebenso ein Manometer zur Kontrolle des Drucks. Nachregulieren ist ebenfalls nur an der nächsten Tankstelle möglich. Auch wenn der Reifendruck beim Fahren nach zehn Kilometern auf 1,4 bar ansteigt – Sicherheit vermittelt das nicht.

Pannensets mit elektrisch betriebenem Kompressor und integriertem Manometer, wie sie auch ab Werk eingesetzt werden, sind hier natürlich im Vorteil. Mehr als doppelt so teuer wie Sprays, erlauben sie nach erfolgreicher Reparatur ein Weiterfahren mit maximal 80 km/h. Bei einfacheren Modellen wie der Standardversion von Terra-S oder „Elastofit“ von Elastofill muss das Dichtmittel mit Handkraft in den Reifen gequetscht werden.

Wer sich manuelles Einfüllen und Ventilentfernen sparen will, muss mindestens 80 Euro in eine Komfortlösung investieren. Der „Comfort Kit“ von Continental überzeugt mit einem Handbuch, das kaum Fragen offen lässt. Manometer und Kurzanleitung auf dem Kompressorgehäuse sind beleuchtet und helfen wie die integrierte Lampe bei Dunkelheit. Folienhandschuhe verhindern schmutzige Finger. Auch das Komfortsystem „1-2-Go“ von Terra-S erreicht insgesamt gute Noten. Etwas weniger komfortabel, aber mit schneller Befüllung arbeitet das „Repair“-System von Premium Seal. Es presst das Dichtmittel mit Hilfe eines entzündlichen Aerosols aus einer separaten Gasflasche in den Reifen.

Es muss nicht immer das teuerste Pannenset sein

Im Gesamtergebnis reicht das empfehlenswerte Premium Seal-System nicht ganz an den Testsieger Conti heran, dafür kostet es mit 55 Euro nur gut die Hälfte. Fazit: Es muss nicht immer das teuerste Pannenset sein, aber einfache Sprays können zu wenig.

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